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Nexus 7 einbauen, rooten und fertig ist das Infotainment

23.09.2014 | 09:18 Uhr |

Statt beim Autohersteller viel Geld für das Car-Infotainment auszugeben, lässt sich ein Tablet-PC viel billiger selbst einbauen – mit einem speziell angepassten Nexus 7 ist das sogar recht einfach.

Mehrere Tausend Euro Aufpreis für modernes Infotainment im Neuwagen sind eher die Regel als die Ausnahme. Und selbst da ist man noch weit von den neuen Systemen Android Auto oder Apple Carplay entfernt, denn beides ist aktuell noch in keinem Fahrzeug verfügbar.

So stellt sich die Frage: Geht es nicht auch billiger, den Wagen mit Apps auszustatten und ins Netz zu bringen? Doch, genau das funktioniert, und zwar vergleichsweise einfach und günstig. Die Gesamtinvestition inklusive dem nagelneuem Tablet-PC Nexus 7 und allem Zubehör liegt bei maximal 300 Euro. Zudem lässt sich das Projekt vom mechanischen Einbau über die IT-Anpassungen bis zum elektrischen Anschluss in etwa einem Tag erledigen. Den Aus-, Ein- und Umbau inklusive allen Arbeiten und einer Einkaufsliste der benötigten Kleinteile finden Sie in unserem ausführlichen Workshop dokumentiert.

Rund 300 Euro inklusive eines neuen Nexus 7 kostet die Integration des Tablet-PCs ins Auto. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, denn damit kommen Tausende Apps in den Wagen.
Vergrößern Rund 300 Euro inklusive eines neuen Nexus 7 kostet die Integration des Tablet-PCs ins Auto. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, denn damit kommen Tausende Apps in den Wagen.

Nexus 7 mit Timur’s Kernel anpassen

Damit alles reibungslos funktioniert, ist neben dem Einbau selbst und dem elektrischen Anschluss an Bordnetz und Lautsprecher bzw. Verstärker noch eine spezielle Modifikation des Nexus 7 erforderlich. Denn das Tablet wird ja vollständig ins Armaturenbrett bzw. in die Mittelkonsole integriert, schließlich soll das Ganze ja nicht „gebastelt“ wirken. Weil damit aber die drei wichtigen Tasten für Ein/Aus, Leiser und Lauter an der Geräteseite verdeckt und somit unerreichbar sind, geht es nun ans Eingemachte: genauer an die Modifikation des installierten Android. Doch keine Sorge, auch das ist schnell erledigt.

Gelöst wird dies über ein modifiziertes System: „ Timur's Kernel for Nexus 7 “ fährt den Tablet PC im „Fixed Installation Mode“ (FI-Mode) automatisch herunter, wenn die USB-Stromversorgung ausgeschaltet wird. Umgekehrt startet es wieder selbstständig, sobald Strom anliegt. Da viele KFZ-Hersteller der ISO-Norm 10487 folgen und somit ein Kabel der Radiozuleitung mit Zündstrom belegen, bedeutet dies bei richtigem Anschluss: Sobald Zündung bzw. Motor gestartet werden, liegt Strom auf der USB-Buchse. Das angepasste Android startet das Nexus 7 und umgekehrt. Fehlt der Zündstrom am ISO-Stecker, hilft ein einfacher Schalter im Dauerstromanschluss als Start- und Stoppsignal.

Mit dem Windows-Programm „Nexus Root Toolkit“ lassen sich Nexus-Geräte relativ einfach rooten und mit einem alternativen Kernel bestücken.
Vergrößern Mit dem Windows-Programm „Nexus Root Toolkit“ lassen sich Nexus-Geräte relativ einfach rooten und mit einem alternativen Kernel bestücken.

Den Tablet-PC entsperren und rooten

Zum Aufspielen des neuen Kernels muss das Tablet gerootet werden, dies ist mit dem Nexus Root Toolkit unter Windows mit wenigen Mausklicks erledigt. Dazu schalten Sie auf dem Tablet über „Einstellungen -> Entwickleroptionen“ zunächst das „USB-Debugging“ ein (falls die „Entwickleroptionen“ fehlen, tippen Sie auf „Über das Tablet“ und siebenmal auf die „Android-Version“), verbinden es per USB-Kabel mit dem PC und starten dort das Root Toolkit. Wählen Sie das passende Tablet-Modell – beim aktuellen Nexus 7 ohne LTE den Eintrag „Nexus 7 v2 (Wi-Fi Tablet)“ – und darunter die installierte Android-Version. Die weiteren Aktualisierungen in den folgenden Schritten bestätigen Sie jeweils mit „OK“. Erst dann erscheint die eigentliche Programmoberfläche des Nexus Root Toolkit.

Hinweis: Das Rooten mit dem Nexus Root Toolkit ist einfach. Dennoch weisen wir darauf hin, dass Sie damit die Gerätegewährleistung verlieren, auch PC-WELT schließt jede Haftung aus. Unsere Videoanleitung erklärt das Rooten eines Nexus-Gerätes inklusive Installation der ADB-Treiber aber detailliert.

Vorsicht: Stimmen die Versionen des installierten Android und der Modifikationsdateien von Timur’s Kernel genau überein? Wenn nicht, muss der Flash-Vorgang abgebrochen werden.
Vergrößern Vorsicht: Stimmen die Versionen des installierten Android und der Modifikationsdateien von Timur’s Kernel genau überein? Wenn nicht, muss der Flash-Vorgang abgebrochen werden.

Alternative Mirrorlink: Smartphone-Inhalte auf dem Autoradio

Im nächsten Schritt ist der Bootloader des Nexus zu entsperren. Bevor Sie aber auf der Toolkit-Oberfläche gleich auf „Unlock“ klicken, empfiehlt sich eine Daten- und App-Sicherung („Backup -> Create Android Backup File“ mit den beiden „Include“-Optionen), denn beim Entsperren gehen alle Inhalte verloren.

Ist das Backup erfolgt, klicken Sie im Windows-Programm auf die „Unlock“-Schaltfläche und bestätigen die folgenden Hinweise. Das Tablet bootet mit dem „Unlock Bootloader“ neu. Hier wechseln Sie mit einer der Lautstärketasten auf „Yes, Unlock …“, drücken danach die Ein-Taste und warten, bis das Gerät erneut startet. Dazu noch ein Tipp: Nach dem Entsperren können Sie in der Toolkit-Software über „Backup -> Create Nandroid Backup“ sogar eine Komplettsicherung des gesamten Geräteinhalts durchführen.
Nun geht es ans eigentliche Rooten, dazu schalten Sie wieder das „USB-Debugging“ ein. Zurück am Windows-PC im Nexus Root Toolkit aktivieren Sie unter „Root“ die Option „Custom Recovery“ und drücken nun den „Root“-Button. Jetzt heißt es, ein paar Minuten Geduld zu haben, das Android-Tablet lädt die Root-Dateien und startet wieder neu.

Das Nexus Root Toolkit erlaubt unter Windows, ein gerootetes Tablet mit einer beliebigen Android-Version zu versehen: Im Beispiel mit der etwas älteren Version 4.4.2.
Vergrößern Das Nexus Root Toolkit erlaubt unter Windows, ein gerootetes Tablet mit einer beliebigen Android-Version zu versehen: Im Beispiel mit der etwas älteren Version 4.4.2.

Im letzten Schritt benötigen Sie „ Timur's Kernel “. Der Entwickler stellt die Daten gegen eine „Spende“ von 30 Euro zur Verfügung als Zip-Dateien zur Verfügung, die Sie im Nexus Root Toolkit unten links über „Launch -> File is on this computer/Flash zip -> Add zip’s to flash“ auf den Tablet-PC einspielen.

Wichtig ist an dieser Stelle: Kontrollieren Sie unbedingt, dass die Modifikationsdateien bis zur letzten Stelle zur installierten Android-Version auf dem Nexus passen. Ist dies nicht der Fall, klicken Sie auf keinen Fall auf den letzten Schritt „Confirm Operation“ – sonst kann Ihr Tablet unbrauchbar werden.

Auf der sicheren Seite sind Sie, wenn Sie vor dem Flashen ein Backup auf dem Tablet selbst anlegen. Das nämlich lässt sich auch dann zurückspielen, wenn es den Zugriff vom PC verweigert.Schalten Sie dazu das Nexus 7 aus und durch gleichzeitiges Drücken der Power- und der Leiser-Tasten wieder ein: Es startet im Bootloader-Modus. Hier wählen Sie über eine Lautstärketaste den „Recovery mode“ und bestätigen mit der Ein-Taste. Nun dauert es einen Augenblick, bis die TWRP-Oberfläche (Team Win Recovery Project) erscheint und Sie über „Backup“, Aktivieren aller Optionen und „Swipe to Back up“ die Sicherung erstellen.

Ein speziell für den Betrieb im Auto angepasster Kernel sorgt mit der PowerEventManager-App dafür, dass das Nexus abschaltet, sobald man Zündung und Motor abstellt.
Vergrößern Ein speziell für den Betrieb im Auto angepasster Kernel sorgt mit der PowerEventManager-App dafür, dass das Nexus abschaltet, sobald man Zündung und Motor abstellt.

Unterscheiden sich die Versionen, fragen Sie beim Entwickler nach den für Ihr Android passenden Zip-Dateien. Alternativ können Sie mit dem Nexus Root Toolkit über die Schaltfläche „Flash Stock + Unroot -> OK“ und Auswählen der passenden „Factory Image“ die richtige Android-Version aufspielen. Das Toolkit lädt und installiert diese auf dem Nexus 7, allerdings müssen Sie das Root-Prozedere danach nochmals wiederholen.

Ist das Tablet im Auto über das normale USB- oder das OTG-Ladekabel ans Autonetz angeschlossen, öffnen Sie die PowerEventManager-App, räumen ihr beim ersten Start Superuser-Rechte ein und aktivieren die beiden Optionen „Fast Charge in Host mode“ und „Firm Sleep“. Mit diesen Anpassungen ist das Nexus einbausatzbereit für den Autobetrieb, das Ein- und Ausschalten (Standby-Modus) mit dem Zündschlüssel bzw. dem separaten Stromschalter funktioniert ausgezeichnet.

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