1707744

Neuer WLAN-Standard bricht die Gigabit-Grenze

06.03.2013 | 10:26 Uhr |

Der kommende WLAN-Standard 802.11ac geht an den Start und will die Übertragungsgeschwindigkeit in Drahtlosnetzwerken in den Gigabit-Bereich katapultieren – mit Mehrantennen-Technik und Beamforming.

Egal, ob zu Hause oder im Büro: In der Netzwerk-Infrastruktur ist das WLAN zu einem Flaschenhals geworden: Der schnellste, aktuelle Standard 802.11n ist mit seiner maximalen Datenrate von 450 MBit/s gerade mal halb so schnell wie kabelgebundenes Gigabit-Ethernet vor zehn Jahren. Und die tatsächliche Geschwindigkeit ist unter realen Bedingungen, inklusive Störungen und der erforderlichen Fehlerkorrektur, gerade mal schneller als das Fast-Ethernet von 1995. Bei größeren Datenmengen, die bei der intensiven Verwendung von Cloud-Speicher oder beim Streaming von HD-Videos anfallen, reicht die Geschwindigkeit nicht mehr.

LAN Speed Test Lite 1.2: Die Freeware misst in einem Windows-Netzwerk die Übertragungsrate ganz unkompliziert mit dem Transfer von 20 MB Daten zwischen zwei PCs.
Vergrößern LAN Speed Test Lite 1.2: Die Freeware misst in einem Windows-Netzwerk die Übertragungsrate ganz unkompliziert mit dem Transfer von 20 MB Daten zwischen zwei PCs.

1.) Die nächste WLAN-Generation: 802.11ac
Drahtlosnetzwerke sind praktisch und günstig, da eine aufwendige Verkabelung entfällt – allein das ist ein enormer Vorteil und macht den Umstieg auf neue Standards einfach. Um für die künftigen Datenmengen gerüstet zu sein, braucht die WLAN-Technologie dringend ein Update, damit sie Funknetzwerke aus der Kriechspur holen kann. Genau das hat der kommende Standard 802.11ac vor, der Übertragungsraten im Gigabit-Bereich bietet. Angepeilt sind zunächst 1,73 GBit/s, was etwa der dreifachen Geschwindigkeit des aktuellen Standards 802.11n entspricht. Die Pläne gehen aber noch weiter: 802.11ac sieht unter idealen Bedingungen schon Übertragungsraten bis zu 6,93 GBit/s vor, wenn alle technischen Möglichkeiten des neuen Standards optimal ausgeschöpft werden.

WLAN-Tuning: Besser, stärker und schneller

Noch ist der Standard nicht komplett verabschiedet, obwohl die Hersteller auf eine schnelle Einführung drängen. Der Standardisierungsprozess obliegt dem IEEE (Institute of Electrical and Electronics Engineers), einem internationalen Berufsverband von Ingenieuren mit 400 000 Mitgliedern, und hier im Speziellen der IEEE-802.11-Arbeitsgruppe. Komplett sollen die Spezifikationen des neuen Funkstandards Anfang 2013 sein und die Verabschiedung des Standards könnte dann bis Ende des Jahres erfolgen. Wie beim Vorgänger 802.11n gibt es vor der Fertigstellung des Standards schon Chipsätze, die eine Vorabversion (Draft) zeigen. Seit dem Herbst 2012 sind Router von Netgear, Buffalo und Asus auf dem Markt, alle jeweils mit dem gleichen Chipsatz BCM4360 von Broadcom, um die zukünftige WLAN-Technik in einem frühen Stadium zu demonstrieren.

Für Messungen über einen längeren Zeitraum eignet sich das Freeware-Programm Netstress 2, das ebenfalls zwischen zwei Windows-PCs eine Verbindung aufbaut.
Vergrößern Für Messungen über einen längeren Zeitraum eignet sich das Freeware-Programm Netstress 2, das ebenfalls zwischen zwei Windows-PCs eine Verbindung aufbaut.

2.) Ausbruch aus dem engen Frequenzband
Das Rad muss 802.11ac nicht komplett neu erfinden. Stattdessen bedient sich Gigabit-WLAN in der Trickkiste der bekannten Techniken, die in der optimalen Kombination ordentlich Tempo machen. Außerdem muss die Funktechnologie in den erlaubten Frequenzbändern bleiben, um eine Zulassung zu bekommen. Dies ist für WLAN zum einen das „Junkband“ auf 2,4 GHz, in dem sich bereits viele Störsender tummeln, vom Babyphone bis zum Mikrowellenofen. Zum anderen gibt es allerdings noch eine weitere zugelassene Frequenz um 5 GHz. Die Standards 802.11a sowie 802.11n senden ebenfalls auf diesem Frequenzband. Das Band ist noch nicht überfüllt, zumal es erst seit dem Jahr 2002 in Europa für WLAN genutzt werden darf.

Während beim Vorgänger 802.11n Frequenzen um 5 GHz noch optional waren, nutzt 802.11ac ausschließlich dieses Band. Die krassen Nachteile wie zum Beispiel störende Mikrowellenöfen auf 2,4 GHz fallen weg. Allerdings liegt das Band in der Nähe von Wetterradar und Satellitenkommunikation. Für den zugelassenen Betrieb in Europa muss 802.11ac aus diesem Grund „Dynamic Frequency Selection“ (DFS) verwenden, um automatisch den Kanal zu wechseln, wenn auf einer verwendeten Frequenz ein anderer Sender entdeckt wurde. Der WLAN-Router prüft in regelmäßigen Checks, was sonst noch auf dem Kanal los ist, und wechselt bei Bedarf auf einen anderen Kanal. Dies ist nicht nur eine Vorschrift der Regulierungsbehörde Reg TP, sondern hilft auch dabei, automatisch dem störenden WLAN in der benachbarten Wohnung auszuweichen.

0 Kommentare zu diesem Artikel
1707744