08.08.2012, 11:14

Alexander Roth

Neuaufstellung

So kämpft Microsoft um die Zukunft

Microsoft CEO Steve Ballmer kündigt in Toronto die „neue Ära“ an. ©Fotograf/Alexander Roth

Für immer mehr Anwender spielen Windows- oder Office-Kompatibilität keine Rolle mehr. Ist die Ära des Mega-Konzerns Microsoft abgelaufen? Oder schafft Microsoft die Kehrtwende?
Erst kürzlich hat ein Manager aus der Konzernspitze von Microsoft bekannt gegeben, die hauseigene Office-Suite laufe nun „erstmals auf den Desktops von mehr als einer Milliarde Anwender“. Überprüfen lässt sich das zwar nicht, aber man stelle sich das einfach einmal vor. So wie in der Branche häufig gesagt wird, „jeder fünfte ist mittlerweile online“, gilt so eine Quote offensichtlich auch für die Produktreihe rund um  Word, Excel, PowerPoint und Co. Auf einem beachtlichen Anteil aller Rechner weltweit, quasi von Burma bis Alaska, findet sich der Konzern Microsoft wieder, und begegnet uns dabei nicht nur in Form eines im Hintergrund laufenden Betriebssystem, sondern vor allem in der Praxis des Alltags. Briefe schreiben, Abrechnen und Kalkulieren, Präsentationen erstellen, all das im Namen Microsofts.
Von dem Herumärgern damit und den übrigen Produkten aus dem Hause Microsoft abgesehen: Was soll für den Megakonzern eigentlich jetzt noch schief gehen, mit dieser Marktmacht im Rücken? Man mag meinen: Egal, was uns das digitale Zeitalter noch bringen wird, schreiben, rechnen und Präsentationen erstellen sind virtuelle Grundbedürfnisse, die Microsofts Office – im gewohnten Design - regelt. Dementsprechend wird die Nachfrage nach Produkten aus dem Hause Redmond niemals aufhören.
Dennoch gibt es etliche, die nicht daran glauben und gute Argumente haben zu behaupten, die Microsoft-Story neige sich so, wie sie aktuell läuft, dem Ende zu.

Die Grenzen der Microsoft-„Ich will alles“-Strategie

Natürlich lässt sich die Diskussion um Microsoft nicht auf Office und Windows reduzieren. Wer sich mit diesem Hersteller auseinandersetzt, muss so vieles berücksichtigen, schließlich bietet das Haus Software - und zunehmend auch Hardware - für jeden denkbaren Bereich des Privat- und Geschäftslebens. Und seit den späten Achtzigern gilt: Egal, welches Produkt Microsoft auf den Markt gebracht hat, die Neureleases und Änderungen haben stets einen beachtlichen Anteil der Computernutzer weltweit betroffen, im Positiven wie im Negativen. Man musste sich anpassen, so wie der Prophet eben zum Berg kommt und nicht umgekehrt. Doch gilt das auch noch für die Zukunft?

Zur Übersicht: So sieht Microsofts aktuelle Produktwelt aus

Betriebssysteme für PCs und Notebooks (Windows 7, XP), Betriebssysteme für Server, ein Betriebssystem für Mobilgeräte (Windows Phone), Betriebssysteme und Werkzeuge für Entwickler (Windows Server & Azure), lokal installierbare und Cloud-Anwendungen fürs Büro und den PC-Alltag, Serverlösungen für Mail, Kommunikation und Unternehmensanwendungen (Office365, Share Point, Lync, Exchange), Skype, Warenwirtschaftssoftware &  Kundenbeziehungs-Anwendungen ( Dynamics ERP & CRM - je auch als Cloud-Version), Dienste zur Virtualisierung und Migration von Software (Hyper-V), Spielekonsolen (Xbox & Kinect), Sicherheitssoftware für PCs und Netzwerke (Forefront), Hardware (Mäuse & Headsets), Systemwartungs- und Rechenzentrumslösungen (System Center), eine Internet-Suchmaschine (Bing) und sogar eine jüngst zugekaufte Socialmedia-Plattform für Firmen (Yammer).
In dem immens breiten Portfolio finden sich eine Menge Erfolgsstorys, dabei sind aber auch Projekte, wo es dem Konzern weniger um Erfolg ging als darum, Wettbewerbern Marktanteile zu nehmen, und es auch sind einige Tiefflieger in Punkto Nachfrage dabei. Doch eines fehlt: Das reine Lifestyle-Erlebnis für den Anwender. Bis auf Microsofts Erlebnis-Spielekonsole „Xbox Kinect“, die gestengesteuertes Spielen ermöglicht und eine der größten Erfolgsgeschichten im Hause Microsoft der letzten Jahre ist – sind alle genannten Produkte mit einer Bodenständigkeit und Ernsthaftigkeit verbunden, die nicht wenige Marktbeobachter immer für gefährlich erachtet haben.

Kaufentscheidung für Windows 7

Nehmen wir exemplarisch das aktuelle Betriebssystem Windows 7 und versetzen uns in den Blickwinkel eines Privatanwenders. Schon beim ersten Einrichten wird ihm schnell klar: Das System ist hier das Mittel zum Zweck und ist weniger ein Medium, um ihm ein digitales positives Erlebnis zu vermitteln. Anwender erhalten eine sachliche - und an vielen Stellen leider nur gefühlte Kontrolle - über Verzeichnisse, Daten, Anwendungen und Zugriffsberechtigungen. Lifestyle dagegen steht in der aktuellen Windows- und Microsoftwelt im Hintergrund, die reine Funktionsstärke, die aber teilweise mit aufwendigen Lernprozessen verbunden ist, steht dagegen im Vordergrund.
Dabei geht es gar nicht darum, Betriebssysteme von Microsoft mit den Gegenprodukten der Wettbewerber zu vergleichen. Die Wahrheit ist viel einfacher: Das klassische Client-Betriebssystem selbst ist bei den Kaufentscheidungen für einen Computer längst in den Hintergrund gerückt, im Vordergrund stehen dagegen Erwartungen an das Gerät. Im aktuellen Betriebssystem erfüllt Windows solche Erwartungen nur kaum. Entsprechend schrumpfen Absatzzahlen klassischer Desktop-PCs – ein Markt in dem Microsoft-Systeme Oberhand haben - dagegen erfreuen sich Produkte zunehmender Beliebtheit, die Mobilität, Lifestyle, „Plug and Play“ und überraschende „Cloud-Erlebnisse“ versprechen. Bedienung per Fingertipp, das Loslegen gleich nach dem Kauf, integrierte Apps, die automatisiert mit dem Internet sprechen, simpelstes Einrichten von E-Mailing und unmittelbare und visuelle Vernetzung mit Freunden, Kollegen und Gleichgesinnten, sind Beispiele.
Und die Büroanforderungen, wie schreiben, rechnen und Präsentationen erstellen? Keine Frage: Wenn das Gerät oder der zugehörige Verkäufer/Fürsprecher gute Argumente haben, warum das jeweilige Gerät auch mittels einer der zunehmenden Alternativen zu MS Office diese und weitere klassische  Office-Anforderungen erfüllt, ist „Word“ oder „Excel“ kein entscheidendes Kaufkriterium mehr. Die Erfolgsgeschichte des iPad ist Beweis genug.
Natürlich kann man die weiterhin bestehende Nachfrage nach Microsofts Office nicht von der Hand weisen, alleine mit dem Blick darauf, wie viele Menschen allein die Office-Suite aus dem Hause Redmond beispielweise auf ihren Macbook integriert haben. Dennoch: Immer wichtiger wird der Anspruch, dass Hardware und Software bestmöglich aufeinander abgestimmt sind, etwa wenn die Touchfunktionen eines Geräts oder die Funktionstasten perfekt die zugehörigen Anwendungen kennen. Bei Windows 7 Tablets sucht man solch ein Versprechen in der Regel vergeblich.
Hier wird Microsoft die eigene Firmengeschichte zum Verhängnis: Der Konzern liefert seine Betriebssysteme traditionell über Hardware-Partner aus, auch ein eigenes Mobiltelefon, das aus einem Guss aus dem eigenen Hause kommt, gehört bislang nicht zum Portfolio des Konzerns. Das heißt natürlich nicht, dass Windows-Geräte von Dell, HP, Toshiba, und Co deshalb per se weniger funktionstüchtig als die des Wettbewerbs sind. Doch um Lifestyle und Innovation zu liefern, sind solche Entwicklungsmodelle nicht ideal.
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