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Do-it-yourself: Netzwerk-Kabeltester im Eigenbau

24.09.2016 | 10:22 Uhr |

Das Netzwerk streikt und guter Rat ist teuer. Schnelle Fehlersuche ist angesagt. Doch was ist, wenn man keinen Kabelprüfer zur Hand hat? Eine Stunde Bastelei sorgt für Abhilfe.

Eigentlich sollte ja ein guter Admin über einen Werkzeugkasten zur Netzwerkdiagnose und Reparatur verfügen. Tut er auch, wenn es um Fehler auf Protokoll-Ebene geht. Denn dafür bringt nahezu jedes Betriebssystem die passenden Tools mit, angefangen vom Ping-Befehl bis hin zur Möglichkeit, eine statische Routing-Tabelle zu definieren. Und in der Tat sind diese Software-Werkzeuge meist die ersten Hilfsmittel, wenn es um Fehlersuche geht. Sie lassen Rückschlüsse darauf zu, ob der DHCP-Server arbeitet, ein bestimmter Rechner online ist oder auch, an welcher Stelle ein Datenpaket hängen bleibt. Dann greift der Admin meist zu den typischen Sofortmaßnahmen: Server neu starten, Router und ggf. managebare Switches rebooten. Wenn das nicht hilft und das Problem nicht durch Software-Probleme verursacht wird, dann geht es langsam ans Eingemachte.

Siehe auch: Netzwerk-Probleme systematisch lösen

Erweiterte Fehlersuche

Hat man erst einmal die Vermutung, dass die Fehlerursache auf Hardware-Ebene liegen könnte, dann ist womöglich Detektivarbeit angesagt. Zunächst sollte man allerdings sicherstellen, dass nicht kurz vor Auftreten des Problems Hand-oder Heimwerker mit dem Bohrhammer durch das Gebäude marodiert sind; womöglich hat man dann nämlich sehr schnell den Grund gefunden, aus dem keine Daten mehr fließen – allerdings ist das auch der Grund, den man allerwenigsten braucht: ein angebohrtes Installationskabel in der Wand. Und dann steht vielleicht sogar noch das zugehörige Patchfeld eine Etage höher, weshalb gleich 50 Meter Kabel neu zu ziehen sind. Geht man allerdings mal von einem weniger dramatischen, aber auch weniger offensichtlichen Fehler aus, so ist nun etwas Akribie gefragt.

Der elektrische Aufbau des Testers ist extrem simpel
Vergrößern Der elektrische Aufbau des Testers ist extrem simpel

Typischerweise, weil am einfachsten zu überprüfen, beginnt man mit den Kabeln und hier mit den LEDs am Switch. Leuchten sie und wenn ja, welche Übertragungsgeschwindigkeit wird angezeigt? Stellt man hier Fehler fest, kann man entweder auf Verdacht Kabel tauschen oder diese überprüfen. Dazu gibt es Kabeltester. Dumm nur, wenn man gerade keinen zur Hand hat. Mit ein paar Teilen aus der Restkiste ist so etwas aber schnell selbst gebaut, „quick and dirty“, aber funktional. Man benötigt eine Netzwerk-Aufputzdose mit zwei Ports, acht LEDs, ein USB-Kabel und etwas Netzwerk-Installationskabel.

1. Löcher bohren

1. Löcher bohren
Vergrößern 1. Löcher bohren

Zunächst werden in den Deckel der Dose acht Löcher für die LEDs gebohrt. Wenn es schnell gehen muss, darf es auch etwas ungleichmäßig werden.

2. Kathodenseiten überbrücken

2. Kathodenseiten überbrücken
Vergrößern 2. Kathodenseiten überbrücken

Sind die LEDs platziert, werden in jeweils einer Reihe mit dem Kathoden-Beinchen einer LED die Kathodenseiten der anderen LEDs der Reihe überbrückt.

3. Kathoden-Beine mit Lot fixieren

3. Beine mit Lot fixieren
Vergrößern 3. Beine mit Lot fixieren

Die Kathoden-Beine werden auf beiden Reihen mit etwas Lot fixiert.

4. Brücke zwischen die Kathodenreihen löten

4. Brücke zwischen die Kathodenreihe löten
Vergrößern 4. Brücke zwischen die Kathodenreihe löten

Anschließend wird eine Brücke zwischen die Kathoden beider Reihen gelötet und außerdem die schwarze Minus-Litze eines aufgetrennten USB-Kabels hier verlötet.

5. Netzwerkbuchse bestücken

5. + 6. Netzwerkbuchsen bestücken
Vergrößern 5. + 6. Netzwerkbuchsen bestücken

Dann wird zunächst die eine Netzwerkbuchse mit jeweils etwa 10 cm langen Stücken des Installationskabels bestückt.

6. Zweite Buchse bestücken

Mit der anderen Netzwerkbuchse verfährt man anschließend ebenso.

7. Lose Kabelenden verlöten

7. Lose Kabelenden verlöten
Vergrößern 7. Lose Kabelenden verlöten

Die losen Kabelenden der einen Buchse werden nun mit jeweils einem Anoden-Beinchen jeweils einer LED verlötet. Dabei hilft es, die Pin-Belegung der Buchse nach irgendeinem beliebigen, aber nachvollziehbaren System auf die LEDs zu übertragen.

8. Zweite Buchse verlöten

8. Zweite Buchse verlöten
Vergrößern 8. Zweite Buchse verlöten

Anschließend werden die Kabelenden der zweiten Buchse alle miteinander verdrillt und dann mit dem Plus-Kabel des USB-Kabels verlötet. Idealerweise isoliert man die Stelle mit Schrumpfschlauch.

9. Testlauf erfolgt

9. + 10. Testlauf erfolgt
Vergrößern 9. + 10. Testlauf erfolgt

Nun kann der Testlauf erfolgen: Dafür ein Patch-Kabel in beide Buchsen stecken und dann den USB-Stecker an ein Netzteil oder den PC anschließen. Ist alles in Ordnung, dann sollten alle LEDs leuchten.

10. Kabel testen

Nach dem abschließenden Zusammenbau ist der Tester einsatzbereit. Leuchten nun beim Prüfen eines Kabels eine oder mehrere LEDs nicht, spricht das für ein defektes Patch-Kabel.

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