21.05.2012, 09:43

Peter Stelzel-Morawietz

Netzneutralität

Internet-Provider bremsen VoIP und Tauschbörsen gezielt aus

Wer bisher schon vermutete, dass nicht alle Daten im Internet gleich behandelt würden, sieht sich bestätigt. Eine Studie zeigt, dass ein Großteil der europäischen Internet-Provider Internet-Telefonie und P2P gezielt drosselt. ©©iStockphoto.com/123render

Wer bisher schon vermutete, dass nicht alle Daten im Internet gleich behandelt würden, sieht sich bestätigt. Eine Studie zeigt, dass ein Großteil der europäischen Internet-Provider Internet-Telefonie und P2P gezielt drosselt.
Netzneutral ist das nicht! Viele Telekommunikationsanbieter überwachen den Datenverkehr ihrer Kunden systematisch durch Deep Packet Inspection und bremsen Voice over IP (VoIP) und Downloads über Tauschbörsen gezielt aus. Das hat eine Befragung unter mehr als 400 Telekommunikationsanbietern in Europa ergeben, die das Gremium Europäischer Regulierungsstellen für elektronische Kommunikation (Berec) von Dezember 2011 an durchgeführt hat, wie der vorabveröffentlichte Zwischenbericht ausweist . Begründet wird dies vielfach mit Sicherheitsbedenken, Integritätsaspekten und oder der Spam-Kontrolle.
Im Festnetz sind danach vor allem die Inhalte von Tauschbörsen über Peer 2 Peer und das Streamen von Videos betroffen, beim mobilen Datenverkehr darüber hinaus das Telefonieren über das Internet. In vielen Mobilfunkverträgen ist das Telefonieren über Skype oder andere VoIP-Anbieter ohnehin vertraglich untersagt, über das Ausmaß technischer Blockaden ist aber bisher wenig bekannt.
Netzneutralität wankt
Noch sind die endgültigen Ergebnisse und der Abschlussbericht nicht veröffentlicht, das soll im Laufe des zweiten Quartals 2012 erfolgen. Doch die Debatte um Netzneutralität hat die Vorabbilanz erneut angeheizt – nicht zuletzt auch durch die politischen Erfolge der Piratenpartei. Dabei geht es insbesondere um die Frage, ob zur Wahrung der Netzneutralität eine gesetzliche Regelung auf deutscher oder sogar auf europäischer Ebene erforderlich ist, wie sie kürzlichin den Niederlanden beschlossen wurde.
Die Befürworter der Netzneutralität argumentieren, dass ohne ein Gesetz bestimmte Daten diskriminiert würden. Insbesondere die Netzbetreiber, also die großen Telekommunikationsanbieter wittern dagegen ein zusätzliches Geschäft, wenn sie den Datenverkehr steuern können. Ihrer Meinung nach müssten insbesondere solche Unternehmen, die für besonders viel Last im Web verantwortlich sind, auch zahlen: Also beispielsweise Google für sein Internet-Filmportal YouTube – oder aber auch Privatpersonen, die besonders große Datenmengen herunterladen.
Die vorliegende Untersuchung hat nun deutlich gemacht, dass die Netzneutralität längst der Vergangenheit angehört. Dabei hatte die Deutsche Telekom nach Beschwerden in der Vergangenheit versprochen, YouTube-Filme zu beschleunigen. Momentan aber ist es in der Politik um das Thema Netzneutralität ziemlich still geworden, auch die europaweite Internet-Initiative „Respect My Net“, die Provider bloß stellen soll, die den Online-Zugriff beschränken, hat in Deutschland wenig Zulauf. Das heißt aber nicht, dass die Debatte nicht schnell wieder an Fahrt gewinnen kann: Das Ergebnis des Prozesses ist dabei völlig offen.
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