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NAS für zentralen Datenzugriff, Backup und Owncloud

18.10.2014 | 09:31 Uhr |

Eine Netzwerkfestplatte dient als zentraler Speicher im Heimnetzwerk. Stimmt, doch diese namengebende Funktion ist mittlerweile nur eine von vielen. PC-WELT erklärt, was eine NAS sonst noch alles kann.

Die Bezeichnungen Netzwerkfestplatte oder kurz NAS für Network Attached Storage weisen noch auf den Ursprung hin. Doch mittlerweile leisten die Geräte viel mehr, als nur zentral im Heimnetzwerk Daten zu speichern. Über Sicherung und Backup hinaus bestücken die Hersteller ihre Speichergeräte mit einem erweiterten Rechtemanagement, so dass jeder Benutzer genau die Zugriffs- und Ausführungsrechte bekommt, die ihm zugewiesen werden. Zudem fungieren die NAS-Stationen als Streaming-Server für Videos, Musik und Bilder. Über die permanente Internet-Anbindung eignen sie sich mit der Owncloud-Software als Alternative zu Google Drive, Dropbox und Co. Hinzu kommen diverse weitere Funktionen wie das Drucken im Netzwerk mit einem USB-Drucker ( Printserver ), das Herunterladen ohne PC, Fernsehen über das Netzwerk, Videorekorderfunktion und und und.

All diese Einsatzszenarien erklärt der zweiteilige PC-WELT-Ratgeber. Dieser erste Teil widmet sich der automatischen Datensicherung im Netzwerk sowie der Datensynchronisation inklusive der erwähnten eigenen Cloud-Lösung. Im zweiten Teil stehen das Medienstreaming im Heimnetzwerk einschließlich der Weitergabe des Live-Fernsehsignals, die genauen Zugriffsrechte auf Daten und Ordner sowie weitere Einsatzszenarien im Vordergrund.

Die mit Abstand größten Anbieter von NAS-Festplatten sind QNAP (links im Bild das Modell TS-220) sowie Synology (rechts das Modell DS211j).
Vergrößern Die mit Abstand größten Anbieter von NAS-Festplatten sind QNAP (links im Bild das Modell TS-220) sowie Synology (rechts das Modell DS211j).
© Synology/QNAP

NAS-Festplatten: viele Hersteller, zwei Marktführer

Nun ist die Auswahl an NAS-Geräten riesig, vom einfachen 1-Schacht-Laufwerk ab 50 Euro bis zur vielen Tausend Euro teuren Station mit acht oder noch mehr Festplatten. Jeder Hersteller setzt dabei auf seine eigene Server-Software, so dass eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für alle Modelle bzw. Hersteller keinen Sinn macht.

PC-WELT beschränkt sich an dieser Stelle deshalb auf die beiden mit großem Abstand wichtigsten NAS-Hersteller, QNAP und Synology . Beide Anbieter haben mehr als 100 unterschiedliche Netzwerkfestplatten im Sortiment, die jeweils mit der gleichen Geräte-Software laufen und für die es deshalb auch die meisten Zusatzprogramme gibt. Nachvollzogen und beschrieben wird alles anhand der 2-Schacht-Modelle TS-220 von QNAP für gut 200 Euro ohne Datenträger und dem schon mehr als zwei Jahre alten Modell DS-211j von Synology. Auch das lässt sich aber nach wie vor auf die aktuelle Version der Geräte-Software DiskStation Manager aktualisieren, aktuell die brandneue DSM-Version 5.0 .

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Zu Beginn steht neben dem Einbau der Festplatten ins Leergehäuse die Administration, die einmalig etwa eine halbe Stunde Zeit in Anspruch nimmt. QNAP bietet dazu das Tool QFinder , Synology seine Assistent-Software . Die weitere Einrichtung lässt sich danach über die NAS-Konfigurationsoberfläche im Browser erledigen, die über das jeweilige Tool nach dem Einloggen über das Administratorkonto erscheint. 

Personal Backup ist ein leistungsfähiges Tool zur Datensicherung, das auch Netzlaufwerke unterstützt und sich deshalb gut zum Sichern auf und von NAS-Geräten eignet.
Vergrößern Personal Backup ist ein leistungsfähiges Tool zur Datensicherung, das auch Netzlaufwerke unterstützt und sich deshalb gut zum Sichern auf und von NAS-Geräten eignet.

Backup: Die automatische Datensicherung

Bei mehreren PCs im Netzwerk bietet sich die Netzwerkfestplatte als separater Datenträger fürs Backup geradezu an. Umgekehrt lassen sich die Daten von der NAS auch auf einem Heimcomputer sichern.

Die Datensicherung von den lokalen PC-Festplatten können Sie mit Personal Backup vornehmen, das Sie auf Ihrem Windows-Computer installieren. Nach Setup und Programmstart klicken Sie auf „Auftrag konfigurieren“, lassen oben die Option „Windows-Ordner“ aktiv und definieren als Ziel einen Ordner auf der Netzwerkfestplatte. Die zu sichernden Verzeichnisse legen Sie rechts fest, das kann eine gesamte Partition sein genauso wie beliebige Ordner, die Sie über „Zu Auftrag hinzufügen“ dem Sicherungsauftrag zuordnen.

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So weit die Grobzuordnung, denn Personal Backup bietet über die Optionen „Alle außer den markierten“ und „Nur die markierten“ sowie über die Dateitypen, Filter und Zeitstempel die Möglichkeit, die zu sichernden Daten exakt zu definieren. Im Register „Auto-Backup“ rechts bestimmen Sie zudem, wie oft und über die „Einstellungen“ darunter wie gesichert werden soll. Zum Abschluss vergeben Sie dem Backup-Auftrag eine aussagekräftige Bezeichnung, den Rest erledigt das Tool in Zukunft selbstständig.

Wenn Sie Personal Backup auf diese Weise auf allen PCs im Heimnetzwerk einrichten, dient die Netzwerkfestplatte als zentrales Backup-Medium.

Gegenseitige Datensicherung in beide Richtungen

Umgekehrt empfiehlt es sich, auch wichtige und zentral auf der NAS gespeicherte Daten auf einem anderen Datenträger zu sichern, beispielsweise auf einer externen USB-Festplatte. Die meisten NAS-Geräte bieten dazu einen oder mehrere USB-Anschlüsse, so dass man den externen Datenträger ohne Umweg über den PC direkt am NAS anschließen kann.

Für die Datensicherung von der Netzwerkfestplatte erstellen Sie über das „Neu“-Icon links oben einen neuen Backup-Auftrag, bei dem Sie als Ziel diesmal die USB-Festplatte und bei der Datenauswahl die zu sichernden Ordner auf dem NAS-Speicher festlegen. Da das Backup großer Datenmengen längere Zeit dauern kann, lässt sich nach dem manuellen Starten eines Sicherungsauftrags einstellen, ob der PC nach Abschluss ausgeschaltet oder in den Ruhezustand versetzt werden soll. Schränkt das Backup Sie an Ihrem PC aufgrund der Ressourcenbelastung zu sehr beim Arbeiten ein, reduzieren Sie rechts unten die „Backup-Priorität“ auf „Niedrig“ oder „Sehr niedrig“.

Datensynchronisierung und Owncloud

Neben dem zentralen Datenzugriff und Backup lässt sich die Netzwerkfestplatte zur Datensynchronisation verwenden – ganz ohne die begrenzten Cloud-Speicher wie bei Dropbox und Co.

Die Begrifflichkeiten gehen beim Synchronisieren etwas auseinander: Während Synology von Cloud spricht und damit Synchronisieren meint, nennt QNAP die gleiche Funktion Qsync , stuft sie aber als noch im Beta-Stadium ein. Die Synchronisierungsfunktion ist also „offiziell“ längst nicht bei allen NAS-Geräten Standard, wenngleich auch ohne diese stets die Möglichkeit besteht, die Synchronisierung über eine Software wie Free File Sync und einen gemeinsamen NAS-Ordner von den Windows-Rechnern vorzunehmen.

NAS als Laufwerk im Windows-Explorer

Qsync von QNAP synchronisiert beliebige Daten zwischen verschiedenen PCs und der Netzwerkfestplatte des Herstellers, Synology bietet eine ähnliche Funktion.
Vergrößern Qsync von QNAP synchronisiert beliebige Daten zwischen verschiedenen PCs und der Netzwerkfestplatte des Herstellers, Synology bietet eine ähnliche Funktion.

Bei QNAP loggen Sie sich über die Konfigurationsoberfläche ein und klicken auf „Qsync (Beta) -> Windows“, um den Windows-Client herunterzuladen und zu installieren. Beim ersten Programmstart geben Sie einmalig Ihre Zugangsdaten ein und legen den Synchronisationsordner auf dem PC fest. Alles was Sie in dieses Verzeichnis kopieren, gelangt nicht nur automatisch in das Qsync-Verzeichnis der Netzwerkfestplatte, sondern auch – sofern das Tool auch auf anderen PCs im Heimnetzwerk läuft – auf diese.

Bei Synology funktioniert der selbstständige Datenabgleich ähnlich, nach Setup und Aktivieren der „Cloud Station“ aus dem Paketzentrum des Netzspeichers ist auch hier mit der gleichnamigen Cloud Station für Windows ein Desktopprogramm zu installieren. Der Rest funktioniert analog, eine genaue Anleitung finden Sie beim Hersteller .

Owncloud muss erst manuell hinzugefügt und geladen werden, anschließend steht es bei Synology in der Community-Rubrik auf der Netzwerkfestplatte zur Verfügung (rechts unten).
Vergrößern Owncloud muss erst manuell hinzugefügt und geladen werden, anschließend steht es bei Synology in der Community-Rubrik auf der Netzwerkfestplatte zur Verfügung (rechts unten).

Owncloud: überall auf die eigene NAS zugreifen

Der Nachteil der NAS-eigenen „Cloud“ ist, dass man nur aus dem eigenen Netzwerk auf diese Daten zugreifen kann. Dieses Manko lässt sich mit dem Owncloud-Projekt beseitigen, einer 2010 gegründeten Alternative zu kommerziellen Cloud-Diensten. Owncloud lässt sich aber nicht nur auf einem Windows-Server oder über ein Hosting-Paket installieren, sondern auch auf den Netzwerkspeichern von QNAP und Synology. Den Zugriff auf die eigenen Daten gestattet die Client-Software vom Windows-, Linux- oder Apple-Rechner, vom mobilen Gerät die Owncloud-Apps für Android und iOS. Gegenüber den Online-Cloud-Speichern bietet Owncloud auf der eigenen NAS mehr Sicherheit gegen das Mitlesen und zudem viel mehr Speicherplatz.

So richtigen Sie die Owncloud bei den Synology-Geräten ein: Aktivieren Sie im NAS-Konfigurationsmenü in „Systemsteuerung -> Webanwendungen“ die Option „Web Station aktivieren“. Anschließend laden Sie über das „Paket-Zentrum -> Einstellungen -> Paketquellen -> Hinzufügen“ als „Quelle“ ein passendes Owncloud-Paket aus, das per Google-Suche schnell zu finden ist, z.B. hier . Nun steht der Owncloud-Installer im „Paket-Zentrum -> Community“ zur Verfügung, von wo Sie ihn mit allen Voreinstellungen installieren. Im letzten Schritt starten Sie Owncloud über die App-Sammlung, richten ein Administratorkonto ein und schließen die Einrichtung ab.

Anmelden bei Owncloud ist sowohl vom Computer mit Windows, Linux oder vom Mac möglich als auch von mobilen Endgeräten: Apps gibt es für Android und iOS.
Vergrößern Anmelden bei Owncloud ist sowohl vom Computer mit Windows, Linux oder vom Mac möglich als auch von mobilen Endgeräten: Apps gibt es für Android und iOS.

Für den Fernzugriff auf die NAS richten Sie den Fernzugriff ein, bei Synology am einfachsten über das vorbereitete „QuickConnect“ im Konfigurationsmenü über die Systemsteuerung. Sobald Sie sich dort mit einem Account registriert und angemeldet haben, erscheint der individuelle Adresslink Ihres Gerätes. Über diesen können Sie über das Internet von überall auf die Netzwerkfestplatte zugreifen.

Für den Owncloud-Zugriff benötigen Sie auf dem PC den Windows-Client , unter Android und iOS nutzen Sie die Owncloud-Apps. Als Serveradresse geben Sie im Client Ihren Link an, gefolgt vom Zusatz „/owncloud“. Nach dem Anmelden erhalten Sie so Zugriff auf Ihre Daten.

Installation und Anwendung von Owncloud ist auch für die Netzwerkfestplatten anderer Hersteller gut dokumentiert, hier hilft die hersteller- bzw. modellspezifische Suche weiter. Zudem bietet Owncloud selbst ausführliche Anleitungen für die Client-Software und die Server-Einrichtung.

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