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Muss das sein? Mobile Kultur(Banausen)

09.11.2015 | 13:50 Uhr |

Mobiles Internet, Smartphones, ständige Erreichbarkeit, Reizüberflutung und das Vergessen elementarer, gesellschaftlicher Gepflogenheiten – muss das sein?

Vorweg: Die Segnungen des mobilen Internets sind wunderbar. Sinnvoll eingesetzt ersetzt kann ich mit meinem Smartphone nahezu alles erledigen, wofür ich früher in meinem Büro sitzen musste. Auch im privaten Bereich möchte ich mein Smartphone nicht mehr missen. Doch es hat Grenzen. Grenzen, über die sich so manche Mitmenschen in letzter Zeit geflissentlich hinwegsetzen. Doch der Reihe nach...

Samstagabend, München Gasteig, klassisches Konzert. Gediegene Stimmung, Vorfreude auf einen schönen Abend, Kultur halt. Der Gong ertönt, das Gemurmel der Zuschauer wird leiser und das Licht gedimmt. Auftritt der Musiker, Applaus, das Konzert beginnt, die beste aller Ehefrauen und ich beginnen sich zu entspannen und lauschen dem Orchester. Zeitgleich neben uns: Ein Pärchen zückt seine Smartphones – eines links, eines rechts. Getuschel, Gekicher, lustige Bildchen werden gezeigt. Das helle Display stört mich und ich will auch nicht wissen, was Uschi gerade witziges geschickt hat, ich will mich entspannen. Ein paar Minuten später: Handy hoch Display an, Facebook checken. Gekicher, Tuscheln. WhatsApp vibriert. Muss natürlich beantwortet werden. Ruhig Brauner… Danach Hoffnung: Die Smartphones bleiben – bis auf einen Check des Aktienportfolios inklusive Diskussion, welche Anteilsscheine denn nun eine Investition wert seien – ausgeschaltet. Nur um Missverständnissen vorzubeugen: Ich lausche nicht, aber die Unterhaltungen waren nicht zu überhören.

Pause.
Durchatmen.
Weiter geht’s.

Licht aus. Smartphone an. Argh! Offenbar war eine knappe Stunde mit reduziertem Mobilkonsum zu viel für meine Nachbarn. Denn zum zweiten Teil des Konzerts (das nicht unbedingt schlecht ist) haben sich meine Nachbarn dazu entschieden, sich nur noch mit ihren Smartphones zu beschäftigen. Zeit also, mit meiner mir gegebenen, bajuwarischen Gelassenheit für Ordnung zu sorgen. Nach einem kurzen Hinweis, dass er gefälligst sein deppertes Handy ausschalten soll, oder es anderenfalls von der Galerie in den Orchestergraben fallen wird – und er gleich hinterher – blieben die Geräte tatsächlich ausgeschaltet. Naja zumindest wurde es danach so gehalten, dass ich nicht mehr geblendet wurde.

Dieses Beispiel, das sich tatsächlich so zugetragen hat, macht mich traurig. Oder besser: Betroffen. Ist es denn so schwer, sich für zwei Stunden fallen zu lassen und ein Konzert zu genießen, ohne auf das allgegenwärtige Smartphone-Display starren zu müssen? Überall - so scheint es – greifen derartige Mobil-Belästiger um sich. Ob im Kino (ja die leuchten ganz toll im Dunklen..), Konzertsälen oder vielen anderen Orten, an denen man einfach einen ruhigen, netten Abend verbringen möchte, piept, blinkt oder tippt es, dass man meinen möchte, die gute Kinderstube sei nur noch ein Relikt längst vergessener Zeiten. Vielleicht kann sich der moderne Homo Mobiliensis auch gar nicht mehr vorstellen, dass es Situationen gibt, bei denen er andere mit seinem Smartphone-Wahn nur noch nervt.

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