Harte Konkurrenz: Apple, Amazon und Google bieten das Überall-Streaming der eigenen Musik aus der Cloud – zum Teil völlig kostenlos. ©iStockphoto / Kutberk Kargin
Der Musikmarkt wird derzeit wieder einmal heftig durchgerüttelt: Der neue Trend nach den Streaming-Diensten wie Spotify und Co ist die eigene Musik-Cloud. Google Music ist völlig kostenlos, ein Affront gegen Apple und Amazon.
Keine Frage, die Online-Dienste zum Streamen von Musik sind ungemein praktisch: Für knapp zehn Euro im Monat kann man bei Spotify, Simfy, Rdio und Co so viel Musik hören, wie man möchte. Zudem ist das Repertoire mit 15 bis 20 Millionen Songs riesig. Was angesichts dieser Auswahl zunächst nicht nach viel klingt, summiert sich im Jahr doch auf immerhin fast 120 Euro.
„Warum soll ich aber für etwas zahlen, was ich ohnehin schon besitze?“, fragen sich die alldiejenigen, die überwiegend die eigene Musiksammlung hören.
Die Antwort auf diese Frage hat Apple schon im Dezember 2011 gegeben: Für knapp 25 Euro pro Jahr lassen sich in
iTunes Match sämtliche bei Apple gekaufte sowie 25.000 eigene Songs in der Apple-Cloud ablegen und – den Internet-Zugriff vorausgesetzt – von überall hören. Neun Monate später hat Amazon hierzulande mit seinem
Amazon Cloud Player de facto das Gleiche gestartet. Der Preis ist beim US-Buchhändler mit 24,99 Euro fast identisch, allerdings speichert Amazon bei diesem Premium-Abo nicht mehr „nur“ 25.000 Songs, sondern die zehnfache Zahl, also 250.000.
Google Music bietet das Gleiche, kostet aber keinen Cent
Und nun das: Google bietet all das seit kurzem ebenfalls in Deutschland an, verlangt für die Nutzung von
Google Music aber keinen Cent. Dafür lassen sich zwar ebenfalls „nur“ 20.000 Titel speichern und wieder abspielen, doch dies entspricht immerhin einer Datenmenge von fast 150 GByte auf der Festplatte. Außerdem gilt das Kontingent nur für die eigene Musik. Alben und Songs dagegen, die man im Play Store von Google gekauft hat, werden bei den 20.000 Titeln nicht mitgezählt.
Noch nicht ganz so weit ist Microsoft. Zunächst hat der US-Software-Konzern Mitte Oktober 2012 mit
Xbox Music einen Streaming-Dienst für die firmeneigene Spielekonsole gelauncht, wenige Tage später stand Xbox Music dann auch unten den neuen Betriebssystemen Windows 8 und Windows RT zur Verfügung.
Der Streaming-Dienst von Microsoft ist vollkommen kostenlos – zumindest in den ersten sechs Monaten, wie das
Kleingedruckte im Web einschränkt. Wer mehr will, zahlt auch mehr: nämlich 9,99 US-Dollar monatlich. Dafür gibt es – derzeit nur in den USA – den Xbox Music Pass, mit dem man ebenfalls eigene Songs in die Microsoft-Cloud hochladen und mit Windows 8, Windows Phone 8 oder der Xbox überall anhören kann. Apps für Android und iOS wird es frühestens 2013 geben.
Automatische Erkennung: „Scan and Match“ macht den Unterschied
Doch es gibt noch einen entscheidenden Unterschied, weshalb Xbox Music beim Vergleich mit
iTunes Match, Google Music und dem Amazon Cloud Player das Nachsehen hat. Das ist die automatische Titelerkennung in der eigenen Musiksammlung. Alle erkannten Songs werden sofort zum Hören freigegeben, ohne dass die Musikdateien in die Cloud hochgeladen werden müssen. Wollte man nämlich tatsächlich die Datenmenge von 150 GByte, die etwa 20.000 Musikstücken entsprechen, mit der bei DSL üblichen Upload-Bandbreite von einem MBit pro Sekunde hochladen, würde mehr als zwei Wochen dauern – also keine ernstzunehmende Alternative.
Bei Amazon, Apple und Google ist dies nicht nötig, weil alle drei Dienste die automatische Erkennung integriert haben. Bei Apple trägt dem schon die Bezeichnung
iTunes Match Rechnung, bei Amazon scannt der im
Cloud Player integrierte Music Importer die Musiksammlung auf der Festplatte daheim und bei Google übernimmt dies der
Music Manager.
In der Praxis zeigt die automatische Erkennung bei keinem der drei getesteten Dienste ein einheitliches Bild. Manche Songs werden blitzschnell erkannt, bei anderen dauert das Matching seine Zeit und wieder andere Lieder müssen tatsächlich in die Cloud geladen werden – häufig fehlt hier vermutlich schlichtweg die Lizenz für die Wolke. Der Upload nimmt bei einem Stück von vier Minuten Länge und einer Datengröße von acht MByte mit einer DSL-Leitung gut eine Minute in Anspruch.
Unterschiede im Detail und Fazit
An der Qualität gibt es wenig zu mäkeln. Apple und Amazon stellen die Musik in der Cloud mit einer Bitrate von 256 KBit/s zur Verfügung, Google konvertiert Songs in den Formaten AAC, FLAC und Ogg Vorbis sogar in MP3-Dateien mit 320 KBit/s Bandbreite. Bei Apple und Amazon lässt sich zudem die Qualität der eigenen Musik aufbessern, indem man zunächst die eigene Sammlung abgleicht, dann die lokalen Dateien löscht und anschließend mit höherer Bitrate wieder aus der Cloud herunterlädt und erneut abspeichert. Bei Google gelang uns dies im Test nicht. Das Handling ist bei Amazon allerdings ziemlich umständlich, weil man für alle Aktionen gleich mehrere Tools benötigt.
Deutliche Unterschiede existieren schließlich bei den Abspielmöglichkeiten. Googles neuer Musikdienst läuft im Browser, für Android-Geräte existiert die
native App Google Play Music, auf iOS-Gerät muss man sich mit Apps von Drittanbietern helfen: zum Beispiel
gMusic,
GoMusic oder der App for
Google Music Free ebenso wie auf Handys mit Windows Phone mit der
App Gooroovster.
Musik aus der Amazon Cloud lässt sich außer im Browser in Apps für iOS und Android sowie auf den firmeneigenen Kindle Fire Tablets abspielen. Der Apple-Dienst schließlich ist naturgemäß auf iTunes und die eigenen, mobilen Geräte beschränkt. Bei all dem muss es aber nicht bleiben. Insbesondere Hardware-Player wie Webradios lassen sich prinzipiell per Firmware-Update mit der einen oder anderen Streaming-Funktion nachrüsten.
Fazit: Die eigene Musik-Cloud ist vom Ansatz her aus zwei Gründen richtig. Zum einen möchte niemand für etwas doppelt bezahlen. Die Streaming-Dienste wie Spotify, Simfy und Co mit einer monatlichen Gebühr von zehn Euro machen fürs Hören der eigenen Musiksammlung einfach keinen Sinn. Zum Zweiten ist der Speicherplatz gerade auf mobilen Geräten meist knapp. Dank Streaming aus der Wolke hat man die eigene Musiksammlung immer dabei – eine schnelle Internet-Verbindung und eine ausreichend große Daten-Flatrate vorausgesetzt.
Google Music: kostenlose Musik-Cloud
Die Musik in der Cloud lässt sich bei Google Music auch lokal speichern, um sie beispielsweise unterwegs ohne Internet-Verbindung hören zu können.
Google Music: kostenlose Musik-Cloud
Die Musik in der Cloud lässt sich bei Google Music auch lokal speichern, um sie beispielsweise unterwegs ohne Internet-Verbindung hören zu können.
Automatische Titelerkennung der Musiksammlung
Google Music erkennt wie seine Konkurrenten von Apple und Amazon die eigene Musik, so dass nicht alle Musikdateien tatsächlich in die Cloud hochgeladen werden müssen.
Amazon Cloud mit eigenen 250.000 Songs.
Wie bei Google Music und iTunes Match von Apple: Der "Music Importer" in Amazons Cloud Player erkennt die eigene Musiksammlung und lädt nur das hoch, für das die Lizenzen fehlen.
Umständlich: mehrere Tools bei Amazon
Das Handling in der Amazon Cloud ist etwas mühsam, weil für den Import, das Abspielen und Herunterladen mehrere Programme erforderlich sind.
iTunes Match: Vorreiter Apple
Apple war mit iTunes Match Ende 2011 der erste Anbieter, der seinen Kunden das Auslagern der eigenen Musiksammlung in die Cloud offerierte.
Apple Cloud nur in iTunes
iTunes Match lässt sich nur in iTunes auf dem PC oder Mac sowie natürlich auf den mobilen iOS-Geräten nutzen, also auf dem iPhone, iPod und iPad.
Streaming-Dienst im Webradio
Einige Hardware-Player, darunter Webradios und Systeme zum Verteilen der Musik in der Wohnung, sind in der Lage, Musik von Streaming-Diensten oder aus der eigenen Cloud abzuspielen.
Reinhören in der Musikabteilung
Noch gibt es sie, die klassische CD-Abteilung, in der man vor dem Kauf in die Musik reinhören kann. Doch das Anspielen der Titel bieten auch viele Online-Portale und Musik-Shops wie Amazon.
Alternative I: Streaming-Dienst Rdio
Der Streaming-Dienst Rdio bietet eine breite Unterstützung mobiler Geräte: Neben Android und iOS stehen Apps für Blackberry-Geräte und Smartphones mit Windows Phone 7 zur Verfügung.
Alternative II: Streaming-Dienst Spotify
Spotify ist in Deutschland erst im März 2012 und damit vergleichsweise spät gestartet. Inzwischen steht der Name schon für die ganze Music-on-Demand-Branche.