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Software lässt Multikern-CPUs im Stich

08.05.2008 | 10:40 Uhr |

Das Mooresche Gesetz über die permanente Leistungssteigerung moderner Prozessoren gilt nach wie vor, doch wie gut kann die Software dafür mithalten?

Der Begriff 'Parallel Processing' ist fast so alt wie der erste Mikroprozessors durch Intel, doch richtig aktuell wird das Thema erst jetzt. Der Grund: Neue Prozessorgenerationen kommen grundsätzlich mit mehreren Kernen auf dem Markt und haben zumindest theoretisch die Möglichkeit, mehrere Tasks gleichzeitig abzuarbeiten. Doch momentan sind sie weitgehend auf sich selbst gestellt, um diese Parallelität zu erreichen. Das Gros der Software nimmt noch immer keine Rücksicht auf die neuen CPU-Fähigkeiten.

"Es gibt für solche Prozessoren keine adäquaten parallelen Programmiersprachen", stellt Siegfried Benkner, Leiter des Instituts für Scientific Computing der Universität Wien, nüchtern fest, und beschreibt damit die grundlegende Schwierigkeit. Die meisten bisherigen Ansätze würden versuchten lediglich, sequenzielle Programmiersprachen zu erweitern. Als ein Beispiel nennt er den OpenMP-Standard. "Solche Ansätze sind nötig, um alte Programme effizient adaptieren zu können", meint Benkner.

Der IT-Industrie ist dieses Problem bewusst, doch wie steht um die Lösungen? Immerhin haben Intel und Microsoft sich jetzt der Hilfe einer US-amerikanischen Eliteuniversität bedient. An die University of California at Berkeley wurde, wie die Fachzeitung "Electronic Engineering Times" meldete, jetzt ein mit zwei Millionen Dollar über fünf Jahre dotierter Forschungsauftrag vergeben. Die universitären IT-Experten sollen Programmiertechniken entwickeln, die die Potenziale von Multikern-Prozessoren ausnutzen. Nach den bislang vorliegenden Informationen soll noch eine zweite Eliteinstitution in den USA Fördermittel zur Entwicklung von Multi-Core-CPU-Programmiertechniken erhalten.

Heute bieten Intel und AMD CPUs mit bis zu vier Rechenkernen an. Auch Sun Microsystems und IBM haben entsprechende Angebote im Portfolio. Allerdings sind die Entwicklungen schon wesentlich weiter. Intels Forschungslabor in Braunschweig etwa arbeitet an einer Architektur mit 80 Rechenkernen. Experten gehen davon aus, dass es künftig Prozessoren mit mehreren hundert Rechenkernen geben wird. Dazu könnten einzelnen Cores Spezialaufgaben zugewiesen werden, zu denen beispielsweise die Abarbeitung dreidimensionaler Grafiken zählen könnte.

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