2114820

Die beste Drohne für jeden Einsatzzweck finden

09.09.2015 | 10:48 Uhr |

Drohnen bzw. Multicopter sind kleine, via Fernbedienung oder Smartphone/Tablet ferngesteuerte Fluggeräte. Doch hier gibt es große Unterschiede in Qualität, Preis und Einsatzzweck. Welche Drohne es überhaupt gibt und welche sich für was eignet, klären wir in diesem Artikel auf.

Während der Ursprung der unbemannten Flugobjekte beim Militär zu suchen ist, sind sie mittlerweile auch für Privatleute und sogar für Firmen interessant – natürlich in einem deutlich kleineren Maßstab.

Der Grund ist simpel, denn die Multicopter sind vielseitig einsetzbar: So überwachsen sie Firmengelände, entdecken Baufehler an Gebäuden und ersetzen teure Helikopterflüge in Filmproduktionen. Außerdem macht das Fliegen einfach Spaß – vor allem durch die leichte Steuerung auch per Smartphone und Tablet.

Wo, wie und unter welcher Voraussetzung darf ich Drohnen starten?

Multicopter für Einsteiger und Profis

Einsteiger: Im Hobby-Bereich sind vor allem die Quadrocopter gefragt, also Drohnen mit vier Rotoren. In der Mitte sitzt eine Art Pilotenkapsel, in der der Akku sowie die ausgefeilte Technik wie verschiedene Sensoren und Antennen sitzen – wobei diese in den teureren Geräten deutlich leistungsstärker ist als in den günstigen Varianten.

Einfache Flugmodelle gibt es bereits zwischen 30 und 70 Euro zu kaufen. Sie sind etwa so groß wie ein Handteller und wiegen unter 100 Gramm. Hier geht es einfach um den Spaß am Fliegen. Die Geräte bewegen sich nach allen Seiten. Manche Modelle beherrschen Loopings. Sie sind sehr wendig und teilweise mit LEDs ausgestattet, damit sie bei schlechten Sichtverhältnissen erkennbar bleiben. Ihre Akkus reichen für etwa sieben bis neun Minuten Flugzeit. Hersteller solcher Drohnen sind beispielsweise ACME, Hubsan und JJRC.

Luftaufnahmen: Drohnen mit integrierten Kameras sind die nächste Stufe des Fluggenusses – vor allem ein Feature für Fotografen und Videofilmer für besonders tolle Luftaufnahmen. Selbst viele der Einstiegsvarianten im Miniformat nehmen die Gegend aus der Luft auf oder eine Cam ist zumindest nachrüstbar. Die Bilder lassen sich auf einer Speicherkarte ablegen und nach dem Flug am Rechner ansehen.

Solche Modelle sind ab 100 Euro zu haben und nehmen Videos bis HD-Qualität bei 30 Bildern pro Sekunde auf. Wer hochauflösende Videos in Full-HD möchte, muss dementsprechend auch tiefer in die Tasche greifen - so werden schnell mal 500 Euro fällig. Vor allem Parrot hat sich in diesem Segment einen Namen gemacht. Das aktuelle Modell „Bebop Drone“ besitzt hochwertige Sensoren sowie eine Full-HD-Cam. Außerdem lässt sie sich via Smartphone oder Tablet steuern, auf das sie in Echtzeit das aufgenommene Bild überträgt – und natürlich auch aufnimmt und speichert.

Der Phantom 3 Professional von DJI gehört zu den ersten Multicopter, die Videos in 4K aufnehmen – der Preis für das Profi-Modell ist mit 1400 Euro dementsprechend hoch.
Vergrößern Der Phantom 3 Professional von DJI gehört zu den ersten Multicopter, die Videos in 4K aufnehmen – der Preis für das Profi-Modell ist mit 1400 Euro dementsprechend hoch.
© DJI

Mit dem Copter DJI Phantom 3 Professional sind sogar 4K-Videoaufnahmen mit 30 Bildern pro Sekunde möglich. Außerdem bringt er sämtliche Sensoren für ein ruckelfreies Bild mit, was den Preis nach oben treibt. So kostet die Professional-Version rund 1400 Euro in der Anschaffung, dafür bekommen Sie allerdings auch ein Profi-Gerät.

Actioncam-Einsatz: Reicht Ihnen die Qualität der eingebauten Kameras nicht aus, benötigen Sie einen Multicopter ohne Kamera – wie etwa Modelle aus der Phantom-Reihe von DJI. Die Drohnen bringen eine Aufhängung mit, in die sich hochwertige Action-Cams wie die GoPro einsetzen lassen. Die Kamera befindet sich unterhalb der Drohne. Zwei Bügel sorgen dafür, dass die Kamera bei der Landung nicht zu Schaden kommt. Wie die anderen Drohnen auch sind die Phantom-Modelle fertig zusammengebaut. Sie lassen sich über eine Fernbedienung steuern und streamen die Bilder auf das Mobilgerät.

An die Fernbediendung des DJI-Multicopters können Sie ein Tablet befestigen, das die Videoaufnahmen der Drohne in Echtzeit anzeigt – First Person View!
Vergrößern An die Fernbediendung des DJI-Multicopters können Sie ein Tablet befestigen, das die Videoaufnahmen der Drohne in Echtzeit anzeigt – First Person View!
© DJI

First Person View: Stark im Kommen und eher für Profis interessant, ist der First Person View (FPV). Dabei überträgt die Kamera, die an der Drohne hängt, das Bild in Echtzeit auf ein passendes Endgerät wie ein Smartphone oder Tablet – so machen es beispielsweise aktuelle Modelle von Parrot und DJI. Noch interessanter ist allerdings der Einsatz einer VR-Brille, die Sie als Pilot tragen. Dabei überträgt etwa die DJI Phantom 3 ihr Bild sogar in HD-Auflösung, vorher war maximal SD möglich, bis zu einer Entfernung von rund 1,6 Kilometer bei gleichbleibend niedriger Latenz – laut Hersteller.

Den First Person View beherrschen allerdings nur hochpreisigen Geräte, günstige Modelle beschränken sich oft auf das reine Fliegen.

Drohnensteuerung per Smartphone

Die AR Drones von Parrot steuern Sie komplett via Smartphone oder Tablet. Zudem überträgt die Drohne das Kamerabild direkt auf die Geräte.
Vergrößern Die AR Drones von Parrot steuern Sie komplett via Smartphone oder Tablet. Zudem überträgt die Drohne das Kamerabild direkt auf die Geräte.

Neben einer klassischen Funkfernbedienung lassen sich viele Flugkörper auch per WLAN vom Smartphone oder Tablet-PC aus kontrollieren. Zum Steuern neigen Sie das Mobilgerät in die entsprechende Richtung. Die Drohne kopiert die Bewegung. Populäre Freizeitgeräte mit WLAN-Steuerung sind beispielsweise die AR Drones von Parrot. Zur Steuerung dienen die kostenlosen Apps AR.FreeFlight und FreeFlight (Download unter www.pcwelt.de/k_UzBj und www.pcwelt.de/5RZj24 . Die Kontrolle per App ist einfach. Per Fingertipp starten Sie die Drohne. Danach steht sie quasi selbständig in der Luft.

Das Justieren der Rotationsstärke und Ausbalancieren der Drohne passieren automatisch. Die einfache Steuerung erleichtert Flugmanöver wie Loopings.

Wo, wie und unter welcher Voraussetzung darf ich Drohnen starten?

Ausblick: Nutzdrohnen für die Zukunft

Abgesehen vom Hobbyfliegen erregen die unbemannten Flugobjekte Aufsehen durch ganz neue Einsatzmöglichkeiten. An die Drohne als Paketlieferant glauben Amazon, die Deutsche Post DHL und UPS. Sie forschen verstärkt an der Paketauslieferung per Drohne. Auf diese Weise sollen entlegene Gegenden erschlossen werden oder eilige Produkte wie Arzneien schnell zum Kunden gelangen.

Seit März 2015 darf Amazon offiziell Drohnen in den USA testen, dem hat die US-amerikanische Bundesluftfahrtbehörde FAA zugestimmt. Die Testphase ist aber an Bedingungen geknüpft: So darf die Drohne maximal rund 120 Meter hoch fliegen und nicht schneller als etwa 160 km/h unterwegs sein. Zudem muss sie sich ständig im Sichtfeld des Piloten befinden.

Paketzustellung per Drohne: Auch die Deutsche Post arbeitet an einem „Postkopter“ für besonders eilige Zustellung. Der abgebildete Quadrocopter hat bereits einige medienwirksame Flugstunden hinter sich.
Vergrößern Paketzustellung per Drohne: Auch die Deutsche Post arbeitet an einem „Postkopter“ für besonders eilige Zustellung. Der abgebildete Quadrocopter hat bereits einige medienwirksame Flugstunden hinter sich.
© DHL

Der Dienst soll Amazon Prime Air heißen und im Idealfall das Paket 30 Minuten nach der Bestellung beim Kunden absetzen. Zum Einsatz kommen sollen Octocopter mit acht Propellern und derzeit etwa 16 Kilometern Aktionsradius. Wann der Dienst startet, ist jedoch noch nicht bekannt – das könnte selbst in den USA noch einige Jahre dauern. Auch die Deutsche Post DHL unterhält ein Forschungsprojekt zum Thema Drohnen. Der Paketkopter gehört zu den ersten Ergebnissen. Auch DHL testet fleißig: So gibt es beispielsweise Transportflüge im Rahmen einer Eil- und Notfallversorgung vom Festland auf die Nordseeinsel Juist.

Eine Mischung aus Satellit und Drohne ist der Strato Bus, der unter der Federführung französischer Unternehmen entwickelt wird. Das Flugobjekt soll in einer Höhe von etwa 20 Kilometern in der Stratosphäre die Erde umrunden und dabei Überwachungsfunktionen etwa von Staatsgrenzen ausführen. Gleichzeitig könnte er GPS-Netzengpässe in Stoßzeiten überbrücken. Der Strato Bus soll 70 bis 100 Meter lang und 20 bis 30 Meter breit sein. Er erzeugt seine Energie aus Solarzellen und ist darauf ausgelegt, fünf Jahre in Betrieb zu bleiben. Bis zum ersten Einsatz sollen noch vier bis fünf Jahre vergehen.

Miet-Drohnen: Drohnen zum Mieten sind derzeit noch ein Projekt, das unter der Bezeichnung „Gofor“ läuft. Die Macher stellen sich vor, dass für jede Gelegenheit ein Flugobjekt zur Verfügung steht. Science-Fiction? Wollen Sie nur schnell wissen, ob der Strand voll ist, oder benötigen Sie Begleitung in einem dunklen Teil der Stadt? Dann rufen Sie künftig per Smartphone eine Drohne. Skeptiker sehen schon jede Menge Flugobjekte in der Luft herumschwirren. Fragen nach Genehmigung und Sicherheit sind derzeit noch ungelöst. Dazu ist ein gemeinsames User-Interface noch nicht gefunden, das jeder Kunde auch gleich gut bedienen kann. Geht die Entwicklung jedoch so rasant weiter, wird es wohl nicht mehr lange dauern, bis wir Drohnen als fliegende Dienstleister rufen.

Auch Google und Facebook interessieren sich für unbemannte Drohnen. Sie wollen damit das Internet in entlegene Gebiete bringen, für die ein Netzausbau über Land zu teuer wäre. Im Frühjahr 2014 gelang Google dabei ein Übernahmecoup: Das Unternehmen kaufte Titan Aerospace, einen Drohnenhersteller aus New Mexico, an dem auch Facebook interessiert war. Die Drohnen dieses Unternehmens sind so groß wie eine Boing 767 und solarbetrieben. Sie sollen fünf Jahre in einer Höhe von 19 Kilometern unterwegs sein und eine Flügelspannweite von 50 Metern haben. Facebook wiederum hat sich den britischen Drohnenentwickler Ascenta einverleibt, der auch an Drohnen mit Solarbetrieb arbeitet. Beim Netzaufbau über Flugobjekte sind sie beiden Unternehmen Konkurrenten, die eine jeweils eigene Infrastruktur aufbauen wollen. Bis hier etwas Greifbares herauskommt, gehen sicher noch einige Jahre ins Land.

Drohnen

Rotatoren

Flugzeit

Kamera

First Person View

Gewicht

Preis

Webseite

DJI Phantom 3

4

23 min

12 MP / 4K

ja

1280g

1399 Euro

www.dji.com

DJI Inspire 1

4

18 min

12,7 MP / 4K

ja

2935g

3599 Euro

www.dji.com

Parrot Bebop

4

11 min

14 MP / Full-HD

ja

400g

499 Euro

www.parrot.com

Airdog

4

10 - 20 min

GoPro (nachrüstbar)

nein

1850g

1295 USD

www.airdog.com

Hexo+

6

13 min

GoPro (nachrüstbar)

nein

980g

1299 USD

www.hexoplus.com

LilyCamera

4

20 min

12 MP / Full-HD

nein

1300g

499 USD

www.lily.camera

Selbstfliegende Multicopter & Selfie-Drohnen

Drohnen und Mulitcopter müssen längst nicht mehr aktiv gesteuert werden, mittlerweile fliegen die kleinen Flugobjekte dank ausgefeilter Kameratechnik sogar völlig selbstständig. Intel präsentierte dazu beispielsweise den Hexacopter Firefly mit über 6 Realsense-Kameras. Hergestellt wird er von der deutschen Firma Asctec. In Echtzeit analysiert die Drohne die Daten der Kameraaufnahmen, um etwa auf Objekte und Hindernisse zu reagieren. Intel zeigte zur CES 2015 ein Video, in dem die Drohne autonom durch einen Wald fliegt und den Bäumen ausweicht. Dank der Realsense-Technik könnte sie sogar in geschlossenen Räumen selbstständig fliegen.

Diese Technik würde sich hervorragend für den nachfolgenden Einsatz eignen, in dem Drohnen für Selfie-Aufnahmen eingesetzt werden. Bislang brauchen Sie hierfür einen freien Luftraum, sonst würde die Drohne nicht lange in der Luft bleiben.

Selfie-Drohnen sind sozusagen klassischen Multicopter, die allerdings nicht aktiv von einem Menschen gesteuert werden, sondern selbstständig fliegen und dabei die Kamera ständig auf eine bestimmte Person richten.

AirDog bietet mit dem gleichnamigen Selfie-Copter eine Drohne an, deren Luftposition zum Empfänger genau einstellen können, in der sie dem Objekt folgt. Besonders interessant sind etwa Action-Aufnahmen von Radtouren in der Landschaft oder Wüstenausritten mit dem Quad. Die Drohne richtet die Kamera stets auf das entsprechende Objekt und verfolgt dieses. Die AirDog-Drohne kostet derzeit in der Vorbestellung 1295 US-Dollar.

Die LilyCamera will keine Drohne sein, sie ist eher eine fliegende Kamera, da sie nicht aktiv gesteuert werden kann – sie fliegt dafür selbstständig dem „Empfänger“ hinterher und filmt diesen.
Vergrößern Die LilyCamera will keine Drohne sein, sie ist eher eine fliegende Kamera, da sie nicht aktiv gesteuert werden kann – sie fliegt dafür selbstständig dem „Empfänger“ hinterher und filmt diesen.
© LilyCamera

Nicht als Drohne, aber als fliegende Kamera versteht sich die Lily Camera, denn sie kann nicht aktiv gesteuert werden. Sie werfen die kleine „Drohne“ einfach in die Luft und sie fängt selbstständig an zu fliegen und richtet dabei ihre 12-Megapixel-Kamera auf Sie. Videos nimmt sie in Full-HD auf. Derzeit für Vorbesteller reduziert kostet die fliegende Kamera 499 statt 999 US-Dollar.

0 Kommentare zu diesem Artikel
2114820