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Multiboot: Windows neben Linux installieren - so geht's

28.07.2015 | 12:25 Uhr |

Alle aktuellen Linux-Distributionen unterstützen die Installation mehrerer Systeme auf einem PC. Die Verfahren sind – abhängig von der Hardware – jedoch unterschiedlich.

Auf einem PC lassen sich beliebig viele Betriebssysteme einrichten, solange der Platz auf der Festplatte dafür ausreicht. Es sind etliche Varianten möglich. Sie können mehrere Linux-Systeme installieren und daneben noch diverse Windows-Versionen. Danach wählen Sie das System, das gerade am besten für eine bestimmte Aufgabe geeignet ist, etwa ein Linux zum sicheren Surfen und Arbeiten und ein Windows für Spiele oder die Steuererklärung.

1. Vorbereitungen für Multiboot

Bevor Sie loslegen, erstellen Sie ein Backup wenigstens der persönlichen Dateien und Einstellungen. Legen Sie sich außerdem passende Rettungs- und Wiederherstellungs-Tools bereit. Wie Sie die Linux-Bootumgebung bei Bedarf reparieren, beschreiben wir „Booten im Notfall“ und „Grub-Reparaturen“ . Das ist auch immer dann nötig, wenn Sie Windows nach Linux installieren.

Windows-Nutzer benötigen eine Windows-Installations-DVD oder einen bootfähigen USB-Stick mit einem Reparatur-System. Unter Windows 8 und 10 legen Sie ein Wiederherstellungslaufwerk an, indem Sie Win-R drücken, recoverydrive.exe eintippen, auf „OK“ klicken und dann den Anweisungen des Assistenten folgen.

Optimal ist die Installation zusätzlicher Betriebssysteme auf einer zweiten Festplatte im PC. Die Installationen lassen sich so besser getrennt halten. Ein zweites oder drittes Linux-System lässt sich auch auf einem USB-Laufwerk einrichten (-> Punkt 5).

Auf Uefi-PCs installieren Sie auch Linux im Uefi-Modus. Für Multiboot muss im Biosmodus eine Option wie „Uefi and Legacy“ aktiviert sein.
Vergrößern Auf Uefi-PCs installieren Sie auch Linux im Uefi-Modus. Für Multiboot muss im Biosmodus eine Option wie „Uefi and Legacy“ aktiviert sein.

Platz schaffen: Sollte sich nur eine Partition auf Ihrer Festplatte befinden, aber noch genügend Platz frei sein, lassen sich Partitionen verkleinern und dann weitere Partitionen erstellen. Linux-Distributionen wie Ubuntu bieten das bei der Installation im Setup-Programm an. Ist auf dem PC bisher nur Windows installiert, verkleinern Sie die Partition am besten in Windows über die Datenträgerverwaltung („diskmgmt.msc“). Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf die gewünschte Partition, und wählen Sie im Menü „Volume verkleinern“. Alternativ verwenden Sie Parted Magic .

Welches Linux ist das Richtige?

Bios und Uefi: Neuere PCs und Notebooks besitzen eine Uefi-Firmware (Unified Extensible Firmware Interface), und Windows 8 und 10 sind immer im Uefi-Modus auf einer GPT-Partition vorinstalliert (GUID Partition Table). Sollen mehrere Systeme auf die gleiche Festplatte, müssen Sie alle im Uefi-Modus installieren. Auf einer zweiten Festplatte können Sie auch eine herkömmliche MBR-Partition verwenden (Master Boot Record).

Damit die Installation reibungslos abläuft, müssen Sie einige Einstellungen im Bios/Firmware-Setup des PCs ändern. Ins Setup kommen Sie direkt nach Einschalten des PCs meist über Tasten wie Entf, Esc oder F2. Bei neueren Uefi-PCs mit vorinstalliertem Windows 8 oder 10 klicken Sie im Anmeldebildschirm rechts unten auf das Ausschaltknopf-Symbol, halten die Shift-Taste gedrückt und klicken auf „Neu starten“. Es erscheint ein Menü, in dem Sie auf „Problembehandlung -> Erweiterte Optionen -> Uefi-Firmwareeinstellung“ gehen und dann auf „Neu starten“ klicken.

Deaktivieren Sie bei Windows 8 den Schnellstart. Sie haben sonst von Linux aus keinen Zugriff darauf, oder das Dateisystem wird beschädigt.
Vergrößern Deaktivieren Sie bei Windows 8 den Schnellstart. Sie haben sonst von Linux aus keinen Zugriff darauf, oder das Dateisystem wird beschädigt.

Im Bios-Setup müssen Sie die Bios-Emulation „CSM Support“ (Compatibility Support Module) „Uefi with CSM“ oder „Legacy Boot“ aktivieren, damit sich Systeme auch im Bios-Modus starten und installieren lassen (-> Punkt 2). Wenn Sie nur im Uefi-Modus installieren möchten (-> Punkt 3), darf die Option auch auf „Uefi Only“ oder ähnlich gesetzt sein. Schalten Sie außerdem „Secure Boot“ ab, das in Multiboot-Umgebungen oft Probleme bereitet. Deaktivieren Sie außerdem Optionen wie „Fastboot“, sonst funktioniert die USB-Tastatur wahrscheinlich nicht, wenn Sie von einer DVD booten. Bei der Gelegenheit können Sie auch gleich die Bootreihenfolge so einstellen, dass der PC primär von DVD oder USB-Stick bootet .

Linux neben Windows 8 oder 10: Schalten Sie unter diesen Windows-Versionen den hybriden Standby-Modus ab. Ist dieser aktiv, verweigern neuere Linux-Systeme den Zugriff auf die Windows-Partition, während ältere bei Schreibzugriffen eventuell das Windows-Dateisystem beschädigen. Dazu entfernen Sie unter „Systemsteuerung -> Energieoptionen -> Auswählen, was beim Drücken des Netzschalters geschieht“ das Häkchen vor „Schnellstart aktivieren (empfohlen)“ und klicken auf „Änderungen speichern“. Sollte die Option ausgegraut sein, klicken Sie auf „Einige Einstellungen sind momentan nicht verfügbar“.

Der Setup-Assistent bietet „Ubuntu neben Windows 8 installieren“ an, wenn er eine Windows-Installation auf der Festplatte findet.
Vergrößern Der Setup-Assistent bietet „Ubuntu neben Windows 8 installieren“ an, wenn er eine Windows-Installation auf der Festplatte findet.

2. Linux neben Windows im Bios-Modus

Windows benötigt mindestens eine Partition auf der Festplatte, Linux standardmäßig zwei: eine für das System und eine für die Swap-Partition. Für die Parallelinstallation von Linux ist eine zweite Festplatte optimal.

Installationsmedium: Wir verwenden für diesen Artikel Ubuntu 15.04, die Installation verläuft jedoch bei allen Ubuntu-Varianten ähnlich.

Installation im Bios-Modus: Booten Sie den PC von einem mit Unetbootin erstellten Installations-Stick . Eventuell müssen Sie die Bootreihenfolge im Bios-Setup (-> Punkt 1) umstellen oder das Bootmenü des Bios aufrufen. Wählen Sie das gewünschte Linux über die DVD-Oberfläche aus, für unser Beispiel Ubuntu 15.04.

Auf dem Ubuntu-Desktop starten Sie das Setup mit dem Link „Ubuntu 15.04 installieren“. Wählen Sie als Sprache „Deutsch“ aus und klicken Sie auf „Weiter“. Setzen Sie Häkchen vor „Aktualisierungen während der Installation herunterladen“ und „Software von Drittanbietern installieren“ (für MP3-Unterstützung), und klicken Sie auf „Weiter“. Danach gibt es folgende Möglichkeiten:

1. Windows belegt die komplette Festplatte: Wählen Sie im Fenster „Installationsart“ die Option „Ubuntu neben Windows 8 installieren“. Nach einem Klick auf „Weiter“ zeigt Ihnen das Setup-Programm die vorgeschlagene Partitionsaufteilung. Ziehen Sie mit der Maus die Linie zwischen den Partitionen an eine andere Position, um die Aufteilung zu verändern. Klicken Sie auf „Jetzt installieren“.

2. Im PC steckt nur eine Festplatte, und darauf gibt es eine freie Partition: Wählen Sie „Ubuntu neben Windows 8 installieren“ und klicken Sie auf „Jetzt installieren“. Es erscheint eine Übersicht mit den Partitionen, die das Setup-Programm neu anlegen und formatieren wird. Prüfen Sie diese Angaben, damit nicht versehentlich die falschen Partitionen gelöscht werden. Bestätigen Sie mit „Weiter“.

3. Es gibt eine zweite leere Festplatte: Das Fenster „Installationsart“ bietet die Option „Festplatte löschen und Ubuntu installieren“. Nach einen Klick auf „Weiter“ wählen Sie die zweite Festplatte aus und klicken auf „Jetzt installieren“. Auch hier prüfen Sie die Auswahl sorgfältig, damit die Windows-Partition nicht gelöscht wird – es sei denn, Sie wollen Windows durch Linux ersetzen.

4. Benutzerdefiniert installieren: Den Bootloader erstellt das Setup-Programm bei allen zuvor beschriebenen Optionen in jedem Fall auf die Bootfestplatte. Das ist komfortabel und an sich kein Problem, erschwert aber die spätere Deinstallation. Deshalb ist es besser, den PC vorübergehend nur mit der neuen leeren Festplatte zu starten. Eine Alternative ist, im Setup-Assistenten „Etwas Anders“ zu wählen und dann die Linux-Partitionen manuell anzulegen, sinngemäß wie unter -> Punkt 4 beschrieben.

Bei „Gerät für die Bootloader-Installation“ geben Sie die Festplatte an, auf der Sie Linux installieren wollen. Wer häufig mit anderen Systemen experimentiert, kann auch einen USB-Stick als Ziellaufwerk angeben.

Starten Sie den PC nach Abschluss der Installation neu. Es begrüßt Sie der Bootmanager Grub, über den Sie Linux oder Windows starten. Wenn sich der Bootloader auf einer zweiten Festplatte oder dem USB-Stick befindet, booten Sie den PC von diesem Gerät.

Ubuntu erkennt Windows auch im Uefi-Modus. Bei der Parallelinstallation entsteht ein neuer Eintrag im Bootmenü der Firmware.
Vergrößern Ubuntu erkennt Windows auch im Uefi-Modus. Bei der Parallelinstallation entsteht ein neuer Eintrag im Bootmenü der Firmware.

3. Linux und Windows im Uefi-Modus

Alle bootfähigen Systeme auf Heft-DVD sind dort auch als ISO-Images enthalten (unter „/Image-Dateien“). Schreiben Sie die Datei des gewünschten 64-Bit-Systems von der Heft-DVD mit Unetbootin einen bootfähigen USB-Stick, oder brennen Sie aus dem ISO eine Installations-DVD. Rufen Sie kurz nach dem Start das Bootmenü der Firmware auf. Wählen Sie den Eintrag mit vorangestelltem „Uefi“. Anders als bei der Bios-Installation sehen Sie ein Grub-2-Bootmenü, in dem Sie „Try Ubuntu without installing“ wählen. Per Doppelklick auf „Install Ubuntu 15.04“ starten Sie das Setup-Programm. Wählen Sie die Sprache, und klicken Sie auf „Weiter“. Setzen Sie Häkchen vor „Aktualisierungen während der Installation herunterladen“ und „Software von Drittanbietern installieren“, und klicken Sie auf „Weiter“.

 

Im Fenster „Installationsart“ zeigt der Setup-Assistent ähnliche Optionen wie bei der Bios-Installation. „Ubuntu neben Windows Boot Manager installieren“ wählen Sie für die Installation auf der gleichen Festplatte. Sollte keine freie Partition vorhanden sein, haben Sie Gelegenheit, die Windows-Partition zu verkleinern. Klicken Sie die Option „Festplatte löschen und Ubuntu installieren“ an, wenn Sie Linux auf einer zweiten Festplatte installieren oder Windows durch Linux ersetzen möchten. Nach Abschluss der Installation starten Sie den PC neu. Über das Grub-Bootmenü wählen Sie zwischen Linux und Windows.

Für die Installation auf USB partitionieren Sie manuell. Ganz wichtig ist, dass der Bootloader auf dem Stick landet.
Vergrößern Für die Installation auf USB partitionieren Sie manuell. Ganz wichtig ist, dass der Bootloader auf dem Stick landet.

4. Mehrere Linux-Systeme auf einem PC

Es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, auf alle möglichen Parallelinstallationen von Linux-Systemen einzugehen. In der Regel gilt: Gleichartige Systeme lassen sich meist problemlos nebeneinander einrichten – so etwa alle Distributionen, die auf Ubuntu/Debian basieren (Ubuntu, Linux Mint, Lubuntu, Xubuntu). Die jeweiligen Setup-Programme erkennen die bereits vorhandene Distribution und bieten eine Parallelinstallation mit Optionen an, wie in -> Punkt 2 für Windows beschrieben.

Distributionen wie Open Suse, Fedora oder Debian entdecken eine Ubuntu-Installation nicht, und Ubuntu findet keine Fremdsysteme. Die jeweiligen Setup-Tools bieten dann standardmäßig nur an, die Festplatte zu formatieren und eine Neuinstallation durchzuführen. Wählen Sie in diesem Fall eine leere Partition aus, die Sie möglichst zuvor im bereits installierten System erstellt haben. Wenn das Setup eine entsprechende Option bietet, wählen Sie als Ziel für den Bootloader die Root-Partition („\“) aus, also das Ziel-Laufwerk der neuen Installation.

Oft lässt sich die Einrichtung des Bootloaders auch verhindern. Bei der Installation etwa von Ubuntu nach Open Suse öffnen Sie im Ubuntu-Installationssystem ein Terminal und geben dort folgenden Befehl ein:

ubiquity -b

Installieren Sie das System dann in einer freien Partition oder auf einer zweiten Festplatte. Durch den Schalter „-b“ unterbleibt die Installation des Bootloaders. Verwenden Sie dann in Open Suse folgenden Terminalbefehl:

sudo update-bootloader --refresh

Damit binden Sie Ubuntu in das Open-Suse-Bootmenü ein. War zuerst Ubuntu auf der Festplatte, veranlassen Sie Grub, mit update-grub nach neuen Installationen zu suchen. Die genannten Befehle zur Aktualisierung der Grub-Konfiguration funktionieren bei Bios- wie bei Uefi-Systemen. Es ist außerdem möglich, den Bootloader auf USB-Stick, das System aber auf der Festplatte einzurichten, sinngemäß wie in -> Punkt 5 beschrieben.

5. Linux auf einem USB-Gerät einrichten

Für die Installation auf einem USB-Gerät booten Sie Ubuntu von DVD oder einem USB-Stick wie unter -> Punkt 2 beschrieben. Wählen Sie im Fenster „Installationsart“ die Option „Etwas Anderes“. In der Regel wird sich auf einer USB-Festplatte oder einem USB-Stick nur eine Partition befinden. Löschen Sie diese über die Schaltfläche „-“. Alle darauf befindlichen Daten gehen verloren. Erstellen Sie über die Schaltfläche „+“ eine kleine Partition für die Auslagerungsdatei („Swap“). Als Faustregel gilt: Der Swap-Speicher sollte etwa 20 bis 30 Prozent größer sein als der Hauptspeicher (RAM). Auf die gleiche Weise legen Sie eine große Partition für das Linux-System an. Hier wählen Sie hinter „Einbindungspunkt“ den Eintrag „/“ aus der Liste. Unter „Gerät für die Bootloader-Installation“ wählen Sie das USB-Gerät aus, meist ist das „/dev/sdb“. Kontrollieren Sie diese Angabe genau. Wenn Sie den Bootloader auf die Festplatte schreiben, startet das System von der Festplatte ohne angeschlossenes USB-Gerät nicht mehr. Klicken Sie zum Abschluss auf „Jetzt installieren“, und folgen Sie den weiteren Anweisungen des Setup-Programms.

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Systeme entfernen und Bootumgebung wiederherstellen

Sie wollen Linux entfernen und die Windows-Bootumgebung auf den Originalzustand zurücksetzen? Wenn Sie Linux samt Grub auf eigener Festplatte installiert haben, können Sie diese bei einem Bios-System einfach neu formatieren. Befinden sich Windows und Linux dagegen auf der gleichen Festplatte, oder der Bootmanager liegt auf der Windows-Systemplatte, booten Sie den PC von der Windows-Installations-DVD. Sobald das Fenster „Windows-Setup“ erscheint, drücken Sie die Tastenkombination Shift-F10 und führen folgenden Befehl aus:

bootrec /fixmbr

Damit entfernen Sie Grub, und Windows startet dann wieder direkt. Unter Windows löschen Sie über die Datenträgerverwaltung die Linux-Partition.

Bei einem Uefi-System liegen die Startdateien in der EFI-Partition. Löschen Sie vom noch installierten Linux-System aus unter „/boot/efi“ das Verzeichnis der jeweiligen Distribution, beispielsweise „ubuntu“.

Lassen Sie sich dann mit

sudo efibootmgr

die Booteinträge im NVRAM der PC-Firmware anzeigen. Sie finden hier Einträge wie „Boot0000* ubuntu“, die Sie mit sudo efibootmgr -b 0000 -B entfernen. Wahrscheinlich gibt es mehrere Einträge, die sich auf das zu löschende System beziehen, die Sie alle entfernen. Anschließend setzen Sie die Bootreihenfolge mit einem Befehl wie

sudo efibootmgr -o 0002,0000,0003,0004

Die laufenden Nummern tragen Sie gemäß der Ausgabe von efibootmgr in der gewünschten Reihenfolge ein. Der Eintrag für Windows steht an erster Stelle.

Sie wollen die Windows-Installation entfernen? Formatieren Sie mit Gparted die Windows-Partition etwa mit dem Dateisystem Ext4. Bei einem Uefi-System löschen Sie unter „/boot/efi“ die Ordner „Boot“ und „Microsoft“. Mit efibootmgr entfernen Sie dann wie oben beschrieben alle Einträge, die sich auf Windows beziehen, und ändern die Bootreihenfolge so, das Linux zuerst startet. Starten Sie in einem Terminalfenster sudo update-grub, um Windows aus dem Bootmenü zu entfernen.

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