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Mozilla-Entwickler Madhava Enros über Firefox 29

02.05.2014 | 10:30 Uhr |

Mozilla bezeichnet ihn als den „kreativen Kopf hinter Firefox“: Madhava Enros ist Designer und Firefox-User-Experience-Manager. In einem längeren Beitrag beschreibt Enros, wie er den neuen Firefox 29 mit der Australis-Oberfläche sieht und nach welchen Kriterien Mozilla seinen Firefox entwickelt.

Interview mit Madhava Enros, Senior Manager, Firefox User Experience. Der Interviewtext wurde uns von Mozilla zur Verfügung gestellt.
 
1. Wie würden Sie den neuen Firefox in einem Satz beschreiben?
Der neue Firefox 29 ist leicht zu bedienen, sieht gut aus und lässt sich flexibel anpassen.
 
2. Was unterscheidet den Firefox Ihrer Ansicht nach von anderen heutigen Browsern?
Der Unterschied liegt darin, dass sich Mozilla ausschließlich nach den Benutzern richtet. Dasselbe gilt für den Firefox: Er wurde im besten Interesse der Anwender entwickelt und lässt sich nach deren Präferenzen anpassen. Dieser Strategie folgt Firefox nun schon seit fast zehn Jahren. Ausgangspunkt ist das gemeinnützige und nicht-gewinnorientierte Ziel von Mozilla, dass alle Anwender gleichermaßen vom Internet profitieren sollen. Das besondere Merkmal dieser neuen Browserversion ist die umfassende Anpassbarkeit: Die Anwender können Firefox genau so konfigurieren, wie sie ihn haben möchten.  
 
Download: Firefox 29
 
2. Auf welche Besonderheiten des neuen Firefox sind Sie als Entwickler besonders stolz und warum?
Ich glaube, der neue Firefox ist optisch die schönste und detailreichste Version bislang. Neben der gelungenen visuellen Erscheinung bin ich besonders stolz auf die sorgfältige Feinarbeit an der Bedienung, insbesondere auf die Reaktionen der Bedienelemente bei der Verwendung.
 
Firefox 29 ist erschienen - neue Optik und Funktionen
 
Jedes Detail der neuen Oberfläche wurde präzise auf Schnelligkeit und Einfachheit hin abgestimmt. Der Vorwärtspfeil wird beispielsweise nur angezeigt, wenn er auch relevant ist; die Download-Schaltfläche signalisiert nur Fortschritt, wenn dieser auch stattfindet; die Lesezeichen-Schaltfläche macht deutlich, wo Sie Ihre Lesezeichen finden.
 
Am meisten stolz bin ich aber darauf, wie einfach und ansprechend die individuelle Anpassung des Browsers vonstattengeht. Die Konfiguration eines Browsers könnte schließlich auch sehr lästig sein, doch wir haben alles so gestaltet, dass die Nutzer die Funktionen gerne erkunden, anpassen und erneut aufrufen, bis sie schließlich ihre Wunsch-Oberfläche geschaffen haben.
 
3. Welche Rückmeldungen der Nutzer haben die Konzeption des neuen Firefox am stärksten beeinflusst?
Entwicklungsrelevantes Feedback haben wir in Bezug auf die individuelle Anpassung und die Kontrolle der Nutzer über die Schnittstelle erhalten. Wie wollten, dass der Firefox noch umfassender und einfacher anzupassen sein soll als bisher.
 
Deshalb haben wir ihn so konzipiert, dass man fast alle Schaltflächen und Bedienelemente nach Belieben umpositionieren oder entfernen kann. So erhalten Sie schnell und einfach Zugriff auf die Funktionen, die Sie am häufigsten brauchen. Man fängt einfach mit dem Gestalten an und zieht die gewünschten Elemente in die Menüleiste. Das funktioniert bei den integrierten Bedienfunktionen, aber auch mit den Symbolen der Lieblings-Add-ons für Firefox. Kein anderer Browser erreicht dieses Maß an individuellen Gestaltungsmöglichkeiten.
 
Auch das Browserfenster selbst ist jetzt besser organisiert. Natürlich haben die meistgenutzten Bedienfunktionen ihren Platz in der Hauptmenüleiste, doch das neue Menü lässt auch Platz für Funktionen, die die Anwender zwar regelmäßig aber nicht unbedingt täglich nutzen. Damit sind wir auf Feedback eingegangen, demzufolge die Bedienelemente entweder die wichtigsten Bereiche der Schnittstelle übersäten oder zu tief in der Menüstruktur verborgen waren. Jetzt müssen Anwender nicht mehr zwischen zwei Extremen wählen – integrierte Tools und Add-ons, die sie gelegentlich nutzen, haben in der anpassbaren Menüleiste ein passenderes Zuhause gefunden.
 
Weitere Rückmeldungen konzentrierten sich auf die Lesezeichenverwaltung. Vielen Nutzern war gar nicht klar, dass ein Klick auf die Stern-Schaltfläche ein Lesezeichen generiert. Und jenen, die es wussten, war nicht unbedingt geläufig, wo das angelegte Lesezeichen schließlich zu finden ist. Dies veranlasste uns dazu, eine integrierte Lesezeichen-Schaltfläche bereitzustellen, mit der man sowohl Lesezeichen anlegen als auch die Lesezeichenliste aufrufen kann. Wir haben sogar eine kurze Animationssequenz erstellt, die den Nutzern die Beziehung zwischen den Bedienelementen verdeutlicht.

4. Wie ist das Feedback bei den Tests des neuen Firefox ausgefallen?
Abgesehen von den Lesezeichen und der individuellen Anpassbarkeit haben wir viel Zeit in die grundlegende Positionierung der Standardbedienelemente gesteckt. Die Frage lautete: Welche Elemente genießen bei der Platzierung Vorrang?
 
Auch hier haben wir Rückmeldungen direkt verarbeitet. So wurde beispielsweise moniert, dass über den Tabs nicht genug Platz war, um das neu designte Browserfenster zu halten und zu versetzen. Dies galt insbesondere für Nutzer mit motorischen Einschränkungen. Unsere neuen Tabs sind in der Oberfläche weiter oben positioniert, um mehr Fläche für den Web-Content darunter zu schaffen. So blieb einfach weniger Platz, um mit dem Mauszeiger anzugreifen. Deshalb haben wir die Möglichkeit geschaffen, oben am Browser eine größere Titelleiste einzublenden. Die Änderung lässt sich im Anpassungsmodus in der Menüzeile unten links aktivieren.
 
Weiterhin bekamen wir Rückmeldung, dass die Nutzer in den neuen, schlanken, abgerundeten Tabs mehr vom Seitentitel sehen wollten. Nun werden die Tabs standardmäßig breiter angezeigt und enthalten dementsprechend mehr Text. Sie werden erst schmaler, wenn nicht mehr alle Tabs auf die Fensterbreite passen.
 
5. Warum glauben Sie, dass die individuelle Anpassbarkeit des Firefox für die Nutzer so wichtig ist?
Die Anpassbarkeit ist das Markenzeichen von Firefox. Wir überlassen den Nutzern die Wahl und die Bestimmung über unsere Arbeit. Ein Grundsatz der Firefox-Entwicklung lautet „You help make it“ – Sie haben Anteil an der Gestaltung. Dahinter steht die Überzeugung, dass kein Browser in seiner Standardkonfiguration den Erwartungen aller Nutzer gerecht werden kann. Wenn wir also den besten Browser für alle Nutzer entwickeln wollen, ist ein „One size fits all“-Konzept fehl am Platze.
 
Denken Sie nur an die 500 Millionen Nutzer – jeder davon mit eigenen Präferenzen und Anwendungszielen. Deshalb treiben wir einen hohen Aufwand, um all diese Nutzer mit der bestmöglichen Grundlage auszustatten, doch wir lassen ihnen ausdrücklich die Wahl und die Entscheidungshoheit – diesen beiden Prinzipien sehen wir uns verpflichtet.
 
Durch die Anpassungsoptionen kann der Nutzer den Browser zu „seinem Browser“ machen. Schließlich verbringen wir mehr Zeit im Browserfenster als mit jeder anderen Software – mancher von uns auch mehr Zeit als im Bett. Deshalb muss ein Browser so viel Nutzungskomfort wie möglich bieten und umfassend an individuelle Bedürfnisse anpassbar sein.
 
6. Welche Anpassungen haben Sie als Entwickler am Firefox vorgenommen, um sich die Arbeit zu erleichtern?
Als Entwickler versuche ich mich möglichst an die Standardeinstellungen zu halten. Mein Browser ist also nah am „Auslieferungszustand“. Allerdings entferne ich ein paar Bedienelemente, die ich persönliche kaum benötige, z. B. die Schaltflächen für die Home- und die Vollbildanzeige. Außerdem habe ich mit der Platzierung von Bedien-Tools in der Tab-Leiste experimentiert. Einstweilen haben hier Funktionen wie die Tab-Gruppierung und Neues privates Fenster ihren Platz gefunden.
 
Des Weiteren bin ich ständig auf der Suche nach dem perfekten „Lightweight Theme“. Diese machen sich im Firefox hervorragend – die Hintergrund-Tabs erscheinen dann übersichtlicher.
 
Einige Firefox-Entwickler in unserem Team haben die Entwickler-Tools-Schaltfläche zur schnelleren Verfügbarkeit bei der Entwicklungs- und Prototypenarbeit in die Hauptmenüleiste verlegt. Andere, die sich eine übersichtliche Werkzeugleiste wünschten, haben das Suchfeld ins Menü gerückt. Dort ist es bei Bedarf verfügbar und ansonsten nicht im Weg.
 
 
7. Nach welchen Maßgaben und Zielen sind Sie bei der Entwicklung des neuen Firefox vorgegangen?  
Jeder Mitarbeiter, der mit der Firefox-Entwicklung befasst ist, folgt einem Wertekanon – unseren so genannten Firefox Design Values http://people.mozilla.org/~madhava/FDV/. Darin ist nicht festgelegt, welche Bedienelemente ein Browser an welcher Stelle haben muss. Vielmehr leiten uns diese Grundsätze dazu an, ein Produkt zu schaffen, das dem Anspruch von Firefox gerecht wird. Dieser lässt sich in einer Liste von Merkmalen ausdrücken:

  • Die Anwender stehen im Mittelpunkt

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