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Warum Handy-TV klinisch tot ist

06.09.2010 | 10:36 Uhr |

Handy-TV galt einst als der letzte Schrei. Heute befasst sich kaum jemand mehr damit – nicht einmal die Internationale Funkausstellung. PC-WELT hat dennoch dort nachgefragt.

Manchmal preisen Händler eine Frucht an, obwohl diese noch nicht reif ist. 2006 zum Beispiel bejubeln deutsche Mobilfunkunternehmen das Fernsehen auf dem Handy. Zur Weltmeisterschaft im eigenen Land prognostizierten die Experten: Bald verfolgen wir an der Bushaltestelle Sportübertragungen, TV-Serien und Nachrichten. Die Branche freut sich auf den neuen Umsatzmagneten Handy-Fernsehen.

Wer auf der IFA 2010 im Ausstellerverzeichnis nach „Handy-TV“ oder „Mobiles Fernsehen“ sucht, der findet von dieser vier Jahren alten Euphorie: nichts. Und das, obwohl der Messekern das Fernsehen ist. Kein Aussteller beschäftigt sich explizit mehr damit, das Fernsehen aus dem Wohnzimmer auf das Mobiltelefon zu transportieren. Die Trends der Television sind die Dreimensionalität und das Zusammenwachsen des Fernsehgeräts mit dem Internet.

Holger Wenk, Deutsche TV-Plattform demonstriert die sendetechnischen Errungenschaften von HDTV bis DVB-T2. DVB-H ist auf der Grafik ...(Foto: PC-WELT)
Vergrößern Holger Wenk, Deutsche TV-Plattform demonstriert die sendetechnischen Errungenschaften von HDTV bis DVB-T2. DVB-H ist auf der Grafik ...(Foto: PC-WELT)

„Handy-TV in Deutschland ist im Moment tot“, sagt Holger Wenk. Er ist Pressesprecher der Deutschen TV-Plattform, einem Zusammenschluss von Programmanbietern, Rundfunkanstalten, Geräteherstellern, Politik und Wirtschaft. „Zumindest die Übertragungstechnik DVB-H“, fügt er hinzu.

Vor vier Jahren: DVB-H scheint die besten Chancen zu haben
Rückblick: 2006 überträgt T-Mobile WM-Spiele per UMTS – mit dem Nachteil, dass die Qualität der Bewegtbilder durchwachsen ist. Mitbewerber Mobiles Fernsehen Deutschland (MFD) startet den Standard DMB – mit dem Nachteil, das der nur in einigen Großstädten empfangbar ist. Als problemfreier gilt die Technik DVB-H, die zur EM 2008 startet. Und dessen Lizenzen der Betreiber Mobile 3.0 bereits Ende des Jahres an die Landesmedienanstalten zurückgibt. Der Präsident von Mobile 3.0 gibt dem Konkurrenten DVB-T die Schuld. Manche Mobiltelefone konnten auch dieses Signal empfangen – und dieses war kostenlos.

Wissenschaftler Philipp Hasse und Teodor Buburuzan: "Für hochqualitative Dienste braucht man DVB-T2." (Foto: PC-WELT)
Vergrößern Wissenschaftler Philipp Hasse und Teodor Buburuzan: "Für hochqualitative Dienste braucht man DVB-T2." (Foto: PC-WELT)

DVB-H gilt heute bereits als überholt. Am Messestand neben Holger Wenk und der Deutschen TV-Plattform wirbt die Technische Universität Braunschweig für ihre Arbeit an DVB-T2. Das Nachfolgemodell des terrestischen Übertragungsstandards digitaler Inhalte „kann mehr Datenmengen senden und ist flexibler konfigurierbar als sein Vorgänger“, wie Wissenschaftler Philipp Hasse ausführt. Bedeutet: Die Technologie ist auch stark genug, um HD- oder 3D-Inhalte zu übertragen. Und ist zudem für mobile Zwecke anpassbar – laut den Forschern demnach wahrscheinlich das nächste DVB-H.

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