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Diese Tablets können mehr

17.02.2011 | 11:04 Uhr |

2011 ist das Jahr der Tablet-PCs. Doch nicht alle müssen wie ein iPad aussehen. Fantasievolle Formfaktoren bringen zusätzliche Funktionen. Wir stellen die innovativsten Konzepte vor, die auf dem Mobile World Congress 2011 gezeigt wurden.

Auf dem MWC waren einige spannende Tablets zu sehen. Neben dem Standard-Modell in verschiedenen Größen von sieben bis zehn Zoll gab es auch ein paar Geräte mit interessantem Formfaktor. Sie kommen mit Tastatur zum Aufschieben oder Stift zum Mitschreiben. Und bieten somit deutlich mehr Möglichkeiten als das iPad.

Asus Eee Pad Slider

Die beiden spannendsten Konzepte stammen von Asus: Das Asus Eee Pad Slider erinnert dabei an ein überdimensioniertes Smartphone mit Schiebetastatur. Das Display ist mit 10,1 Zoll so groß wie beim iPad, doch aufgrund der Tastatur ist das Slider etwas dicker als ein Standard-Tablet. Die Ecken sind abgerundet, an den Seiten finden sich Deko-Elemente in Chrom. Unter dem Display liegt eine QWERTZ-Tastatur versteckt. Die Tastatur ist in Chicklet-Bauweise ausgeführt - das bedeutet flache Tasten mit großem Abstand zwischen den einzeln Buchstaben. Noch weicht das Display, das wir uns auf dem MWC in Barcelona angesehen haben, etwas schwerfällig zur Seite, um die Tastatur freizugeben. An den Gleitmechanismus muss Asus noch Hand anlegen.
 
Unter dem Bildschirm (1280 x 800 Pixel) liegen zwei berührungssensitive Tasten für Zurück und Menü – eigentlich überflüssige Tasten, denn die Tablet-Version Android 3.0 soll ja im Prinzip ohne auskommen. Doch für so manche App, die man in Zukunft herunterlädt, ist ein entsprechender Knopf vielleicht wünschenswert. Auf jeden Fall ein Muss ist der mechanische Startbildschirm-Knopf, der an das iPad erinnert.
 
Für die nötige Arbeitspower sorgt der Zweikern-Prozessor Tegra 2 von Nvidia, als Betriebssystem kommt Android 3.0 ("Honeycomb") zum Einsatz. Der Tablet-PC ist auf der Rückseite mit einer 5-Megapixel-Kamera ausgestattet und einer zweiten Cam für Videochats. Sie schafft eine Auflösung von 1,2 Megapixeln. Daten und Multimedia-Dateien finden auf einem 16 oder 32 Gigabyte großen Flash-Speicher Platz. Je nachdem, wie mobil man sein will, kauft man das Slider mit oder ohne UMTS-Modul.

Asus Eee Pad Transformer

Asus Eee Pad Transformer: Dank abnehmbarem Bildschirm lässt sich das Gerät wahlweise als Notebook oder als Tablet nutzen.
Vergrößern Asus Eee Pad Transformer: Dank abnehmbarem Bildschirm lässt sich das Gerät wahlweise als Notebook oder als Tablet nutzen.
© 2014

Für Gelegenheitsnutzer hat Asus das Eee Pad Transformer entwickelt. Es erinnert an ein Netbook zum Auseinandernehmen: Das 10,1-Zoll-Display ist abtrennbar und lässt sich ohne die QWERTZ-Tastatur als Tablet nutzen. Will man es als Netbook mitnehmen, steckt man den Bildschirm in eine Art Dockingstation mit angegliederter Tastatur. Auch das Eee Pad Transformer ist mit Tegra-2-Prozessor ausgerüstet. Ausstattung, Bedienoberfläche und Betriebssystem sind ebenfalls identisch zum Asus Eee Pad Slider. Und das Gleiche gilt für die Standard-Kopfhörerbuchse, die HDMI-Schnittstelle und die USB-Ports.
 
Das Modell, das wir auf dem MWC in Barcelona gesehen haben, zeigte sich beim Zusammenfügen und Auseinandernehmen noch etwas widerspenstig. Im zugeklappten Modus klaffte noch eine deutlich sichtbare Spalte. Auch hier ist bis zur Marktreife noch etwas  Ingenieurskunst gefragt. Positiv ist uns das Gewicht des Baukastens aufgefallen: Rund 890 Gramm gehen in Ordnung.

HTC Flyer

HTC Flyer: Das Pad lässt sich dank kapazitivem Bildschirm mit einem Stift bedienen. Dadurch wird es auch für Grafiker interessant.
Vergrößern HTC Flyer: Das Pad lässt sich dank kapazitivem Bildschirm mit einem Stift bedienen. Dadurch wird es auch für Grafiker interessant.
© 2014

Das Modell von HTC mutet wie wie ein klassisches 7-Zoll-Tablet an: schlank, schmal, schnell. Für das Tempo soll Android 3.0 alias "Honyecomb" sorgen, auf das HTC bei Verkaufsstart dann schon seine Sense-Oberfläche gepackt haben will. Die Demo in Barcelona zeigte aber noch eine Android-2.x-Version.  
 
Die Besonderheit des HTC Flyer: Das Tablet lässt sich mit dem Finger bedienen und wird zusätzlich mit Stift ausgeliefert. Man kann so handschriftliche Notizen und Skizzen auf dem kapazitiven Display anfertigen. Das mag vor allem für die Nutzer ein Vorteil sein, die in Bildern denken und gerne Skizzen machen. Zudem hat HTC eine eigene Notiz-App entwickelt. Sie erlaubt Audio-Aufnahmen und Mitschriften zugleich. Hört man die Audiaufnahme ab, poppt an der Stelle, an der man die Notiz angefertigt hat, ein Merker auf. Tippt man ihn an, wird die Mitschrift aufgerufen.
 
Zum Schreiben mit dem Stift kann man verschiedene Stiftarten - vom Pinsel bis zum Bleistift - und verschiedene Dicken sowie diverse Farben wählen. Im Schreibtest hat sich gezeigt, dass man etwas Geduld braucht, denn es dauert eine knappe Sekunde bis auf dem Display erscheint, was man gerade gezeichnet hat.
 
Die Notizen lassen sich übrigens mit Evernote synchronisieren. Dieser Dienst hilft, die Audiodateien in Schrift umzuwandeln. Ob hierbei auch die handschriftlichen Notizen an der korrekten Stelle integriert werden, muss ein Test zeigen. Wir sind jedoch eher skeptisch.
 
Das HTC Flyer, das sich auch ganz gut mit einer Hand bedienen lässt, weil es so schmal ist, kommt mit einem kapazitiven SLCD-Touchscreen mit einer Auflösung von 1024 x 600 Pixeln und einem 1,5-GHz-Prozessor von Qualcomm. Dank HSPA+ sollen Videotelefonate per Skype über die integrierte 1,3-Megapixel-Frontkamera möglich sein. Die 5-Megapixel-Kamera auf der Rückseite stellt Autofokus, LED-Blitz und Gesichtserkennung bereit. Das HTC Flyer kommt wahlweise als reines WLAN-Gerät oder als UMTS-Variante.
 
HTC gibt sich übrigens im Gegensatz zu Konkurrenten wie Samsung oder LG nicht nur mit dem reinen Gerät zufrieden, sondern bietet dafür zwei Portale an: eines für Video-Fans und eines für Gamer. Mit HTC Watch soll ein Video-Streaming-Dienst in HD starten. OnLive ist zuständig für einen Cloud-basierten Spiele-Dienst. Da beide Angebote noch nicht funktionstüchtig waren, können wir über die Zuverlässigkeit und Qualität keine Aussagen treffen.

Laptopdock Motorola Atrix

Motorola Atrix: Dank Docking-Station mit Bildschirm und Tastatur lässt sich das Handy bei Bedarf wie ein Notebook bedienen.
Vergrößern Motorola Atrix: Dank Docking-Station mit Bildschirm und Tastatur lässt sich das Handy bei Bedarf wie ein Notebook bedienen.
© 2014

Das vierte Konzept gehört genau genommen in die Kategorie "Handy mit Erweiterung". Zu dem Android-Smartphone Motorola Atrix kann man nämlich eine Tastatur-Display-Kombi kaufen. Und erhält damit die Antwort auf die Frage, wie man ein Handy in ein Notebook verwandelt. Die Hülle kann für sich genommen gar nichts, sie stellt lediglich eine Docking-Station für das Mobiltelefon bereit. Steckt man das Mobiltelefon an der Rückseite des Displays in die dafür vorgesehenen Anschlüsse, kann man das Notebook betreiben.
 
Der Vorteil: Man muss weniger Gewicht mitschleppen. Und statt des kleinen 4-Zoll-Displays mit 960 x 540 Pixeln Auflösung hat man einen 11,6-Zoll-Screen und eine große Tastatur zur Verfügung. Das Dock läuft dabei unter Linux, auf dem großen Display wird links das Atrix und rechts die Funktion, die man gerade nutzt, dargestellt. Schade nur, dass der Bildschirm des Docks kein Touchscreen ist. Denn aus Gewohnheit ist man versucht, auf das Handy-Menü per Hand zuzugreifen.
 
Sobald man das Atrix hinten in das Dock eingesteckt hat, erscheint der Bildschirminhalt des Handys mit einer minimalen Verzögerung auf dem großen Display. Alle Anwendungen laufen auf dem Handy, das Spiegeln auf das große Display erfolgt über die Virtualisierungslösung Xenclient von Citrix. Als Browser dient Mozillas Firefox 3.6, nicht der android-typische Browser Webkit. Und so wird auch Flash unterstützt. Zudem war auf dem Demogerät des Motorola Atrix in Barcelona die Version von Quickoffice installiert, die auch das Bearbeiten von Dokumenten erlaubt.
 
Während man mit vielen Tablet lediglich per Skype telefonieren kann, erlaubt Motorolas Konzept Telefonate über die SIM-Karte. So können Sie beispielsweise eine Telefonnummer bei Google nachschlagen und per Handy anwählen lassen, während das Gerät im Dock steckt. Pratisch: Während des Gesprächs kann man im Web surfen. Ein kurzer Test hat gezeigt, dass die Sprachqualität annehmbar ist, obwohl das Mikrofon durch das Display verdeckt ist und die Lautsprecher nach hinten und damit vom Nutzer weggehen. Die Atrix Docking-Station wiegt gut 1 Kilo, der Akku soll etwa acht Stunden durchhalten.
 
Das Android-Smartphone selbst, das unter Version 2.2 läuft, arbeitet mit einem Dual-Core-Prozessor mit jeweils 1 GHz. Es bietet eine 5-Megapixel-Kamera, mit der HD-Videos in 720p gedreht werden können. Eine zweite Kamera ist an der Vorderseite zu finden. Für Multimedia-Dateien stehen 16 GB Speicherplatz zur Verfügung. Ein HDMI-Ausgang gehört bei der Tablet-Generation ebenfalls zur Standardausstattung. Der Akku des 4G-Handy liefert eine Kapazität von 1930 mAh.

Fazit

Alle vier Konzepte wollen ein Manko der Tablets ausgleichen: die fehlende Tastatur. Stellt sich die Frage, wie wichtig mechanische Tasten für den Tablet-Nutzer tatsächlich sind. Wer sein Tab vor allem zum Surfen im Web oder zum Ansehen von Filmen nutzt, kommt mit der klassischen Ausführung sehr gut zurecht. Das zusätzliche Gewicht, das eine Tastatur mit sich bringt, kann er sich sparen. Wer dagegen produktiv arbeiten will, für den kann eines der vier vorgestellten Konzepte interessant sein. Dennoch: Ein Tablet mit Tastatur mag genau das Richtige sein, um Word-Dokumente zu erstellen oder E-Mails zu beantworten. Wer jedoch auch noch Grafik bearbeiten will, sollte sich nach einem leistungsstärkeren Notebook umsehen.

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