Mobile Firefox für Android

Mobile Firefox 10 - die besten Tipps & Tricks

Donnerstag, 26.04.2012 | 09:33 von David Wolski
Die mobile Version von Firefox schickt sich an, auch auf Android Marktanteile zu erobern.
Vergrößern Die mobile Version von Firefox schickt sich an, auch auf Android Marktanteile zu erobern.
© Mozilla Foundation
Während Firefox auf Desktop-Umgebungen glänzt und den Internet Explorer seit 2009 abgehängt hat, blieben mobile Plattformen für Firefox bisher eine Herausforderung. Gegenüber Google Chrome, Opera und Safari konnte sich Fennec, die mobile Version von Firefox bisher nicht durchsetzen. Zu Unrecht, wie unser Artikel zeigt.
Gerechtfertigt? Eine kurze Vorstellung zeigt, was der Browser aktuell kann und wie weit die Entwicklung ist. Fünf Tipps für den praktischen Einsatz verraten, wo Mobile Firefox seine Stärken ausspielen kann und wie Sie den Browser optimal verwenden.

Fennec - Die mobile Version von Firefox

Im Bereich Smartphones und Tablets betrat Firefox die Bildfläche vergleichsweise spät. Erst 2010 erschien die erste Version von Fennec - der Codename des mobilen Firefox. Fennec startete mit der gleichen Rendering Engine wie Firefox 3.6 für Desktop-PCs und die erste unterstützte Plattform war Maemo von Nokia. Maemo genoss als Linux System für die Nokia N9-Serie zwar einen guten Ruf, hat sich allerdings nicht durchgesetzt, da die Geräte bei kleinen Stückzahlen blieben. Fennec bot anfangs weder Unterstützung für Browser-Erweiterungen noch für Adobe Flash. Den nächsten Meilenstein erreichte Fennec im März 2011 mit der Version 4.0, die auch auf Android 2 (Gingerbread) und 4 (Ice Cream Sandwich) läuft und Adobe Flash unterstützt.

Firefox 10.0.3 für Android: Nach anfangs schleppender
Entwicklung macht die Entwicklung von des mobilen Firefox
inzwischen gute Fortschritte.
Vergrößern Firefox 10.0.3 für Android: Nach anfangs schleppender Entwicklung macht die Entwicklung von des mobilen Firefox inzwischen gute Fortschritte.

Schleppende Entwicklung

Die Benutzeroberfläche ist für kleine Bildschirme mit Touchscreen-Funktion optimiert. Allerdings ist die aktuelle Version des Browser für Android noch nicht nativ für Android geschrieben, sondern verwendet nach wie vor Java-Programmbibliotheken für die eigene Oberfläche XUL. Die Performance des Browsers ist deshalb nicht auf allen Android-Geräten so gut wie bei den Browsern der Konkurrenz. XUL hat unter Android vergleichsweise lange Ladezeiten und einen hohen Speicherbedarf. Die Mozilla Foundation begründet die schleppende Entwicklung damit, dass die Entwickler sehr lange an der Portierung der Javascript-Engine TraceMonkey für ARM-Prozessoren gearbeitet haben. Auf Tablets und Smartphones mit Android ist dem mobiles Firefox deshalb bisher der große Durchbruch verwehrt geblieben. All das soll sich jetzt laut Mozilla Foundation rasant ändern. Denn Google bietet ein natives Entwicklerkit an, das es erlaubt, Anwendungen mit hoher Leistung auch in C++ zu schreiben - jener Programmiersprache, die in der Entwicklung von zukünftigen Mobile-Firefox-Browsern ab Version 13 zur Anwendung kommt.

Der aktuelle Stand auf Android

Aktuell liegt Firefox Mobile in der stabilen Version 10.0.3 im App-Verzeichnis von Google Play . Der Browser funktioniert in dieser Version auf allen Androiden ab Version 2.3. Flash-Unterstützung gibt es aber nach wie vor noch nicht für Version 3.x von Android. Die Downloadgröße ist mit rund 15 MB auf ein erträgliches Maß geschrumpft und der Browser erfreut sich mit einer Wertung von mittlerweile 3.8 Punkten inzwischen endlich wachsender Popularität. Firefox Mobile bringt Funktionen der Desktop-Variante wie Tabs, Passwortverwaltung, Geotargeting und eine Schnittstelle zu Firefox Sync, um gespeicherte Daten mit Firefox-Browsern auf anderen PCs und Geräten abzugleichen.

Seit dem jüngsten Update Ende März 2012 klappt auch die Darstellung auf Android 4 problemlos, auf dem zuvor einige Fehler das Surfen mit dem Browser verleidet hatten. Bei der Darstellung von Webseiten ist der mobile Firefox genauso robust und zuverlässig wie die Desktop-Version. Auch Webseiten, die nicht in einer speziellen Mobil-Version vorliegen, rendert Firefox alle Elemente originalgetreu. Im Acid Test 3 - einem anspruchsvollen Test für aktuelle Webstandards - räumt der mobile Firefox die volle Punktezahl von 100 ab.

Hardware-Voraussetzungen: Keine leichte Kost

Allerdings gibt es nach wie vor Kritikpunkte. Auf einigen Tablets mit Android 4 zeigt die Benutzeroberfläche des Browsers noch Probleme mit Umlauten. Dies betrifft zwar angezeigte Webseiten nicht, irritiert aber bei der Bedienung von Firefox. Die Oberfläche ist immer noch in XUL geschrieben und noch nicht in den nativen Programmcode für Android übersetzt. Dies bedeutet, dass Mobile Firefox auf Benutzereingaben langsamer reagiert, und beim Scrollen komplexer Webseiten deutlich ruckelt. Die minimalen Hardware-Voraussetzungen sind auch nicht ohne: Als CPU muss das Gerät mindestens einen ARM7-Prozessor haben, ältere ARM6-Chips werden nicht unterstützt. Damit der Browser einigermaßen auf Touren kommt, ist mehr als 1 GHz Taktfrequenz empfehlenswert. An Speicher benötigte der mobile Firefox mindestens 512 MB RAM. Insgesamt keine leichte Kost. Billige Smartphones und Ausverkauf-Tablets kommen hier nicht mehr mit. Eine komplette Liste unterstützter Tablets und Smartphones, auf denen Firefox garantiert läuft, finden Sie im Wiki der Mozilla Foundation .

Ist das Gerät geeignet, dann kann Firefox seine Stärken ausspielen. Besonders nützliche Fähigkeiten des Browser zeigen die folgenden Tipps, um den mobilen Firefox optimal einzusetzen.

Tipp 1: Lesezeichen auf dem Home-Bildschirm

Der Mobile Firefox kennt zwei Möglichkeiten, Lesezeichen zu Webseiten abzulegen: Zunächst als Lesezeichen im Browser selbst.  An diese kommen Sie heran, indem Sie die Adresszeile antippen. Ein aufklappender Dialog zeigt unter „Lesezeichen“ alle gesicherten Bookmarks an. Die andere Methode ist, ein Lesezeichen direkt auf dem Home-Bildschirm der Android-Oberfläche abzulegen. Also außerhalb des Browsers. Dies ist praktisch für häufig besuchte Webseiten oder für Webseiten, die einen bestimmten Web-basierten Dienst als Produkt anbieten. Sie müssen dann nicht extra Firefox starten und dort in die Lesezeichen gehen, sondern Sie können direkt das Symbol auf dem Home-Bildschirm antippen. Diese Funktion hat der mobile Firefox von Google Chrome übernommen.

Firefox Sync: Der Cloud-Service von Mozilla gleicht
gespeicherte Daten zwischen verschiedenen Browsern über eine
verschlüsselte HTTPS-Verbindung ab.
Vergrößern Firefox Sync: Der Cloud-Service von Mozilla gleicht gespeicherte Daten zwischen verschiedenen Browsern über eine verschlüsselte HTTPS-Verbindung ab.

Tipp 2: Sync einrichten

Wenn Sie Firefox auf Smartphone, Tablet, Notebook und auf dem Desktop-PC einsetzen, ist die Einrichtung eines Kontos bei Firefox Sync empfehlenswert. Sync ist ein Cloud-Service der Mozilla Foundation, um Lesezeichen, Einstellungen, Browser-Chronik, Formulardaten und Passwörter zwischen mehreren Firefox-Browsern abzugleichen. Cloud-Dienst bedeutet: Die Daten liegen auf dem Server der Mozilla Foundation und werden mit einem von Ihnen gewähltem Passwort verschlüsselt. Der Zugriff erfolgt ebenfalls verschlüsselt über HTTPS. Die Anmeldung ist kostenlos, erfolgt über eine Mail-Adresse und ist in wenigen Minuten erledigt. Wenn Sie bereits ein Konto bei Firefox Sync haben, gehen Sie im Mobilen Firefox auf „Einstellungen -> Sync -> Verbinden“. Den angezeigten Code geben am anderen Rechner ein, dessen Firefox sie synchronisieren möchten. Die Funktion finden Sie dort unter „Extras -> Einstellungen -> Sync -> Gerät verbinden“ .

Master-Passwort setzen: Pflicht bei gespeicherten
Formulardaten und Passwörtern. Firefox verschlüsselt die
gespeicherten Daten lokal mit dem von Ihnen gewählten
Passwort.
Vergrößern Master-Passwort setzen: Pflicht bei gespeicherten Formulardaten und Passwörtern. Firefox verschlüsselt die gespeicherten Daten lokal mit dem von Ihnen gewählten Passwort.

Tipp 3: Immer Master-Passwort verwenden!

Gespeicherte Daten im Browser sind immer ein Sicherheitsrisiko. Besonders bei vertraulichen Formulardaten und Passwörtern muss ein tragfähiges Sicherheitskonzept her. Dies bedeutet, dass nicht jeder den Browser verwenden darf - eine Benutzeranmeldung muss sein. Bei Android heißt das, dass die Eingabe einer Pin, eines Passworts oder einer Skizze sein muss. In Firefox sollte bei aktiviertem Sync außerdem ein Master-Passwort eingestellt sein. Mit diesem Passwort verschlüsselt der Browser die Passwörter im lokalen Speicher. Ohne die Eingabe dieses Passworts stehen die gesicherten Daten nicht zur verfügen und Firefox füllt Formulare nicht automatisch aus. Im mobilen Firefox stellen Sie das Master-Passwort unter „Einstellungen -> Datenschutz & Sicherheit -> Master-Passwort verwenden“ ein. Die Eingabe des Passworts bei jedem Browserstart mag lästig erscheinen. Um die Sicherheit der gespeicherten Daten zu gewährleisten ist das Passwort aber Pflicht.

Mit der Aktivierung von “Unbekannte Herkunft” erlauben Sie
die Installation von Programmen aus anderen Quellen als dem
Google-eigenen Android Market. Für die manuelle Installation von
Firefox Aurora ist dies Voraussetzung.
Vergrößern Mit der Aktivierung von “Unbekannte Herkunft” erlauben Sie die Installation von Programmen aus anderen Quellen als dem Google-eigenen Android Market. Für die manuelle Installation von Firefox Aurora ist dies Voraussetzung.

Tipp 4: Vorabversion mit Aurora verwenden

Wie der große Firefox für den Desktop so kennt  auch der mobile Firefox verschiedene Channels für unterschiedliche Versionen. Der normale Channel läuft über den App-Markt von Google Play, wo Sie stets die aktuelle stabile Version von Firefox bekommen. Der Beta-Channel läuft ebenfalls über Google Play: Hier bekommen Sie zum Testen auch die Beta-Version von Mobile Firefox 12 . Experimentierfreudige Anwender können damit die nächste Version ohne großen Aufwand installieren und antesten. Wer dagegen jetzt schon einen Blick auf die übernächste Version von Firefox werfen will, bekommt mit dem Aurora-Channel bereits eine Vorab-Version von Firefox 13. Da es sich dabei um eine Experimentalversion für fortgeschrittene Anwender und Entwickler handelt, ist Firefox 13 Aurora nicht über Google Play erhältlich. Stattdessen bekommen Sie die Vorabversion direkt von der Mozilla-Webseite als APK-Archiv, dass Sie manuell in Android nach dem Download installieren müssen. Damit dies funktioniert, müssen in den Systemeinstellungen von Android unter „Anwendungen” die Quelle „Unbekannte Herkunft” aktivieren. Ein Blick auf Firefox Aurora lohnt sich. Die Browser-Oberfläche ist ab dieser Version mit dem nativen Android-Toolkit erstellt und deutlich schneller. Die Stabilität ist für eine Vorab-Version bereits akzeptabel.

Zugriff auf Lesezeichen: Mit Firefox Home nutzen Sie
Firefox Sync auch auf iPhone und iPad, um Bookmarks dort mit Mobile
Safari zu öffnen.
Vergrößern Zugriff auf Lesezeichen: Mit Firefox Home nutzen Sie Firefox Sync auch auf iPhone und iPad, um Bookmarks dort mit Mobile Safari zu öffnen.
© Mozilla Foundation

Tipp 5: Firefox Home für iPhone

Was tun, wenn nicht Android, sondern ein edles iPhone oder iPad der treue Begleiter ist? Zwar gibt es keinen Mozilla Firefox für iOS und ist auch nicht geplant. Firefox-Fans können sich aber trotzdem mit Firefox Sync verbinden und gespeicherte Bookmarks auch auf iPhone und iPad nutzen. Möglich macht dies die App Firefox Home , welche alle Lesezeichen schnell und einfach mit Mobile Safari öffnen kann.

Donnerstag, 26.04.2012 | 09:33 von David Wolski
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