16.04.2010, 16:01

Wolfgang Herrmann

Linux, Apache, Eclipse

Sparen mit SAP auf LinuxMittelstand ist überfordert

Wie sich eine Migration von Unix- auf Linux-Server für den SAP-Betrieb rechnen lässt, beschreibt der Walldorfer IT-Dienstleister Realtech in einem Whitepaper. Das Modell erlaube es, SAP-bezogene Server-Kosten zu berechnen und zu vergleichen, erläutert Consulting Manager Helmut Spöcker. Damit soll sich der finanzielle Aufwand einer SAP-Installation auf Linux im Vergleich zu Unix ermitteln lassen. Die Migrationskosten fallen je nach Kunde unterschiedlich aus, so Spöcker. Sie hängen zusammen mit der Unternehmensgröße, aber auch mit dem Umfang der zu migrierenden SAP-Systeme und den Anforderungen bezüglich Verfügbarkeit und Ausfallzeit. Nach einer Umstellung von Unix auf Linux hätten Kunden die Rentabilitätsgrenze in einem Zeitraum zwischen neun Monaten und zweieinhalb Jahren erreicht.
Zu den Referenzkunden des Beraters gehört Enso, ein IT-Dienstleister für Energieanbieter im Osten Deutschlands. Die Verantwortlichen verglichen die Kosten mehrerer Betriebssystem- und Datenbankszenarien für den SAP-Betrieb. Als günstigste Plattform erwies sich eine Konfiguration aus Suse Linux Enterprise Server und der Datenbank MaxDB auf x64-Servern mit AMDs Opteron-Prozessoren. Durch die Migration habe Enso im Plattformbereich erhebliche Einsparungen erzielt, berichtet Spöcker, ohne allerdings eine genaue Summe zu nennen.
Kleine und mittlere Unternehmen sind mit derart komplexen Methoden schnell überfordert. Experton-Analyst Velten empfiehlt ihnen ein pragmatisches Vorgehen. So könnten gerade kleine IT-Teams zunächst einfach Hardwarekosten und Lizenzgebühren für die geplante Software ermitteln. In einem zweiten Schritt sollten sie die Implementierungskosten für die quelloffenen Programme berücksichtigen. Nach Veltens Erfahrungen bewegen diese sich meist auf ähnlich hohem Niveau wie diejenigen für proprietäre Systeme. Bei der Kalkulation sollten IT-Verantwortliche einen kleinen Risikozuschlag für die Open-Source-Einführung einplanen und entscheiden, ob die quelloffene Variante dann immer noch besser abschneidet.
Gartner-Experte Dawson gibt sich diesbezüglich skeptisch. Nach seiner Einschätzung unterscheiden sich die Gesamtkosten für den Betrieb von Open-Source-Lösungen kaum von denen kommerzieller Systeme: "Zwei Drittel der Unternehmen erzielen mit Open Source keinerlei Einsparungen." Er kenne viele enttäuschte Kunden, die mit unrealistischen Erwartungen in Projekte eingestiegen seien. Wenn überhaupt, ergäben sich niedrigere Kosten am ehesten in der IT-Infrastruktur. Allzu oft vergäßen Firmen mit Open-Source-Ambitionen die damit entstehenden Integrationskosten. Seine Empfehlung: Zuerst gelte es, professionelle Messwerkzeuge im Sinne klassischer System-Management-Tools einzuführen. Erst dann könnten IT-Verantwortliche auf eine brauchbare Datenbasis für weitere Kalkulationen zurückgreifen.
Velten verweist auf einen weiteren Aspekt, den gerade kleine Unternehmen gerne übersähen: die Kosten der Skalierung einer IT-Lösung. So biete etwa Microsoft schlüsselfertige Komplettlösungen für Mittelständler, die aus der Kostensicht durchaus attraktiv seien. Ein Beispiel wäre ein Portalpaket inklusive SQL Server. Teuer wird es bei solchen Paketen aber immer dann, wenn eine bestimmte Anzahl von Benutzern überschritten wird. Die Schwellenwerte liegen beispielsweise bei 25, 50 oder 100 Benutzern.
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