1836410

Mit Gamification spielend zum Unternehmens-Erfolg

13.04.2014 | 08:06 Uhr |

Spielerisch zum Erfolg im Job. So könnte man Gamification erklären. Hinter dem Begriff versteckt sich eine ausgeklügelte Methode, um mit Gaming-Aspekten im Berufsleben zu punkten.

Clevere Business-Leute haben die Bedeutung von Wettkämpfen beziehungsweise Spielen als Motivationsfaktor schon lange verstanden und verinnerlicht. Punkte- und Highscoretabellen zur Leistungsübersicht sind mancherorts fester Bestandteil in Sales-Abteilungen, Werkhallen und anderen Arbeitsbereichen. Akademische Institutionen benutzen GPAs (Grade Point Averages - zu deutsch Notendurchschnitte) und Rankings, um ein kompetitiven Arbeitsumfeld zu erschaffen. Und im amerikanischen Filmdrama "Glengarry Glen Ross" schafften es die Manager einer fiktiven Immobilienfirma, ihre Einnahmen durch einen monatlichen Sales-Wettbewerb zu steigern.

Location Based: So nutzen Sie Foursquare & Co. für Ihre Firma

Innerhalb der letzten zehn Jahre haben Tech-affine Firmen nach und nach damit begonnen, die Prinzipien von Games-Mechanismen zu erkunden, zu adaptieren und für ihre Bedürfnisse zu verfeinern und anzupassen. Ihr Ziel: Bessere Leistung von ihren Mitarbeitern zu erhalten und Kunden zum gewünschten Verhalten zu ermutigen. Auch wenn der Begriff "Gamification" alle Klischees einen fahlen Marketing-Schlagwortes erfüllt, können es Experten aus allen Bereichen der technischen Industrie nicht leugnen: Wem die Arbeit mehr Spaß macht, der leistet automatisch auch mehr und bessere Arbeit. Und wer seine Kunden für ihre Treue mit Spaß belohnt, bekommt umso mehr Treue zurück. Aber was genau ist eigentlich "Gamification"?

Gamification

Das Konzept, das dahinter steckt, ist einfach: Nicht-spielerische Aktivitäten spaßiger machen, indem man sie an Spiele annähert. In der Praxis kann das auf vielfältige Weise ausgelegt werden, es gibt aber einige wichtige Grundlagen für die Gamification in Aktion:

  • Es muss einfache und wiedererkennbare Hinweise für die nächste Aktion geben

  • Es braucht direktes und klares Feedback für alle Aktionen, die durchgeführt wurden

  • Marker für Ranking und Leistung müssen einfach zu identifizieren sein

  • Zukünftige Erfolge müssen erkennbar und erreichbar sein

Denken Sie nur mal an ein gutes Videospiel - zum Beispiel "Angry Birds". In diesem Spiel haben sie ein klares, übergeordnetes Ziel: So viele Schweine wie möglich töten, indem sie kleine Vögel mit einer Schleuder auf sie schießen. Für jeden Vogel, den Sie verschießen, bekommen Sie direktes Feedback: Sie hören einen zerstörerischen Sound, wenn der Vogel auf sein Ziel trifft und die getroffenen Schweine grunzen. Sie sehen, wie getroffene Objekte explodieren oder anderweitig zerstört werden. Sie hören die Angry Birds jubeln. Und Sie sehen, wie der Punktezähler rotiert, wenn Sie bestimmte Ziele erreichen. All diese kleinen Feedbacks sorgen kumuliert dafür, dass Sie im Unterbewusstsein weiterspielen möchten, um mehr Punkte zu verdienen und Ihre Talente weiter zu verbessern.

Google Play Games: Neue Android-App für Spieler

Denken Sie jetzt einmal an Sales-Management-Software. Ihr übergeordnetes Ziel ist es, so viele Einnahmen wie möglich zu generieren. Um dieses Ziel zu erreichen, sind viele kleine Schritte nötig: Kontakt mit Kunden aufnehmen, interne Meetings abhalten, Trainings-Videos über die neue Produktreihe anschauen, und so weiter. Gamifiziert man diese Abläufe, bekämen Sie Punkte für jeden einzelnen dieser Schritte. Sie haben gerade mit einem wichtigen Kunden telefoniert? Super! Ganz egal, wie das Gespräch ausgegangen ist, Sie erhalten Punkte dafür. War das Telefonat in dieser Woche bereits das hundertste? Glückwunsch, Sie haben soeben eine Medaille gewonnen und jeder im Team bekommt das mit. Auch Ihr Boss. Sie haben gerade das größte Verkaufsgeschäft Ihrer Karriere eingetütet? Wow, das beschert Ihnen das "Sales-Checker"-Abzeichen - und nur mit dem bekommen Sie kostenlos Kaffee! Sie können Ihre Auszeichnungen auch auf Facebook teilen, damit all Ihre Freunde sofort wissen, was für ein toller Hecht Sie sind. Ein gut strukturiertes Erkennungssystem wie dieses kann eine regelrechte Las-Vegas-Atmosphäre in Ihre Firma bringen, die jeden Mitarbeiter zu neuen Höchstleistungen anspornt.

Die Spiele beginnen

Ein Unternehmen verspielter zu machen, ist mittlerweile zu einer eigenständigen Industrie geworden. Firmen wie Badgeville und Bunchball beispielsweise bieten eine ganze Reihe von Produkten und Diensten, mit denen Achievement- und Gamification-Systeme für Webseiten und Firmen - sowohl intern als auch auf Kundenseite - eingeführt werden können. Salesforce.com zum Beispiel hat mittlerweile alle seine Produkte fürs Sales Management und den Kundendienst gamifiziert. Im Bildungssektor verwenden Khan Academy und Codecademy Gamification und motivieren ihre Studenten mit Belohnungs-Medaillen für große und kleine Fortschritte, die sie auch in sozialen Netzwerken teilen können. Diese Herangehensweise bindet nicht nur die Nutzer an eine bestimmte Webseite, sondern bewirbt auch die Seite selbst, indem Studenten ihre Errungenschaften mit ihren Facebook-Freunden teilen.

Online-Games: Zwischen Sucht und Abzocke

"Es besteht kein Zweifel, dass es funktioniert", sagt Michael Fauscette, der die Business-Software-Gruppe von IDC leitet. In einer Gamification-Studie vom Juni 2013 in seiner Firma konnte Fauscette zweifellos bestätigen, dass Gamification das Engagement der Mitarbeiter erhöht. Ein aussagekräftiges Beispiel ist die Deloitte Learning Academy: Sie wollte mit Hilfe von Gamification die Teilnahme ihrer Studenten an professionellen Entwicklungsprogrammen fördern. Die Akademie führte mehrere, unterhaltsame "Missionen" in ihre Entwicklungsprogramme ein, mit denen die Teilnehmer Punkte sammeln und geheime Erfolge freischalten konnten, während sie ganz normal weiter studieren. So schaffte es Deloitte, auch viel beschäftigte Personen in seine Programme zu locken. "Die Zahlen derjenigen, die nach einmaliger Benutzung zum Programm zurückkehrten, konnte um 46 Prozent am Tag und um 36 Prozent in der Woche gesteigert werden", erklärt Fauscette in einer Zusammenfassung seines Reports. "Aktive Nutzer schalteten im Schnitt drei Erfolge frei, einige der Top-Nutzer sogar mehr als 30."

Die eigene Business-App: Vorteile, Strategien, Probleme

Daniel Debow, Senior Vize-Präsident der Arbeitsgruppe Work.com - einer Abteilung von Salesforce.com - gelangte nur durch Zufall zur Gamification. Als Mitgründer einer Firma namens Rypple (2012 von Salesforce aufgekauft) wollte Debow ein Tool für seine Mitarbeiter entwickeln, um die Erfassung ihrer Leistung für Manager weniger zermürbend und für Angestellte lohnender zu gestalten. Das war anno 2008, als die Gamification noch in den Kinderschuhen steckte und sich Medaillen und Erfolge gerade erst ihren Weg in Web-Apps bahnten. "Wir wollten eigentlich nur eine Anwendung entwickeln, die die Leute auch wirklich benutzen wollen", erklärt Debow. "In meiner Auffassung ist das, was die Leute als Gamification bezeichnen, einfach nur eine gut gemachte Anwendung."

In der Tat sind Elemente der Gamification heute allgegenwärtig im Web. Facebooks Benutzeroberfläche ist voll von gamifizierten Items - von der Zahl an Antworten und geteilten Inhalten eines Status-Updates bis hin zu der Anzahl der Leute auf der Freundesliste. An jeder Ecke lauern Achievements und Punkte in irgendeiner Form.

Die Gamification-Gewinnstrategie

Um von den Vorteilen der Gamification zu profitieren, sind viele Gedankenspiele und Planungen nötig. Jedenfalls werden Sie nicht viel aus der Idee herausholen, wenn Sie Ihre Webseite nur mit Auszeichnungen und Achievements zupflastern. Debow warnt davor, Gamification mit "Punktifizierung" zu verwechseln: "Seien Sie skeptisch. Sie bringen Ihre Leute nicht dazu etwas zu tun, was sie nicht tun wollen, indem Sie sie mit Punkten und Medaillen überhäufen. Stattdessen muss man Gamification eher als Verstärker eines bereits vorhandenen Signals sehen. Es muss Bestandteil von etwas sein, an dem Sie bereits ein zugrunde liegendes, eigenes Interesse besitzen." Seine Warnungen zieht Debow aus der Games-Industrie selbst, wo die Skeptik zum Thema Business-Gamification groß ist. Große Denker in der Games-Branche warnen seit langem vor dem Hype der Gamification, da der Spaß am Spielen eher von der Gesamterfahrung abhängt und nicht von einzelnen, äußeren Faktoren.

Nicht nachmachen: Diese Social-Media-Fehler sollte Ihre Firma vermeiden

In seinem Buch "Die Theorie von Spaß im Game Design" von 2004, beobachtet Game-Designer Ralph Koster, dass es in erster Linie das Belohnungssystem ist, was in Spielen Spaß bereitet. Abseits von Punkten und Medaillen machen Spiele Spaß, weil sie dem Spieler ein gewisses Maß an Kompetenz, Selbstvertrauen, Macht und Können verleihen. "Wenn Sie mit der Gamification nur etwas für sich selbst oder Ihre Firma heruasholen wollen, wird der Ansatz nicht funktionieren", weiß Debow. Auch Michael Fauscette von IDC weiß gleichermaßen von solcherlei Fallstricken: "Wenn Sie es einfach nur machen, weil Sie denken, dass es cool ist - wo ist dann der Sinn dahinter? Wenn Sie hingegen wissen, dass Sie ein Produktivitätsproblem haben und an einer bestimmten Verhaltensweise arbeiten wollen, dann sind Sie an einem Punkt angelangt, wo Gamification funktionieren kann."

Firmen, die daran interessiert sind, mit Gamification zu arbeiten, sollten sich vor allem auf diese fünf Prinzipien und Regeln konzentrieren:

1. Geben Sie ein messbares Ziel vor: Konzentrieren Sie sich darauf, ein bestimmtes Verhalten zu provozieren. Wenn Sie beispielsweise die Zahl an Produkt-Bewertungen auf Ihrer Webseite erhöhen wollen, belohnen Sie die Nutzer mit Punkten für jede geschriebene Bewertung.

2. Konzentrieren Sie sich auf die Dinge, an denen die Leute bereits interessiert sind: Ihr bester Ausgangspunkt für Gamification ist es, Verhalten zu belohnen, das bereits stattfindet.

3. Messen Sie die Veränderung: Überwachen Sie das gewünschte Verhalten vor und nach der Einführung der Gamification, damit Sie wissen, ob das Prinzip auch wirklich funktioniert.

4. Belohnen Sie zunehmende Fortschritte: Eine gute Gamification-Erfahrung misst und belohnt kleine Fortschritte ebenso wie große. Wenn Sie die Leute für kleine Schritte auf dem Weg zu einem größeren Ziel belohnen, bleiben sie auch eher bei der Stange.

5. Seien Sie sozial: Egal ob innerhalb eines Intranets oder auf öffentlichen Portalen wie Facebook - geben Sie Ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, ihre Errungenschaften öffentlich zu machen und mit anderen zu teilen. So gewinnen die Belohnungen auch an zusätzlicher Bedeutung.

Zu guter Letzt bedeutet Gamification immer auch ein gutes Stück Arbeit. Hier geht es um individuelle Lösungen. Während der Umsetzung müssen Sie stets ein wachsames Auge auf Ihrer Firmenidentität haben, ebenso auf der Beziehung zu Ihren Angestellten und Kunden und darauf, welche Faktoren sie motivieren. Schlecht gemachte Gamification wirkt schnell dümmlich und eigennützig. Geht man es hingegen richtig an, können Ihre Teams dadurch werden - und außerdem glücklicher und gewinnorientierter.

0 Kommentare zu diesem Artikel
1836410