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Mit Kickstarter kreative Projekte finanzieren

22.02.2013 | 10:03 Uhr |

Viele aussichtsreiche Ideen kommen über den Prototypen nicht hinaus, weil Geld fehlt. Auf der Webplattform Kickstarter können Kreative Projekte vorstellen und Investitionen einsammeln.

Das Zauberwort lautet „Schwarmfinanzierung“, um für ein Projekt von einer losen Interessengemeinschaft potenzieller Anwender Geld als Startkapital zu erhalten. Die verblüffend einfache und effektive Finanzierungsmethode katapultiert ehrgeizige Ideen ins Rampenlicht, wenn sich genügend Unterstützer finden. Das Prinzip funktioniert ähnlich wie eine Lotterie: Für einzelne Interessenten ist die Teilnahme schon mit einer kleinen Investition möglich. Aber in der Masse kommen erhebliche finanzielle Mittel zusammen.

Bei der Lotterie wäre dies der Jackpot, bei der Schwarmfinanzierung ist es das erzielte Startkapital für den Ideengeber. Zur größten Plattform der Schwarmfinanzierung ist in den letzten vier Jahren der web-basierte Dienst Kickstarter aufgestiegen, der 2008 seine Pforten öffnete. Bis zum Sommer 2012 haben Unterstützer dort insgesamt 275 Millionen US-Dollar für erfolgreich finanzierte Ideen aufgebracht. Dieser Erfolg beweist unter anderem, dass die zuvor schon fast totgesagte Do-it-yourself-Szene gerade ein millionenschweres Comeback erlebt.

Erfolgsrezept: Geben und Nehmen
Die Regeln von Kickstarter sind einfach: Jeder mit einem Bankkonto in den USA kann sich auf der Webseite registrieren und sein Projekt vorstellen, sofern es in die verfügbaren Kategorien wie etwa Technik, Design, Mode, Bildende Kunst, Comics, Spiele oder Film passt. Die Projektinhaber geben das anvisierte Finanzierungsziel vor sowie den dazu verfügbaren Zeitraum. Geld geben kann jeder mit Kreditkarte, von überall her. Für die Unterstützer gibt es Prämien, die vom Projektinhaber festgelegt werden. Dies kann vom Fan-T-Shirt für ein paar Dollar bis hin zum fertigen Produkt gehen. Geld fließt erst, wenn die Finanzierung tatsächlich innerhalb des vorgegebenen Zeitraums erreicht wird. Bei einer erfolgreichen Schwarmfinanzierung sammelt Amazon das Geld und Kickstarter behält als Kommission fünf Prozent ein.

Die 10 spannendesten Kickstarter-Projekte

Die Basis für diese Art von Finanzierung ist ein Vertrauensvorschuss der Investoren für ein Produkt und deren Macher. Kickstarter selbst gibt keine Garantie, dass ausgezahlte Gelder sachgerecht verwendet werden. Allerdings kann Kickstarter unrealistische und fragwürdige Projekte ablehnen. Wer Hardware vorstellt, muss einen realen Prototypen vorweisen, computergenerierte Modelle sind seit Herbst 2012 nicht mehr gestattet. Klar, diese Finanzierungsform eignet sich nicht für jedes Projekt, da es vor allem auf eine große Zahl von Unterstützern ankommt. Die Top-10-Liste der erfolgreichsten Ideen mit dem größten Unterstützer-Budget zeigt, dass vor allem jene Einfälle abräumen, die schnell begeistern können. Denn für Unterstützer geht es nicht um puren Idealismus, sondern um die Frage: „Was habe ich davon?“. Abstrakte Technikvisionen und Spezialanwendungen aus Forschung und Lehre sind bei Kickstarter deshalb noch nicht in die höchsten Sphären aufgestiegen. Dafür aber praktische Basteleien mit Alltagsbezug. Und auch erstaunlich viele Spiele und Zubehör-produkte für Kommunikations- und Unterhaltungselektronik:

63 000 Kleininvestoren haben über 8,5 Millionen US-Dollar in die Entwicklung der Android-Konsole Ouya investiert. Angepeilt waren anfangs lediglich 950 000 US-Dollar. Einen riesigen Erfolg verbuchte auch der Spieleentwickler Tim Schafer („Monkey Island)“ und sammelte für ein geplantes Adventure 3,3 Millionen US-Dollar. Die bisher größte Summe konnte immerhin ein klassisches Technikprojekt zusammentrommeln: Das Projekt „Pebble“ ist eine Smartwatch, die sich über Bluetooth mit dem iPhone oder Android-Smartphone verbindet, um E-Mails, Nachrichten und andere Infos ans Handgelenk zu bringen. 68 928 Interessenten brachten ein Startkapital von zehn Millionen US-Dollar auf. Angepeilt hatte der Entwickler anfangs nur 100 000 US-Dollar. Wenn die Idee einen Nerv trifft, scheint es nach oben kaum Grenzen zu geben.

Android-Konsole ist erfolgreichstes Kickstarter-Projekt aller Zeiten

Voraussetzung: Die kritische Masse
Während Kickstarter Finanzierungsrekorde feiert, geht es bei vergleichbaren, kleineren Plattformen nicht ganz so spendabel zu. Startnext ist ein deutschsprachiger Kickstarter-Klon und die bisher größte Webseite zur Schwarmfinanzierung in Deutschland. Für 417 erfolgreich finanzierte Projekte kamen dort immerhin 1,6 Millionen Euro zusammen – allerdings vom Start der Webseite im Jahr 2010 an gerechnet. Die vorgestellten Ideen drehen sich hauptsächlich um die Kategorien Film und Kleinkunst und sind meist in Berlin zu Hause, wenden sich also nicht an ein internationales Publikum. Dies scheint aber auf jeden Fall erforderlich zu sein, um Erfolge wie Kickstarter vorweisen zu können. Denn Schwarmfinanzierung braucht eine kritische Masse an Unterstützern, um die ersehnte Lawine von Kleininvestitionen und Publicity loszutreten.

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