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Mint ohne Ablaufdatum: Die Debian Edition

15.05.2014 | 11:18 Uhr |

Die Linux Mint Debian Edition (LMDE) basiert nicht wie der bekanntere Zweig auf Ubuntu, sondern auf Debian Testing. Vieles ist ähnlich, die Unterschiede sind dennoch gravierend. Die Vorteile von LMDE erfahren Sie hier.

Die auf Ubuntu basierende Version von Linux Mint ist eine „reguläre“Distribution: Die Systembasis bleibt die gleiche, während Sie im laufenden Betrieb Bugfixes und Sicherheits-Updates erhalten. Die Linux Mint Debian Edition ist hingegen eine „Semi-Rolling“-Distribution mit einem entscheidenden Vorteil: Theoretisch müssen Sie LMDE nie wieder neu installieren und sind trotzdem immer auf einem – relativ – aktuellen Stand.

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 2/2014

Linux Mint 16: Das beste Ubuntu! Warum Linux Mint zum Desktop-Favorit vieler Linux-Anwender aufgestiegen ist, wie Sie es installieren und richtig einstellen - das und mehr finden Sie in der neuen LinuxWelt 2/2014 .

Regulär und (Semi-)Rolling: Die Unterschiede

Reguläre Distributionen wie bei Ubuntu gelten in der Regel als die stabilsten, da nur absolut dringende Code-Änderungen einfließen. Große Versionssprünge der Software gibt es nicht. Eine nennenswerte Ausnahme bildet lediglich Firefox, da die Entwicklungszyklen sehr knapp sind und Sicherheits-Updates immer in die neue Version einfließen.

Semi-Rolling: Lesen Sie sich die Hinweise zu den Update-Packs immer gut durch. So lassen sich Probleme vermeiden wie hier mit dem Bildschirmschoner.
Vergrößern Semi-Rolling: Lesen Sie sich die Hinweise zu den Update-Packs immer gut durch. So lassen sich Probleme vermeiden wie hier mit dem Bildschirmschoner.

Semi Rolling Release: Mit dieser Aktualisierungstechnik arbeitet die Linux Mint Debian Edition. Hier erhalten Sie im Betrieb auch neue Software, die größere Versionssprünge macht. Allzu große Pannen sind nicht zu erwarten: Die Entwickler testen diese Pakete so gut wie möglich und liefern dann ein größeres Update-Pack aus. Somit bleibt das System auf dem neuesten Stand von Debian Testing und bietet trotzdem Sicherheit und Stabilität. Theoretisch müssen Sie das Betriebssystem nie wieder neu installieren. Semi-Rolling ist ein Kompromiss zwischen „Regulär“ und „Rolling“. LMDE eignet sich für ambitionierte Linux-Anwender, die sich im Notfall selbst helfen können.

In Debian Testing schlagen dauernd neue Paketversionen auf. Die LMDE-Entwickler liefern diese Pakete erst nach der Prüfung als getestete Schnappschüsse von Debian Testing aus. Aus diesem Grund sind auch hier manche Pakete nicht auf dem allerneuesten Stand. Bringen Sie LMDE derzeit auf den neuesten verfügbaren Stand, finden Sie zum Beispiel immer noch einLibre Office 4.0.x an Bord. Die aktuellste Version wäre 4.1.x. Auch hier ist Firefox eine Ausnahme. Der Mozilla-Browser ist in der aktuellsten Version enthalten. Gewisse Verzögerungen gibt es aus demselben Grund auch für die Desktop-Umgebungen. Cinnamon wird zum Beispiel immer erst in der auf Ubuntu basierenden Distribution modernisiert. Sobald die Entwickler damit glücklich sind, verarzten sie LMDE. Wie schon angesprochen – Sie bekommen alle Neuerungen, ohne neu installieren zu müssen, es ist lediglich auch bei dieser Aktualisierungsmethode etwas Geduld gefragt.

Linux Mint für jeden Geschmack: Die vier Desktops

Rolling Release: Arch Linux ist ein Beispiel für eine pures Rolling Release. Sobald die neue Version einer Software auf dem Markt ist, schlägt sie kurz darauf in den Repositories der Distribution auf. Arch-Nutzer sind daher immer auf dem allerneuesten Stand. Allerdings kann es hier schon mal zu Inkompatibilitäten kommen, und dann müssen Sie manuell für eine Reparatur eingreifen. Arch und andere Rolling Releases eignen sich für Linux-Profis, die Aktualität priorisieren.

Aktuellerer Kernel: Wenn der mitgelieferte Linux-Kernel 3.2 Probleme mit der Hardware hat, installieren Sie einfach Kernel 3.10 nach.
Vergrößern Aktuellerer Kernel: Wenn der mitgelieferte Linux-Kernel 3.2 Probleme mit der Hardware hat, installieren Sie einfach Kernel 3.10 nach.

Grundsätzliches zu Linux Mint Debian

Ist Linux Mint Debian Edition zu Ubuntu kompatibel? Nein, ist es nicht! Wie der Name schon sagt, ist LMDE voll kompatibel zu Debian Testing,nicht aber zu Ubuntu. Allerdings verwendet die Distribution auch das auf .deb-Pakten basierte Software-Management. Wer sich in diesem Bereich mit Ubuntu und Co. auskennt, fühlt sich auch bei LMDE sofort zuhause.

Dennoch sollten Sie für LMDE etwas Erfahrung in der Linux-Welt mitbringen. Debian ist weniger Anwenderfreundlich als Ubuntu, und es kann Ecken und Kanten beim Testing-Zweig geben. Weiterhin bringt LMDE derzeit keine Unterstützung für EFI, GPT oder Secure Boot mit sich. Das bedeutet bei neueren Rechnern, dass Sie den UEFI-Modus im Bios deaktivieren müssen.

Der Kernel: Bei Redaktionsschluss war der aktuelle Linux-Kernel bei Version 3.12. LMDE liefert weiterhin standardmäßig den älteren Kernel 3.2 aus. Das ist allerdings nicht zwingend ein Problem. Kernel 3.2 ist eine Version mit Langzeitunterstützung (LTS) und wird mit hoher Wahrscheinlichkeit so lange weitergepflegt wie Debian 7.0. Somit sprechen wir ungefähr vom Ende des Jahres 2015.
 
Wer dennoch – bei Hardware-Problemen – einen aktuelleren Kernel haben möchte, findet einen in den Repositories. Am einfachsten installieren Sie Kernel 3.10, indem Sie Synaptic benutzen. Sie finden das Paket-Verwaltungs- Tool unter „Menü ->Systemverwaltung ->Synaptic-Paketverwaltung“. Oben sehen Sie das Eingabefeld „Schnellauswahl-Filter“, in das Sie zum Beispiel linux-image-3.10 eintippen. Nach einer Neuinstallation des Systems sollten Sie immer zunächst den „Device Driver Manager“ unter den „Einstellungen“ aufsuchen: Hier gibt es neben möglichen Grafikkarten- und WLAN-Treibern unter Umständen auch einen Vorschlag, einen alternativen Kernel einzuspielen.

Backup-Tool: Auch wenn Sie das Datensicherungswerkzeug in LMDE nicht für Upgrades brauchen, schadet ein Backup nie.
Vergrößern Backup-Tool: Auch wenn Sie das Datensicherungswerkzeug in LMDE nicht für Upgrades brauchen, schadet ein Backup nie.

Verfügbare Varianten und Parallelen zu Linux Mint

Die Entwickler der Distribution bieten die Linux Mint Debian Edition für 32- und 64-Bit-Architektur an. Wie bei der Ubuntu-basierten Variante gibt es als Geschmacksrichtungen für beide Architekturen sowohl einen Cinnamon- wie einen Mate-Desktop.

LMDE ist generell etwas reaktionsfreudiger und schneller als die Ubuntu-basierte Variante. Diese Tatsache macht es zu einer empfehlenswerten Linux-Distribution auch für ältere oder schwächere 32-Bit-Geräte oder Netbooks. Die 32-Bit-Versionen von LMDE bringen einen für i486 optimierten Kernel mit sich, der kein PAE verlangt (Physical Address Extension). Allerdings unterstützt dieser auch kein SMP (Symmetrisches Multiprozessorsystem).Möchten Sie LMDE auf einemetwas moderneren 32-Bit-Computer installieren, sollten Sie den Kernel 686-PAE installieren. Dazu öffnen Sie ein Terminal und machen sich mittels sudo su zu root. Nach Eingabe Ihres Passworts aktualisieren Sie zunächst das Software-Lager: apt-get update . Den neueren Kernel installieren Sie dann mit dem Befehl

apt-get install linux-headers-686-pae linux-image-686-pae

und starten dann den Computer neu.

LMDE bemüht sich, die Desktop- Oberflächen so nahe wie möglich am Ubuntu-basierten Mint zu halten, damit sich Umsteiger sofort zurechtfinden. Aus diesem Grund gibt es sehr viele Parallelen. Den Software-Manager erkennen Sie sofort wieder, und er ist genau gleich zu bedienen. Auch das Datensicherungswerkzeug ist vorhanden.Selbst wenn Sie theoretisch nicht mehr neu installieren müssen, kann ein Backup der persönlichen Daten nie schaden. Ebenso konfigurieren Sie die Cinnamon-Oberfläche analog zu Linux Mint. Tipps und Anregungen dazu finden Sie im hier .

Gute Gründe für Linux Mint

Paketmanager: Wer die Software-Verwaltung des Ubuntu-basierten Linux Mint kennt, muss sich unter LMDE nicht umstellen – sie funktioniert genau gleich.
Vergrößern Paketmanager: Wer die Software-Verwaltung des Ubuntu-basierten Linux Mint kennt, muss sich unter LMDE nicht umstellen – sie funktioniert genau gleich.

Der Installationsassistent

Wenn Sie LMDE über das Live-Medium auf Heft-DVD gestartet haben, finden Sie auf dem Desktop den Schnellstarter „Install Linux Mint“. Der Installer gleicht dem von Linux Mint, ist intuitiv zu benutzen, hat aber doch ein paar Eigenheiten. Speziell beim Partitionieren müssen Sie etwas aufpassen.

Wir gehen die einzelnen Schritte kurz durch: Zunächst wählen Sie als Sprache Deutsch und bestätigen die Zeitzone und das Tastatur-Layout. Im Anschluss definieren Sie den Benutzernamen, denKontonamen und das zugehörige Passwort. Auch ein Kontobild können Sie hinterlegen und ferner eine Rechnerbezeichnung wählen, wie der Computer im Netzwerk zu finden sein soll.

Partitionieren: Nun folgt das Partitionieren der Festplatte. Im einfachsten Fall ist nur eine Partition vorhanden, die als „/dev/sda“ angezeigt wird. Hier können Sie zunächst folgenlos auf „Weiter“ klicken. Im folgenden Dialog sehen Sie die Aufteilung der Festplatte: Klicken Sie unten auf „Partitionen ->Bearbeiten“, öffnet sich dafür die Partitionierungssoftware Gparted. Auf Ubuntu basierte Distributionen bieten einfachere Werkzeuge, um die Partitionierungvorzunehmen. Andererseits istGparted verbreiteter Standard, mitdem die meisten Linux-Nutzer bestens vertraut sind. Bei LMDE können Sie nun mit Gparted zum Beispiel eine bestehende Partition manuell verkleinern und auf dem freien Platz eine neue Partition anlegen.

Partitionieren: Das ist der kritische Punkt bei der Installation. Nehmen Sie sich hierfür Zeit, und überstürzen diesen Schritt nicht.
Vergrößern Partitionieren: Das ist der kritische Punkt bei der Installation. Nehmen Sie sich hierfür Zeit, und überstürzen diesen Schritt nicht.

Ist die Zielpartition angelegt, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf den entsprechenden Gerätenamen – also nicht auf den grafischen Balken oben, sondern auf die Datenträgerbezeichnung, zum Beispiel auf „/dev/sda1“. Dort können Sie dann „/ zuweisen“oder „/home zuweisen“ auswählen. In der Regel genügt es, das Wurzelverzeichnis anzugeben (/).

Ganz oben in diesem Auswahlmenü steht noch die Option „Ändern“ zur Verfügung. Hier können Sie ebenfalls den Einhängepunkt zuweisen und bestimmen, mit welchem Dateisystem die Partition formatiert werden soll. Standardmäßig sollte Ext4 als Dateisystem gewählt werden.

Auf dieser Partition wird dann LMDE installiert, alle vorher bestehenden Daten werden dort gelöscht.

Boot-Loader: Im Anschluss legen Sie fest, wohin der Boot-Loader Grub installiert werden soll. In den meisten Fällen dürfte das die erste Festplatte „/dev/sda“ sein. Haben Sie diesen Schritt abgeschlossen, zeigt Ihnen der Installationsassistent noch einmal eine Zusammenfassung. Mit einem Klick auf „Installieren“ legt das Setup los. Ist die Installation abgeschlossen, fordert Sie das System zu einem Neustart auf.

Software-Pakete installieren und System anpassen

Prüfen Sie nach der Installation zunächst das Schild in der Taskleiste. Ist hier ein blaues Ausrufezeichen, aktualisieren Sie das System am besten vor neuen Installationen.

Einige unentbehrliche Empfehlungen: Wer Videos und Filme ansehen möchte, sollte – wie überall – den VLC Media Player nachinstallieren. Der mitgelieferte Upload-Manager ist ganz hübsch gemacht, aber vor allem Webentwickler sind mit dem bewährten FTP-Client Filezilla eindeutig besser bedient. Wer eine Fotoverwaltungs-Software benötigt, sollte statt dem vorinstallierten Gthumb das weitaus bessereShotwell verwenden. Sie findendiese und viele weitere Programme mit Hilfe der Software-Verwaltung. Weitere Anregungen finden Sie im Artikel " Linux Mint vervollständigen ", wo wir zusätzliche nützliche Software für Linux Mint empfehlen.

System-Upgrade: Der normale Weg führt über die grafische Aktualisierungsverwaltung. Wenn das klemmt, geht es notfalls auf die Konsole.
Vergrößern System-Upgrade: Der normale Weg führt über die grafische Aktualisierungsverwaltung. Wenn das klemmt, geht es notfalls auf die Konsole.

Troubleshooting beim Upgrade

Updates bei Semi-Rolling-Distributionen können zu Problemen führen, insbesondere bei Upgrades von Kernkomponenten. Sollte der grafische Update-Mechanismus Fehler melden, haben Sie für das Ausmerzen der Fehler einige Optionen. Grund zur Panik besteht nicht, weil sich die Probleme normalerweise einfach beheben lassen.

Update wiederholen: Eine einfache und nicht seltene Fehlerursache kann es sein, dass das System nicht alle Pakete herunterladen konnte. Für diesen Fall versuchen Sie es einfach noch einmal. Sollte der Server gerade überlastet sein, verschieben Sie das Update auf einen späteren Zeitpunkt.

Neustart versuchen: Sind alle Pakete komplett angekommen, doch das System meldet trotzdem Fehler, beißen sich wahrscheinlich irgendwelche Komponenten. In diesem Fall können Sie einen Neustart des Systems versuchen. Danach lassen Sie das Update noch einmal laufen. Bringt LMDE Fehler beim Anmelden, versuchen Sie zunächst eine andere Sitzungsart. Diese wählen Sie wie bei allen Distributionen auf dem Anmeldebildschirm aus. So kann zum Beispiel ein Update von Cinnamon fehlgeschlagen sein, und Sie können sich aus diesem Grund nicht mehr am Desktop anmelden.

Reparatur auf der Konsole: Sobald das System gestartet ist und Sie den Anmeldebildschirm sehen, wechseln Sie mit Hilfe der Tastenkombination Strg-Alt-F1 auf die Konsole (mit Strg-Alt-F8 gelangen Sie wieder auf den Anmeldebildschirm). In der Konsole können Sie sich ganz normal mit Ihrem Benutzernamen und Passwort anmelden. Ist das geschafft, erlangen Sie mit nachfolgendem Befehl und Eingabe des Kennworts root-Rechte: sudo su .

Einen abgebrochenen Upgrade-Vorgang können Sie nun mit apt-get upgrade noch einmal manuell auslösen.In der Regel sollten alle Pakete bereits während der GUI-Sitzung heruntergeladen worden sein. Treten hier trotzdem Fehler auf, können Sie das System neu starten und die Prozedur wiederholen. Eventuell meckert das System auch nur, dass Abhängigkeiten nichterfüllt sind. In diesem Fall versuchen folgenden Befehl:

apt-get -f install

Dieser Befehl versucht, fehlgeschlagene Installationen zu reparieren.

Sobald ein apt-get upgrade fehlerlosdurchgelaufen ist, weisen Sie das Systemmit apt-get dist-upgrade zur Aktualisierung aller Pakete an. Auch hier kann zwischen den beiden Schritten ein Neustart notwendig sein. Läuft diese Aktion durch, ist alles wieder in Ordnung. Generell lassen sich alle Update-Probleme mit einer Kombination der genannten apt-get -Befehle beseitigen.

Linux Mint: www.linuxmint.com
Linux Mint Debian Edition: www.linuxmint.com/download_lmde.php
Bekannte Probleme in LMDE: www.linuxmint.com/rel_debian.php

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