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Midnight Commander: Dateimanager für Profis im Check

08.10.2015 | 11:52 Uhr |

Der Midnight Commander ist ein Dinosaurier unter den Dateimanagern, der ursprünglich vom Norton Commander für DOS inspiriert war. Warum er nach 20 Jahren immer noch erste Wahl ist, zeigt dieser Beitrag.

Als textbasiertes Konsolenprogramm ist der Midnight Commander (MC) bei Administratoren unentbehrlich, die Linux-Server per SSH-Konsole verwalten. Seine umfassende Funktionalität, schnörkellose Bedienung und Anpassungsfähigkeit macht ihn aber auch auf Desktop-PCs zur klassischen Alternative zu grafischen Dateimanagern. Der MC ist in allen Distributionen verfügbar und etwa unter Debian / Ubuntu mit

sudo apt-get install mc

sofort startklar. Die folgenden Punkte nennen einige besonders interessante Nutzungsoptionen.

Aufgrund persönlicher Umstände der Entwickler liegt die Weiterentwicklung des Midnight Commanders aber momentan auf Eis. Wie und ob es in Zukunft weitergeht, bleibt daher zunächst abzuwarten.

Navigation, Dateisuche und Dateibehandlung mit Midnight Commander

Die grundsätzliche Navigation mit Cursortasten und Eingabetaste zum Verzeichniswechsel lässt sich mit einer Einstellung unter „Optionen -> Paneloptionen“ noch weiter vereinfachen: Der Punkt „Lynx-artige Bewegungen“ erlaubt Ordnerwechsel mit Cursorrechts/ links. Cursor-links führt dabei immer eine Ebene höher, Cursorrechts eine tiefer.

Mit dem Hotkey Alt-. (Punkt) blenden Sie versteckte Dateiobjekte schnell ein und aus. Der wichtige, aber ungewöhnliche Hotkey ist ein lohnender Kandidat für eine Umbelegung (siehe unten).

Volltextsuche: Dateien in Linux durchforsten

Mit der Tastenkombination Alt- Shift-? öffnen Sie den Suchdialog des MC. Der Punkt unter „Anfangen bei“ zeigt das Verzeichnis, in dem Sie sich gerade befinden. Alternativ tragen Sie dort etwa „/“ für den Stammordner ein, wobei Sie in der Folgezeile ein Verzeichnis ausschließen können. Beim gesuchten Datei- oder Verzeichnisnamen sind die üblichen Platzhalter erlaubt. Das Ergebnis sehen Sie in einer Liste, in der Sie per Doppelklick die Ergebnisdatei in die Zwei-Fenster-Ansicht des MC holen.

Dateien öffnen: Zur Anzeige von Benutzerdateien nach Doppelklick, Eingabetaste, F3 („Ansicht“) oder F4 („Bearbeiten“) verwendet der MC zum Teil externe grafische Programme gemäß den sonstigen Systemstandards. Am Desktop ist dies optimal, bei SSH-Verbindungen (ohne grafisches X11- Forwarding) eher nicht. Hier sollte unter „Optionen -> Konfiguration“ sowohl der interne Editor wie der interne Betrachter aktiviert werden. Außerdem bietet der Menüpunkt „Befehl -> Erweiterungsdatei bearbeiten“ Zugang zur Datei „mc.ext“. Diese ist nicht ganz einfach zugänglich, weil die meisten Kommandos weiterverweisen auf Shell-Scripts unter „/usr/lib/mc/ext.d“. Aber es ist eine relativ einfache Übung, am Ende der Datei als „default“ etwa den Texteditor nano einzutragen („Open/View=/usr/bin/nano %p“).

Lokale Dateirechte: Für den Zugriff über das Netzwerk muss der Anklopfende auch die lokalen Dateirechte für die freigegebenen Daten besitzen. Diese Rechte zu ändern, ist mit dem MC und dem Menü „Datei -> Chmod“ deutlich komfortabler als auf der Kommandozeile: Markieren Sie zunächst die Dateien, für die Sie die Zugriffsrechte bearbeiten möchten. Anschließend rufen Sie das Menü „Datei -> Chmod“ (Strg-X und C). Möchten Sie beispielsweise Dateien so freigeben, dass alle Benutzer sie nicht nur lesen, sondern auch bearbeiten können, klicken Sie auf die Einträge „write by group“ und „write by others“. Mit „Setzen“ bestätigen Sie Ihre Eingabe pro Datei, „Alle setzen“ bearbeitet sämtliche markierte Dateien.

Für Rechteänderungen starten Sie den Midnight Commander am besten mit sudo mc [verzeichnis] mit root-Rechten und gleich im passenden Verzeichnis.
Vergrößern Für Rechteänderungen starten Sie den Midnight Commander am besten mit sudo mc [verzeichnis] mit root-Rechten und gleich im passenden Verzeichnis.

SSH-Konsole mit Midnight Commander

Der MC ist der ideale Dateimanager für die SSH-Konsole: Nach der Anmeldung mit (Beispiel)

ssh root@192.168.1.10  

und der Eingabe mc geht man umstandslos auf dem Dateisystem des entfernten Servers spazieren (einzige Voraussetzung ist ein dort laufender SSH-Server). Um mit dem Client-PC direkt Daten auszutauschen, gibt es eine noch einfachere Variante: Der MC arbeitet nämlich selbst als SSH-Client über die Option „Shell-Verbindung“ in den Menüs „Links/Rechts“. Wie beim SSH auf Kommandozeile geben Sie hier Server-Name oder IP-Adresse an, optional bereits mit dem gewünschten User (etwa „root@192.168.1.10“). Nach Eingabe des Kennworts zeigt der Midnight Commander wieder seine beiden Fensterhälften, und Sie kopieren bequem Dateien zwischen dem lokalen und dem entfernten System. Für alle interaktive Dateiaktionen ist der MC einem Secure Copy (scp) oder Rsync eindeutig vorzuziehen.

MC und SSH mit abweichendem Port: Der MC erwartet bei einer „Shell-Verbindung“ eine Kommunikation über den SSH-Standardport 22. Abweichende Ports scheinen eine Hürde, weil das MC-Eingabefeld keine speziellere Konfiguration erlaubt. Aber auch dafür gibt es eine Lösung: Legen Sie auf dem Linux-Client-System (nicht auf dem Server!) unter „/home/[user]/.ssh“ die Datei „config“ neu an. Dort definieren Sie einen oder auch mehrere Server in folgender Weise:

Host Odroid  Hostname 192.168.0.10  Port 11111 User root  

Ab sofort genügt es, im MC bei der „Shell-Verbindung“ als Host den Alias-Namen „Odroid“ einzugeben. Alle übrigen Infos über IP, Port, User werden aus der „config“-Datei ausgelesen.

Linux: Konsolen-Tricks, die den Alltag erleichtern

Zugriff auf weitere Netzwerk-Server

Ein weiteres überaus praktisches Merkmal des MC ist der eingebaute FTP-Client. Über die Menüs „Links/ Rechts“ gelangt man zur „FTP-Verbindung“. Die Syntax lautet „ftp:// [user]:[passwort]@[server]“, also beispielweise:

ftp://sepp:geheim@ftp.idgmedia.de  

Der MC speichert alle bisher genutzten FTP-Server-Aufrufe – jedoch ohne Kennwort. Die gespeicherte Liste können Sie mit Klick auf „^“ abrufen.

Den früher enthaltenen Menüpunkt „SMB Verbindung“ für Samba- und Windows-Freigaben gibt es nicht mehr. Er ist aber insofern verzichtbar, als sich solche Freigaben mühelos mit mount -t cifs… in das Dateisystem einbinden lassen. Der MC kann die Dateien dann über den Mountpunkt erreichen.

Mit SSH im Midnight Commander tauschen Sie direkt Dateien zwischen dem lokalen Rechner (linkes Panel) und dem entfernten Server aus (rechtes Panel).
Vergrößern Mit SSH im Midnight Commander tauschen Sie direkt Dateien zwischen dem lokalen Rechner (linkes Panel) und dem entfernten Server aus (rechtes Panel).

Anpassung von Keys und Skins im Midnight Commander

Tastenkombinationen wie Alt-Shift-? (Dateisuche) oder Strg-AltGr-\ (Verzeichnisfavoriten) sind auf deutscher Tastatur sehr umständlich.

Über die Datei „mc.keymap“ definieren Sie Hotkeys nach Belieben (aber mit Bedacht!) um. Verwenden Sie die globale „/etc/mc/mc.keymap“ oder noch besser: Kopieren Sie diese nach „~/.config/mc/mc.keymap“ in die Benutzerkonfiguration. Die oben genannten Beispiele finden Sie in den Zeilen „find=alt-question“ und „Hotlist=ctrlbackslash“. Setzen Sie hier etwa mit „Find=ctrl-f“ und „Hotlist=ctrl-l“ einprägsame Hotkeys ein. Die Keymap ist ergiebig für weitere Experimente, die aber immer ein Backup der Datei vorhalten sollten.

Optisch begegnet der MC selbst bei Admins meist im unvermeidlichen Blau des verblichenen Norton Commanders. Dabei ist das Aussehen durch attraktive Skins mit 16 und 256 Farben äußerst variabel. Die Skins liegen unter „/usr/share/mc/skins“. Zum Ausprobieren verwenden Sie am besten den Aufrufparameter „-S“:

mc -S dark  

Den Skin Ihrer Wahl tragen Sie dann in der Benutzerkonfiguration „~/.config/ mc/ini“ nach „skin=“ dauerhaft ein. Beachten Sie, dass die hübschen 256-Farben-Skins nur dann zur Verfügung stehen, wenn das Terminal mit

TERM=xterm-256color 

entsprechend konfiguriert ist (ein Fall für die Datei „~/.bashrc“). Die Skins sind INI-Dateien im Textformat, die sich zusätzlich individuell tunen lassen.

Video: Raspberry Pi als Dateiserver nutzen
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