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Warum XP sterben muss

22.01.2010 | 10:01 Uhr |

Microsoft möchte XP seit Jahren verschrotten. Doch OEM-Partner und Kunden haben sich gewehrt – mit Erfolg: 2007 wurde das Verkaufsende noch mal auf Mitte 2008 verschoben, für bestimmte PCs sogar auf Mitte 2010. Doch das Ende von XP naht.

Windows 7 soll leisten, was Vista nicht gelungen ist: Windows XP zu ersetzen. Bei den Anwendern ist das betagte System nach wie vor beliebt – sie wollen nicht, dass Microsoft es kurzerhand verschrottet. Doch für den Hersteller ist XP unrentabel geworden, es ist nur noch Ballast.

Schlechtes Geschäft: XP lohnt sich für Microsoft längst nicht mehr
Für XP Service Pack (SP) 3 gibt es noch bis 8. April 2014 Sicherheits-Updates (Achtung: XP SP 2 läuft am 13. Juli 2010 ab). Dafür muss Microsoft jahrelang die komplette Infrastruktur für XP aufrecht erhalten – Entwickler-Know-how, Lokalisierungsexperten, Servertechnik.
Was Microsoft besonders nerven dürfte: Jedes Update muss für jede Sprache extra neu kompiliert werden. Dieser Aufwand fällt auch dann an, wenn ein Update gar keine Änderungen in den Sprachressourcen erfordert. Die pflegeleichtere Trennung zwischen Programmcode und Sprachressourcen hat man erst bei Vista vollzogen. Das alles kostet viel, viel Geld – und kompensierende Einnahmen kann Microsoft von XP seit dem Verkaufsende 2008 nicht mehr erwarten.

Speziell für Netbooks: Microsoft verkauft XP noch bis 2010
Etwas Umsatz macht XP Home immer noch: im Rahmen des ULCPC-Programms für Netbooks. Zu verdienen ist in dieser Ultra-Low-Cost-Nische aber nichts: XP Home wird hier mehr oder weniger verschenkt – bei größeren Lizenz-Mengen weit unter 10 Euro. Ziel ist es, das kostenlose Linux aus dem Netbook-Markt zu drängen. Dies ist Microsoft relativ schnell und durchschlagend gelungen, und inzwischen sind Netbooks mit Linux die Ausnahme. Da das fette Vista für die spartanischen Netbooks völlig ungeeignet ist, musste Microsoft notgedrungen das Auslaufmodell XP bis 2010 verlängern.

Pflegefall Vista: Seit Windows 7 will es keiner mehr kaufen
Seit Oktober 2009 hat Microsoft mit Windows 7 wieder ein Zugpferd am Markt, das die Kasse füllen sollte. Mit dieser schon jetzt sehr erfolgreichen Veröffentlichung handelte sich Microsoft aber einen zweiten Pflegefall ein: Kein vernünftiger Kunde wird heute noch Vista wählen. Das System bringt also wie XP nichts mehr ein, muss aber ebenfalls noch jahrelang gepflegt werden. Der Support für Vista Home und Ultimate läuft am 10. April 2012 ab, aber die Business-Editionen muss Microsoft noch bis 2017 versorgen. Das ist eine Menge Aufwand für ein System, das in drei Jahren nur 25 Prozent Marktanteil erreichte und in Unternehmen überhaupt nicht Fuß fassen konnte.

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