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Jetzt werden die Anwendungen virtuell

27.11.2008 | 10:01 Uhr |

Mit der revolutionären App-V-Technologie hebt Microsoft die Abhängigkeit der Applikationen vom Betriebssystem auf und räumt damit eine ganze Reihe an Kompatibilitätsproblemen aus dem Weg, die so alt sind wie Windows selbst.

Microsoft hat im Sommer 2006 die Firma Softricity übernommen, die mit ihrem Produkt Softgrid eine Lücke im Virtualisierungsangebot des Redmonder Software-Herstellers schloss. Aus Softgrid wurde inzwischen Microsoft Application Virtualization ("App-V") . Die Version 4.5 ist gleichzeitig die erste komplett unter Federführung von Microsoft entwickelte Version. Microsoft Application Virtualization ist aber mehr als nur ein einzelnes Tool, sondern vielmehr eine Suite aus Softwarekomponenten für die Virtualisierung und Verteilung von Anwendungen.

So funktioniert App-V

Auf dem Client-Rechner werden virtualisierte Anwendungen in einem Container ausgeführt, was sie vom Betriebssystem abkapselt. Die Verteilung der Software gelingt ohne Installation, so dass Probleme mit anderen Programmen oder Betriebssystemversionen vermieden werden. Das erlaubt es sogar, mehrere Versionen der selben Software parallel zu betreiben. Dies ist bei MS Office zum Beispiel gar nicht anders möglich.

Alles, was App-V auf dem Arbeitsplatzrechner voraussetzt, ist ein installierter Agent als Client-Komponente. Die Anwendungen selbst werden auf dem App-V-Server vorgehalten und verwaltet. Der Server streamt die Software auf die Schirme der Anwender, sobald der Client diese anfordert. Diese Form der Verteilung nennt sich deshalb Streaming, weil der Code der Applikationen in Echtzeit zum Client übertragen wird. Gestreamt werden dabei nur die jeweils benötigten Teile der Anwendung, um die Netzwerkressourcen zu schonen. Werden die auf dem Server liegenden Anwendungen aktualisiert oder geändert, erhält der User automatisch ein Update.

Aus der Sicht des Endbenutzers verhalten sich virtualisierte Anwendungen so als seien sie lokal installiert. Dazu tragen auch die Programm- verknüpfungen auf dem Desktop bei.
Vergrößern Aus der Sicht des Endbenutzers verhalten sich virtualisierte Anwendungen so als seien sie lokal installiert. Dazu tragen auch die Programm- verknüpfungen auf dem Desktop bei.
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Falls sich ein Unternehmen dafür entscheidet, alle seine Anwendungen auf eine App-V-Variante umzustellen, können auch die Arbeitsplatzrechner deutlich abgespeckt werden. Für sämtliche PCs reicht dann ein standardisiertes Betriebssystem-Image mit dem App-V-Client aus. Meldet sich ein Anwender an dem System an, stehen ihm sofort alle Applikationen zur Verfügung, die für seinen Account vom IT-Verwalter freigeschaltet wurden.

Der Zugriff auf die einzelnen Anwendungen wird bei App-V über ein Rollensystem gesteuert, das per Active Directory verwaltet wird. Dem IT-Verantwortlichen steht es frei, die Software auf dem Client temporär speichern zu lassen oder sie bei jedem Aufruf neu zu übertragen. Die Anwendungen dürfen bei App-V miteinander verknüpft werden, so dass Programme beispielsweise mit einer Unternehmensanwendung Daten austauschen oder über Plugins erweitert werden können. Diese Funktion nennt sich Dynamic Suite Composition. Auch das Nachladen von zusätzlichen Komponenten wie einer Java Virtual Machine für den Browser ist möglich.

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