30.03.2012, 12:29

Panagiotis Kolokythas

Meinung

Windows 8 Pro & Contra - Mein persönliches Zwischenfazit

Windows 8: Persönliches Zwischenfazit

Windows 8 Beta ist seit knapp einem Monat verfügbar. Damit ist die Zeit gekommen, mal ein ganz persönliches Zwischenfazit zu ziehen und Ihnen ein paar Tipps zu geben.
Windows 8 Consumer Preview – ich sag mal einfach fortan Windows 8 Beta – ist nun seit einem Monat verfügbar, in der ich den Windows -7-Nachfolger sowohl im privaten als auch beruflichen Einsatz ausgiebig ausprobiert habe.  Und ich muss zugeben: Nach der anfänglichen Eingewöhnungsphase habe ich mittlerweile den Metro-Startbildschirm akzeptiert und ich vermisse auf dem Windows-8-Desktop nicht mehr den Start-Button.
Bevor ich mit einer solchen Aussage einen „Shitstorm“ lostrete, möchte ich die Gründe zusammenfassen: Im Arbeits-Einsatz nutze ich den Metro-Startbildschirm kaum und wenn, dann nur dafür, um schnell ein Programm zu finden und es zu starten. Bisher verwendete  ich dafür den Startbutton auf den Desktop. Unterm Strich hat sich aber mittlerweile herausgestellt, dass der „Umweg“ über den Metro-Startbildschirm kein zeitlicher oder klickaufwendigerer Umweg ist.  

Windows 8: Metro-Startbildschirm ist besser als sein derzeitiger Ruf

Auf dem Windows-Desktop die Windows-Taste drücken, der Metro-Startbildschirm erscheint und dann einfach damit anfangen den Namen des gewünschten Programms einzutippen. Die Metro-Ansicht springt automatisch auf die App-Suche um und listet alle Ergebnisse noch während des Eintippens des Programmnamens auf.
Hätte Microsoft eine derartige Funktionalität noch vor ein paar Jahren versucht zu entwickeln, dann hätte wahrscheinlich bereits das Wechseln vom Windows-Desktop auf den Metro-Startbildschirm ein paar Sekunden gedauert.  Bei Windows 8 haben die Microsoft-Entwickler aber extrem viel Wert auf die Performance der Metro-Oberfläche und der dort angezeigten Kacheln gelegt. Ein Klick auf die Windows-Taste und der Metro-Bildschirm ist sofort (!) da.
Und Microsoft hat an die User gedacht, die mehrere Bildschirme verwenden. So können Sie auf einem Bildschirm den Metro-Bildschirm anzeigen lassen und auf dem anderen Bildschirm den Desktop.  Die Kacheln kann der Anwender nach Belieben so anordnen, wie er es wünscht: Mit dem Scrollrad die Kachel-Ansicht rauszoomen, die Kacheln per Drag & Drop in einen freien Bereich ziehen, die Elemente mit der rechten Maustaste auswählen und dann in der unten eingeblendeten Leiste den Eintrag „Gruppe benennen“ auswählen. So können auf dem Metro-Startbildschirm bequem Anwender-Gruppen wie „Office-Applikationen“, „Internet“ oder „Spiele“ angelegt werden.

Microsoft muss Windows-8-Anwender mehr an die Hand nehmen

Und damit kommen wir zu meinem derzeitigen Hauptkritikpunkt an Windows 8 Beta:  Microsoft muss unbedingt den Anwender bei der Hand nehmen und ihm die ganzen neuen Möglichkeiten ausführlich und optisch ansehnlich beim ersten Windows-8-Start und auch bei späteren Gelegenheiten vorstellen. Das können von mir aus Tutorial-Videos oder interaktive Demos sein.
Und auch sonst gibt es viele Abkürzungen, die den Windows-8-Alltag vereinfachen und komfortabler machen: Ich persönliche vermisse den Start-Button auf den Desktop auch deshalb nicht, weil das beim Drücken von Windows-Taste + X sich unten links öffnende Menü die wichtigsten Einträge enthält, die ich früher über das Start-Menü aufrief. Und Windows 8 lässt sich über mehrere Weg ausschalten, die manchmal etwas aufwendig wirken. Der schnellste Weg ist allerdings: Auf dem Desktop einfach Windows-Taste + F4 drücken. Wem das zu schnell geht und es lieber umständlich mag, der öffnet die Charm-Leiste mit Windows-Taste + C, klickt auf "Einstellungen" und dann auf den (unglücklich formulierten) Button "Ein/Aus" ("Aus" okay. Aber "Ein"?). Der dritte Weg für Leute, die es auch mal gemächlich angehen wollen: Auf den Start-Bildschirm wechseln (Windows-Taste), auf den Namen des eingeloggten Users oben rechts klicken, "Abmelden" auswählen, Strg+Alt+Entf klicken und dann mit der Maus zielsicher den Aus-Button anvisieren und klicken.

Windows 8 mit Charm(e) – irgendeiner muss diesen Wortkalauer ja mal als Erstes machen…

Diese und weitere praktische Windows-8-Hotkeys habe ich bereits an anderer Stelle vorgestellt. Darunter auch die Möglichkeit, die rechte Seitenleiste über Windows-Taste + C aufzurufen, statt über das Führen des Mauszeigers in den rechten Desktop-Bereich. Diese Seitenleiste trägt übrigens die Bezeichnung „Charm“. Für „Charm“ wird es keine deutsche Übersetzung geben, so dass sich deutschsprachige Anwender wohl an den Begriff „Charm“ gewöhnen müssen.
Es gibt auch noch einige weitere positive Funktionen und Eigenschaften, die mir in Windows 8 aufgefallen sind:
* Windows 8 bootet deutlich schneller – der Login-Bildschirm erscheint auf meinen Testrechnern bereits nach wenigen Sekunden
* Windows 8 hat Microsoft auch unter der Haube getunt, so dass beispielsweise die Verarbeitung vieler Dateien deutlich schneller geworden ist. Dieses Tuning im Dateihandling sorgt übrigens auch dafür, dass mit Veröffentlichung der Beta die meisten für Windows 7 entwickelte Sicherheitssoftware-Produkte ihren Dienst unter Windows 8 verweigerten. Die Entwickler der Sicherheitssoftware passen aber bereits nach und nach ihre Produkte an die neuen Windows-8-APIs an.
* Der „Pfeil nach oben“-Button im Windows Explorer zum schnellen Wechseln in das darüber liegende Verzeichnis ist praktisch. Ebenso der Eintrag „Pfad kopieren“ in der Ribbon-Leiste mit dem der vollständige Pfad eines Programms in die Zwischenablage kopiert werden kann.
* Endlich kann auch Windows ISO-Dateien direkt als Laufwerk einbinden – das gilt übrigens auch für VHD-Dateien (Virtuell Hard Disk). Anders als bei ISO-Dateien können bei VHDs auch neue Dateien hinzugefügt bzw. bestehende Dateien verändert werden.
* Der eingebaute PDF-Reader erspart die Installation einer Extra-Anwendung
* Metro-Apps können an den Rand des Windows-Desktops mit einer 320 Pixel breiten Ansicht „angedockt“ werden. So behält man beispielsweise einen News-Ticker oder einen Media-Player im Blick. Über Windows-Taste + Tab kann man schnell zwischen den aktuell geöffneten Apps wechseln. Metro-Apps belasten übrigens nur den Speicher und nicht die CPU, wenn sie aktuell nicht benötigt werden. Wird der Speicher knapp oder anderweitig benötigt, dann schaltet Windows 8 automatisch die am längsten nicht mehr benutzte Metro-App ganz ab.
* Über die – offiziell von Microsoft mit der Beta noch nicht unterstützten Funktion - Windows-to-Go kann ein persönliches Windows 8 auf einen USB-Stick abgelegt und dann einfach auf jedem Rechner gestartet werden

* Die ersten im Windows Store verfügbaren Apps machen Appetit auf mehr und es wird spannend sein zu sehen, welche Apps im Laufe der Zeit hinzukommen werden und bei welchem Preis sie sich einpendeln werden. Das bleibt übrigens den Entwicklern überlassen und die Entwickler müssen einen Teil der Einnahmen nur dann an Microsoft abtreten, wenn sie das Microsoft-Bezahlsystem nutzen wollen. Entwickler können als auch Apps im Windows Store platzieren und über ein eigenes Bezahlsystem die Anwender zur Kasse beten, wodurch Microsoft keinen Teil der Einnahmen erhält.
* Die ARM-Tablets mit Windows 8 wird Microsoft inklusive einer vollwertigen Version von Office 15 ausliefern. Das Signal an die Käufer: Das Tablet eignet sich nicht nur zum Konsumieren von Inhalten, sondern auch zum Erstellen von Inhalten. Damit lernt Microsoft übrigens aus den Erfahrungen von Apple mit dem iPad: Das erste iPad war kritisiert worden, weil man damit vor allem nur die Inhalte konsumieren konnte. Apple konterte damals beim zweiten iPad mit Apps wie Garageband und iWorks-Apps.
* Die Einbindung der von der Xbox 360 her bekannten Video- und Musik-Marktplätze erlauben den bequemen Kauf von Multimedia-Inhalten.
* Wird per Remote Desktop eine Verbindung zu einem Windows-8-Rechner hergestellt, dann lässt sich der ferngesteuerte Rechner auch über Touch-Steuerung bedienen, wenn das lokale Gerät, das die Verbindung zum ferngesteuerten Rechner herstellt, die Touch-Steuerung unterstützt. Videos, die man auf dem Remote-Rechner aufruft und damit auf den lokalen Rechner anzeigt, laufen ruckelfrei und selbst an den lokalen Rechner angeschlossene Hardware wird vom Remote-Rechner erkannt.
Windows 8: Quo Vadis?
Unterm Strich macht bereits die Beta von Windows 8 einen sehr guten Eindruck; es lohnt sich einen Blick darauf zu werfen und sich dabei mehr darauf zu konzentrieren, die Neuerungen zu entdecken, als damit zu hadern, welche alten und vielleicht sogar veralteten Zöpfe abgeschnitten wurden.  Erst mit einem Touch-Display entfaltet die neue Metro-Oberfläche ihr volles Potential. Aber – und das hätte ich vorher nicht gedacht – auf einem Nicht-Touch-Bildschirm stört die neue Oberfläche nicht.
Aber machen wir uns nichts vor: Wer heutzutage Windows 7 nutzt und damit zufrieden ist, der wird kaum einen Anreiz verspüren, sofort nach Erscheinen auf Windows 8 zu wechseln. Die meisten Anwender erwerben nicht ein neues Betriebssystem, sondern einen neuen Rechner. Das war schon immer so und das ändert sich auch nicht mit Windows 8.
Ich bin gespannt, wie sich Windows 8 in den kommenden Monaten weiterentwickeln wird und in welchen Versionen das neue Betriebssystem erscheinen wird.
Haben Sie sich Windows 8 Beta schon mal genauer angeschaut? Was sind ihre ersten Eindrücke? Was hat Ihnen gefallen und was gefällt Ihnen eher nicht? Äußern Sie doch einfach Ihre Meinung im Forum zu diesem Artikel.

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