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Mein Monat mit dem LG G Flex

12.05.2014 | 10:35 Uhr |

Vier Wochen lang war ich mit einem kaputten – ach, nein: stark gebogenen – Smartphone unterwegs. So hat sich das Kurvensmartphone im Alltag geschlagen.

LG Electronics zeigen mit dem G Flex, dass sie technisch ganz weit vorne sind und in der Oberliga spielen. Nicht nur, dass sie das Display gekrümmt haben, nein, sie haben gleich noch das gesamte Gehäuse samt Akku gebogen, ja flexibel gebaut: Das G Flex ist das weltweit erste Smartphone mit einem flexiblen Akku, und der ist eine Eigenentwicklung.

Gehäuse besitzt Wolverine-Kräfte

Eine der bekanntesten und vor allem wichtigsten Fähigkeiten des Superhelden Wolverine ist seine erhöhte Regeneration, die selbst schlimmste Verletzungen heilt.

Ähnliche Fähigkeiten besitzt die Rückseite des G Flex. Perfekt, denn die Historie meiner Smartphones zeigt kein einziges unversehrtes Gerät (ich bin leider etwas ungeschickt). LG setzt beim Kunststoffgehäuse auf eine Lackbeschichtung, die Kratzer mit umliegendem Material auffüllt. Doch wie gut klappt das? Nun ja, kleine Kratzer verschwinden in der Tat nach wenigen Minuten. Tiefe Rillen dagegen, die ich absichtlich mit einem Schlüssel produzierte, bleiben sichtbar. Die Beschichtung hilft also im Alltag nur, wenn Sie das G Flex mit Gegenständen transportieren, die das Gehäuse nur minimal zerkratzen. Die Fähigkeit zur Selbstheilung ist demnach mehr Schein als Sein.

Trotzdem ist die Idee pfiffig, eine Technik aus der Autoindustrie auch im Mobilbereich anzuwenden. Wenn LG die Technologie noch verbessert und eventuell sogar im Display unterbringt, dann ist das ein tatsächlich innovativer Schritt.

Das LG G2 im Test

Kleiner Kratzer, die versehentlich in der Tasche entstehen, heilt die Rückseite selbst – für tiefe Rillen reicht die „Superkraft“ nicht aus.
Vergrößern Kleiner Kratzer, die versehentlich in der Tasche entstehen, heilt die Rückseite selbst – für tiefe Rillen reicht die „Superkraft“ nicht aus.

Gebogenes Display – für ein besseres Bild?

Ich wurde doch tatsächlich gefragt, ob mein Smartphone kaputt sei – und das gleich zweimal! Ich musste wirklich lachen: Nein, das G Flex ist natürlich nicht kaputt, es ist lediglich gebogen. Und das fällt auf, denn wie oft sieht man ein gekrümmtes Smartphone?

LG baut aber nicht nur aus Spaß ein gebogenes Handy. Die Koreaner sehen das G Flex als kleinen Curved-TV, auf dem Filminhalte noch besser und intensiver aussehen sollen.

In den letzten Wochen war ich viel mit dem Flugzeug unterwegs, so kam mir der 6 Zoll kleine Curved TV gerade recht, da ich über den Wolken gerne meine Serien anschaue. Der Vorteil: Das Smartphone ist klein genug, um es noch in die Hosentasche zu stecken, und es ist groß genug für Filme und Videos. Mir sind allerdings zwei Dinge aufgefallen. Zum einen ist da die für die Größe geringe HD-Auflösung, die mich besonders stört, weil ich zuvor nur Full HD bei kleineren Größen gewohnt war, bei denen die Pixeldichte höher ist. Zum anderen ist der Unterschied gegenüber einem geraden Display nicht besonders groß – zumindest was die Bildqualität und Bildwahrnehmung von Filmen angeht. Auf einem 100 Zoll großen Fernseher bringt die Krümmung wegen des dauerhaft gleichen Abstands zwischen dem Auge und der Bildschirmfläche tatsächlich ein intensiveres Bild; das ist aber bei dem G Flex nicht ganz der Fall, da der Bildschirm zu klein ist und der Abstand nie identisch bleibt, weil man ja das Gerät meistens in der Hand hält.

Das gebogene Display ist zwar innovativ, bringt aber kaum ein besseres Bild als herkömmliche Bildschirme.
Vergrößern Das gebogene Display ist zwar innovativ, bringt aber kaum ein besseres Bild als herkömmliche Bildschirme.

Grobkörnige Graufläche

Vor allem graue und weiße Flächen sind von einer krisseligen Wiedergabe betroffen, weshalb das Display schnell unscharf wirkt. Und wie ich eben erwähnte, bin ich Full HD gewöhnt, weshalb jede pixelig aussehende Fläche nervt – ja, grobkörnige Flächen nerven! Weil die virtuelle Tastatur grau ist, muss ich mir ständig viele kleine Punkte bei einem eigentlich halbwegs scharfen Display ansehen. Das mag zwar nur eine Kleinigkeit für den einen oder anderen sein, für mich ist das einfach No-Go. Leute, ich hoffe, dass auf eurem G Flex klare Flächen zu sehen sind!

Frauen müssen das Gerät eher in der Handtasche unterbringen, Männer haben dank größerer Hosentaschen weniger Probleme, es zu verstauen.
Vergrößern Frauen müssen das Gerät eher in der Handtasche unterbringen, Männer haben dank größerer Hosentaschen weniger Probleme, es zu verstauen.

Tablet für die Hosentasche

Ein 6 Zoll großes Smartphone oder ein Phablet (Mischung aus Smartphone und Tablet) ist eher ein kleines Tablet, das gerade noch so in die Hosentasche passt. Okay, bei Frauen, deren Hosen generell kleinere Taschen haben, sieht es schon schlecht aus. In meine Hosentasche passt das Gerät gerade noch rein. Zwar merke ich unterwegs die Krümmung gar nicht, dafür guckt das Gerät oben aus der Tasche hervor, und im Sitzen bilden sich starke Abdrücke. Das sollte jedem bewusst sein, der sich ein solches „Telefon“ kauft.

Wie die meisten aktuellen, besonders großen Smartphones lässt sich das G Flex nicht mit einer Hand bedienen. Es mag wahrscheinlich eine subjektive Wahrnehmung sein, aber mir kommt die Bedienbarkeit mit beiden Händen aufgrund der Biegung deutlich komfortabler vor als bei einem geraden Smartphone. Es fühlt sich leichter, runder und geschwungener an.

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Hohe Ausdauer für lange Tage

Ende Februar dieses Jahres war ich auf der weltweit größten Mobilfunkmesse, dem Mobile World Congress 2014 in Barcelona. Weil dort die Arbeitstage enorm lang sind und nicht immer eine Steckdose parat ist, nahm ich natürlich das G Flex als meinen Begleiter mit.

Der Akku ist mit seiner Kapazität von 3500 mAh sehr groß, und mein ausführlicher Test zuvor ergab eine lange Akkulaufzeit. Und was soll ich sagen? LG hat mich nicht hängen lassen – das G Flex läuft unerschütterlich. Effizientes Akkumanagement, hohe Kapazität und neueste Technik (flexibler Akku) haben mir also deutlich geholfen.

Fazit

Nach vier Wochen Meine Meinung zum G Flex ist etwas zwiespältig: LG hat mit dem Riesen-Smartphone ein innovatives und technisch fortschrittliches Gerät gebracht – endlich mal was anderes! Denn die Smartphones der letzten Generation unterscheiden sich – unabhängig vom Hersteller – nicht mehr besonders. Trotzdem hätte es dafür noch ausgereifter sein können: Die Selbstheilung klappt nicht so gut, wie es beispielsweise das Demovideo von LG aussagt, da nur leichte Kratzer halbwegs gut verschwinden. Die Krümmung des Bildschirms bringt bei der kleinen Größe leider nicht den Effekt, den ein großer Curved-TV zeigt. Und auch die HD-Auflösung ist zu gering und keineswegs High-End. Bei einem Preis von 800 Euro erwarte ich mindestens Full HD, da der Screen einen bedeutenden Anteil am Bedienspaß ausmacht. Wenn ich einzelne Pixel sehe und das Bild krisselig ist, dann bin ich eher genervt als begeistert und sehe meine 800 Euro falsch investiert.

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