Nachdem wir Ihnen beschrieben haben, wie Sie zwei DSL-Anschlüsse koppeln, um ein höheres Tempo zu erzielen, erfahren Sie nun, wie Sie das gleiche mit zwei UMTS-Zugängen bewerkstelligen. Insbesondere T-Mobile und Vodafone haben sehr gut ausgebaute UMTS-Netze, die sich durch die Beschleunigungstechnik HSDPA mit bis zu 3,6 MBit/s, an einzelnen Standorten sogar mit bis zu 7,2 MBit/s nutzen lassen.
Dort, wo kein UMTS verfügbar ist, surfen Sie bundesweit (T-Mobile) beziehungsweise fast bundesweit (Vodafone und O2) über die Technik EDGE mit 220 KBit/s. Das ist zwar nicht besonders berauschend, aber zumindest mehr als Analogmodem (56 KBit/s) oder ISDN (64 KBit). Und mit der Bündelung zweier EDGE-Zugänge kommen Sie auf immerhin 440 KBit/s. Die angegebenen Geschwindigkeiten sind natürlich Idealwerte, die je nach Netzauslastung schwanken.
So gehen Sie vor, um zwei UMTS-Zugänge zu koppeln:
1. Bestellen Sie zwei UMTS-Datenflatrates: Dazu bieten wir Ihnen jeweils eine Übersicht von
günstigen UMTS-Flatrates mit Vertrag und von
UMTS-Prepaid-Flatrates. Einziger Haken bei UMTS-Flatrates ist, dass sie nach einem bestimmten Volumenverbrauch pro Monat (meist 5 GB) für den Rest des Monats auf Analogmodem- oder ISDN-Niveau (56 KBit/s oder 64 KBit/s) gedrosselt werden. Da Sie ja aber zwei UMTS-Tarife nutzen werden, verdoppelt sich das Volumen, das für schnellen Datentransfer zur Verfügung steht. Da der Router die Datenpakete nicht hundertprozentig gleichmäßig auf beide Verbindungen verteilt, wird bei einem der beiden Tarife die Drosselung allerdings etwas eher greifen, als beim anderen.
2. Besorgen Sie die folgenden Komponenten:
- Einen Spezial-Router, der Anschlüsse für zwei Internet-Zugänge bietet (WAN-Anschlüsse) und Multipath-Routing beziehungsweise Load-Balancing unterstützt. Wie schon auf der vorherigen Seiten beschrieben, sind solche Router relativ selten. Drei mögliche Kandidaten sind: 1.
Draytek Vigor 2910. Es gibt ihn in mehreren Versionen - zum Beispiel ohne WLAN (
Vigor 2910), mit WLAN (
Vigor 2910G), mit VoIP-Telefonanlage (
Vigor 2910V) sowie mit WLAN und VoIP-Telefonanlage (
Vigor 2910VG). Die Preise liegen zwischen 150 und 230 Euro.
2.
Allnet ALL1295VPN. Er besitzt kein WLAN und kostet rund 190 Euro.
3. Allnet ALL1297FW. Auch dieser Router besitzt kein WLAN. Er kostet rund 150 Euro.
- Zwei UMTS-USB-Surfsticks: Diese erhalten Sie in der Regel zur UMTS-Flatrate günstig oder kostenlos dazu. Achten Sie darauf, dass die Sticks kompatibel zum UMTS-Router (nächster Punkt) sind.
- Zwei Router, an die sich UMTS-Sticks anschließen lassen und die (mindestens) einen LAN-Anschluss bieten. Besonders kompakt und günstig ist der
Edimax 3G-6210n, der Preis beträgt
rund 65 Euro. Edimax hat
in einer Liste die kompatiblen UMTS-Sticks zusammengestellt.
Falls Sie sich beim Load-Balancing-Router (erster Punkt) für den Vigor 2910 entschieden haben, benötigen Sie übrigens nur einen UMTS-Router. Denn der Vigor 2910 bietet selber die Anschlussmöglichkeit für einen UMTS-Stick. Eine Liste der kompatiblen Sticks
finden Sie hier.
3. Schließen Sie alles an: Stecken Sie die UMTS-Sticks in die USB-Buchsen der UMTS-Router und konfigurieren Sie diese gemäß Bedienungsanleitung. Aktivieren Sie die Adressvergabe per DHCP. Die WLAN-Funktion der UMTS-Router schalten Sie aus. Wenn Sie den Edimax 3G-6210n benutzen, stellen Sie den Funktionsschalter des integrierten Netzwerkanschlusses auf "LAN".
Den Netzwerk-Anschluss des ersten UMTS-Routers verbinden Sie mit der ersten WAN-Buchse des Load-Balancing-Routers, den Netzwerk-Anschluss des zweiten UMTS-Routers mit der zweiten WAN-Buchse. Wenn Sie den Vigor 2910 benutzen, benötigen Sie ja keinen zweiten UMTS-Router und stecken stattdessen den zweiten UMTS-Stick direkt in den USB-Anschluss des Load-Balancing-Routers.
4. Konfigurieren Sie den Spezial-Router: Wählen Sie im Einstellungsmenü des Load-Balancing-Routers bei beiden WAN-Ports aus, dass die Verbindung über eine dynamische IP-Adresse (DHCP) laufen soll. Wenn Sie den Vigor 2910 benutzen, schalten Sie "WAN2" in der "Basiskonfiguration" auf "3G USB-Modem" und wählen Sie unter "Einwahl ins Internet" beim Eintrag "3G USB-Modem" die Option "PPP". Klicken Sie dann auf "Details", um die UMTS-Verbindung einzurichten.
Der Load-Balancing-Router entscheidet normalerweise automatisch, ab welcher Netzwerkauslastung er Daten auch über den zweiten UMTS-Zugang überträgt. Bei Bedarf können Sie diesen Schwellenwert ändern. Auf Wunsch lässt sich auch festlegen, dass nur Datenpakete bestimmter Internet-Dienste über den zweiten Anschluss gesendet werden. Beispielweise können Sie alle Daten einer Tauschbörse über einen Anschluss laufen lassen und alle übrigen Daten über den anderen.
5. Nutzen Sie einen Download-Manager: Da beim Aufrufen von Web-Seiten mehrere gleichzeitige Server-Verbindungen aufgebaut werden, nämlich für jeden Bestandteil der Seite (Bilder, Banner, Videos, ...) eine, werden Sie hierbei sofort einen Geschwindigkeitszuwachs feststellen. Beim Download einer Datei allerdings nicht, denn der läuft standardmäßig nur über eine einzelne Server-Verbindung. Aus technischen Gründen, lässt sich eine einzelne Server-Verbindung mit der hier beschriebenen Kopplung nicht auf zwei UMTS-Verbindungen aufteilen. Daher sollten Sie einen Download-Manager installieren, der mehrere parallele Server-Verbindungen herstellt und über jede einen Teil der Datei herunterlädt. Für
Firefox empfehlen wir die kostenlose Erweiterung
DownThemAll.
Natürlich können wir aufgrund der Vielzahl an möglichen Konfigurationen nicht garantieren, dass die UMTS-Bündelung auch bei Ihnen korrekt funktioniert. Aus technischer Sicht sollte jedoch nichts dagegen sprechen. Wir sind gespannt auf Ihre Erfahrungen als Kommentare zu diesem Artikel.
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