06.07.2012, 08:30

Daniel Behrens

Mehr Tempo

Mit zwei DSL-Leitungen gleichzeitig surfen

DSL-Bündelung bringt mehr Geschwindigkeit

Wem die Geschwindigkeit seines DSL-Anschlusses nicht ausreicht, kann zu ungewöhnlichen Maßnahmen greifen. Wir erklären Ihnen, wie Sie zwei DSL-Leitungen oder UMTS-Sticks gleichzeitig nutzen.
Nicht jeder hat das Glück, in einem Gebiet zu wohnen, in dem DSL mit der vollen Bandbreite von 16 MBit/s oder gar VDSL mit bis zu 50 MBit/s verfügbar ist. Eine mögliche Alternative wäre Internet über den Kabelanschluss, das inzwischen Bandbreiten von 32 MBit/s bietet, in einigen Regionen sogar 150 MBit/s. Bliebe noch Internet via LTE-Mobilfunk. Hier bieten Telekom, Vodafone und O2 in vielen Regionen entsprechende Tarife an. Wenn aber an Ihrem Standort weder schnelles DSL, noch Kabel-Internet oder LTE zur Verfügung stehen, sieht es in der Regel düster aus mit bezahlbaren und schnellen Alternativen.
Wer so sehr unter der langsamen Geschwindigkeit leidet, dass er bereit ist, einige Euro monatlich zusätzlich zu investieren, für den stellen wir in diesem Beitrag eine Lösung vor: die Koppelung mehrerer DSL- und/oder UMTS-Zugänge. Das mag im ersten Moment kurios klingen, ist aber eine durchaus praktikable Lösung, um schneller zu surfen.
Variante 1: Zwei DSL-Anschlüsse bündeln
Wenn Sie mit der Geschwindigkeit Ihres DSL-Anschlusses nicht zufrieden sind, ein schnellerer an Ihrem Standort aber technisch nicht machbar ist, gibt es die Option, zwei DSL-Anschlüsse zu bündeln beziehungsweise zu koppeln.
Möglicherweise werden Sie sich jetzt fragen, wie das funktionieren soll, schließlich haben Sie nur eine Telefonleitung, die zu Ihnen in die Wohnung führt. Das ist zwar soweit richtig, aber in der Leitung befinden sich normalerweise vier Adern. Pro Anschluss werden aber nur zwei benötigt. Das heißt, ein Adernpaar endet unbeschaltet hinter der Abdeckung der Telefondose. Sofern die zwei übrigen Adern durchgängig bis zum Kellerverteiler der Telekom (Übergabepunkt) geführt sind, können Sie darauf einen zweiten Anschluss schalten lassen. Der von Ihnen beauftrage Provider montiert dann eine zweite Telefondose neben die erste.
So gehen Sie vor, um zwei DSL-Anschlüsse zu koppeln:
1. Bestellen Sie einen zweiten DSL-Anschluss. Über den Tarifrechner auf pcwelt.de finden Sie den günstigsten Anbieter. Tippen Sie dort Ihre Vorwahl ein, damit regionale Angebote berücksichtigt werden. Wenn Sie sich für einen Anbieter entschieden haben, geben Sie im Auftrag an, dass Sie einen Neuanschluss wünschen. Bei manchen Providern müssen Sie dazu im Online-Formular die - streng genommen falsche - Angabe machen "Kein Telefonanschluss vorhanden". Nennen Sie nirgends die Nummer Ihres bisherigen Anschlusses, sonst erhalten Sie möglicherweise keinen zusätzlichen Anschluss, sondern der alte wird durch den neuen ersetzt. Geben Sie lieber als Rückrufnummer Ihre Handynummer an.
2. Besorgen Sie die folgenden Komponenten:
- Einen Spezial-Router, der Anschlüsse für zwei DSL-Modems bietet ("Dual WAN") und Multipath-Routing beziehungsweise Load-Balancing unterstützt. Solche Router sind relativ selten, daher haben wir zwei mögliche Kandidaten herausgesucht:

1. Draytek Vigor 2920. Es gibt ihn in drei Versionen: ohne WLAN (Vigor 2920), mit WLAN (Vigor 2920N) sowie mit WLAN und VoIP-Telefonanlage (Vigor 2920Vn). Die Preise liegen zwischen 175 und 250 Euro.
2. Linksys RV42: Das einzige, was dem Profi-Router für rund 125 Euro fehlt, ist WLAN. Das können Sie mit einem beliebigen Access Point nachrüsten, den Sie ab rund 30 Euro bekommen - zum Beispiel dem TP-LINK TL-WA801ND.
- Zwei DSL-Modems. Wenn Sie für Ihren bisherigen DSL-Anschluss einen Router mit integriertem DSL-Modem besitzen, prüfen Sie in der Bedienungsanleitung, ob sich die Modem-Funktion auch separat nutzen lässt (PPPoE Passthrough). Bei den Fritzboxen von AVM ist das zum Beispiel problemlos möglich. Auch der Router, den Sie zu Ihrem neuen DSL-Anschluss erhalten, muss diese Funktion unterstützen. Falls nicht, kaufen Sie ein beziehungsweise zwei einfache DSL-Modems, zum Beispiel das D-Link DSL-321B/DE für und 27 Euro oder das Allnet ALL0333C für rund 28 Euro.
3. Schließen Sie alles an: Nachdem der zweite DSL-Anschluss geschaltet wurde, schließen Sie pro Telefondose ein DSL-Modem an, beziehungsweise konfigurieren die DSL-Router so um, dass sie sich als reines DSL-Modem nutzen lassen. Bei den Fritzboxen muss man dazu nur unter "Einstellungen, Erweiterte Einstellungen, Internet, Zugangsdaten" die Option "Fritz!Box als DSL-Modem nutzen" aktivieren. Den Netzwerk-Anschluss des ersten DSL-Modems beziehungsweise DSL-Routers verbinden Sie mit der ersten WAN-Buchse des Spezial-Routers, den Netzwerk-Anschluss des zweiten DSL-Modems beziehungsweise DSL-Routers mit der zweiten WAN-Buchse.
4. Konfigurieren Sie den Spezial-Router: Wählen Sie im Einstellungsmenü des Load-Balancing-Routers bei beiden WAN-Ports aus, dass sie ihre Verbindung per "PPPoE" aufbauen sollen. Tragen Sie für den ersten WAN-Port die Zugangsdaten des ersten DSL-Anschlusses, beim zweiten die Zugangsdaten des zweiten DSL-Anschlusses ein. Der Router entscheidet normalerweise automatisch, ab welcher Netzwerkauslastung er Daten auch über den zweiten DSL-Anschluss überträgt. Bei Bedarf können Sie diesen Schwellenwert ändern. Auf Wunsch lässt sich auch festlegen, dass nur Datenpakete bestimmter Internet-Dienste über den zweiten Anschluss gesendet werden. Beispielweise können Sie alle Daten einer Tauschbörse über einen Anschluss laufen lassen und alle übrigen Daten über den anderen.
5. Nutzen Sie einen Download-Manager: Da beim Aufrufen von Web-Seiten mehrere gleichzeitige Server-Verbindungen aufgebaut werden, nämlich eine für jeden Bestandteil der Seite (Bilder, Banner, Videos, ...), werden Sie hierbei sofort einen Geschwindigkeitszuwachs feststellen. Beim Download einer Datei allerdings nicht, denn der läuft standardmäßig nur über eine einzelne Server-Verbindung. Aus technischen Gründen lässt sich eine einzelne Server-Verbindung mit der hier beschriebenen Bündelung nicht auf zwei DSL-Leitungen aufteilen. Daher sollten Sie einen Download-Manager installieren, der mehrere parallele Server-Verbindungen herstellt und über jede einen Teil der Datei herunterlädt. Für Firefox empfehlen wir die kostenlose Erweiterung DownThemAll.
Hinweis: Es gibt zwei Gründe, an denen der Auftrag für den zweiten DSL-Anschluss scheitern könnte:
1. Es sind bereits alle Leitungen belegt, die vom Kellerverteiler zum Kabelverzweiger auf der Straße führen.
2. In der Vermittlungsstelle sind bereits alle DSL-Ports belegt.
Beides erfahren Sie allerdings erst, wenn Sie die Schaltung bereits beauftragt haben. Sie gehen jedoch kein Risiko ein: Wenn der Anschluss nicht realisiert werden kann, wird der Auftrag kostenlos storniert. Dann haben Sie immer noch die Option, Ihren DSL-Anschluss mit einem UMTS-Zugang zu bündeln, also die eben gezeigten Schritte mit denen auf der nächsten Seite zu kombinieren.
Lesen Sie auf der nächsten Seite:
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