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Medien-Streaming mit Linux

06.12.2013 | 11:24 Uhr |

Die klassische Audio-CD ist auf dem Rückzug: Musik und Filme liegen heute eher in digitaler Form vor. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie ihre Medien mit wenig Aufwand per Streaming im ganzen Haus zur Verfügung stellen.

Wenn größere Sammlungen von Fotos, Videos und Musikdateien für mehrere Systeme im Netzwerk zur Verfügung gestellt werden sollen, kann sich die Einrichtung eines zentralen Medien-Centers lohnen. Solche Speziallösungen helfen bei der Organisation der Sammlung, etwa durch eine übersichtliche Präsentation. So kümmern sich die Programme meist auch um den Download von Grafiken aus dem Internet, damit zu einem Musiktitel auch die Cover angezeigt werden. Wenn Sie nur gelegentlich einmal die auf Ihrem Linux-Rechner gespeicherten Medien auch auf anderen Geräten wiedergeben wollen, sind solche Medien-Center etwas überdimensioniert. Schneller einsatzbereit sind Streaming-Server, die Sie rasch auf Ihrem System installieren können.

Serviio Server – kommerziell und schön flott

Vor der Installation des Serviio-Medienservers: Den gesamten Inhalt des Archivs von Serviio entpacken Sie in einen Ordner Ihrer Wahl.
Vergrößern Vor der Installation des Serviio-Medienservers: Den gesamten Inhalt des Archivs von Serviio entpacken Sie in einen Ordner Ihrer Wahl.

Der Server von Serviio ist unter mehreren Gesichtspunkten interessant. Er wird für Linux, Mac und Windows gleichermaßen zur Verfügung gestellt und kostet 25 USDollar. Eine kostenfreie Variante, deren Funktionsumfang in den allermeisten Fällen ausreichen dürfte, steht ebenfalls zur Verfügung. Die aktuelle Ausgabe sollte alle Abhängigkeiten von selbst mit sich bringen. Lediglich eine aktuelle Java-Version (ab 6) muss bereits auf dem System installiert sein. In einem Terminal können Sie mit

java -showversion

selbst ermitteln, ob Ihre Version auf dem notwendigen Stand ist. Laden Sie sich dann auf der Projektseite die aktuelle Version des Servers herunter. Es handelt sich um ein einfaches Archiv, das Sie mit einem Doppelklick öffnen können. Markieren Sie im Programmfenster des Entpackers den einzigen Eintrag, und ziehen Sie diesen mit der Maus in ein beliebiges Verzeichnis auf Ihrem System. Es darf sich auch in Ihrem Home-Verzeichnis befinden. Innerhalb des neuen Ordners, den Sie damit angelegt haben, befindet sich das Verzeichnis „bin“. In diesem Ordner sind die beiden ausführbaren Dateien enthalten, die für den Betrieb des Servers notwendig sind. Öffnen Sie ein Terminal und wechseln Sie in den Ordner. Mit

./serviio.sh -start &

rufen Sie den Server auf. Eine Meldung auf der Konsole erhalten Sie nicht. Rufen Sie jetzt das zweite Script auf:

./serviio-console.sh

Statuskontrolle von Serviio: Hier starten und stoppen Sie den Service und haben Überblick über die angeschlossenen Netzwerk-Clients („Renderer“).
Vergrößern Statuskontrolle von Serviio: Hier starten und stoppen Sie den Service und haben Überblick über die angeschlossenen Netzwerk-Clients („Renderer“).

Wenige Augenblicke später begrüßt Sie das Konfigurationsprogramm des Servers. Im Register „Status“ zeigt Ihnen eine grüne Markierung, dass der Server läuft. Außerdem wird am unteren Rand der Seite eine Liste dargestellt, die alle Geräte samt ihrer IP-Adressen auflistet, die sich aktuell in Ihrem lokalen Netzwerk befinden. Wenn es später bei einem der gelisteten Geräte zu Problemen mit der Wiedergabe kommen sollte, liegt dies unter Umständen daran, dass der Server nicht korrekt erkannt hat, welche Dateien das Gerät wiedergeben kann. Mit den Listenfeldern am Ende der Zeile ist es möglich, einer IP-Adresse einen bestimmten Gerätetyp zuzuweisen. Im Register „Console Settings“ stellen Sie auf Wunsch die Sprache der Konsole auf Deutsch um. Dazu müssen Sie das Programm aber schließen und neu starten. Der wichtigste Bereich der Installation ist das Register „Library“. Mit einem Klick auf den Schalter „Add local“ fügen Sie einen oder mehrere Ordner auf dem System hinzu. Sobald dessen Pfad in der Liste in der Mitte des Dialogs erscheint, müssen Sie hier zusätzlich die Medientypen aktivieren, die Sie im Netz zur Verfügung stellen wollen. Belassen Sie es ansonsten bei den Voreinstellungen, dann kümmert sich der Server automatisch um die Aktualisierung der Ordner. Mit einem Klick auf „Force refresh“ lesen Sie dann die Inhalte ein. Wenn Sie jetzt auf einem Ihrer Rechner eine Wiedergabe-Software starten, wird unter „Netzwerk“ bereits Ihr Linux- System auftauchen. Ist das nicht der Fall, ist es möglich, dass die Firewall im Router Ihres Netzwerks die Wiedergabe verhindert. Kontrollieren Sie dann, ob dort für TCP der Port 8895 und für UDP der Port 1900 geöffnet ist. Nach Ablauf der relativ kurzen Testphase von 15 Tagen arbeitet die Software automatisch als freie Variante weiter. In diesem Fall verlieren Sie die Option, Ihre Sammlung im Browser anzusehen und darüber direkt wiederzugeben.

Mediatomb – für Linux-Puristen

Die Oberfläche von Mediatomb ist sehr einfach und übersichtlich. Das macht diesen Streaming-Server besonders einsteigerfreundlich.
Vergrößern Die Oberfläche von Mediatomb ist sehr einfach und übersichtlich. Das macht diesen Streaming-Server besonders einsteigerfreundlich.

Die Konfiguration und der Betrieb von Serviio sind so einfach, dass auch Einsteiger unmittelbar damit zurechtkommen. Linux-Puristen werden aber gleich zweifach die Nase rümpfen: Einerseits wegen der Lizenz, denn die kostenlose Ausgabe des Servers ist nicht frei. Zum anderen wird als Voraussetzung ja eine Java-Version erwartet. Und Java genießt aus Gründen der Systemsicherheit nicht unbedingt immer den besten Ruf. Mediatomb ist eine ebenfalls leicht bedienbare Alternative, die optional sogar über eine Browser-Oberfläche konfiguriert werden kann. Die Programmpakete befinden sich in den offiziellen Quellen der meisten Distributionen. Unter Ubuntu installieren Sie Mediatomb unmittelbar aus dem Software-Center. Während der Einrichtung wird auch gleich in der Seitenleiste von Unity ein Icon angelegt. Mit einem Klick öffnen Sie damit den Standard-Browser Ihres Systems und die Seite des Servers. Erhalten Sie dort die Fehlermeldung, dass die „UI nicht angezeigt“ werden kann, müssen Sie ein paar manuelle Anpassungen vornehmen. Öffnen Sie ein Terminal, und geben Sie dort diesen Befehl ein:

gksu gedit /etc/mediatomb/config. xml

Suchen Sie in der Datei im oberen Abschnitt nach dem Eintrag

ui enab-led="no"

und ändern Sie diesen Eintrag auf „yes“. Gleich darunter können Sie unter „accounts“ auch definieren, dass nur ein Benutzer mit Namen und Passwort sich über diese Schnittstelle anmelden darf. Die Angaben befinden sich gleich in den Zeilen darunter. Speichern Sie die Datei ab. Geben Sie im Terminal nun folgenden Befehl ein:

sudo service mediatomb restart

Damit starten Sie den Server neu. Wenn Sie anschließend die Seite im Browser neu laden oder erneut auf das Icon in der Dash klicken, begrüßt Sie der Server mit seiner Oberfläche. Diese ist extrem übersichtlich gehalten: Klicken Sie auf „Filesystem“. In diesem Bereich geben Sie ein lokales Verzeichnis auf Ihrem System für das Streaming frei. Dazu navigieren Sie zunächst im linken Bereich des Fensters bis zum gewünschten Ordner. Klicken Sie danach am besten auf das Pluszeichen, das von den beiden Halbkreisen umgeben ist. Damit machen Sie dieses Verzeichnis zu einem Ordner, der in regelmäßigen Abständen automatisch auf neue Dateien oder Veränderungen überprüft wird. Mit der Option „Recursive“ werden beim Scannen auch Unterordner berücksichtigt. Mit „Set“ übernehmen Sie die Änderungen. Mediatomb sollte nach der Installation automatisch beim Systemstart hochfahren. Auf der Konsole gibt es nur drei Befehle, mit denen Sie das Mediatomb-System steuern können.

sudo service mediatomb start [stop | restart]

Auf Systemen, auf denen der Betrieb noch nicht als Service umgesetzt wurde, funktionieren die folgenden drei Kommandos:

/etc/init.d/mediatomb start [stop | restart]

Auch hier gilt: Wenn ein Streaming- Client Ihren Rechner nicht im Netzwerk sehen kann, behindert wohl die Firewall am Router die Übertragung. Mediatomb benötigt die Ports für TCP und UDP 1900 und 49152.

Mini-DLNA für Puristen

Puristisches Mini-DLNA: Dieser Server hat kein Konfigurations-Tool, sondern wird über eine Textdatei konfiguriert. Die Syntax ist allerdings leicht zu verstehen.
Vergrößern Puristisches Mini-DLNA: Dieser Server hat kein Konfigurations-Tool, sondern wird über eine Textdatei konfiguriert. Die Syntax ist allerdings leicht zu verstehen.

Die einfachste Form für das Streaming von Medien des eigenen Linux-Rechners ist das Programm Mini-DLNA. Es kommt ohne aufwendige Oberfläche aus und wird über eine Konfigurationsdatei gesteuert. Das ist sicherlich nicht besonders komfortabel, andererseits die ideale Lösung, wenn nur ab und an die Mediendateien im Haus verteilt werden sollen. Sobald die Installation erfolgreich abgeschlossen ist, öffnen Sie ein Terminal und geben dort

gksu gedit /etc/minidlna.conf

ein. In der Datei sind einige Zeilen für die Grundkonfiguration zuständig. Zum Bearbeiten entfernen Sie das Kommentar-Zeichen „#“ vor dem Eintrag und notieren hinter dem Gleichheitszeichen die Daten Ihres Systems:

network_interface= eth0 „eth0“

ist der Standardname für verkabelte Ethernet-Schnittstellen, „wlan0“ ist einzutragen, wenn Sie über WLAN streamen.

media_dir=<Pfad>

Hier definieren Sie den Ordner, in dem sich die Mediendateien befinden. Diese Angabe kann mehrfach eingetragen werden.

friendly_name=<Servername>

Das ist der Name, wie er später in Wiedergabeprogrammen auf anderen Netzgeräten erscheinen soll.

inotify=yes

Dieser Eintrag sorgt dafür, dass die Medienverzeichnisse beim Start des Servers automatisch nach neuen Dateien durchsucht werden. Wenn Sie den Server manuell starten oder anhalten wollen, geht dies ebenfalls über die Konsole mit dem Befehl

sudo service minidlna start (oder stop).

Client-Software und Player für das Streaming

VLC Media Player und „Universal Plug’n’Play“: Der VLC wird den Streaming-Server meist ohne Probleme identifizieren, und Sie können sofort die Wiedergabe starten.
Vergrößern VLC Media Player und „Universal Plug’n’Play“: Der VLC wird den Streaming-Server meist ohne Probleme identifizieren, und Sie können sofort die Wiedergabe starten.

Die vorgestellten Streaming-Server sollten mit allen Geräten, die nach dem DLNA-Standard kommunizieren können, erreicht werden. Ob XBox, Windows-PC, Smart-TV oder Smartphone spielt hier keine Rolle. Wenn am Router die erforderlichen Ports freigeschaltet worden sind, steht dem Zugriff auf die Dateien nichts im Wege. Probleme bereitet unter Umständen die Apple-Welt, obwohl ja Mac-OS X und Linux gar nicht so verschieden sind. Aber der Medienplayer iTunes, der Standard auf dem Mac, weigert sich, mit solchen einfachen Freigaben zusammenzuarbeiten. Glücklicherweise gibt es etwa mit dem VLC einen Player, der auch auf dem Mac läuft und zugleich ein sehr guter Streaming-Client ist. Problematisch verhalten sich unter Umständen auch Geräte, deren Hersteller den DLNA-Standard auf eigene Weise interpretiert haben. Auch in einem solchen Fall ist es möglich, dass Sie weder in den Genuss von Bild und Ton kommen. Wenn Sie unter Linux auf eine Mediensammlung zugreifen wollen, die per DLNA freigegeben wird, benötigen Sie das passende Werkzeug. Eines der besten Programme ist ohne Zweifel wieder der erwähnte VLC-Player, den Sie über die Paketquellen nahezu jeder Distribution installieren können. Die Video-LAN-Software besitzt noch einen wesentlichen Vorteil gegenüber anderen Lösungen: Während bei vielen anderen Abspielprogrammen auch noch zusätzliche Hilfsdateien installiert werden müssen, ist VLC umfassend mit den sogenannten Codecs ausgestattet und spielt von sich aus sehr viele Formate aus der Windows-, Mac- und Linux-Welt. Einen korrekt im Netzwerk eingebundenen DLNA-Server zeigt der VLC-Player in der linken Seitenleiste im Abschnitt „Lokales Netzwerk“. Mit einem Doppelklick auf einen Eintrag navigieren Sie in der Struktur des Servers. Das Programm steht auch in Versionen für Windows und Mac-OS X mit identischer Oberfläche zur Verfügung.

Einstellungen für Banshee: Damit der Linux-Player Ihren DLNAServer im Netz findet, muss der UPnP-Client aktiviert sein.
Vergrößern Einstellungen für Banshee: Damit der Linux-Player Ihren DLNAServer im Netz findet, muss der UPnP-Client aktiviert sein.

Eine Alternative dazu ist der Banshee-Player , der ebenfalls in den Paketquellen zu finden sein dürfte. Unter Ubuntu installieren Sie es etwa in einem Terminal mit dem Befehl: sudo apt-get install banshee Damit Sie aber auch Ihre freigegebenen Dateien finden, müssen Sie zunächst „Bearbeiten, Einstellungen“ ausführen. Wechseln Sie dort in das Register „Erweiterungen“, und aktivieren Sie hier „UPnP-Client“. Das Plug-in ist unmittelbar aktiv. Unter „Freigegebene Medien“ sollte wenige Augenblicke später Ihr Server aufgelistet werden. Das Streamen von Audio- und Videodateien im heimischen Netzwerk ist dank durchdachter Programme auch für absolute Einsteiger möglich. Kleinere Probleme sind dabei nicht immmer ausgeschlossen, resultieren dann aber weniger aus der Server-Seite als vielmehr aus einer falschen oder eigenwilligen Interpretation eines Geräteherstellers

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