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Filme, Musik & Bilder im Heimnetzwerk streamen

19.08.2014 | 11:04 Uhr |

Streaming ermöglicht den schnellen Transport von Inhalten übers Netzwerk. Mit den richtigen Tools klappt der Austausch zwischen PC, Smart-TV und Smartphone problemlos.

In vielen Haushalten sind inzwischen die unterschiedlichsten Geräte miteinander vernetzt. Neben dem klassischen PC kommen Notebooks, Netbooks, Smartphones und Tablets zum Einsatz. Und auch das TV-Gerät erhält Medieninhalte nicht nur über Kabel oder Satellit, sondern zunehmend aus dem Internet oder dem lokalen Netzwerk. Alle genannten Geräte können Bilder und Videos anzeigen und Audioinhalte zum Lautsprecher befördern.

Als Transportmedien kommen DVD- oder Blu-ray-Scheiben, USB-Festplatten und USB-Sticks infrage. Das funktioniert zwar zuverlässig, ist jedoch zugleich auch umständlich, weil die gewünschten Dateien beispielsweise erst vom PC auf den USB-Stick kopiert werden müssen, damit sie sich am TV-Gerät abspielen lassen. Wenn ohnehin schon alles vernetzt ist, bietet sich der Transport über WLAN oder Ethernet-Kabel (Streaming) als bequemere Alternative an. Sie können dann Youtube-Videos auf dem Smartphone aufrufen und das Smart-TV als Bildschirm benutzen oder Videos vom NAS oder PC über das TV-Gerät abspielen.

Der Datenaustausch etwa zwischen Smartphone oder PC und Smart-TV erfordert aber spezielle Software und einige Vorbereitungen. Der Artikel erläutert die Techniken, die beim Transport der Daten zum Einsatz kommen und gibt Tipps zur erfolgreichen Konfiguration der Software auf dem PC, Smartphone oder Tablet.

1. So funktioniert Media-Streaming

Vom Prinzip her unterscheidet sich Streaming nicht vom herkömmlichen Download. Zumeist kommt das Hypertext Transfer Protocol (HTTP) zum Einsatz, das Sie auch verwenden, wenn Sie Internetseiten abrufen oder Dateien herunterladen. Die Datei-Inhalte werden allerdings beim Streaming nach Anforderung durch den Anwender („On-Demand-Streaming“) nicht zuerst komplett auf die Festplatte geladen, sondern in kleinen Häppchen in einem Puffer zwischengespeichert und gleich abgespielt. Die Pufferung ermöglicht es, im Video vor- und zurückzuspulen oder zu pausieren. Aktuelle Browser mit HTML5-Unterstützung benötigen für die Wiedergabe keine zusätzlichen Plug-ins wie Adobe Flash oder Apple Quicktime mehr, wenn der Anbieter die Inhalte entsprechend aufbereitet zur Verfügung stellt.

Etwas anders sieht es beim Live-Streaming in Echtzeit etwa von Fernsehübertragungen oder Videokonferenzen aus. Hier kommen meistens spezielle Übertragungsprotokolle wie das Real Time Transport Protocol (RTP) oder das Real Time Streaming Protocol (RTSP) zum Einsatz. Für die Wiedergabe sind dann Browser-Plug-ins oder ein geeigneter Mediaplayer nötig.

Vom Smartphone auf das TV-Gerät streamen

2. Streaming über Windows-Freigaben

Zugriff auf Windows-Freigaben: Im ES Datei Explorer tragen Sie die Verbindungsinformationen für Ihren Server ein. Freigegebene Mediendateien lassen sich dann direkt in einem Android-Player abspielen.
Vergrößern Zugriff auf Windows-Freigaben: Im ES Datei Explorer tragen Sie die Verbindungsinformationen für Ihren Server ein. Freigegebene Mediendateien lassen sich dann direkt in einem Android-Player abspielen.

Im eigenen Netzwerk wollen Sie meist Multimedia-Dateien, die auf einem Gerät liegen, auf einem anderen wiedergeben. Das lässt sich beispielsweise über Netzwerkfreigaben (SMB/CIFS, Server Message Block/Common Internet File System) von einem PC oder NAS zu einem anderen PC bewerkstelligen. Mit einem iOS-Gerät funktioniert das ebenfalls, wenn Sie eine App wie Filebrowser (5,99 Euro) installieren, die SMB/CIFS unterstützt. Android-Nutzer können den kostenlosen ES Datei Explorer verwenden. Der direkte Zugriff auf Windows-Freigaben ist zudem mit einigen Sat-Receivern oder Mediaplayern am TV-Gerät möglich, Smart-TVs kennen diese Funktion in der Regel nicht. Der Nachteil dieser Art des Netzwerkzugriffs: Sie müssen zunächst die gewünschten Freigaben erstellen und sich danach beim PC oder NAS anmelden, also bei jedem Gerät Benutzername und Passwort eintippen.

3. Streaming über UPnP und DLNA

Das gängige Streaming-Verfahren im Heimnetz ist die Kombination von UPnP (Universal Plug and Play) und DLNA (Digital Living Network Alliance). Die Technik kann beim Streamen vom Smartphone oder PC zum TV-Gerät oder vom PC zum Smartphone zum Einsatz kommen.

UPnP definiert drei abstrakte Netzwerkgeräte: Den Mediaserver, den Mediarenderer (Player) sowie den Control Point. Letzterer ist für das Auffinden der Mediaserver im Netz zuständig. Die Datenpakete werden per TCP/IP (Transmission Control Protocol/Internet Protocol) und UDP (User Datagram Protocol) übertragen. Die Kommunikation erfolgt über das vom Webbrowser her bekannte HTTP (Hyper Text Transfer Protokol) und SOAP (Simple Object Access Protocol). In einem Netzwerk und sogar auf einem PC lassen sich – bei Bedarf – auch mehrere UPnP-Server parallel betreiben.

Ein UPnP-fähiges Gerät sucht im Netzwerk nach Servern, welche einen entsprechenden Dienst bereitstellen, und präsentiert eine Liste der gefundenen Anbieter. In der Liste können Sie dann einen Server und darauf die gewünschten Ordner und Dateien auswählen. UPnP benötigt keine Anmeldung beim Server und hat auch standardmäßig keine Funktionen für Zugriffsrechte. Jedes Gerät kann also auf die Ressourcen zugreifen.

Auf vielen aktuellen Geräten befindet sich ein DLNA-Logo (Digital Living Network Alliance). Bei DLNA handelt es sich um einen auf UPnP aufsetzenden Standard, der Beschreibungen von Dateiformaten, Decodern und Auflösungen enthält. Bei DLNA geht es vor allem darum, die Zusammenarbeit von Geräten wie Computern, Druckern, Kameras, Smartphones und anderen mobilen Geräten zu ermöglichen.

Wiedergabeprobleme bei DLNA: In der Praxis funktioniert das allerdings nicht immer wie versprochen. Die Hersteller von Fernsehgeräten, Smartphones und Tablet-PCs versprechen zwar eine problemlose Verbindung aller Geräte, aber der Benutzer muss sich dann häufig mit untauglicher Software herumschlagen und sieht auf dem Fernseher Meldungen wie „Das Dateiformat wird nicht unterstützt“. Eine der Ursachen dafür ist, dass DLNA nur die Formate JPEG (Fotos), LPCM (Audio) und MPEG-2 (Video) verbindlich vorschreibt. Selbst wenn ein TV-Gerät DivX, MKV oder H.264 beherrscht, heißt das nicht, dass sich diese Formate auch per DLNA wiedergeben lassen. In diesem Fall hilft es, mehrere DLNA/UPnP-Server auszuprobieren. Einer davon arbeitet dann vielleicht mit dem Fernsehgerät, Tablet-PC oder Smartphone optimal zusammen. Die größte Aussicht auf Erfolg verspricht Server-Software, die Audio- und Videodateien in das für ein bestimmtes Gerät passende Format konvertiert.

4. DLNA-Server unter Windows einrichten

Windows 7 und 8 bringen bereits einen DLNA-Mediaserver mit. Er eignet sich jedoch nur für JPEG-, MP3- und MPEG-Dateien, da er keine Konvertierung durchführt. Sollte das für Sie ausreichen, prüfen Sie, ob die Medienfreigabe bereits konfiguriert ist. Suchen Sie in der Systemsteuerung nach „Medien“ und klicken Sie auf „Medienstreamingoptionen“. Hier stellen Sie ein, welche Geräte zugreifen dürfen. Nach einem Klick auf „Weiter“ können Sie bestimmen, welche Ordner Windows freigeben soll.

Mit dem Plex Media Server machen Sie Ihre Multimedia-Dateien über DLNA im eigenen Netz verfügbar. Der Zugriff ist aber auch über das Internet möglich.
Vergrößern Mit dem Plex Media Server machen Sie Ihre Multimedia-Dateien über DLNA im eigenen Netz verfügbar. Der Zugriff ist aber auch über das Internet möglich.

Wenn Sie einen DLNA-Server mit Konvertierungsfunktion benötigen, lässt sich der kostenlose Universal Media Server verwenden. Die Software steht unter einer Open-Source-Lizenz, wurde ursprünglich für die Sony Playstation 3 entwickelt, unterstützt inzwischen aber eine Vielzahl von Geräten. Die Inbetriebnahme unter Windows ist relativ unkompliziert. Sie müssen nur auf der Registerkarte „Navigations-/Freigabeeinstellungen“ die Ordner mit den Audio- und Videodateien angeben. Wenn notwendig, lässt sich auf der Registerkarte „Transkodierungseinstellungen“ detailliert bestimmen, wie die Umwandlung der Dateien erfolgen soll.

Sollte Ihnen der Funktionsumfang von Universal Media Server nicht genügen, lohnt sich ein Blick auf Plex . Der Hersteller liefert ein Rundum-sorglos-Paket, das alle Bereiche des Media-Streaming abdeckt. Zentrale Software ist der kostenlose Plex Media Server den es für Windows, Mac und Linux für einige NAS-Geräte gibt. Für die Nutzung des Servers ist ein Konto bei Plex erforderlich. Nach der Installation richten Sie Bibliotheken etwa für Filme, TV-Serien, Musik und Fotos ein, die auf Ordner auf Ihrer Festplatte verweisen. Unter „Kanäle“ können Sie Online-Dienste wie Youtube, Vimeo oder Apple Movie Trailers für den Server verfügbar machen.

Die Software scannt Ihre komplette Mediensammlung und holt sich – wenn verfügbar – Cover-Bilder, Albumtitel und Beschreibungstexte aus dem Internet. Die sehr schön gestaltete Medienbibliothek rufen Sie dann im Browser entweder lokal über das Plex-Icon im Systray und „Media Manager“ oder über Ihr Konto bei Plex.tv auf. Letzteres ermöglicht den Zugriff auf die Inhalte von jedem beliebigen PC aus. Darüber hinaus können Sie Ordner für Freunde freigeben, die sich ebenfalls ein Konto bei Plex.tv eingerichtet haben.

TV-Sendungen via Internet aufnehmen

HDMI-Player statt Smart-TV

Ein TV-Gerät ist meist keine besonders preisgünstige Anschaffung und es sollte daher ein paar Jahre lang nutzbar sein. Vor allem bei älteren Geräten lässt die Software, die aus dem „TV“ ein „Smart-TV“ macht, oft noch Wünsche offen und nicht alle Hersteller liefern regelmäßig Aktualisierungen. Für wenige Euro können Sie jedoch jedes TV-Gerät aufrüsten. Einzige Voraussetzung ist ein HDMI-Anschluss. Relativ neu auf dem Markt ist Google Chromecast, ein HDMI/WLAN-Stick mit eingebautem Mediaplayer für 35 Euro. Einen Test und Infos zu Bezugsquellen finden Sie auf www.pcwelt.de/1923399. Die Steuerung erfolgt über das Smartphone. Apps gibt es für alle verbreiteten Systeme. Besonders bequem ist die Verwendung zusammen mit Plex (siehe dazu Punkt 4) und der Plex App (3,64 Euro).

Im Angebot von Online-Händlern wie Amazon finden Sie unter dem Stichwort „Media-Streaming“ zahlreiche andere HDMI-Sticks oder Multimedia-Boxen für TV-Geräte zu Preisen von meist unter 100 Euro. Auf diesen läuft als Betriebssystem oft Android und Sie können damit Filme und Musik entweder über einen DLNA-Server abspielen oder direkt auf Windows-Freigaben zugreifen.

5. DLNA mit dem Smart-TV oder Mobilgerät nutzen

Damit Geräte die Inhalte vom DLNA-Server abrufen können, müssen sie sich im gleichen Netzwerk befinden. Bei TV-Geräten führt der Weg in der Regel über den integrierten Media-player und einen Menüpunkt wie „Medienserver im Netzwerk“. Wählen Sie Ihren DLNA-Server aus und navigieren Sie zum gewünschten Ordner, um die Datei wiederzugeben.

Auf Ihrem Smartphone sind wahrscheinlich bereits Apps wie Allshare vorinstalliert, die auf DLNA-Server zugreifen können. Wenn nicht, installieren Sie auf einem Android-Gerät beispielsweise die werbefinanzierte App Bubble UPnP . Starten Sie die App und tippen Sie auf „Devices“. Unter „Renderers“ belassen Sie die Voreinstellung „Local Renderer“, um ein Video auf dem Smartphone abzuspielen. Unter „Libraries“ tippen Sie Ihren DLNA-Server an. Gehen Sie dann in der unteren Leiste auf „ Library“ und navigieren Sie zum gewünschten Ordner beziehungsweise Video. Die Wiedergabe erfolgt in einer externen App. In der Regel genügt der vorinstallierte Videoplayer. Bei Problemen lässt sich auch zu einer bewährten Gratis-App wie MX Player greifen.

6. Videos vom Smartphone zum Smart-TV streamen

Auch wenn DLNA einfach einzurichten ist, erscheint vielen Nutzern die Steuerung über die Fernbedienung des TV-Geräts auf Dauer als zu umständlich und zu langsam. Wer ohnehin mit dem Smartphone oder Tablet auf dem Sofa sitzt, der verwendet deshalb besser das mobile Gerät für die Steuerung.

Je nach Gerätetyp und installierten Apps führen mehrere Wege zum Videogenuss im Wohnzimmer. Bei aktuellen Android-Versionen können Sie beispielsweise die Youtube-App starten und im Menü auf „Einstellungen > Verbundene TV-Geräte > TV-Gerät hinzufügen“ gehen. Starten Sie dann auf Ihrem Smart-TV ebenfalls die Youtube-App. Hier wird Ihnen ein Code angezeigt, den Sie zur Kopplung auf dem Smartphone eintippen müssen. Rufen Sie auf dem Smartphone ein Youtube-Video auf, tippen Sie das Icon rechts oben neben der Lupe an und wählen Sie das TV-Gerät aus. Sie sehen das Video auf dem Fernsehbildschirm und können es über die TV-Fernbedienung oder das Smartphone vorspulen oder pausieren.

Sollte der Fernseher keine Youtube-App bieten, verwenden Sie die Kombination Plex Media Server/Bubble UPnP (siehe Punkt 4 und 5). Die Voraussetzung dafür ist, dass Sie den Youtube-Kanal bei der Konfiguration des Plex Media Server hinzugefügt haben. In Bubble UPnP gehen Sie danach auf „Library“ und „Video > Video Channels“ und wählen ein Video aus. Unter „Devices“ stellen Sie bei „Renderers“ Ihr TV-Gerät ein. Sollte es nicht in der Liste auftauchen, prüfen Sie die Einstellungen des Fernsehgerätes. Hier müssen Sie im Setup den Mediarenderer aktivieren. Die Einstellung findet sich meistens unter „Netzwerk-Setup“ oder „Netzwerk-Geräte“.

Übersicht Streaming-Apps und -Player

Programm

Beschreibung

System

Internet

Sprache

Filebrowser

Datei-Manager

iPhone/iPad

www.pcwelt.de/jjn8

Englisch

Universal Media Server

DLNA-Server

Vista, Windows 7, 8

www.universalmediaserver.com

Deutsch

Plex Media Server

DLNA-Server

Vista, Windows 7, 8

https://plex.tv

Englisch

ES Datei Explorer

Datei-Manager

Android

www.pcwelt.de/0s75

Deutsch

Bubble UPnP 

DLNA-Client und Server

Android

www.pcwelt.de/6gpm

Englisch

Plex App

Client für Plex Media Server

Android

www.pcwelt.de/7at0

Deutsch

MX Player

Mediaplayer

Android

www.pcwelt.de/vsk6

Deutsch

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Smart Home - darum geht es.

Smart Home umschreibt einen der vermutlich am stärksten wachsenden Trends der Zukunft: Intelligente Geräte und Haus-Steuerungssysteme, die Ihnen Ihr Leben erleichtern sollen. Denkbar und vielfach bereits erhältlich sind dabei Lösungen wie Einbruchschutz oder Sets zum Stromsparen. Oder Intelligente Systeme zur Hausbelüftung oder Heizungssteuerung. Smart TVs bringen das Internet ins Wohnzimmer und Waschmaschinen lassen sich per App steuern. Über intelligente Stromzähler haben Sie mit einem Blick aufs Smartphone den aktuellen Stromverbrauch im Griff. Sie sehen, die möglichen Anwendungen sind vielfältig. In diesem Themenbereich widmen wir uns dem Thema Smart Home, erklären, wie die Technik funktioniert und wie intelligent vorhandene Lösungen am Markt wirklich sind.

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