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Mate: Der geistige Gnome 2.0-Nachfolger

31.07.2014 | 12:01 Uhr |

Nicht alle Anwender finden den neuen Gnome-Desktop in der Version 3 gelungen. Während die Gnome Foundation die alte Version 2 längst beerdigt hat, lebt diese in Form des Forks Mate erfolgreich weiter.

Mit Mate hat sich 2011 ein Entwicklerteam aus dem Umkreis von Arch Linux mit Quellcode des alten Gnome-2-Desktops abgespalten. Mit Erfolg: Mate hat seine Anhänger und erwies sich in den letzten Jahren als ernsthafte Alternative für Einsteiger und für Anwender, die einen traditionellen Desktop bevorzugen. Zum Erfolg trug bei, dass Mate, das im März 2014 in der Version 1.8 erschien, Gnome 2 nicht etwa einfach einfriert, sondern den alten Desktop signifikant weiterentwickelt und ergänzt. Die Oberfläche erhielt trotz althergebrachter Bedienkonzepte ein aufpoliertes, modernes Äußeres. Die größte Änderung war die Aktualisierung auf GTK3 in Mate 1.6, damit sich auch Gnome-Anwendungen neuerer Bauart perfekt in den Desktop einfügen.

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 4/2014

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Die Rückkehr der Gnome-Applets: Die Panel des Desktops können Sie nach Belieben mit benötigten Applets füllen. Zur Kompatibilität mit Gnome 3 und Unity gibt es ein optionales Indicator-Applet.
Vergrößern Die Rückkehr der Gnome-Applets: Die Panel des Desktops können Sie nach Belieben mit benötigten Applets füllen. Zur Kompatibilität mit Gnome 3 und Unity gibt es ein optionales Indicator-Applet.

1. Konzept und Funktionsumfang

Bei Mate handelt es sich um eine komplette Desktop-Umgebung mit eigenem Window-Manager und den typischen Programmen, die von Gnome 2 übernommen wurden. Die mitgelieferten Programme haben als Fork aber andere Bezeichnungen bekommen. Dies liegt nicht an der Eitelkeit der Entwickler, sondern an einer technischen Notwendigkeit, um Konflikte mit alten und neuen Gnome-Komponenten zu vermeiden. Mate lässt sich deshalb auch auf demselben Linux-System neben Gnome 3 installieren, ohne Konflikte bei Programmen und Bibliotheken zu verursachen. Der ehemals als „Metacity“ bekannte Window-Manager, der für den Stil der Programmfenster sorgt, heißt nun „Marco“. Statt des Dateimanagers „Nautilus“ ist der recht ähnliche „Caja“ enthalten, der sogar einen neuen Client für den Cloud-Speicherdienst Dropbox bekommen hat.

Der Editor Gedit ist als „Pluma“ enthalten, aus dem PDF-Betrachter Eye of Gnome wurde „Eye of Mate“, und der PDF-Viewer Evince ist hier als „Atril“ bekannt. Trotz der neuen Namen und stellenweise neuen Funktionen werden einem ehemaligen Gnome-2-Anwender alle diese Programme in Bedienung und Aufbau sofort vertraut vorkommen. Die Elemente der Arbeitsfläche sind mit jenen des alten Gnome nahezu identisch.

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2. Hardware-Ansprüche und Speicherbedarf

Wer aus historischem Interesse eine richtig alte Version von Ubuntu oder Fedora startet, wird überrascht sein, wie wenig Speicher und Rechenleistung die alte Arbeitsumgebung mit Gnome 2.32 dem System abverlangt. Ubuntu 10.10, der letzte Release mit Gnome 2, belegt nach dem Start ohne laufenden Programme lediglich 150 MB Speicher. Mit Mate liegen auch aktuelle Linux-Systeme mit aktueller, fehlerbereinigter Software und frischem Kernel mit erweiterter Hardware- Unterstützung nur wenig darüber: Mate belegt auf Linux Mint 16 in der gleichen Konstellation 190 MB RAM. Fedora 20 kann diesen Wert mit 160 MB Speicherbedarf sogar noch unterbieten, was aber vor allem an der automatisch an die Hardware angepassten Initrd liegt.

Was die Arbeitsumgebung neben dem kleinen Speicherhunger außerdem noch für altgediente, aber nicht ausgediente PCs und Notebooks interessant macht, ist die Ungebundenheit des Windows-Managers an einen 3D-fähigen Grafikchip: Mate läuft zur Not auch mit einem generischen Vesa-Treiber anständig.

Dezente Effekte: Wie XFCE unterstützt auch Mate einen Software-Compositor, der auch ohne 3D-fähigen Grafikchip Transparenz und Schattenwurf auf den Desktop zaubert.
Vergrößern Dezente Effekte: Wie XFCE unterstützt auch Mate einen Software-Compositor, der auch ohne 3D-fähigen Grafikchip Transparenz und Schattenwurf auf den Desktop zaubert.

3. Konfiguration und Anpassung

Wie einst in Gnome 2 sind die wesentlichen Elemente der Arbeitsfläche die Panels (Leisten), die sich am oberen und unteren Rand einrichten lassen, was auch die Standardkonfiguration ist. Mit Leben füllen diverse Applets die Panels, die ebenfalls von Gnome 2 nach Mate portiert wurden. Bei allen Elementen des Desktops wie ausklappendes Anwendungsmenü, Programmstarter, Infobereich und Taskleiste handelt es sich um Applets, die sich per Rechtsklick nach Belieben verschieben lassen. Wie flexibel der Mate-Desktop ist, demonstriert Linux Mint Mate. Hier ist alles im unteren Panel untergebracht, und ein Applet mit einem großzügigen Mint-Menü ersetzt das herkömmliche Startmenü.

Die Konfiguration des Desktops gelingt bei Mate über das im Vergleich zu Gnome 2 glanzvoll aufpolierte Kontrollzentrum, das unter „System -> Kontrollzentrum“ die Einstellungen zu Aussehen, Verhalten, Autostart-Programmen und alle anderen wichtigen Punkten in einer aufgeräumten Übersicht präsentiert. Die Optik hat im Vergleich zum alten Gnome auch deutliche Fortschritte gemacht, zeigt verbessertes Schriftarten-Rendering und ein geschmeidiges Standard-Erscheinungsbild, das sich in Farben und Fensterdekorationen am neuen Gnome 3 orientiert.

Wer wie bei XFCE dezente Effekte wie Schattenwurf und Transparenz möchte, kann dazu im Kontrollzentrum unter „Fenstereinstellungen -> Allgemein“ einen Software-Compositor aktivieren. Linux-Distributionen mit Mate sind also auch gut dafür geeignet, alter Hardware neues Leben einzuhauchen, wobei Linux Mint mit seinem Ubuntu-Unterbau höhere Hardware-Ansprüche hat als beispielsweise ein Debian 7 oder ein Fedora 20 mit Mate-Desktop. Mit einem leistungsfähigen Grafikchip kann außerdem das altbewährte Compiz die Fenster von Mate zum Wabern bringen. Fedora 20 liefert für diesen Zweck ein optionales, vorkonfiguriertes Compiz mit, das bei erkanntem 3D-fähigem Grafikchip aktiv wird.

4. Installation in populären Distributionen

Ab Version 1.6 kann Mate parallel zu Gnome 3 und Unity auf einem Linux-System installiert werden. Besonders einfach ist die Installation unter Linux Mint und Fedora, da Mate 1.6 dort in den Standard-Paketquellen liegt. Neu in Ubuntu 14.04 ist, dass diese Desktop-Umgebung in der Version 1.6 nicht mehr nur über ein PPA verfügbar ist, sondern ebenfalls in den Standard-Paketquellen vorliegt.

Die englischsprachige Dokumentation unter http://wiki.Mate-desktop.org/download liefert Anleitungen für viele andere Linux-Distributionen. So gibt es für Ubuntu 14.04 und Debian 7 ein gut gepflegtes, inoffizielles Repository, in dem schon jetzt Mate in der allerneuesten Version 1.8 zur Installation bereitliegt.

Steckbrief Mate 1.8
Webseite: http://Mate-desktop.org
Aktuelle Version: Mate 1.8 (vom 4.3.2014)
Zielgruppe: Einsteiger und konservative Anwender
Ressourcenbedarf: gering, läuft ohne 3D-fähigen Grafikchip, braucht wenig RAM und Rechenleistung
Anpassungsfähigkeit: hoch
Repräsentative Distributionen:
Linux Mint 16
Fedora 20

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