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Makers - bauen Sie sich Ihre Technik einfach selbst

05.04.2014 | 09:08 Uhr |

Der „Maker“-Trend ist aus den USA nach Deutschland übergeschwappt. Die Maker-Bewegung nutzt die neuen Möglichkeiten der IT, um nach dem Do-It-Yourself-Prinzip eigene Dinge zu schaffen. PC-Welt erklärt den Trend und stellt spannende Beispiele vor.

Bei einer Kernfusion kommen sich zwei Atome so nahe, dass ihre Kerne miteinander verschmelzen. Dabei wird unvorstellbar viel Energie freigesetzt. Das Feuerinferno der Sonne ist das Resultat aus einer solchen atomaren Fusion. Im Internet findet sich ein Bauplan von selbst erklärten „Maker“ Daniel Spangler, mit dem es möglich ist, selbst einen kleinen Fusionsreaktor zu bauen, sodass man zum Besitzer seines eigenen kleinen instabilen Sterns wird.

Viele verschiedene Baupläne für ähnliche „Do-It-Yourself“-Projekte finden sich online auf der Webseite des Makezines. Hinter diesen Bauplänen stehen kreative Köpfe: die Makers.
 
Die Makers: Revolutionär, innovativ und individuell

Selbst kreierte handfeste Produkte wie der eigene Fusionsreaktor sind dank den „Makers“ möglich. Als Maker werden Personen bezeichnet, die ihr eigenes Hobby leben und auf die kreativste Weise nach neuen Möglichkeiten und der Realisierung ihrer Vorstellungen streben – inzwischen vor allem dank modernster IT.

Makers hat es schon immer gegeben, sei es damals im 18. Jahrhundert, zu Zeiten der industriellen Revolution mit der Erfindung des mechanischen Webstuhls, oder im Zeitalter der digitalen Revolution mit dem Aufkommen von Computertechnologie und Internet. Der Antrieb war immer derselbe: Aus Motivation, Begeisterung und den eigenen Händen etwas Individuelles und Neues zu schaffen. Siehe Bill Gates: Der wohl bekannteste amerikanische Maker begann in den 1970er Jahren seinen Traum in die Tat umzusetzen – und schrieb sein eigenes Betriebssystem.

Makers leben nach der„Do-It-Yourself“-Philosophie. Dies bedeutet, etwas mit den eigenen Händen zu erschaffen, um nicht mehr auf Massenware oder teure Spezialprodukte angewiesen zu sein.

Die Kernelemente der Bewegung sind: Innovation, Individualität und Handarbeit. Diese stehen konträr dem modernen Markt der uniformen Massenproduktion gegenüber.

Und was der Sache eine besondere Relevanz verleiht: Dank der modernen Vernetzung steht den Makers womöglich ein weltweiter Siegeszug bevor.
 
Von Amerika nach Deutschland: Ein „Brand“ schwappt über

Die Maker-Bewegung ist laut Zukunftsforscher bereits sei längeren sehr stark ausgeprägt - vor allem, wie könnte es anders sein, im „Silicon Valley“.  Der Trend ist nun aber auch nach Deutschland übergeschwappt. Laut Nils Hitze, einem selbsterklärten Maker und Verantwortlichen für die „Make Munich“ und das DIY und Bastler-Netzwerk „Make Germany“, ist das „Maker“-Sein zu einem eigenen Brand geworden, der in Deutschland sehr gut ankommt, wie er gegenüber PC Welt berichtet. „In den historischen und kulturellen Wurzeln hierzulande war die Bastlermentalität schon immer sehr stark“, so Hitze.

Die Make Munich 2013, die erste Makers-Messe in Deutschland, verbuchte während der zweitägigen Messedauer, eine Besucherzahl von über 2.500 Teilnehmer unterschiedlichsten Alters. Auf dieser Messe wurde ein breites Spektrum an verschiedenen Ideen und deren Realisierung dargeboten. So waren vor allem Schmuck- und Accessoire-Hersteller präsent. Die Firma Makerbot war mit einem 3D-Druckerstand vertreten, sodass auch in einem 3D-Druck Workshop eigene Entwürfe ausgedruckt werden konnten. Laut Hitze bestand der Großteil der Druckergebnisse jedoch nur aus Spielzeug, sodass seiner Meinung nach das Verständnis für diese Technik geschärft werden müsse, „was sicherlich eine Aufklärungsarbeit von ein bis zwei Jahren benötigt. Erst dann werden sich die ganzen Möglichkeiten der neuen Technologie entfalten“.

Maker-Messen etablieren sich allmählich auf der ganzen Welt. Der interkulturelle Austausch innerhalb der Maker-Bewegung mit anderen Ländern, die das „Makertum“ für sich entdecken, wird in Zukunft einige interessante Neuerungen und Ideen hervorbringen hofft Hitze.
 
Das Geschäft wartet in den Nischen

Auch in Bezug auf den globalen Markt sind sich Neef und Hitze einig: Makers werden basteln, aber den Markt wirklich revolutionierende Elemente wird die Makers-Bewegung erst einmal nicht hervorbringen. Das werde auch der 3D-Druck das kaum ändern, wie Hitze meint: „Mit dem 3D-Druck wird es wie mit einer teuren Kamera sein: Nur weil jeder eine hat, heißt das nicht, dass jeder damit umgehen können wird oder den vollen Nutzen in Anspruch nimmt.“

Was Hitze sich durchaus vorstellen kann, dass sich vereinzelt Maker mit ihrem Projekt in Nischen des Marktes etablieren werden. Das sieht auch Andreas Neef so, der als Geschäftsführer der Firma Zpunkt Konzerne in Sachen Zukunftsforschung berät. Neef berichtet vom sogenannten „Innovationsparadigma“, das sich ändert: Bisher nutzten viele Firmen die Möglichkeit der „Customer Integration“ für ihre Entwicklung. Kundenfeedback galt dabei als Hauptreiber für die eigene Kreativität. Dagegen stand das Modell der „Open Innovation“, hier werden Innovationen gemeinsam auf Basis der verteilten Kreativität vieler Menschen entwickelt.
Die Makers  eröffnen in diesem Innovationsparadigma nun als Alternative zu beiden Modellen einen neuen Weg, um Innovation zu schaffen. Sie liefern eine Vielzahl an Ideen und Visionen, die den Markt, oder auch speziell einzelne Unternehmen, interessieren können.

Wenn das Hobby zum Unternehmenskonzept wird

PC Welt stellt eine Auswahl von Entwicklungen und Plattformen der Makers-Bewegung vor.

Innovation per Crowdfunding

Plattformen wie Kickstarter.com oder Startnext.de ermöglichen es einzelnen Makern, per Crowdfunding ihre Ideen und Projekte zu realisieren. Sie können als Sprungbrett für innovative Maker dienen,  um  ihre - teils sehr kostenaufwendigen - Ideen realisieren zu können. Die meisten Unternehmen aus dem Crowdfunding-Umfeld sind noch recht jung. Startnext.de wurde im Jahr 2010 gegründet und hat bereits rund 1.200 erfolgreiche Projekte mit Hilfe von insgesamt rund sieben Millionen gespendeten Euro ermöglicht. Kickstarter.com schreibt eine noch stolzere Geschichte: Unternehmensstart war 2009 und hat bis heute 51.000 Projekte durch insgesamt 871 Millionen Dollar Realität werden lassen.

Die Realisierung eines Konzeptes: Der 3Doodler.
Vergrößern Die Realisierung eines Konzeptes: Der 3Doodler.
© the3doodler.com – Pressebereich

Der 3D-Stift

Der „3Doodler“ von Wobblework ist das Resultat eines Crowdfunding- Projektes. Das Konzept war es, einen Stift zu kreieren, der es ermöglicht, dreidimensionale Gebilde zu zeichnen. Da für diese Idee das benötigte Kapital gefehlt hat, wurde es als Projektvorschlag auf Kickstarter.com der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Spendenziel war zunächst auf 30.000 Dollar angesetzt. Die Resonanz war so groß, dass laut cnbc.com insgesamt 2,3 Millionen Dollar – 7.813 Prozent des ursprünglichen Zieles - gespendet wurden.

Nun hat jeder mit dem 3Doodler die Möglichkeit, zum 3D-Designer zu werden. Geübte Zeichner sind in der Lage, mit dem Stift plastisch zu skizzieren. Der Stift hat sich bereits in weiten Teilen der „hippen“ Design-Comminuty in den USA durchgesetzt und auch Unternehmen zeigen zunehmend Interesse.

Designergegenstände aus dem 3D-Drucker

Schmuck und Design nach eigenen Vorstellungen aus dem 3D-Drucker: Mit dieser Idee haben Jessica Rosenkrantz und Jesse Louis-Rosenberg in Amerika das Designerstudio Nervous System gegründet. Sie kombinieren die Möglichkeiten des 3D-Druckes mit ihrer eigenen innovativen Vorstellung von Design, dem sogenannten „Cell Cycle Style“. Dabei weisen die Designergegenstände einen Aufbau vor, der einem organischen Zellverband ähnelt.

Ihre Kunden haben die Freiheit zu individualisieren, kreativ zu sein und das Endprodukt digital selbst zu erschaffen: mit Hilfe einer App. „We created Nervous System to explore a design approach that relates process and form in a context of interactivity and openness“. So lautet der Grundgedanke von Jesse und Jessicas Designerstudio – ein weiteres Beispiel für kreative Maker, die mit Hilfe eines 3D-Druckers und ihrem Konzept, anderen Leuten die Möglichkeit geben, kreativ und innovativ zu sein.

IT-Pflanzenschutz
Vergrößern IT-Pflanzenschutz
© makezine.com

IT-Pflanzenschutz

Maker bedenken sogar die einfache Pflege von Pflanzen : Mit Hilfe eines selbst gebauten Gerätes ist es möglich, die Feuchtigkeit, Wärme und das optimale Licht von einer Apparatur zum selberbauen kontrollieren zu lassen. Diese Daten können dann direkt  an den PC gesendet werden, sodass der Pflanzenbesitzer immer weiß, wie es um seinen grünen Schützling bestellt ist. Dieses Modell ist im Sinne der Makers auch noch weiter ausbaufähig. Somit kann man mit zusätzlichen Sensoren auch noch den pH-Wert, das Lichtspektrum und noch viel mehr auslesen lassen. Bis jetzt ist das Modell auf einzelne Pflanzen ausgelegt, es wäre aber auch durchaus denkbar mithilfe dieser Art der Datenerfassung, Felder und Gewächshäuser zu bestücken, um Pflanzen perfekt zu züchten.

oculusvr.com
Vergrößern oculusvr.com
© oculusvr.com

Virtual Reality per Brille

Ein weiteres Kickstarter-Projekt stellte 2012 die Oculus Rift dar. Diese wurde wie der 3Doodler erfolgreich gefunded. Sammelziel waren 250.000 Dollar, gespendet wurden insgesamt rund 2.5 Millionen Dollar.  Das dahinterstehende Konzept ist, die Welt von Computeranwendungen und Computerspielen direkt und mittelbarer an den Nutzer und Konsumenten zu bringen. Aktuell kann gezielt Software für diese Brille entwickelt werden, die sich bis jetzt aber eher auf Videospiele beschränkt. Denkbar wären weiter Anwendungen im Bereich der Architektur, Landwirtschafts- und Städteplanung, sowie realistischere Simulationsanwendungen im Bereich Personentransport oder sogar Führerschein. 
 
Der Unikatautomat

Ein interessantes Konzept stellt auch der „Unikatautomat“ in der Schalterhaller am Münchner Hauptbahnhof vor, der von vier Design-Studentinnen kreiert wurde. Seit 2010 bieten Künstler und Designer hier ihre eigenen Produkte an. Alle sind hand-made und ein Unikat. Durch dieses Konzept der „kleinsten Galerie der Stadt“ entstand eine Plattform für Maker, insbesondere Designer, kreative und handwerklich begabte Menschen, um ihre Design- und Kunstprodukte, direkt und zum Anfassen, in der freien Wirtschaft einsehbar zu machen. Dazu Ursula Brandl, Geschäftsführerin des Unikatautomaten: „Wir sind alles selbst ‚Macher‘, die entweder selbst in der kreativen Branche arbeiten, oder es lieber selbst bauen, als es zu kaufen.“
 

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