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MP3s im Internet

09.12.2003 | 15:35 Uhr |

MP3-Freaks: Übermüdete Typen mit Augenringen und AC/DCShirt vor vollen Aschenbechern und leeren Bierflaschen? Das war einmal ...

Das digitale Audioformat hat die Freak-Zone längst verlassen. MP3 ist nicht mehr nur "Musik für null Cent", wie es bei Napster-Kunden anfangs hieß, sondern sie ist vor allem gute Musik: MP3-Dateien tauschen heute Millionen von Musikliebhabern aus, weil das Format exzellente - sogar individuell wählbare - akustische Qualität bietet und sich problemlos archivieren sowie weitergeben lässt.

Der MP3-Player hat bereits den Discman verdrängt und das Auto erobert. Eingefleischte Fans denken schon über den kompletten Ersatz der traditionellen Hi-Fi-Anlage nach.

Musikbranche in der Defensive

Die Musikindustrie hat den kostengünstigen digitalen Vertriebsweg übers Web noch nicht begriffen. Computerhersteller Apple düpierte die Branche mit einem Online-Shop, der allein in der US-Mac-Gemeinde schon in der ersten Woche über eine Million Titel verkaufte und seine Pforten noch in diesem Jahr für Europäer und auch Windows-User öffnen soll.

Phonoline hingegen, ein von der deutschen Musikbranche geplanter Online-Verkaufsdienst, kommt seit über einem Jahr nicht aus den Startlöchern. Vor dem Apple-Schock kämpfte die Musikbranche insbesondere mit juristischen Mitteln gegen die existierenden Tauschbörsen und konnte auf diesem Weg Napster und Audiogalaxy aus dem Weg räumen.

Die Tauschnetze verbreiten außerdem immer mehr gefälschte Dateien, die Musik-Labels angeblich - und wahrscheinlich - zum Frust der Nutzer einschleusen. Diese Fakes enthalten Störgeräusche oder einige so oft wiederholte Bruchstücke des Titels, bis sie Originallänge erreichen.

Das ist klägliche Defensive statt mutiger Offensive: Längst gibt es Millionen zahlungswilliger Kunden, die für einen schnellen und gut sortierten Bezahldienst (Audio on Demand) monatlich gern einige Euro oder Dollar hinlegen würden. Erste Pioniere gibt es, doch für europäische Kunden ist das Angebot mehr als mager.

Einige US-Kataloge wie www.emusic.com können dem zahlenden Kunden aus Europa aus lizenzrechtlichen Gründen nur eine kleine Untermenge ihres Bestands anbieten. Deutsche Anbieter wie www.popfile.de machen sich mit einem winzigen Angebot nahezu lächerlich. Dabei fordern sie auch noch Songpreise, die zum Weghören sind.

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