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MP3-Tauschbörsen vor dem Aus?

18.06.2002 | 14:49 Uhr |

Das Ableben von Napster Mitte Mai konnte die Fans des digitalen Musiktauschs nicht erschüttern. Schließlich gibt es längst Alternativen. Das weiß freilich auch die Musikindustrie, namentlich die RIAA. Als prominentester Vertreter dieser mißliebigen Gratis-Konkurrenz kam nun - erwartungsgemäß - Audiogalaxy unter Beschuß.

Das Ableben von Napster Mitte Mai konnte die Fans des digitalen Musiktauschs nicht erschüttern. Schließlich gibt es längst Alternativen. Das weiß freilich auch die Musikindustrie, namentlich die RIAA (Recording Industry Association of America). Diese plant selbst den Aufbau eines kostenpflichtigen Online-Dienstes. der wohl schlechte Chancen hätte, wenn die potentiellen Kunden sich bei der kostenlosen Konkurrenz bedienen können. Als prominentester Vertreter dieser mißliebigen Gratis-Konkurrenz kam nun - erwartungsgemäß - Audiogalaxy unter Beschuß. Lesen Sie hier, warum Audiogalaxy juristisch angreifbar ist, der kostenlose Musiktausch aber dennoch überleben wird.

Am 24. Mai reichte die RIAA eine Klage gegen Audiogalaxy ein: Damit zerstob die Hoffnung des größten Napster-Erben, der juristischen Keule durch angepasstes Verhalten zu entgehen. Anders als Napster benahm sich Audiogalaxy nämlich nie wie ein antikapitalistischer Rebell gegen die Musikindustrie, sondern gab sich immerhin den Anschein der Legalität: Als die RIAA eine Liste mit zu sperrenden Songs an die Tauschbörsen verschickte, akzeptierte Audiogalaxy diese Sperren ohne Wenn und Aber. Manche Titelsuche führt seitdem nur noch zu der Meldung: "You cannot request this song due to copyright restrictions...."

Doch blieb die RIAA von solchen Unterwerfungsgesten unbeeindruckt: In der Klage heißt es sinngemäß, Audiogalaxy betreibe wie Napster ein System, absichtlich dazu entworfen, Copyright-Bestimmungen millionenfach zu verletzen. In der Tat führt der Einsatz von Filtern lediglich zu einem Katz-und-Maus-Spiel der Titeltarnung, bei dem die erfindungsreichen Nutzer die Nase meist vorn haben: Ist ein Titel gesperrt, hilft es oft schon, bei der Sucheingabe einfach die Leerzeichen wegzulassen. Alternativ lassen die Nutzer einfach ein Wort aus Bandnamen oder Titel weg oder ergänzen eines aus dem Refrain. Weitere bewährte Methoden sind Zeichentausch (typische Beispiele: Ziffer "0" für Buchstabe "O", "3" für "E" ) oder die Benutzung von Slang-Abkürzungen: Für Amerikaner ist es beispielsweise naheliegend, nach "lil"zu suchen, wenn "little" nicht fruchtet.

Dadurch bekommt die RIAA in der Sache recht. Wie die Richter in der Akte "Audiogalaxy" letztlich entschieden hätten, bleibt ungewiss, denn mittlerweile haben sich beide Parteien auf einen außergerichtlichen Vergleich geeinigt ( wir berichteten ). Dem Vergleich zufolge muss Audiogalaxy Schadenersatz leisten und darf nur noch Titel anbieten, für deren Veröffentlichung sie die Genehmigung des jeweiligen Künstlers eingeholt hat. Zum jetzigen Zeitpunkt (18. Juni 2002) ist die Tauschbörse faktisch tot, Nutzer erhalten keine MP3-Titel mehr. Wie es mit Audiogalaxy letztendlich weitergeht, ist derzeit ungewiss, ein komplettes Einstellen des Angebots ist aber relativ wahrscheinlich.

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