Die nächste Kneipe, der nächste Arzt

Geniale Location Based Services fürs Smartphone

Montag den 26.03.2012 um 09:20 Uhr

von Steffen Zellfelder

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© istockphoto.com/exdez
Standortbezogene Dienste (Location Based Services) sind die Grundlage vieler beliebter Apps. Sie bieten Informationen, die auf den aktuellen Aufenthaltsort der Nutzer abgestimmt sind. Sie finden damit per Fingertipp Bars, Tankstellen, Bankautomaten und sogar Freunde in Ihrer Nähe. Doch die Technik birgt auch Risiken - denn sie funktioniert nur unter einer Bedingung: Sie müssen Ihren Standort preisgeben - je nach App pro Nutzung oder kontinuierlich. Hier erfahren Sie alle Details.
Location Based Services (LBS) sind ein Meilenstein des technischen Fortschritts. Dabei funktionieren die standortbezogenen Dienste nicht viel anders als Navigationssoftware: Sie erfassen Ihren Standort und stellen Ihnen darauf abgestimmte Informationen zur Verfügung, zum Beispiel die nächsten Supermärkte in der Umgebung.

Das können Location-Based-Services-Apps

Bei standortbezogenen Diensten unterscheidet man zwischen reaktiven und proaktiven Angeboten. Wie der Name schon nahe legt, müssen Nutzer bei reaktiven Diensten den Service jedes Mal ausdrücklich anfordern. So lassen sich zum Beispiel Restaurants, Sehenswürdigkeiten oder das geparkte Auto (wieder-)finden. Sogar ortsbezogene Spiele sind mit Location Based Services möglich.

 Sie können damit ebenso Ihren eigenen Aufenthaltsort bestimmten wie auch den Ihrer Freunde - vorausgesetzt natürlich, die sind einverstanden und nutzen die gleiche App. Dann reicht ein Blick auf Ihr Smartphone und Sie wissen genau, wer von Ihren Bekannten gerade um die Häuser zieht, Essen geht, oder Zuhause die Füße hoch legt.

Proaktive Dienste reagieren hingegen automatisch beim Eintritt in eine bestimmte Zone. So können Sie zum Beispiel Rabatte freischalten oder spezielle Angebote aktivieren, einfach indem Sie ein teilnehmendes Geschäft betreten. Außerdem sehen die von Ihnen freigeschalteten Freunde stets, wo Sie sich gerade befinden. Das funktioniert natürlich nur, wenn die App die Position des Mobiltelefons kontinuierlich erfasst und an den dahinter stehenden LBS-Dienst übermittelt.

Die Standort-Bestimmung funktioniert übrigens auch, wenn das Smartphone gerade kein GPS-Signal empfängt oder GPS ausgeschaltet ist. Als Rückfalloption nutzt es dann die Ortung via Mobilfunknetz. Es übermittelt dazu die Nummer der Funkzelle, in die Sie gerade eingebucht sind zusammen mit dem Namen Ihres Mobilfunkanbieters an den LBS-Dienst. Der verfügt über eine Datenbank, in der verzeichnet ist, wo welche Funkzelle lokalisiert ist. Die Genauigkeit dieser Positionsbestimmung liegt zwar nur bei 10 bis 500 Metern - für die Nutzung der meisten Location Based Services reicht das aber vollkommen aus. Außerdem verfeinern LBS-Dienste die Position meist mit einer weiteren Technologie: WLAN-Kreuzpeilung. Dabei übermittelt das Smartphone, welche WLANs in der Umgebung aktiv sind und in welcher Stärke es sie empfängt. Gute LBS-Dienste haben nämlich auch eine Datenbank, in der verzeichnet ist, wo sich welche WLANs befinden. Diese haben sie sich zum Beispiel dadurch aufgebaut, dass sie sämtliche Straßen eines Landes abgefahren und dabei WLAN-Scans durchgeführt, aufgezeichnet und geographischen Koordinaten zugeordnet haben.

Smartphone-Apps mit LBS erfreuen sich großer Beliebtheit - ihre Download-Raten in den App-Stores steigen kontinuierlich. Branchenkenner haben diese  Entwicklung vorhergesehen. Viele Nutzer möchten den Komfort, den standortbezogenen Dienste für viele täglichen Aktivitäten bereitstellen, nicht mehr missen.

Location Based Services und die Privatsphäre

Wenn sich bei der bisherigen Lektüre eine gewisse Skepsis bei Ihnen eingeschlichen hat, ist das nicht verwunderlich - schließlich schüren Location Based Services die Angst vor einer totalen Überwachung. Je nach Anwendungs-Szenario und -Intensität wissen alle Freunde oder zumindest der LBS-Dienst selbst stets, wo Sie sich gerade befinden.

Diese Angst können wir Ihnen nicht komplett nehmen. Vielleicht beruhigt es Sie, dass laut deutschem Telemediengesetz Diensteanbieter die Nutzungsdaten „über das Ende des Nutzungsvorgangs hinaus“ nur verwenden darf, „soweit sie für Zwecke der Abrechnung mit dem Nutzer erforderlich sind“. Im Klartext: Er darf die Positionsdaten entweder gar nicht erst speichern oder muss sie löschen, sobald Sie die App beenden. In wiefern sich international tätige LBS-Dienste daran halten, steht allerdings auf einem anderen Blatt.

Von den Gefahren für die Privatsphäre einmal abgesehen birgt die Technik ein weiteres Risiko. Denn die Veröffentlichung des eigenen Standorts verrät nicht nur, wo Sie sich gerade befinden, sondern natürlich auch, wo Sie gerade nicht sind. Es gibt schon Berichte über Einbrüche, die auf Abwesenheits-Meldungen bei Facebook, Twitter und Co. zurück gehen. Angeblich überlegen manche Versicherer bereits, eine Zusatzprämien von Kunden zu verlangen, die sich öffentlich allzu exzessiv mitteilen. Auch die Website www.pleaserobme.com („Bitte beklau mich“) widmet sich diesem Phänomen.

Bleibt noch ein letztes, rein technisches Problem von Location Based Services, das insbesondere die proaktiven Dienste betrifft: Die permanente Standort-Erfassung und Übermittlung trägt nicht unerheblich dazu bei, dass sich der Akku leer saugt und das Smartphone noch öfter als ohnehin schon ans Ladegerät muss.

Die Zukunft von Location Based Services

Sind Location Based Services nur ein flüchtiger Trend? Wohl kaum, denn die beständige Begeisterung für LBS-Apps sowie die beeindruckende Zahl von Entwicklern, die sich der Technologie widmen, sprechen für sich. Für die Zukunft können Sie mit neuen, interessanten und spannenden Konzepten für standortbezogene Dienste rechnen. Schon alleine deshalb, weil Smartphones immer beliebter werden. Zudem sind die möglichen Szenarien für LBS-gestützte Anwendungen noch lange nicht ausgeschöpft. Automatisches Bezahlen beim Verlassen von Cafés, Bars, Restaurants oder Geschäften ist nur eine von vielen komfortablen und zukunftweisenden Optionen, die mit den technischen Mitteln von heute bereits realisierbar wären. Einige der interessantesten Apps für Android und iPhone, die auf Location Based Services setzen, haben wir in folgender Galerie zusammengestellt:

Montag den 26.03.2012 um 09:20 Uhr

von Steffen Zellfelder

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