Linux

WLAN-Sendeleistung mit Ubuntu & Co. verbessern

Montag, 03.09.2012 | 08:34 von David Wolski
So verbessern Sie die WLAN-Sendeleistung mit Ubuntu & Co.
Vergrößern So verbessern Sie die WLAN-Sendeleistung mit Ubuntu & Co.
© Polylooks
Funknetzwerke sind schnell aufgebaut, aber dann fängt die Bastelei erst an. Wir laden Sie zu einigen lohnenden Experimenten ein, um mit Ubuntu und Co. die Sendeleistung zu verbessern.
Bevor es an die Verbesserung der Leistung im WLAN gehen kann, sollten Sie wissen, wie schnell das Netzwerk unter realen Bedingungen wirklich ist. Die Funkstandards 802.11g und 802.11n versprechen Übertragungsraten von 54 MBit/s beziehungsweise 200 bis 600 MBit/s, doch das bedeutet nicht, dass die Übertragungsraten tatsächlich erreicht werden. Paket-Header und Fehlerkorrektur reduzieren den Durchsatz kräftig, so dass 802.11g in der Praxis auf 24 MBit/s kommt und 802.11n auf rund 200 MBit/s. Und das auch nur unter Idealbedingungen: Nach unten ist die Skala offen.

Starkes Sendungsbewusstsein: Das Kommandozeilen-Tool iperf
testet Bandbreite und Datendurchsatz der Netzwerkverbindungen in
beide Richtungen.
Vergrößern Starkes Sendungsbewusstsein: Das Kommandozeilen-Tool iperf testet Bandbreite und Datendurchsatz der Netzwerkverbindungen in beide Richtungen.

1. Wie schnell ist das WLAN wirklich?
Um die Übertragungsrate im WLAN zu messen, hilft das bewährte Tool Iperf. Sie benötigen für den Test zwei Linux-PCs. Unter Ubuntu ist Iperf flott eingerichtet. Installieren Sie das Tool mit sudo apt-get install iperf auf beiden PCs. Auf der Server-Seite starten Sie Iperf dann mit diesem Kommando: iperf -s
Auf dem Client beginnt dann der eigentliche Test: iperf -c [IP-Adresse Server] -d
Ersetzen Sie den Platzhalter mit der IP-Adresse des Server-PCs. Iperf sendet und empfängt zehn Sekunden lang Daten und zeigt anschließend das Ergebnis im Terminal an. Mit dem Parameter „-d“ testet Iperf den Datendurchsatz in beiden Richtungen: Der erste Angabe in der Auswertung zeigt die Verbindung vom Client zum Server an, der zweite Wert gibt den Durchsatz vom Server zum Client wieder.

Kanäle und Empfangsstärke: iwScanner ist ein
unkompliziertes Front-End, um die WLAN-Infos der wireless-tools
grafisch wiederzugeben.
Vergrößern Kanäle und Empfangsstärke: iwScanner ist ein unkompliziertes Front-End, um die WLAN-Infos der wireless-tools grafisch wiederzugeben.

2. Den besten Standort finden
Wände, Türen und Möbel beeinträchtigen das elektrische Feld des WLAN und können sogar für tote Winkel sorgen. Daher lohnt es sich oft, den Access Point anders auszurichten und zu verschieben, da auch kleine Änderungen große Auswirkungen haben können.
Um die beste Position im Raum zu finden, messen Sie am besten auf einem Notebook die Signalstärke des WLAN. Geeignetes Werkzeug bringt Ubuntu mit den wireless-tools mit, allerdings ohne grafische Oberfläche. Diese gibt es extra in Form des Programms iwScanner, das Sie mit dem Kommando sudo dpkg -i iwscanner-0.2.4.deb nachinstallieren. Besondere Abhängigkeiten bestehen keine, denn Python und die wireless-tools sind sowieso vorinstalliert. Starten lässt sich iwScanner dann unter /usr/share/iwscanner/iwscanner.py. iwScanner 0.2.4: WLAN-Scanner für Ubuntu, Download des DEB-Pakets (GPL, 24 KB, englischsprachig)

3. Kanal auswählen: Interferenzen vermeiden
Damit sich benachbarte WLANs nicht stören, ist der Frequenzbereich in Europa in dreizehn Kanäle aufgeteilt. Weil die Funkkanäle eng nebeneinander liegen und sich überlappen, sollten Sie bei fremden WLANs in Reichweite mindestens drei Kanäle Abstand halten. Funkt also beispielsweise ein WLAN auf Kanal 1, sollte ein zweites WLAN in Reichweite Kanal 4 benutzen. In dicht bebauten Gegenden und in Mehrfamilienhäusern ist aber oft kein Kanal mehr frei, und die WLANs drängeln sich auf dem Frequenzband. In diesem Fall sollten Sie das eigene WLAN auf den gleichen Kanal legen wie das stärkste fremde WLAN und auf die Fehlerkorrektur moderner Router und von Access Points vertrauen. Die Belegung der Kanäle zeigt der iwScanner ebenfalls an (siehe Punkt 2).

4. IPv6 abschalten
Das zukünftige IPv6 spielt in Heimnetzwerken bisher kaum eine Rolle. Aktuelle Betriebssysteme wie Windows 7 sprechen bereits IPv6 und arbeiten im Dual-Stack-Betrieb mit IPv4 und IPv6. Der Haken dabei ist, dass einige Router und andere Netzwerk-Hardware auf IPv6-Pakete mit längeren Antwortzeiten und schlechterem Datendurchsatz reagieren. Wer IPv6 nicht zwingend benötigt, sollte es deshalb vorerst abschalten. Bei Ubuntu ist IPv6 direkt in den Kernel kompiliert und lässt sich über Kernel-Parameter steuern. Öffnen Sie zunächst die Konfigurationsdatei: gksudo gedit /etc/sysctl.conf
Dann tragen Sie die Zeile net.ipv6.conf.all.disable_ipv6 = 1 ein. Nach einem Neustart oder der Eingabe von sudo sysctl -p sind die Änderungen aktiv. Überprüfen können Sie die Netzwerk-Konfiguration mit dem Befehl: ip addr show | grep inet6
Bleibt die Ausgabe hier leer, so ist IPv6 abgeschaltet.

5. Dual-Band Router: Auf 5 GHz ausweichen
Wenn das Frequenzband zu dicht mit WLANs belegt ist, können Sie mit neuer Hardware auf andere Frequenzen ausweichen: 11n-Router funken auf dem 2,4-GHz- und dem 5-GHz-Band. Die Hersteller bezeichnen diese Produkte als simultane Dual-Band-Router (etwa Linksys WRT610N und Netgear WNDR3300) oder als Parallelband-Router (etwa D-Link DIR-855). Der Frequenzbereich um 5 GHz für 802.11n ist aktuell weniger störanfällig, da es momentan noch weniger 5-GHz-WLAN-Geräte gibt. Natürlich muss auch der WLAN-Client die 5-GHz-Übertragung unterstützen.

Montag, 03.09.2012 | 08:34 von David Wolski
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