1906750

Linux und Fritzbox: Ein tolles Gespann

15.06.2014 | 08:34 Uhr |

Die DSL-Endgeräte von AVM gehören nicht nur in Deutschland zu den beliebtesten Produkten ihrer Art. Dazu tragen Funktionen bei, die sie beim Einsatz im Heimnetz überaus interessant machen. Wir zeigen Ihnen, wie die Fritzbox perfekt mit Linux zusammenarbeitet.

Hersteller AVM spendiert seinen Fritzboxen in regelmäßigen Abständen eine völlig neue interne Software. Die integrierte Firmware kann dabei weit mehr als nur die Verbindung mit dem Internet herzustellen. Und dank der übersichtlich gestalteten Benutzeroberfläche müssen Sie kein Experte sein, um die Fritzbox für den Aufbau eines internen Netzwerks zu verwenden.

Hardware-Voraussetzung: Mit dem Terminal-Programm ethtool überprüfen Sie zunächst, ob der Chip des Netzwerkadapters die Funktion „Wake on LAN“ unterstützt.
Vergrößern Hardware-Voraussetzung: Mit dem Terminal-Programm ethtool überprüfen Sie zunächst, ob der Chip des Netzwerkadapters die Funktion „Wake on LAN“ unterstützt.

1. Aktivieren Sie die Fernwartung

Eine der zentralen Funktionen, die Sie auf Ihrer Fritzbox aktivieren sollten, ist der Fernwartungszugang. Es ist dabei ratsam, bei den Zugangsdaten ein möglichst starkes Passwort und einen individuellen Benutzernamen zu verwenden. Dies gilt aber eigentlich für alle Türen in das eigene Netzwerk.

Die Konfigurationsoberfläche der Fritzbox erreichen Sie mit jedem Browser und der Adresse http://fritz.box oder auch der IP-Adresse 192.168.178.1, sofern Sie dies nicht manuell geändert haben. In der Fritzbox-Konfiguration wählen Sie „Internet -> Freigaben“. Wechseln Sie dann auf die Registerkarte „Fernwartung“. Aktivieren Sie die Option „Fernwartung freigeben“, und geben Sie einen gewünschten Benutzernamen und ein Passwort ein. Wenn Sie auf „Übernehmen“ klicken, ist der Zugang sofort freigeschaltet. Erreichbar ist die Box damit von außen über die öffentliche IP-Adresse, die der Internetanbieter zugewiesen hat. Da es hier zu täglichen Zwangstrennungen, aber auch zu unvorhersehbaren Trennungen der DSLLeitung kommen kann, kann sich diese IP-Adresse jederzeit ändern.

Deswegen sollten Sie sich bei einem der bekannten Anbieter einen dynamischen DNS-Zugang besorgen. Die Zugangsdaten, die Sie von dort erhalten, tragen Sie dann unter „Dynamic DNS“ ein, das Sie ebenfalls unter den „Freigaben“ finden.

Mit Linux inkognito surfen - Tails 0.17

Systemvoraussetzung: Damit beim Stromsparen nicht der ganze Chipsatz in den Schlafmodus versetzt wird, müssen Sie an dieser Stelle manuell nachhelfen.
Vergrößern Systemvoraussetzung: Damit beim Stromsparen nicht der ganze Chipsatz in den Schlafmodus versetzt wird, müssen Sie an dieser Stelle manuell nachhelfen.

2. Wecken Sie Linux aus der

Ferne Sie haben auf Ihrem Ubuntu-Rechner Ordner für das lokale Netzwerk freigegeben oder setzen den Rechner als Datei-Server ein? In Zusammenarbeit mit einer Fritzbox können Sie auf diese Daten auch von einem externen Ort zugreifen. Allerdings ist es teuer und auch aus Versicherungsgründen nicht zu empfehlen, Computer dauerhaft laufen zu lassen, während Sie das Haus verlassen. Sie brauchen also eine Möglichkeit, sich extern in Ihrem Netzwerk anzumelden, um dann den Rechner zu starten. Genau für diesen Einsatzzweck gibt es die Funktion „Wake on LAN“. Computer, die dieses Verfahren unterstützen, warten auf ein besonderes Datenpaket. Trifft dieses ein, startet das System und fährt die notwendigen Dienste hoch, vergleichbar mit einem Gerät, das sich in Standby befindet. Damit Wake on LAN funktioniert, muss die Hardware mitspielen und die Option aktiviert sein. Beides sollten Sie zunächst im Bios Ihres Rechners überprüfen. Starten Sie den PC neu, und rufen Sie das Bios auf (meist durch Drücken der Taste Entf oder F2). Sehen Sie nach, ob Sie dort einen Eintrag wie „Wake on LAN“ oder auch „Power on PCI Devices“ finden. Aktivieren Sie diesen gegebenenfalls.

Im nächsten Arbeitsschritt richten Sie Ubuntu für die Nutzung des Dienstes ein. Hier hilft Ihnen ein kleines Werkzeug weiter, mit dessen Hilfe Sie die verbaute Netzwerkkarte überprüfen können. Der Ethernet-Anschluss Ihres Computers sollte üblicherweise den Namen „eth0“ tragen. Öffnen Sie ein Terminal und geben Sie

sudo ethtool eth0

ein. Meldet das System zurück, dass der Befehl nicht gefunden wurde, führen Sie sudo apt-get install ethtool aus, um das notwendige Paket zu installieren. Fragen Sie den Netzwerkanschluss nun erneut ab. Suchen Sie bei der Ausgabe des Befehls nach einem Eintrag, der mit „Supports Wake on“ und „Wake on“ bezeichnet ist. Meldet Ihnen das Werkzeug dort den Buchstaben „g“ zurück, kann das System mit einem sogenannten Magic Packet („magisches Paket“) geweckt werden.

Seinen Voreinstellungen gemäß schaltet Ubuntu einen angeschlossenen Netzwerkadapter ab – sowohl beim Shutdown als auch im Stromsparmodus. Das ist in diesem Fall natürlich kontraproduktiv. Ändern Sie dazu einfach das Script ab, das beim Herunterfahren ausgeführt wird. 

Rufen Sie ein Terminal auf und geben Sie hier

sudo gedit /etc/init.d/halt

ein. Damit bearbeiten Sie die maßgebliche Datei mit dem Standardeditor. Suchen Sie in dieser Datei die Zeile

NETDOWN=yes

und ändern Sie den Wert auf „no“. Danach speichern Sie die Datei.

Mit dem Werkzeug ethtool können Sie nun den Modus „Wake on LAN“ aktivieren. Die manuell gesetzte Einstellung überdauert allerdings nicht einen Systemstart. Deswegen ist es ratsam, den Modus in der Konfiguration Ihres Systems dauerhaft zu hinterlegen.

Öffnen Sie dazu erneut ein Terminal, um eine weitere Systemdatei zu bearbeiten:

sudo gedit /etc/rc.local

Ergänzen Sie die Datei um den Eintrag

ethtool -s eth0 wol g

Nach dem Speichern müssen Sie nun zur Sicherheit abschließend noch eine Datei bearbeiten. Die Einstellungen, die Sie dort vornehmen, legen fest, dass die Konfiguration auch genutzt wird, wenn der Rechner lediglich in den Energiesparmodus gesetzt wird.

Um einen PC aufzuwecken, loggen Sie sich von unterwegs in das Backend der Fritzbox ein. Dann wählen Sie den gewünschten Rechner und klicken auf „Computer starten“.
Vergrößern Um einen PC aufzuwecken, loggen Sie sich von unterwegs in das Backend der Fritzbox ein. Dann wählen Sie den gewünschten Rechner und klicken auf „Computer starten“.

Öffnen Sie wieder mit dem Editor gedit und mit root-Rechten die Datei „/etc/default/acpi-support“. Suchen Sie hier nach einer Zeile, die mit „STOP_ SERVICES=“ beginnt. Fügen Sie zwischen die nachfolgenden Anführungszeichen den Wert „networking“ ein. Sofern hier bereits Einträge vorhanden sind, fügen Sie „networking“ nach einem Leerzeichen hinzu. Damit sind die vorbereitenden Arbeiten unter Ubuntu beendet.

Um nun den präparierten Rechner von einem anderen Ort starten zu können, müssen Sie sich mittels des Fernwartungszugangs bei der Fritzbox anmelden. Dieser Schritt ist notwendig, weil das „magische Paket“ nur aus dem lokalen Netzwerk stammen darf. Genau dies ist bei der Nutzung des Fernzugangs gewährleistet.

Rufen Sie die Konfigurationsoberfläche der Fritzbox im Browser auf. Wechseln Sie in den Abschnitt „Heimnetz“. Im Register „Geräte und Benutzer“ klicken Sie auf das Stift-Icon neben jenem Rechner, um den es Ihnen geht. Klicken Sie auf den Schalter „Computer starten“. Damit sollte der Rechner erwachen und alle benötigten Dienste aktivieren. Allerdings dauert dies einen kleinen Moment. Wenn Sie also per FTP auf den Rechner zugreifen wollen, sollten Sie sich noch 10 bis 20 Sekunden gedulden, bevor Sie den ersten Versuch machen. Damit Sie im Bedarfsfall keine böse Überraschung erleben, probieren Sie die Funktion am besten einmal lokal aus, bevor Sie sich unterwegs darauf verlassen.

Linux als Server oder NAS einsetzen

Damit Sie unter Linux auf den an der Fritzbox angeschlossenen USB-Speicher zugreifen können, müssen Sie an dieser Stelle den „Fernanschluss“ aktivieren.
Vergrößern Damit Sie unter Linux auf den an der Fritzbox angeschlossenen USB-Speicher zugreifen können, müssen Sie an dieser Stelle den „Fernanschluss“ aktivieren.

3. USB-Speicher automatisch mounten

Aktuelle Modelle der Fritzbox verfügen einerseits über einen internen Speicher, der auch als Freigabe im Netzwerk genutzt werden kann. Zum anderen können Sie aber auch noch einen USB-Stick oder eine USB-Festplatte an das Gerät anschließen, um darüber im internen Netzwerk zuzugreifen. Dafür müssen Sie einige Optionen in der Fritzbox selbst und auf Ihrem Ubuntu-System konfigurieren.

Damit Sie auf den Datenträger unter Linux zugreifen können, müssen Sie dort den Fernzugriff für USB aktivieren. Wechseln Sie in der Oberfläche der Fritzbox nach „Heimnetz -> USB-Geräte“ und hier weiter in das Register „USB-Fernanschluss“. Dort aktivieren Sie die Option und ferner „USB-Speicher“. Mit diesem Fernanschluss melden sich die angeschlossenen Geräte so, als wenn diese direkt an den Computer angeschlossen wären, über den Sie auf die Fritzbox zugreifen. Damit Sie nun unmittelbar beim Start des Systems Zugriff auf das USB-Laufwerk an der Fritzbox haben, gibt es eine Reihe von Möglichkeiten. Zu den Klassikern gehört ein Eintrag in der Datei „fstab“. Dieses Verfahren bietet den Vorteil, dass damit der externe Speicher etwa auch das Ziel für Backups sein kann. Sind die vorbereitenden Arbeiten abgeschlossen, starten Sie ein Terminal und installieren das Paket „cifs-utils“:

sudo apt-get install cifs-utils.

Nachdem die Installation abgeschlossen ist, legen Sie als root ein Mount-Verzeichnis an, unter dem später die Dateien der Fritzbox erreichbar sind. Das erledigen Sie mit dem Kommando:

sudo mkdir -vp /media/usbplatte

Statt „usbplatte“ können Sie einen beliebigen anderen Namen verwenden. Öffnen Sie dann einen Texteditor Ihrer Wahl, mit dem Sie eine neue Datei mit dem Namen „.smbcredentials“ (mit führendem Punkt) in Ihrem Benutzerverzeichnis anlegen.

Diese muss dann die zwei nachfolgenden Zeilen enthalten:

username=ftpuser password=geheim

Der Benutzername „ftpuser“ ist von der Fritzbox fest vorgegeben. Wenn Sie kein Passwort für den Zugriff auf die Freigabe hinterlegt haben, legen Sie eine leere zweite Zeile an. Andernfalls geben Sie das Passwort so an wie im obigen Beispiel gezeigt.

Öffnen Sie nun mit 

sudo gedit /etc/fstab

die Datei „fstab“. Dort tragen Sie ganz unten eine zusätzliche neue Zeile ein. Achten Sie darauf, dass am Ende der Datei eine Leerzeile übrig bleibt:

//[FRITZBOX-IP]/fritz.nas/ /media/usbplatte cifs credentials=/home/[USER]/.smbcredentials 0 0 

Diesen Aufruf müssen Sie entsprechend anpassen (die Fritzbox-IP, den Mount-Pfad und den tatsächlichen User-Namen).

Mit einer Änderung der Zugangsdaten können Sie die Fritzbox auch hinter einem anderen DSL-Modem oder Router einsetzen, um etwa ein zweites WLAN-Netz aufzubauen.
Vergrößern Mit einer Änderung der Zugangsdaten können Sie die Fritzbox auch hinter einem anderen DSL-Modem oder Router einsetzen, um etwa ein zweites WLAN-Netz aufzubauen.

4. Die Fritzbox als (WLAN)-Access-Point

Eher selten sind Anschlüsse, bei denen Sie technisch nicht mit einer Fritzbox als DSL-Modem arbeiten können. Das kann der Fall sein, wenn Ihnen der Zugangsanbieter einige technische Details verschweigt, ohne die der Abruf eines Dienstes nicht möglich ist (etwa IPTV). In diesem Fall können Sie die Fritzbox mit allen eingebauten Optionen dennoch nutzen. Dies ist auch dann eine lohnende Option, wenn Sie eine zweite ältere Fritzbox besitzen.

Um die Konfiguration der Fritzbox als Access Point möglichst zu vereinfachen, verbinden Sie das Gerät zunächst mit Ethernet-Kabel direkt mit dem PC. Öffnen Sie einen Browser, und geben Sie dort als Adresse http://fritz.box ein. In der Rubrik „Internet“ verbirgt sich der Menü-Eintrag „Zugangsdaten“. Auf der nachfolgenden Bildschirmseite wechseln Sie in das Register „Einstellungen“. Im Abschnitt „Anschluss“ deaktivieren Sie die Option „Internetzugang über DSL“ und aktivieren stattdessen „LAN1“. Diese Option ist wörtlich gemeint: Wenn Sie später die Fritzbox mit dem Internet verbinden wollen, muss der LAN-Anschluss Nummer eins per Ethernet-Kabel mit dem eigentlichen Modem oder Router gekoppelt sein. Unter „Betriebsart“ aktivieren Sie nun den Punkt „Vorhandene Internetverbindung im Netzwerk mitbenutzen“.

Exkurs: Falls es zu einem Fehler kommt und Sie diesen eingrenzen müssen, ist es immer besser, wenn die Fritzbox über eine feste IP-Adresse erreichbar ist. Um dies zu erreichen, konfigurieren Sie am besten den (tatsächlichen) Router entsprechend. In der Fritzbox aktivieren Sie daher auf der Seite „Verbindungseinstellungen“ die Option „IP-Adresse automatisch über DHCP beziehen“ – damit überlassen Sie dem Router die IP-Zuweisung. Gehen Sie dann in die Konfiguration des tatsächlichen Routers (meist 192.168.1.1 oder 192.168.178.1). Unter „Netzwerk“ oder „DHCP“ finden Sie die einschlägige Option, etwa „DHCP-Reservierung“ oder „Immer gleiche IP-Adresse zuweisen“. Vergeben Sie eine freie Adresse aus dem IPBereich des Routers. Oft benötigen Sie zusätzlich auch noch die physikalische MAC-Adresse des betreffenden Geräts – in diesem Fall also Fritzbox. Bei der Fritzbox finden Sie diese auf einem kleinen Aufkleber.

Wenn Sie die feste Adresse angelegt haben, klicken Sie in der Konfiguration der Fritzbox auf „Übernehmen“. Danach ist die Box nur noch über die IPAdresse erreichbar, die Sie im Router vorgegeben haben. Testen Sie dies im Browser: Tragen Sie dort http://[IPAdresse] ein, wonach sich die Anmeldeseite der Fritzbox zeigen solle. 

Damit sind die vorbereitenden Arbeiten abgeschlossen. Sie können die Fritzbox jetzt als WLAN-Access-Point für ein zweites Funknetz verwenden, haben aber auch die Möglichkeit, externen USB-Speicher via Fritzbox im Netzwerk anzubieten.

Weitere Tipps und Infos

  • Auf der Homepage des Herstellers AVM lohnt ein regelmäßiger Blick in den Support-Bereich („Service“) der eingesetzten Box ( www.avm.de/de/Service ). Hier finden Sie stets zuverlässige Tipps zur Hardware.

  • Eine weitere Fundgrube für viele Basteleien und verblüffende Einsatzgebiete der Fritzbox ist das inoffizielle Wiki ( www.wehavemorefun.de/fritzbox ). Hier gibt es allerdings viele Anleitungen, an die sich besser nur fortgeschrittene Nutzer wagen sollten. Das betrifft insbesondere Modifikationen der Firmware. Denn an dieser Stelle verlassen Sie den Bereich, der auch nur ansatzweise durch eine Garantie des Herstellers abgedeckt ist.

  • Wird auf die Freigabe der Fritzbox per Samba-Client (cifs) zugegriffen, lässt sich der Zugriff noch über eine Reihe weiterer Optionen genauer steuern. Einen guten Überblick zum Thema bietet die Seite http://wiki.ubuntuusers.de/ Samba_Client_cifs?highlight=cifs .

  • Wenn Sie die Fritzbox und deren Dienste extern über das Internet zuverlässig erreichen wollen, nutzen Sie am besten den AVM-eigenen Dienst MyFritz (über „Internet -> MyFritz!“). Weitere bekannte Dienste für dynamische Host-Adressen sind No-IP ( www.noip.com ) oder auch Dyn DNS ( http://dyn.com ). Lesen Sie dazu auch den Beitrag „Netzwerkzugriff von außen“ auf Seite 54.

0 Kommentare zu diesem Artikel
1906750