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Linux für Kids - Spielend den PC kennenlernen

11.07.2013 | 11:09 Uhr |

Kinder am PC? Da gehen die Meinungen auseinander. Früher oder später ist es dann aber soweit, und dann sollte das Angebot altersgerecht und pädagogisch sein. Linux hilft.

Eine Reihe von kompletten Distributionen sowie Software-Paketen für Ubuntu hat den Anspruch, Kindern unterschiedlicher Altersgruppen Spaß zu machen und sie dabei zugleich auch noch zu erziehen. Die zwei interessantesten Projekte heißen Edubuntu und Doudou Linux . Der Artikel zeigt, was diese bieten, wie Sie diese installieren und konfigurieren, ferner auch, wie Sie unter Linux Konten für den Nachwuchs einrichten.

Edubuntu für alle Altersstufen

Edubuntu ist technisch ein Ubuntu mit der dort gewohnten Unity-Oberfläche und unterscheidet sich von seiner Basis nur durch die Software-Ausstattung. Die gibt es für vier verschiedene Altersstufen – für Vorschulkinder bis zur Oberstufe des Gymnasiums. Den Download des ISO-Images von Edubuntu 12.04.2 bietet die Adresse http://edubuntu.org/download .

Das ISO mit 2,6 GB enthält die vier Module für alle Altersstufen. Wer bereits ein laufendes Ubuntu hat, fährt besser, nur das Modul für die gewünschte Altersstufe in Ubuntu nachzuinstallieren. Das reduziert den Download auf knapp 900 MB und erspart die Neuinstallation des Systems:

sudo apt-get install ubuntu-eduprimary

Dieser Befehl lädt das Modul für Grundschulkinder. Alle vier Paketsammlungen lauten „ubuntu-edupreschool“ (Vorschule), „ubuntu-eduprimary“ (für die Grundschule), „ubuntu-edu-secondary“ (Mittelstufe) und „ubuntu-edu-tertiary“ (Oberstufe) und lassen sich auf die beschriebene Weise nachinstallieren. Eine Reihe der Komponenten kommt standardmäßig englischsprachig, viele Einzel-Programme können aber über eine Software-interne Option deutschsprachige Ressourcen nachladen.

Juxlala, Lerntux und Edubuntu - Besser lernen mit Linux

Die enthaltene Software ist durch die Bank seriös, allerdings inhaltlich heterogen und von unterschiedlicher Qualität. Die Spiele etwa aus der Bildungssammlung Gcompris werden Ihren Nachwuchs nicht nachhaltig fesseln, während hingegen Kopfrechnen eine Menge mehr Spaß macht (als im normalen Leben), wenn man dadurch Eindringlinge abschießen kann (Tux Math). Hübsch und knifflig ist etwa auch Ri-Ii, wo es darum geht, einen immer längeren Güterzug ohne Kollision durch das Schienenlabyrinth zu steuern. Auch mit einem Anagramm-Spiel (Kanagram) oder dem Periodensystem Kalzium kann man sich dauerhaft oder immer wieder beschäftigen.

Doudou-Linux: Spaß und Lernen für Kleinere

Doudou Linux 1.2 ist ein klassisches Live-System, das Sie einfach mal zwischendurch für Ihren Nachwuchs booten können. Der Download des deutschsprachigen ISO-Images umfasst knapp 700 MB, benötigt nach dem Brennen circa 770 MB und passt damit noch knapp auf einen CD-Rohling mit 800 MB. Wenn der Rechner das Booten von USB-Medien unterstützt, verwenden Sie aber besser einen USB-Stick mit dem zusätzlichen Vorteil, das System anpassen zu können. Schreiben Sie dazu das heruntergeladene ISO mit Hilfe von Unetbootin auf einen leeren Stick.

Doudou Linux schon für Vorschulkinder: Mit der einfachen Oberfläche kommen auch die Kleinsten klar, die noch nicht lesen können.
Vergrößern Doudou Linux schon für Vorschulkinder: Mit der einfachen Oberfläche kommen auch die Kleinsten klar, die noch nicht lesen können.

Anders als Edubuntu mit der üblichen Unity-Oberfläche präsentiert sich die Doudou-GUI von vornherein einfach und kindgerecht: Nach dem Start des Systems erscheint ohne Login (Auto-Log-in des Standardusers „tux“) ein buntes Menü mit den Lernspielen. Für die Administration nutzen Sie den untersten, erst nach Scrollen sichtbaren Punkt „Alles von Doudou- Linux“. Über die Registerkarte „Einstellen > System“ kommen Sie dann an die wesentlichen Einstellungen. Dauerhaft machen Konfigurationsänderungen aber nur Sinn, wenn Sie hier unter dem Punkt „Datenbeständigkeit“ das Speichern des Home-Verzeichnisses aktivieren. Ein Stick mit einem Gigabyte Kapazität genügt Doudou Linux selbst mit aktivierter „Datenbeständigkeit“, weil die Sicherungsdaten in einer Extradatei mit fixer Größe von 100 MB abgelegt werden.

Das System unterstützt auch das Sichern der Konfigurationsdaten auf einen anderen Datenträger – etwa auf die interne Festplatte. Nach folgendem Befehl auf dem Terminal erhalten Sie die entsprechenden Optionen:

sudo persistence-gui --expert

Bei einem ausreichend schnellen USB-Stick ist solches Auslagern der Konfigurationsdaten aber nicht zu empfehlen: Das macht das an sich eigentlich portable Doudou nur unnötig abhängig vom passenden Rechner.

Doudou Linux hat zum Teil die selbe Software an Bord wie Edubuntu, kommt aber in der Bedienung Kindern stärker entgegen. Es überwiegen Spielen, Malen, Musik, Lesen für die Altersgruppe von etwa fünf bis acht Jahren. Für Ältere eignen sich praktisch alle Programme unter „Multimedia“ sowie die Spiele Supermind, Reversi und auch Schach.

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Ubuntu für Kinder

Wie bereits erwähnt ist Edubuntu ein Ubuntu mit speziellen Software-Paketen. Insbesondere für ältere Kinder ist daher ein bereits laufendes Ubuntu mit dem passenden Paket in wenigen Schritten zum Lern- und Spaßsystem erweitert.

Um ein sicheres System einzurichten, benötigt der Nachwuchs in jedem Fall ein eigenes Konto mit eingeschränkten Rechten. Definieren Sie das Konto über „Systemeinstellungen > Benutzer“ aber zunächst als „Systemverwalter“, um dort uneingeschränkt arbeiten zu können. Installieren Sie dann in diesem Konto die gewünschte Software und konfigurieren Sie alles wunschgemäß. Für einen gewissen Schutz vor schmutzigen Internet-Seiten bieten Chrome und Chromium eine besonders einfache Option. Falls nötig installieren Sie zunächst Chrome:

sudo apt-get install googlechrome- stable

Mit diesem Browser lassen sich nämlich über „Tools > Erstellen von App-Verknüpfungen“ Webseiten als Links am Desktop ablegen, die Chrome dann ohne Menü und ohne Adresszeile im Vollbild darstellt. Eine solche Verknüpfung etwa zu den Kindersuchmaschinen http://blindekuh.de oder www.fragfinn.de bietet jede Menge kindgerechtes Internet – und führt erst mal nicht darüber hinaus. Leider ist diese Browser- Funktion speziell unter Ubuntu und Unity nur die Hälfte wert, weil Unity das Chrome-Menü anbietet und damit das gewünschte Verbot unterläuft. Dagegen hilft nur zusätzliches Abschalten des Unity-Menüs:

sudo apt-get autoremove appmenugtk appmenu-gtk3 appmenu-qt

Danach genügt Abmelden und Neuanmeldung. Dieser Eingriff gilt systemweit.

Als zweite wichtige Maßnahme sollten Sie Google entschärfen: Die Safesearch-Einstellung „Strikt“ filtert Sex und Gewalt zuverlässig weg. Mit einem Google-Konto lässt sich die gewählte Safesearch-Einstellung zudem durch ein Kennwort schützen.

Vergessen Sie nicht, nach der Einrichtung eines Kinderkontos dieses in Ihrem Administratorkonto unter „Systemeinstellungen > Benutzer“ auf „Standard“ herabzustufen. Vergessen Sie aber vor allem nicht, dass technische Mittel nicht Erziehung und Aufsicht ersetzen: Findige Kinder werden die geschilderte Internet-Sperre bald über einen alternativen Browser-Start etwa via Terminal umgehen. Derzeit gibt es leider keine zuverlässige und komfortable Zeitsperre unter Ubuntu. Das sehr komfortable Tool Timekpr (Timekeeper) ist unter den neueren Versionen 12.04, 12.10 und 13.04 nur bedingt einsatzfähig: Es meldet den Benutzer außerhalb der erlaubten Zeiten zwar nach kurzer Zeit ab, sperrt aber nicht das Log-in.

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