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Linux auf Notebooks - So klappt die Installation

25.07.2014 | 09:17 Uhr |

Heute ist es einfacher denn je, Linux auf Notebooks lauffähig zu machen, denn die Hardware-Hersteller unterstützen Linux zunehmend besser. Hauptproblem bleiben die Grafikkarten-Treiber.

Früher hatten Linuxer mit allen möglichen Hardware-Problemen zu kämpfen. Webcams funktionierten nicht, für drahtlose Netzwerkkarten mussten Anwender Treiber selbst einpflegen, und Mikrofone waren ein Alptraum. Das Problem ist unfreie, nicht notwendigerweise kostenpflichtige Software. Viele Distributionen bieten in den Software-Repositories diese unfreien Pakete mit an und ersparen uns damit manuelle Konfigurations-Orgien. Dennoch kann es Ecken und Kanten geben.

Dieser Artikel stammt aus dem Sonderheft PC-WELT XXL: Linux statt Windows!

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Treiber für Nvidia und AMD

Die Treiber „nouveau“ und „radeon“ sind die freien Varianten zu den proprietären Treibern der Hardware-Hersteller Nvidia und AMD. Diese Treiber funktionieren eigentlich problemlos, lassen aber speziell im Bereich der 3D Beschleunigung einiges an Leistung vermissen. Wer die volle Kraft seiner Grafikkarte nutzen möchte, sollte wohl oder übel die unfreien Treiber der Chip-Hersteller benutzen. Freundlicherweise bieten Linux-Distributoren relativ neue Treiber von Nvidia und AMD als Alternativen bereits in den hauseigenen Software-Lagern an. Dabei ist Nvidia im Allgemeinen in puncto Linux besser aufgestellt. Mit dem Anfang letzten Jahres veröffentlichten Treiber 310.32 Certified unterstützt Nvidia die Grafiksysteme aktueller Linux-Systeme. AMD zog mit dem Treiberpaket Catalyst 13.12 erst Dezember 2013 nach, ist aber aktuell auch wieder auf dem Stand der Dinge.

Mit oder ohne Optirun: Mit solchen Startlinks können Sie selbst entscheiden, wie die schnelle Nvidia-Karte arbeiten soll.
Vergrößern Mit oder ohne Optirun: Mit solchen Startlinks können Sie selbst entscheiden, wie die schnelle Nvidia-Karte arbeiten soll.

Hybridtechnik Nvidia Optimus und AMD Enduro

Nvidia Optimus und AMD Enduro sind sogenannte Hybrid-Grafikkarten. In einem Notebook befindet sich dann zum Beispiel ein stromsparender Intel-Grafikchip neben einer schnellen Nvidia-oder AMD-Grafikkarte. Der Anwender kann unter Windows komfortabel auswählen, welche Grafik-Hardware ein Programm benutzen soll. Braucht das Betriebssystem die schnelle Grafikkarte nicht mehr, deaktiviert es diese automatisch und schaltet wieder auf den anspruchslosen Intel-GPU-Chip. Das wirkt sich dannpositiv auf die Akkulaufzeiten aus.

Unter Linux bereiten diese Technologien noch Probleme. AMD hat nach eigenen Angaben Unterstützung für Enduro seit Catalyst 12.9. Nvidia denkt über eine Unterstützung nach, aber bei Optimus hilft derzeit nur der Griff zu Bumblebee.

Das Bumblebee-Projekt: Diese Extra-Software deaktiviert die Nvidia-Karte, wenn diese nicht in Benutzung ist. Anwender können sie dann gezielt wieder starten, wenn sie sie benötigen.

Unter Ubuntu installieren Sie Bumblebee via Launchpad im Terminal:

sudo add-apt-repository ppa:bumblebee/stable sudo apt-get update sudo apt-get install bumblebee bumblebee-nvidia

Installations-Hinweise für andere Distributionen finden Sie auf der Projektseite. Nun können Sie über /usr/bin/optirun <Paketname> die Nvidia-Kartenutzen. Der Turbo ist deutlich spürbar, lediglich der Start dauert ein wenig, weil Bumblebee eine eigene X-Server-Instanz benutzt. Dieser Workaround mit der zweiten Instanz ist unterm Strich natürlich suboptimal, aber aktuell gibt es keine bessere Alternative. Sie können den „optirun“-Befehl natürlich auch zur Vereinfachung im Menü oder auf dem Desktop hinterlegen.

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Optirun-Turbo: Mit aktivierter Nvidia-Karte messen wir auf dem Test-Notebook eine verdreifachte Geschwindigkeit beim glxspheres-Benchmark.
Vergrößern Optirun-Turbo: Mit aktivierter Nvidia-Karte messen wir auf dem Test-Notebook eine verdreifachte Geschwindigkeit beim glxspheres-Benchmark.

Distributionen und Desktop für Notebooks

Bei der großen Anzahl an Linux-Distributionen ist die Auswahl nicht immer leicht. Jedoch lässt sich das Feld sehr gut einschränken. Ubuntu-basierte Distributionen erkennen vorhandene Hardware in der Regel recht gut. Das gilt auch für Open Suse, Mageia und Fedora. Doch die Hardware-Erkennung alleine ist nicht entscheidend. Als Anwender wollen Sie das Betriebssystem installieren und dann zum Beispiel sofort eine MP3-Datei anhören können. Ubuntu bietet schon während der Installation an, unfreie Software-Codecs von Drittanbietern zu installieren. Bei Fedora können Sie dasselbe auch realisieren, müssen aber etwas mehr Handarbeit leisten. Wollen Sie möglichst allen Problemen aus dem Weg gehen, halten Sie sich am besten an die namhaftesten der Szene. Für diese gibt es große Communities und Support-Foren, die bei auftauchenden Fragen weiterhelfen. Sehr reibungslos funktioniert das bei Open Suse, Ubuntu und Linux Mint.

Der richtige Desktop: Haben Sie sich für eine Distribution entschieden, gilt die nächste Frage der Desktop-Umgebung. Hier kommt es darauf an, wie gut der Rechner ausgestattet ist. Auf einem handelsüblichen Notebook istes wohl eher Geschmackssache, ob Sie Ubuntu mit Unity, Open Suse mit KDE oder Linux Mint mit Cinnamon einsetzen. Auf einem Netbook hingegen sind die Ressourcen begrenzt. Hier sollten Sie zu etwas Leichtgewichtigerem greifen. Alternative Umgebungen mit geringen Komfort-Einschränkungen sind LXDE und Xfce. Distributionen mit beiden letzteren finden Sie in Form von Xubuntu 12.10 und Lubuntu 12.10. Oftmals setzen Linux-Distributionen mit Augenmerk auf ältere oder schwächere Computer auch schlanke Software ein. Als Ersatz für Libre Office Writer und Calc nimmt man gerne Abiword und Gnumeric. In diesem Zusammenhang ist noch das Mate-Projekt erwähnenswert. Es handelt sich hier um einen schlanken und konservativ ausgerichteten Fork von Gnome 2, der aktiv weiterentwickelt wird.

Experimente: Wer sich nicht vor Unbekanntem und ein bisschen Handarbeit scheut, findet im Universum der Linux-Distributionen echte Perlen. Bodhi Linux ist ein Ubuntu-Derivat, das als Oberfläche Enlightenment 17 mit sich bringt. Eine Kurzvorstellung des Leichtgewichts finden hier . Puppy Linux ist eine Linux-Distribution mit einem Abbild von nur circa 100 MB. Sie setzt per Standard auf die Desktop-Umgebungen JWM oder Openbox. Puppy Linux ist deutlich anders als die verbreiteten Distributionen, verzichtet auf manche Komfortfunktion, ist dafür aber unheimlich schnell.

Nvidia-Treiber 310.32 Certified: http://www.nvidia.de/object/linux-display-ia32-310.32-driver-de
Bumblebee-Projekt: http://bumblebee-project.org/
AMD Catalyst 13.1: http://support.amd.com/de-de/download
Bodhi Linux: www.bodhilinux.com
Puppy Linux: http://puppylinux.org

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