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Linux: So bekommen Sie Hardware in den Griff

09.04.2014 | 12:09 Uhr |

Erfreulich für Linux-Anwender mit SSDs: Die meisten Firmware-Updates gibt es jetzt auch als bootfähige ISO-Datei. Und auch Babysocken über eine neue Bestimmung.

Blockierte USB-Datenträger auswerfen

Auf dem Linux-Desktop muss der Mount-Befehl für die Einbindung von angesteckten USB-Datenträgern kaum noch bemüht werden. Stattdessen übernimmt unter Gnome, KDE und XFCE die Desktop-Umgebung die Aufgabe, automatisch erkannte USB-Medien einzuhängen. Idealerweise funktioniert das Aushängen ähnlich komfortabel: Ein Rechtsklick auf das eingehängte USB-Laufwerk im Dateimanager genügt, um im Kontextmenü den Punkt zum Auswerfen zu finden. Dies gelingt aber nicht immer. Wenn laufende Prozesse noch den Datenträger zugreifen, lässt sich dieser nicht aushängen, und es erscheint die Meldung, dass das Laufwerk noch in Gebrauch ist.

TIPP: Den USB-Datenträger kurzerhand abzuziehen, ist in dieser Situation wenig empfehlenswert, da dies bei geöffneten Dateien zu Datenverlust führen könnte. Wenn sich nicht einfach feststellen lässt, welche Programme auf dem Desktop oder im Terminal-Fenster auf das USB-Laufwerk zugreifen, dann helfen Tools in der Kommandozeile schnell weiter. Das ist besonders dann nützlich, wenn hängende Prozesse im Hintergrund einen Datenträger blockieren.

1. Mit dem Befehl mount lassen Sie sich zunächst eine Liste aller eingehängten Blockgeräte anzeigen. Die Auflistung zeigt spaltenweise von links nach rechts den Gerätenamen, beispielsweise „/dev/sdb1“, dann den Einhängepunkt, etwa „/media/benutzername/laufwerk“ und dahinter die Details zu Dateisystem und Parametern. Wichtig für den nächsten Schritt ist aber nur der Gerätename des USB-Laufwerks. Denn diesen brauchen Sie für den folgenden Aufruf von lsof, um die jene Prozesse aufzulisten, die das Gerät gerade verwenden.

2. Das Kommando

lsof /dev/sdb1

zeigt alle eigenen Prozesse, die gerade auf „/dev/sdb1“ zugreifen. Um alles anzuzeigen, auch die Prozesse anderer Benutzer, führen Sie diesen Befehl als root aus oder stellen ein sudo voran, wenn die Distribution wie Ubuntu/Mint für die Verwendung von sudo konfiguriert ist. In der Ausgabe des Kommandos ist in der Spalte „COMMAND“ der Programmname angegeben, unter „PID“ die Prozess-ID, und „USER“ verrät, welchem Benutzer der ganze Prozess gehört.

3. Die Prozess-ID ist die eindeutige Kennung eines Programms und dient auch dazu, hängende Prozesse erst freundlich und dann resolut zu beenden, falls sich diese auf normalen Wege nicht schließen lassen. Lautet die Prozess-ID beispielsweise „2895“, so können Sie das Programm mit kill 2895 höflich auffordern, sich selbst zu beenden. Passiert nichts, weil das Programm schon nicht mehr ansprechbar ist, dann hilft

kill -9 2895

In diesem Fall schickt der Kernel das Signal SIGKILL an den Prozess, der dann sofort abgebrochen wird. Um fremde Prozesse abzuschießen, müssen Sie auch hier den Befehl als root oder mit sudo ausführen.

Hardware- und Systeminfos unter Linux ermitteln

Firmware-Version der SSD herausfinden: Dem Tool smartctl verrät eine SSD die protokollierten Smart-Werte sowie die interne Versionsnummer der Firmware.
Vergrößern Firmware-Version der SSD herausfinden: Dem Tool smartctl verrät eine SSD die protokollierten Smart-Werte sowie die interne Versionsnummer der Firmware.

Datenträger

SSD: Firmware-Update unter Linux

Leistung und Zuverlässigkeit einer SSD sind weitgehend vom integrierten Controller und dessen Firmware abhängig. Hersteller von Solid State Drives liefern meist optimierte und fehlerbereinigte Firmware-Versionen als nachträgliches Update für das Laufwerk nach. Diese bringen nicht nur eine Verbesserung der Leistung, sondern beheben häufig auch kritische Fehler. Das Problem unter Linux: SSD-Hersteller geben ihren Laufwerken Firmware-Tools und Software nur in einer Windows-Version mit.

TIPP Die Situation ist für Linux nur auf den ersten Blick problematisch. Denn während Tool-Sammlungen auf mitgelieferten Treiber-CDs von SSD nur unter Windows laufen, so bieten die meisten Hersteller einen betriebssystemunabhängigen Weg, die Firmware auf den neuesten Stand zu bringen. Das Firmware-Update wird dazu als bootfähiges Live-System zum Download bereitgestellt, in Form einer ISO-Datei, die sich auf CD brennen oder auf USB-Stick übertragen lässt. Dem eigenständigen Updater ist es damit egal, welches Betriebssystem installiert ist.

Intel: Für verschiedene SSD-Modelle stellt Intel ein gemeinsames Update Tool als Download bereit. Auch Unetbootin kann mit dem ISO umgehen.

OCZ: Firmware-Updates für verschiedenen Modelle liegen unter http://ocz.com/consumer/download/firmware jeweils als ISO-Datei. Im erzeugten Boot-Menü von Unetbootin auf USBSticks wählen Sie den Eintrag „BootCD“.

Samsung: Alle Updates liegen auch als eigenständiges ISO vor, das sich jeweils unter http://www.samsung.com/global/business/semiconductor/samsungssd/downloads.html herunterladen lässt. Nach der Übertragung auf einen Stick mit Unetbootin können Sie von dort das Update über den Boot-Menü-Eintrag „BootCD“ ausführen.

Kingston: Neue Firmware liefert der Hersteller in vielen Fällen mit einem Linux-Tool aus, um die SSD im laufenden System zu aktualisieren. Eine Übersicht liefert der Menüpunkt „Solid State Drives“ unter http://www.kingston.com/us/support/technical/search .

Crucial: Die meisten Updates gibt es als startfähige ISO-Datei, die der Hersteller „Manual Boot File for Windows and Mac“ nennt. Eine Produktauswahl finden Sie auf http://www.crucial.com/support/firmware.aspx . Auf einem USB-Stick, den Sie mit Unetbootin erzeugen können, wählen Sie im Boot-Menü den zweiten Eintrag „default“. Das Firmware-Update startet unter Free DOS. Vor der Aktualisierung ist ein Blick in die mitgelieferte Dokumentation empfehlenswert, ob eine Änderung der Bios-Einstellungen für den SATA-Controller nötig ist. Um herauszufinden, welche Firmware-Version eine SSD aktuell bietet und ein Update überhaupt nötig ist, führen Sie in der Shell den Befehl

smartctl /dev/[laufwerk]

aus, wobei [laufwerk] für den Gerätenamen der SSD steht, beispielsweise „sda“. Dieser Befehl braucht root-Rechte und zeigt dann im oberen Abschnitt vor den Smart-Werten die aktuelle Firmware-Version an. Falls smartctl nicht verfügbar ist, installieren Sie das Paket der Smartmon-Tools einfach nach – unter Ubuntu mit diesem Befehl:

sudo apt-get install smartmontools

Die Smartmon-Tools finden Sie aber auch unter allen anderen Linux-Distributionen über den jeweiligen Paketmanager.

Praktische Hardware-Tipps für Linux

Auch als Einzelgänger nützlich: Babysocken haben die ideale Größe als Schutzhülle für Kabel aller Art, etwa für empfindliche Kopfhörer.
Vergrößern Auch als Einzelgänger nützlich: Babysocken haben die ideale Größe als Schutzhülle für Kabel aller Art, etwa für empfindliche Kopfhörer.

Zubehör

Babysocken als Kopfhörer-Schutz

Lose Kabel haben die ungünstige Eigenschaft, sich gerade beim Transport selbständig in Knäuel zu verwickeln. Kopfhörer mit Hörkapsel für die Ohrmuschel leiden auf Dauer unter rauen Transportbedingungen.

TIPP Schutzhüllen für Kopfhörer und Kabel lassen sich leicht improvisieren: Wer Nachwuchs im Babyalter hat, hat meist auch eine Sammlung einzelner oder zu klein gewordener Socken. Als Schutzhülle haben diese genau die richtige Größe für USB-Kabel und Kopfhörer während des Transports in Notebook-Taschen. Ach in der Jackentasche sorgen die Socken für die nötige Polsterung neben Smartphone und MP3-Player. Nur vor dem Waschen sollte man sich vergewissern, dass in Hosentaschen vergessene Socken mit Inhalt nicht versehentlich mit in der Waschmaschine landen.

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