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Die wichtigsten Linux-Programme & -Tools für Ihr Netzwerk

09.08.2016 | 13:19 Uhr |

Linux ist traditionell ein Mehrbenutzer- und Netzwerksystem. In diesem Bereich gibt es daher die meisten Anwendungen. Wir stellen Ihnen die wichtigsten Programme und Tools vor.

Linux-Distributionen bringen bei einer Standardinstallation alles mit, was für Netzwerk und Internet nötig ist. Als Browser dient meist Firefox und für E-Mail gibt es Thunderbird. Zu den bereits installierten Anwendungen gibt es jedoch Alternativen, die bestimmte Aufgaben unter Umständen besser erledigen. Ubuntu und Linux Mint bieten außerdem zahlreiche Anwendungen für die Kommunikation über das Internet und Tools zur Konfiguration und Überwachung des Netzwerks.

1. Frische Browser fürs Internet

Firefox ist einer der beliebtesten Browser und glänzt vor allem durch seine Erweiterbarkeit über Add-ons. Firefox beansprucht aber viel Speicher und liegt bei Geschwindigkeitstests nur im Durchschnitt. Chromium ( www.chromium.org ), der Open-Source-Ableger von Google Chrome, ist hier besser. Die Unterschiede von Chromium und Google Chrome sind gering. Sie betreffen einige Einstellungen, Codecs sowie die Erweiterungen für Adobe Flash und PDF. Chromium ist in den Standard-Paketquellen von Ubuntu und Linux Mint enthalten.

Es gibt jedoch auch Gründe, Google Chrome zu installieren ( www.google.de/chrome ). Einer davon ist das Angebot von Amazon Video, das HTML5-Videos nur in Google Chrome anzeigt. Google bietet ein eigenes Repository für Ubuntu-Systeme an.

Ein junger Browser ist Vivaldi ( https://vivaldi.com ), der ebenfalls auf Chrome basiert und seinen Fokus auf Anpassbarkeit setzt. Tabs können in Gruppen gestapelt werden, indem man einfach einen Tab auf einen anderen zieht. Mit Rechtsklick auf eine Tabgruppe öffnet sich ein Kontextmenü. Wird hier „Tabgruppen kacheln“ ausgewählt, dann werden alle zu einer Tab gruppe gehörenden Tabs gleichzeitig auf dem Bildschirm angezeigt. Tabs können auch als Sitzung gespeichert und später mit einem Mausklick wieder geöffnet werden. Vivaldi kann außerdem die Position von Tab- und Adressleiste festlegen und unterstützt konfigurierbare Kurzbefehle sowie Notizen zu Webseiten.

Lese-Tipp: Browsertest - Vivaldi vs Firefox, Chrome, Edge und Opera im Vergleich

Auch von Opera gibt es eine Linux-Version ( www.opera.com ). Der Browser ist schlicht und schnell. Bei langsamen Verbindungen kann Opera Seiten komprimieren und damit das Surfen beschleunigen.

Wenn Sie Vivaldi oder Opera nutzen wollen, klicken Sie auf den zugehörigen Downloadlink. Wählen Sie auf der Downloadseite für Ubuntu oder Linux Mint ein DEB-Paket mit der passenden Architektur (32 oder 64 Bit) und installieren Sie es per Doppelklick auf die Datei im Dateimanager.

Mit Kontact behalten Sie den Überblick bei E-Mails, Kalender und Aufgaben.
Vergrößern Mit Kontact behalten Sie den Überblick bei E-Mails, Kalender und Aufgaben.

2. E-Mail und Kommunikation

Wer seine Mails nicht im Browser erledigt, wird in der Regel zum bewährten Thunderbird greifen, das bei Ubuntu und Linux Mint vorinstalliert ist. Wenn Sie mehr Funktionen benötigen, sollten Sie sich Evolution ansehen. Das Groupwarepaket bietet neben Mail auch Kalender, Adressbuch, Aufgabenlisten und Notizen. Eine Alternative ist Kmail , vor allem für Nutzer der KDE-Desktopumgebung. Dessen Funktionsumfang entspricht in etwa dem von Thunderbird. Für Groupwarefunktionen installieren Sie das Metapaket mit dem Namen „kdepim“. Darin ist sind neben Kmail unter anderen auch ein Adressbuch, Aufgaben- sowie Terminplaner enthalten. Das Programm Kontact („Persönliche Informationsverwaltung“) kann als Zentrale für diese Anwendungen genutzt werden.

Wer per Chat kommuniziert oder ein bewegtes Bild des Gegenübers sehen will, kann auch Skype installieren. Bei Linux Mint ist Skype in den Standard-Paketquellen enthalten. Ubuntu-Nutzer müssen über „Anwendungen & Aktualisierungen“ auf der Registerkarte „Andere Programme“ das Repository „Canonical-Partner“ aktivieren. Als Open-Source-Alternativen bieten sich die Messenger Pidgin oder KDE-Telepathy an. Beide unterstützen Netzwerkprotokolle wie ICQ, MSN, Jabber und Google Talk. Internettelefonie ist unter Linux ebenfalls möglich, so etwa mit der VoIP-Lösung Ekiga. Beim ersten Start müssen Sie ein kostenloses Konto etwa bei https://ekiga erstellen. Das ermöglicht Telefongespräche mit anderen bei Ekiga registrierten Nutzern. Wer vom PC aus einen Festnetzanschluss anrufen möchte, benötigt ein kostenpflichtiges Konto bei einem SIP-Anbieter (Session Initiation Protocol) wie www.sipgate.de .

3. Datenaustausch über SSH und SFTP

Zwischen Linux-PCs überragen Sie Dateien am einfachsten mit SSH. Der SSH-Client ist bei Ubuntu und Linux Mint Standard. Wenn zudem auf allen beteiligten Rechnern der Open-SSH-Server installiert, funktioniert die Verbindung in alle Richtungen. Ein SFTP-Server wird dabei automatisch mitinstalliert.

Gehen Sie im Dateimanager Nautilus oder Nemo im Menü auf „Datei -> Mit Server verbinden“. Bei Mint (Nemo) ist das Formular für den Verbindungsaufbau etwas ausführlicher. Hier tragen Sie hinter „Server:“ Namen oder IP-Adresse des anderen PCs ein. Hinter „Typ“ wählen Sie „SSH“, und unter „Benutzerdetails“ geben Sie Benutzernamen und Passwort ein.

Bei der ersten Verbindung bestätigen Sie das Zertifikat mit „Dennoch anmelden“.

Im Dateimanager sehen Sie dann die Ordner des PCs, mit dem Sie die Verbindung hergestellt haben. In Nautilus tippen Sie unter „Serveradresse“ eine URL in folgender Form ein:

sftp://Konto@IP-Adresse

„Konto“ und „IP-Adresse“ ersetzen Sie durch die Daten, die für den Zugriff auf den Server-PC erforderlich sind. Klicken Sie auf „Verbinden“ und danach auch „Dennoch anmelden“. Danach wird das Passwort abgefragt.

Auch interessant: Die besten SSH-Tools für die Linux-Fernwartung

Samba-Server mit einem Tool aus dem Paket „system-configsamba“ konfigurieren.
Vergrößern Samba-Server mit einem Tool aus dem Paket „system-configsamba“ konfigurieren.

4. Freigaben für Windows- und Linux-PCs

Für die Freigabe persönlicher Ordner verwenden Sie im Dateimanager den Kontextmenüpunkt „Freigabe im lokalen Netzwerk“ (Linux Mint: „Freigabeoptionen“). Setzen Sie ein Häkchen vor „Diesen Ordner freigeben“. Ist Samba noch nicht installiert, klicken Sie auf „Freigabedienst einrichten“ und danach auf „Installieren“. Anschließend müssen Sie die Sitzung neu starten. Installieren Sie außerdem das Paket „libpam-smbpass“. Es sorgt für die bequeme Synchronisierung von Linux- und Samba-Passwort.

Für die Basiskonfiguration von Samba sowie systemweiter Freigaben empfiehlt sich die Installation des Paketes „system-config-samba“. Sie starten das Tool über eine Suche nach „Samba“ im Startmenü. Über „Einstellungen -> Server-Einstellungen“ legen Sie die Arbeitsgruppe fest. Klicken Sie auf „Datei -> Share hinzufügen“, um einen Ordner im Netzwerk freizugeben. Setzen Sie ein Häkchen vor „Sichtbar“ und auf der Registerkarte „Zugang“ wählen Sie die Option „Jedem Zugriff erlauben“. Alle Benutzer im Netzwerk haben dann über das Gastkonto anonymen Zugang zu dieser Freigabe. Ist auf der Registerkarte „Basis“ ein Häkchen vor „Beschreibbar“ gesetzt, ist auch anonymer Schreibzugriff möglich. Die Dateisystemrechte haben jedoch Priorität. Ordner und Dateien im freigegebenen Verzeichnis müssen dem Benutzer „nobody“ und der Gruppe „nogroup“ gehören und ausführbar beziehungsweise beschreibbar sein. Das lässt sich in einem Terminalfenster durch folgende Befehle erreichen:

sudo chown -R nobody:nogroup/freigabe
sudo chmod -R 755 /freigabe

Netzwerk unter der Lupe: Wireshark analysiert laufende Programme.
Vergrößern Netzwerk unter der Lupe: Wireshark analysiert laufende Programme.

5. Analyse des Netzwerkverkehrs

Administratoren brauchen ein Werkzeug, das den Netzwerkverkehr detailliert analysiert. Diesen Job erledigt das Open-Source-Programm Wireshark . Das Tool lauscht an beliebigen Schnittstellen und zeichnet Netzwerkpakete auf. Zur Auswertung kann es Filter- und Decodierungsfunktionen anwenden. Mit der passenden Netzwerkkonfiguration zeichnet das Programm auch Pakete anderer Teilnehmer im lokalen Ethernet auf. Die Analysefunktionen von Wireshark arbeiten auch im WLAN, sofern der WLAN-Chip einen Monitormodus unterstützt.

Installation: In den meisten Distributionen finden sich in den Standard-Paketquellen noch ältere Pakete 1.10 oder 1.12, aktuell ist 2.0.3. Die Paketquellen von Ubuntu 16.04 bieten Version 2.0.2. Die neuere Version bringt eine verbesserte Benutzeroberfläche und einige Fehlerkorrekturen. Notwendig ist das Update jedoch nicht. Wer will, kann es über ein PPA beziehen.

Terminaltools für das Netzwerk

Im Terminal gibt es diverse Tools, um die Netzkonfiguration zu prüfen oder zu ändern. Mit ifconfig erhalten Sie unter anderem die physikalische MAC-Adresse, die lokale IP-Adresse und die Datenmengen der empfangenen (RX) und der gesendeten (TX) Datenpakete seit dem letzten Systemstart. Der Ethernet-Adapter erscheint als „eth0“ oder „eth1“, ab Ubuntu 15.10 als „eno1“, „ens1“ oder „enp2s0“. WLAN-Adapter erhalten Namen wie „wlan0“ oder „ra0“, bei neueren Ubuntu-Versionen etwa „wlp5s0“. Das neue Namensschema soll sicherstellen, dass die Bezeichnungen auch nach Änderungen an der Hardware gleich bleiben. Bei der angezeigten „lo“-Schnittstelle mit der IP-Adresse 127.0.0.1 handelt es sich um einen Loopback-Adapter, über den lokale Prozesse via TCP/IP miteinander kommunizieren. Gibt ifconfig eine IP-Adresse aus, die nicht im Bereich des Routers liegt, oder erscheint gar keine Adresse, ist die Netzwerkverbindung gestört.

Mit Ping prüfen Sie Netzwerkverbindungen. ping google.de oder ping 192.169.178.1 geben Zeilen mit Antworten aus, wenn das Netzwerk erreichbar ist. Andernfalls erscheint nur eine Zeile, etwa mit dem Inhalt „PING 192.168.178.1 (192.168.178.1) 56(84) bytes of data“.

Das Programm Ethtool zeigt Ihnen die Geschwindigkeit des Netzwerkadapters
an.

Sie rufen es mit folgender Befehlszeile auf:

ethtool eth0

Der Befehl ethtool -i eth0 liefert den Namen des Treibers, der für diese Schnittstelle verantwortlich ist.

Der Net-Befehl dient zur Kontrolle und Konfiguration eines Samba-Servers (-> Punkt 4). Net ist vor allem praktisch, wenn Sie Samba-Freigaben auf einem Server ohne grafische Oberfläche oder aus der Ferne über SSH verwalten. Folgende Befehlszeile gibt die vom aktuellen Benutzer erstellten Freigaben aus:

net usershare list

Eine neue Freigabe erstellen Sie mit dieser Zeile:

net usershare add sepp /home/sepp "" sepp:f

In diesem Fall wird „/home/sepp“ mit dem Freigabenamen „sepp“ für den gleichnamigen User im Netzwerk freigegeben. Mit net usershare delete sepp löschen Sie diese Freigabe.

Installation: Alle genannten Tools sind bei Ubuntu und Linux Mint Standard.

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