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Linux Mint: Das bietet die Distribution

20.07.2014 | 16:31 Uhr |

Man kombiniere ein stabiles Ubuntu, klassischästhetische Optik, reiche Individualisierung, eine komplette Software-Ausstattung und funktionale Extras. Das ist nicht visionär, aber pragmatisch – und mit Recht erfolgreich.

Während Linux auf dem Desktop im allgemeinen Bewusstsein immer noch mehr oder weniger mit Ubuntu gleichgesetzt wird, liegen die tatsächlichen Verhältnisse längst anders: Linux Mint heißt seit drei Jahren die populärste Distribution, die inzwischen auf distrowatch.com doppelt so oft angeklickt wird als Ubuntu. Diese Beliebtheit muss gute Gründe haben. Welche Gründe das sind, fassen wir hier zusammen.

Cinnamon: Konservativ und ausgereift

Cinnamon ist der Standard-Desktop von Linux Mint. Die von Cinnamon angebotenen Bedienelemente treffen den Geschmack konservativer Linux-Nutzer, die von modernen Experimenten wie Gnome 3 oder Unity (Ubuntu) nichts halten.

Cinnamon ist aber gleichzeitig ein Desktop, der jedem Umsteiger von Windows XP, Vista, 7 auf Anhieb ein neues Zuhause bietet.

Virtuelle Desktops: Der Umgang mit Arbeitsflächen ist Mint besonders gut gelungen. Hier wird gerade ein Terminal-Fenster von einem Desktop auf den anderen gezogen.
Vergrößern Virtuelle Desktops: Der Umgang mit Arbeitsflächen ist Mint besonders gut gelungen. Hier wird gerade ein Terminal-Fenster von einem Desktop auf den anderen gezogen.

Wichtigstes Standardelement des Cinnamon-Desktops ist das funktionale und attraktive Startmenü (mintmenu) mit den wesentlichen Shutdown-Optionen, einer Favoritenleiste und den Programmkategorien. Zudemgibt es ein globales Suchfeld, das auchBenutzerdateien berücksichtigt. Dieses zentrale und wuchtige Menü orientiert sich deutlich an den Konzepten älterer Windows-Versionen (Vista, 7) und distanziert sich ebenso deutlich von Gnome & Co. Das Menüangebot lässt sich mit Rechtsklick auf das Menü-Icon und „Einrichten -> Den Menübearbeiter öffnen“ beliebig anpassen.

Als zweites wichtiges Element gibt es eine Hauptleiste: Die bietet neben dem Menüstarter einige Programmfavoriten, zeigt als klassische Taskleiste die aktiven Programme und kann ähnlich dem Windows-Systray (aber besser erweiterbar) eine Reihe weiterer Funktionen übernehmen. Typische Standards wie das Sitzungsmenü, Netzwerk-Control, Lautstärke oder Systemzeit hat auch ein Ubuntu im Haupt-Panel, aber Linux Mint macht es mit Rechtsklick auf die Leiste und „Applets zur Leiste hinzufügen“ wesentlich leichter, dieses Standardelement nach eigenen Vorstellungen auszustatten.

Einziges Manko der Hauptleiste ist die fehlende Option, selbige am rechten oder linken Rand auszurichten, was auf heutigen 16:9-Displays oft die bessere Variante wäre.

Fünf aktuelle Distributionen im Vergleich

Mint hat sein eigenes Software-Center mit Kategorien und Bewertungen. Den Großteil der Pakete bezieht das System aber standardmäßig aus den Ubuntu-Repositories.
Vergrößern Mint hat sein eigenes Software-Center mit Kategorien und Bewertungen. Den Großteil der Pakete bezieht das System aber standardmäßig aus den Ubuntu-Repositories.

Das Workspace-Konzept ist unter Linux fast überall Standard, aber keine andere Distribution hat das Umschalten zwischen virtuellen Arbeitsfläche so intuitiv perfektioniert wie Linux Mint. Einen traditionellen Umschalter können Sie sich als Applet in die Hauptleiste legen („Workspace switcher“). Über dieses Applet lässt sich nicht nur jede Arbeitsfläche, sondern jeder einzelne laufende Task anspringen. Die zweite, elegantere Option ist es, eine aktive Ecke mit der „Arbeitsflächenübersicht“ zu belegen. In dieser Übersicht können Sie einzelne Fenster per Drag & Drop von einem Desktop zum anderen verschieben.

Der Mint-Desktop ist im Gegensatz zu Ubuntu, das die Arbeitsfläche konsequent freihalten will, eine Spielwiese für Ordner, Dateien, Starter-Verknüpfungen und zusätzlichen Desklets. Das Meiste lässt sich direkt nach Rechtsklick auf den Desktop über das Kontextmenü konfigurieren („Starter-Verknüpfung -> Desklet, -> Ordner, Hintergrundbild“). 

Weitere Einstellungen, so die Menge der Standard-Links wie „Papierkorb“ oder „Netzwerk“ oder die Funktion der aktiven Ecken, sind in den Systemeinstellungen unter dem Menüpunkt „Schreibtisch“ und „Aktive Ecken“ erreichbar. Das Einrasten der an den Bildschirmrand gezogenen Fensterentspricht dem Aero Snap jüngerer Windows-Versionen; es lässt sich unter „Systemeinstellungen -> Fenster: Kacheln und Randumschalten“ detailliert einstellen oder auch abschalten.

Nimm Mint – und alles ist an Bord!

Keine andere Linux-Distribution ist ab Installation so komplett ausgestattet wie Mint. Zu den üblichen Verdächtigen wie Libre Office, Firefox, Thunderbird, Gimp, dem Banshee-Player oder der Brasero-Brenn-Software kommen hier noch der VLC-Player, ein Mint-eigenes „Datensicherungswerkzeug“ (mintbackup), eine Mint-eigene „Softwareverwaltung“ mit Bewertungssystem (mintinstall), ein kleiner „Upload-Manager“ (mintupload) und ein Troubleshooting-Tool für Funknetze (mintwi_ auf Kommandozeile).

Ein eher kontroverses Mint-Eigengewächs ist die „ Aktualisierungsverwaltung “ (mintupdate) mit seinem eigenwilligen Ebenenkonzept.

Neben der sorgfältig zusammengestellten und umfassenden Software bringt Linux Mint 16 auch gleich alle Codecs mit, die zum Abspielen von DVDs sowie Audio- und Videoformaten aller Couleur notwendig sind. Wir konnten in unserer buntgemischten Audio- und Videosammlung (MP3, OGG, WAV, WMA, AVI, DIVX, FLV, M2V, MKV, MP4, MPG, WMV, VOB) kein Exemplar ausmachen, das die Standard-Player von Linux Mint abgelehnt hätten.

Wer sich über die Software-Verwaltung trotzdem das eine oder andere Spezial-Tool nachinstallieren will, nutzt standardmäßig die Paketquellen von Ubuntu und zusätzlich Mint-eigene Paketquellen . Das garantiert einenriesigen Software-Fundus, den die Mint-Software-Verwaltung aktuell mit über 43 000 Paketen angibt.

OpenSuse 13.1 - Die Neuerungen im Detail

Gut anpassbare Hauptleiste: Im rechten Bereich der Leiste lassen sich mit wenigen Klicks zusätzliche Controls unterbringen. Die Lautstärkeregelung ist Standard.
Vergrößern Gut anpassbare Hauptleiste: Im rechten Bereich der Leiste lassen sich mit wenigen Klicks zusätzliche Controls unterbringen. Die Lautstärkeregelung ist Standard.

Mint ist anpassungsfähig und sparsam

Der Minimalismus bei Ubuntu ist konzeptionell und zielt in Richtung Tablets und Smartphones. Desktop-Anwender greifen zunehmend zu Linux Mint, weil es mehr Optionen zur Personalisierung und Individualisierung offeriert. Das beginnt schon mit den gegenüber Ubuntu deutlich erweiterten Möglichkeiten in den Systemeinstellungen. Angebote für frische Themen und Hintergrundbilder, ferner ein fast schon verwirrendes Arsenal von „Applets“ (für das Hauptpanel), „Desklets“ (für die Desktop-Oberfläche, Widgets) und „Erweiterungen“ (für Cinnamon insgesamt) machen Mint auch für Bastler und Perfektionisten interessant.

Bei aller Anpassungsfähigkeit verzichtet Mint auf unnötige grafische Effekte und benutzt den relativ sparsamen Windows Manager Muffin. Das System nimmt sich beim Start gerade mal gut 200 MB, im laufenden Betrieb dann auch bis zu 500 MB, bleibt damit aber im Schnitt mindestens 100 MB unter den Anforderungen von Ubuntu. Es eignet sich damit auch schwächere und ältere Hardware. Geschwindigkeitsvorteile gegenüber Ubuntu sind aufgrund derselben Basis allerdings nicht zu erwarten.

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