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Linux Mint 17 mit Langzeit-Support im Überblick

10.09.2014 | 11:08 Uhr |

Version 17 der inoffiziellen Ubuntu-Variante schlug ein neues Kapitel auf. Linux Mint folgt nicht mehr den Entwicklungszyklen Ubuntus, sondern bleibt über mehrere Ausgaben beim gleichen Fundament Ubuntu 14.04 LTS.

Der Ubuntu-Abkömmling Linux Mint ändert mit der siebzehnten Auflage sein Erfolgsrezept: Weiterhin basiert Mint weitgehend auf Ubuntu und kombiniert dessen Betriebssystemkomponente mit eigenen Desktop, eigenen Tools und vorinstallierten Codecs. Aber Linux Mint geht mit einem neuen Entwicklungsmodell eigene Wege und will Ubuntu nicht mehr im Windschatten folgen. Denn die anstehenden Änderungen an den Systemkomponenten bei Ubuntu, die mit Sonderwegen wie Xmir/Mir als Display-Server die Distribution für den länger angepeilten Smartphone-Markt fit machen soll, werfen ihre Schatten voraus.

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 5/2014

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Die Entdeckung der Langsamkeit

Entwickler von Ubuntu-Abspaltungen müssen sich ernsthaft Gedanken machen, ob sie alle Experimente mitmachen wollen und ob dies überhaupt praktikabel ist. Bei Linux Mint entschied man sich dagegen. Clement Lefebvre, der irische Hauptentwickler hinter Mint, will ab jetzt nur noch LTS-Versionen aufbauen und die dazwischenliegenden Ubuntu-Ausgaben überspringen. Klar, Linux Mint 17 wäre sowieso wieder eine LTS-Version mit fünf Jahren Support-Zeitraum bis 2019 geworden. Aber auch die darauf folgende Mint-Version wird bei Ubuntu 14.04 LTS bleiben, und nur die Versionsnummer 17.1 erhalten, der später eine 17.2 folgt. Mit diesen Zwischenversionen überbrückt Mint die Zeit zum nächsten großen Release, der dann wieder auf Ubuntu 16.04 LTS basieren soll. Im Klartext heißt dies: Linux Mint nimmt gehörig Geschwindigkeit aus dem eigenen Entwicklungsmodell und erscheint nur noch alle zwei Jahre in neuen Hauptversionen. Das schafft dem Mint-Team und den Anwendern gleich mehrere Probleme vom Hals: Es bleibt Mint mehr Zeit für eigene Projekte wie den Desktop Cinnamon, der sicherlich nicht einfache Wechsel zu Mir/Xmir als Display-Server und zu Systemd als Init-Daemon wird auf die ferne Zukunft verschoben, und die Installation neuer Mint-Versionen ist nur noch alle zwei Jahre nötig. Denn die kleineren Aktualisierungen der Zwischenversionen bis Linux Mint 18 wird es über den Paketmanager geben, ohne Neuinstallation.

Linux Mint - In Wahrheit das bessere Ubuntu?

Mint mit Cinnamon: Der Vorzeige-Desktop ist Cinnamon. Diese Abspaltung von Gnome 3 mit klassischen Bedienelementen ist ein maßgebliches Projekt des Mint-Entwicklerteams.
Vergrößern Mint mit Cinnamon: Der Vorzeige-Desktop ist Cinnamon. Diese Abspaltung von Gnome 3 mit klassischen Bedienelementen ist ein maßgebliches Projekt des Mint-Entwicklerteams.

Desktop: Neues bei Cinnamon und Mate

Die zwei dominierenden Geschmacksrichtungen von Linux Mint sind die Desktops Cinnamon und Mate. XFCE und KDE folgen immer etwas später. Das Vorzeigeprojekt ist Cinnamon, eine Gnome-3-Abspaltung, die ebenfalls vom Mint-Team gepflegt wird. Das zuvor ausufernde Menü für Systemeinstellungen ist nach einer Aufräumaktion geordneter und zeigt jetzt immer alle Einstellungen an, die zuvor vom überflüssigen „Expertenmodus“ versteckt wurden. Das Cinnamon-Anwendungsmenü liefert jetzt einen Querverweis zum Paketmanager und erlaubt, Anwendungen durch einen Rechtsklick mit „Entfernen“ bequem zu deinstallieren. Eine Alternative für Konservative ist Linux Mint mit Mate, ein Fork von Gnome, der seinen Anfang unter Arch Linux nahm. 3D-beschleunigte Grafik und andere Modernisierungen der Oberfläche stehen hier nicht an. Stattdessen geht es darum, die Codebasis von Gnome mit dessen Window-Manager und den alten Gnome-Anwendungen weiterzupflegen. Linux Mint 17 zeigt in einer Variante die aktuelle Version 1.8 von Mate, die Aufräumarbeiten im Code und kleinere Verbesserungen bringt. Es gibt ein überarbeitetes Mintmenü als Anwendungsstarter, und die Ränder von Programmfenstern sind jetzt magnetisch, um diese einfach nebeneinanderanzuordnen. Davon abgesehen bleibt der Gesamteindruck der gleiche wie bei Gnome 2.32.

Anwendungen und eigene Tools

Neben den Programmpaketen von Ubuntu 14.04 LTS bringt die Distribution eigene Programme mit, um Einsteigern den Umgang mit einem Linux-System zu erleichtern: Backups des Home-Ordners erledigt auf Wunsch das Tool mintbackup. Als einfacher, grafischer Paketmanager liefert mintinstall einen nett kategorisierten Anwendungskatalog.

Um Aktualisierungen kümmert sich mintupdate (Aktualisierungsverwaltung), das mit dem „Aktualisierungsverlauf“ eine Log-Funktion bekommen hat, die direkt den Inhalt von „/var/log/apt/history.log“ anzeigt und damit sämtliche Pakete, egal womit diese installiert wurden. Eine sonderbare Eigenschaft ist die Einstufung von Updates nach Level, wobei die Aktualisierungsverwaltung Standardmäßig nur Level 1 bis 3 anzeigt; und beispielsweise keine Kernel- und Treiber-Updates. Sicherheit und Aktualität standen bei Linux Mint aber noch nie an erster Stelle.

Linux Mint nach Ihrem Geschmack anpassen

Unvollständig: Die Aktualisierungsverwaltung von Mint zeigt zunächst nicht alle verfügbaren Updates an, sondern verwendet ein eigene, recht willkürliche Einschätzung nach Level.
Vergrößern Unvollständig: Die Aktualisierungsverwaltung von Mint zeigt zunächst nicht alle verfügbaren Updates an, sondern verwendet ein eigene, recht willkürliche Einschätzung nach Level.

Fazit: Hat das Zeug zum Dauerläufer

Mit Mint 17 gehen die Entwickler mit einem neuen Veröffentlichungsplan ein bisheriges Manko dieser Distribution an: Wer ein stets aktuelles Linux Mint nutzen wollte, musste häufig neuinstallieren, da dem angepassten Ubuntu-Installer unter Mint eine bequeme Upgrade-Funktion fehlt. Linux Mint 17 bringt nicht nur Ruhe in den Entwicklungsprozess, sondern macht die Distribution auch zu einem pflegeleichten Dauerläufer – allerdings zum Preis schwindender Aktualität. Innerhalb der zwei Jahre bis zur nächsten Hauptausgabe werden Kernel und viele Programmpakete wie bei Ubuntu 14.04 LTS veraltet sein. Die Eigenentwicklungen werden durch die Repositories von Linux Mint aktualisiert, aber wer auf Dauer ein aufgefrischtes Libre Office und andere Standardprogramme will, muss entsprechende, (inoffizielle Repositories) für Ubuntu 14.04 LTS von Launchpad einbinden. Als Systemausstattung ist für Mint mindestens ein GB RAM zu empfehlen, wobei die Mate-Variante auch schon mit 512 MB auskommt. Auf der Festplatte benötigt die Distribution rund acht GB.

Website: www.linuxmint.com
Dokumentation: www.linuxmint.com/documentation.php

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