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Linux Mint 15 „Olivia“: Alle Details im Überblick

16.09.2013 | 10:09 Uhr |

Unbeeindruckt vom knapperen Entwicklungszyklus kann der Ubuntu-Ableger Linux Mint auch in der neuesten Version 15 überzeugen. Wir verraten Ihnen die wichtigsten Neuerungen.

Die Eigenentwicklung „Cinnamon" hat von Anwendern auch jenseits des Ubuntu-Horizonts als alternative Arbeitsumgebung mit klassischen Bedienelementen viel Zuspruch bekommen. Die Arbeit der letzten Monate an Cinnamon macht Linux Mint 15 nach Aussagen der Entwickler zur bisher ehrgeizigsten Mint-Ausgabe. Mint 15 basiert jetzt auf den Paketen von Ubuntu 13.04. Wie immer eignet sich die Distribution für Einsteiger, die noch den perfekten Linux-Desktop suchen, sowie für Mint Anwender, die auf ein überarbeitetes, aufgeräumtes Cinnamon gewartet haben.

Neues Cinnamon 1.8 auf dem Desktop

Cinnamon: Die Eigenentwicklung liegt jetzt in Version 1.8 vor und erhält inzwischen über Linux Mint hinaus viel Beachtung als fähige Gnome-Alternative.
Vergrößern Cinnamon: Die Eigenentwicklung liegt jetzt in Version 1.8 vor und erhält inzwischen über Linux Mint hinaus viel Beachtung als fähige Gnome-Alternative.

Mint konfrontiert Anwender nicht wie Ubuntu mit einer Arbeitsumgebung, die sich vom klassischen Desktop-Konzept verabschiedet hat und für Touchscreens optimiert ist. Stattdessen bleibt Mint den herkömmlichen Konzepten mit einem ausklappenden Anwendungsmenü und einem Panel mit Taskleiste sowie optionalen Applets treu. Als Unterbau kommen die Komponenten von Gnome 3 mit einigen Forks wie dem eigenen Window-Manager „Muffin“ zum Einsatz. Sein Debüt gab Cinnamon zu Linux Mint 13, und der jetzige Stand ist das Ergebnis von drei Jahren Entwicklungszeit in einem kleinen Team, das den Wünschen der Mint- Community viel Platz einräumt. In die jetzige Version sind etwas über 1000 Verbesserungen eingegangen. Die deutlichste ist das neue Menü zu den Systemeinstellungen, das alle Einstellungsmöglichkeiten von Gnome in einer Oberfläche vereint, damit Anwender nicht mehr mit mehreren Einstellungswerkzeugen hantieren müssen. Der Window-Manager nutzt auf unterstützen Grafikchips Hardware-Beschleunigung, bringt aber auch einen Software-Renderer mit, um die Effekte notfalls über die CPU zu berechnen.

Applets für die Arbeitsfläche

Spices einfacher installieren: Erweiterungen und Miniprogramme für Panel und Desktop müssen Sie nicht mehr manuell nachrüsten. Cinnamon hat eine neue Verwaltung für Spices mit Download-Möglichkeit bekommen.
Vergrößern Spices einfacher installieren: Erweiterungen und Miniprogramme für Panel und Desktop müssen Sie nicht mehr manuell nachrüsten. Cinnamon hat eine neue Verwaltung für Spices mit Download-Möglichkeit bekommen.

Viel Aufmerksamkeit haben die Desktop- Erweiterungen bekommen, die unter Cinnamon „Spices“ heißen und Arbeitsfläche und Panel mit Applets ergänzen können. Bisher gelang die Einrichtung weiterer Spices nur auf manuellem Weg nach dem Download von einer Webseite. Das hat sich jetzt geändert: Das neue Cinnamon-Einstellungsmenü bietet mit „Minianwendungen > Online mehr holen“ eine komplette Verwaltung für Spices inklusive Download-Möglichkeit. Das Gleiche gilt für die Themen unter „Erscheinungsbild“, um die Optik von Cinnamon zu ändern. Eine neue Klasse von Ergänzungen sind Desklets, die sich als Widget direkt auf dem Desktop platzieren lassen.

Linux Mint Debian im Überblick

Eigene Tools von Linux Mint

Quellenkunde: Ein neu hinzugekommenes Tool zur Konfiguration der Software-Quellen erlaubt in Linux Mint 15 die einfache Verwaltung von Paket-Repositories und PPAs.
Vergrößern Quellenkunde: Ein neu hinzugekommenes Tool zur Konfiguration der Software-Quellen erlaubt in Linux Mint 15 die einfache Verwaltung von Paket-Repositories und PPAs.

Außer den bekannten Programmen, die auch Ubuntu 13.04 im Angebot hat, liefert Mint weitere Eigenentwicklungen mit, die vor allem Einsteigern die Arbeit und Systemadministration erleichtern sollen. Dabei zeigt Mint 15 zeigt zwei Neuzugänge: mintsources ist eine Verwaltung der Paketquellen mit Auswahl von schnelleren Spiegel-Servern und kann auch externe PPAs auf grafischem Weg leicht hinzufügen. Das Tool driver-manager vereinfacht die Installation von zusätzlichen Treibern für Grafikkarten und auch andere erkannte Hardware.

Auch die anderen bekannten Mint- Programme liegen in neuen Versionen vor: Wichtige Aktualisierungen holt das Programm mintupdate, Sicherungen des Home-Verzeichnisses legt das Tool mintbackup an und kann dabei auch externe Medien als Backuplaufwerk verwenden. Über die Software- Verwaltung installieren Sie mit wenigen Klicks populäre Programme von den Download-Servern, die in den Ubuntu-Paketquellen aus lizenzrechtlichen Gründen nicht enthalten sind. Zudem begrüßt den Anwender der gründlich überarbeitete Display-Manager MDM bei der Anmeldung, der nun drei Modi für verschiedene Erscheinungsbilder unterstützt: Ein GTK-Modus zeigt ein schlichtes Anmeldefenster, im GDM-Modus kann MDM Hunderte Themes von GDM 2 verwenden. Als brandneuer Modus, der auch standardmäßig aktiviert ist, arbeitet MDM mit HTML 5 und Javascript und bietet großes Anpassungspotential und dazu animierte Hintergrundbilder über Web GL. Einige Demos dazu bringt Mint 15 mit, und die Einstellungen dazu finden sich im Anwendungsmenü unter „Systemverwaltung fi Anmeldefenster“.

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Kurze Blüte für Mint 15

Neuer Türsteher: Der Display- Manager MDM kann mit HTML 5, CSS und Javascript gestaltet werden. Eine Demonstration mit animierten Wolken liegt Linux Mint 15 bei.
Vergrößern Neuer Türsteher: Der Display- Manager MDM kann mit HTML 5, CSS und Javascript gestaltet werden. Eine Demonstration mit animierten Wolken liegt Linux Mint 15 bei.

Die Abhängigkeit von Ubuntu beschert jeder Ausgabe von Linux Mint nur noch einen kurzen Lebenslauf. Denn Canonical hat den Support-Zeitraum von regulären Ubuntu-Versionen auf neun Monate verkürzt. Mint erscheint dann jeweils rund einen Monat nach Ubuntu. Mint wird also gerade mal acht Monate alt sein, wenn der offizielle Support für die zugrunde liegende Ubuntu-Version schon wieder ausläuft – dann gibt es keine wichtigen Updates mehr. Und wie die eher schleppende Entwicklung des Cinnamon-Desktops zeigt, ist das Mint-Team zu klein, um Backports und Tests neuer Software- Pakete im großen Stil selbst in die Hand zu nehmen. Somit wird Linux Mint 15 im kommenden Januar schon wieder welken, wenn nämlich die Unterstützung für Ubuntu 13.04 eingestellt wird und schon wieder eine neue Ubuntu-Version verfügbar ist. Erschwerend für Anwender kommt noch hinzu, dass Mint anders als das technische Vorbild Ubuntu keine Update- Möglichkeiten über Installer oder Paketmanager bietet. Linux Mint 15 ist damit eine Distribution für Anwender, die gerne unterschiedliche Linux-Systeme ausprobieren und mehrmals im Jahr neu installieren. Bei einer geschickten Partitionierung, etwa mit der Trennung der Root-Partition (/) und /home-Verzeichnis, lässt sich der Aufwand dabei auch minimal halten, da die persönlichen Daten auf einfachem Weg erhalten bleiben.

Wem häufige Neuinstallationen zu umständlich sind, sollte sich statt der gewöhnlichen „Olivia“-Ausgabe die Variante Linux Mint Debian ansehen. Diese Variante erfreut sich inzwischen größerer Aufmerksamkeit, bietet ebenfalls einen Desktop mit Cinnamon oder Mate, basiert aber auf Paketen von Debian Testing. Linux Mint Debian bekommt in längeren Intervallen größere Aktualisierungen in Form von „Update Packs“ über den Paketmanager, und eine Neuinstallation ist somit nicht nötig. Daneben gibt es auch von Mint die LTSVersion 13 mit Langzeitunterstützung. Dort hinken allerdings die verfügbaren Programme einige Versionsnummern zurück, und auch die Cinnamon-Version 1.8 ist hier in den Paketquellen noch nicht angekommen.

Die Installation: So holen Sie sich Linux Mint auf Ihren Rechner

Aktualisierter Mint- Installer: Das Installationsprogramm in Linux Mint 15 ist von Ubuntu übernommen und bietet jetzt auch eine Komplettverschlüsselung mittels LUKS.
Vergrößern Aktualisierter Mint- Installer: Das Installationsprogramm in Linux Mint 15 ist von Ubuntu übernommen und bietet jetzt auch eine Komplettverschlüsselung mittels LUKS.

Alle Versionen von Linux Mint können Sie übersichtlich im Download-Bereich von Linux Mint herunteladen. Es genügen ein Prozessor mit 1 GHz, 512 MB RAM und 6 GB Speicherplatz auf Festplatte. Das Vorbild Ubuntu hat seinen Installer in der vorletzten Version 12.10 gründlich überarbeitet. Funktionen, die zuvor nur in der alternativen Setup- DVD verfügbar waren, etwa die Einrichtung eines Logical Volume Managers und die Verschlüsselung der Partitionen, sind in den gewöhnlichen Installer gewandert. Linux Mint 15 übernimmt diese Optionen. Das Installationsprogramm finden Sie auf dem Live-System am Desktop („Linux Mint installieren“).

Mit Linux inkognito surfen

Verschlüsselungsoption bei der Installation

Eingabe des Passworts für den Systemstart: Wird die Verschlüsselung der Partitionen ausgewählt, fragt Linux Mint 15 bei einem Boot zunächst das LUKS-Passwort ab.
Vergrößern Eingabe des Passworts für den Systemstart: Wird die Verschlüsselung der Partitionen ausgewählt, fragt Linux Mint 15 bei einem Boot zunächst das LUKS-Passwort ab.

Mint 15 bietet jetzt die Verschlüsselung mittels LUKS (Linux Unified Key Setup). Die verschlüsselten Partitionen erhalten dabei Header-Informationen mit Verschlüsselungsalgorithmus, Verschlüsselungsmodus und Angaben zur verwendeten LUKS-Version. LUKS chiffriert die Partition mit einem automatisch erzeugten Hauptschlüssel, dieser ist wiederum mit einem kurzen, frei wählbaren Passwort verschlüsselt. Mit Mint können Sie ein System einrichten, bei dem nur noch das /boot-Verzeichnis unverschlüsselt auf der Festplatte liegt. Dazu wählen Sie bei Beginn der Installation „Die neue Linux Mint-Installation zur Sicherheit verschlüsseln“. Der Rest verläuft wie gewohnt, allerdings geben Sie für den Systemstart noch ein separates Passwort an, ohne das die Partitionen nicht entschlüsselt werden und das Sie bei jedem Systemstart benötigen. Wenn Sie die Festplatten in einen anderen Computer einbauen oder ein Live-System starten, wird nur die Partition „/boot“ erkannt.

Mint4Win: Mint unter Windows installieren

Mint hält an Wubi fest: Während Ubuntu den Windows- Installer Wubi in den Ruhestand geschickt hat, bringt Mint seine Variante Mint- 4Win für 32-Bit- Windows mit.
Vergrößern Mint hält an Wubi fest: Während Ubuntu den Windows- Installer Wubi in den Ruhestand geschickt hat, bringt Mint seine Variante Mint- 4Win für 32-Bit- Windows mit.

Mint 15 lässt das Installations-Tool von Wubi unter dem Namen Mint4Win neu aufleben. Damit richten Sie Mint unter Windows ohne Neu-Partitionierung in einer Container-Datei ein.Nach dem Start zeigt Mint4Win ein Dialogfenster, in dem Sie die Einstellungen für die geplante Mint-Installation festlegen. Nach einem Neustart des Systems bootet dann Mint, um die Installation zu vervollständigen. In Zukunft steht im Windows-Boot-Loader neben Windows auch Mint zum Start bereit. Mint kann wie Software über die Windows-Systemsteuerung entfernt werden.

Linux-Komfort: Welcher Desktop passt zu Ihnen?

Cinnamon 1.8 für Ubuntu

Die Oberfläche von Mint unter Ubuntu: Nach der Installation von Cinnamon steht die Desktop-Umgebung auf dem Anmeldebildschirm von Ubuntu zur Auswahl.
Vergrößern Die Oberfläche von Mint unter Ubuntu: Nach der Installation von Cinnamon steht die Desktop-Umgebung auf dem Anmeldebildschirm von Ubuntu zur Auswahl.

Einer der Punkte, mit denen Linux Mint viele Freunde gewonnen hat, ist der Cinnamon-Desktop. Die aktuelle Version 1.8 im aktuellen Mint 15 behebt viele Fehler, bietet einen besseren Modus für Grafikchips ohne 3D-Fähigkeiten und macht die Konfiguration des Systems und der Desktop- Komponenten mit einem aufgeräumten Einstellungsmenü generell logischer. Anwender, die zwar Cinnamon möchten, aber nicht unbedingt die anderen Programme und Modifikationen von Linux Mint gegenüber Ubuntu, können den neuesten Cinnamon- Desktop auch in Ubuntu 12.04 LTS und 13.04 installieren. Zwar ist die letzte Version der Desktop-Umgebung nicht in deren offiziellen Paketquellen, aber wie immer eilt aber ein PPA als externes Repository zu Hilfe. In einem Terminal nehmen Sie das PPA mit

sudo add-apt-repository ppa:gwendal-lebihan-dev/ cinnamon-stable

auf und installieren dann von dort mit

sudo apt-get update sudo apt-get install cinnamon

die Pakete für Cinnamon. Deren Umfang fällt mit rund 50 MB überschaubar aus, denn auch Cinnamon nutzt viele bereits vorhandene Gnome-3-Bibliotheken und das GTKToolkit. Bei einer Neuanmeldung am System finden Sie den zusätzlichen Desktop im Session-Menü des Anmeldebildschirms.

Mint mit Mate

Mate für Anwender, die Gnome 2 vermissen: Linux Mint 15 gibt es auch mit Mate-Desktop. Die anderen Komponenten sind mit der Cinnamon- Variante identisch.
Vergrößern Mate für Anwender, die Gnome 2 vermissen: Linux Mint 15 gibt es auch mit Mate-Desktop. Die anderen Komponenten sind mit der Cinnamon- Variante identisch.

Das alte Gnome 2 lebt in einer Abspaltung namens Mate weiter, deren Idee zunächst unter Arch Linux entstand. Jetzt liegt der alternative Desktop nach über zwei Jahren Entwicklungszeit in Version 1.6 vor. Die Bedienung und die Elemente der Arbeitsfläche sind mit jenen des alten Gnome nahezu identisch – viele Komponenten haben als Fork aber andere Bezeichnungen bekommen, um Konflikte mit alten Gnome-Programmen zu vermeiden: Der Dateimanager hört auf den Namen Caja, Metacity heißt Marco, und der Editor Gedit ist als Pluma enthalten. Mate ist die richtige Wahl für Anwender, die keine Notwendigkeit sehen, sich vom gewohnten Gnome 2.32 zu verabschieden und einen möglichst identischen Desktop auf einem aktuellen Linux-System suchen. Die Mate-Version von Linux Mint 15 steht auf der Webseite von Mint für 32 Bit und 64 Bit zum Download und zeigt den Desktop zum Ausprobieren in einem installierbaren Live-System.

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