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Ubuntu für Netbooks

27.05.2009 | 10:48 Uhr |

Netbooks stellen eigene Anforderungen: Ihre Netzwerk-Chips brauchen spezielle Treiber, die kleinen Displays einen angepassten Desktop. Easy Peasy bringt Ubuntu 8.10 dazu passend in Form.

Netbooks haben sich als platz- und kostensparende Alternative zu den größeren Notebooks etabliert. Die sparsamen Ressourcen bieten gute Chancen für Linux, das sich detailliert anpassen und verschlanken lässt. Asus lieferte bereits die erste Generation seines Eee PC Ende 2007 mit einem angepassten Xandros OS aus. Der kommerzielle Debian-Ableger konnte bewanderte Linux-Anwender zwar nicht völlig überzeugen, hat aber einige Entwicklungen angestoßen, die heute bei allen großen Distributoren hohe Prioritäten haben – etwa ein parallelisierter Bootprozess und eine alternative GUI für den Desktop auf kleinen Displays.

Linux bei den Liliputanern
Auf der Basis verbreiteter Distributionen entstand im Laufe des letzten Jahres eine recht große Zahl an unabhängigen Projekten, um verschiedene Linux-Versionen fit für Netbooks zu machen. Eine eigene Distribution ist deshalb nötig, weil herkömmliche Linux-Systeme meist nur mangelhafte Unterstützung für die Netbook-Hardware mitbringen. Hersteller-Treiber sind nicht immer rechtzeitig vorhanden, um es in die festen Erscheinungszyklen großer Distributionen zu schaffen. Und das Nachinstallieren von Treibern und Zusatzpaketen – etwa fürs Netzwerk oder WLAN – führt bei fehlender Internet-Verbindung oft zum Henne-Ei-Problem. Einige Entwickler haben daher im letzten Jahr bekannte Distributionen speziell an die Hardware der kleinen Mobilrechner angepasst und mit den nötigen Treibern und Installations-Scripts erweitert. Easy Peasy ist eines der ausgereiften Linux-Systeme, von dem man weiterhin hören wird.

Ubuntu für Netbooks
Steht nicht mehr Ubuntu drauf, steckt aber weiterhin Ubuntu drin: Easy Peasy ist nichts anderes als die aktuelle Inkarnation von Ubuntu Eee, einer auf Ubuntu 8.10 basierenden Linux-Distribution speziell für Netbooks der Asus-Eee-Serie. Das Projekt begann Ende 2007 recht bescheiden als Script-Sammlung, um unter Ubuntu benötigte Treiber für Eee-Hardware nachzuinstallieren. Ein halbes Jahr später lag das erste volle Release von Ubuntu Eee vor, doch der gewählte Name rief schnell Canonical auf den Plan, die dem Entwickler wegen Verletzung eingetragener Warenzeichen eine Umbenennung nahelegten. Das Projekt heißt ab jetzt „ Easy Peasy “ – eine etwas alberne Wahl, und will zudem künftig auch Netbooks anderer Hersteller unterstützen. Der Popularität hat die Umbenennung von Easy Peasy keinen Abbruch getan: Eine Viertel Million Downloads verzeichneten die Entwickler bisher bei der aktuellen Version 1.0, die Ubuntu 8.10 mit der platzsparenden Oberfläche Ubuntu Netbook Remix liefert. Dazu kommen spezielle Kernel-Module und Treiber für Netzwerk, WLAN, Webcam und Sound, damit das System ohne großen Konfigurationsaufwand auf Netbooks mit ihrer doch sehr speziellen Hardware funktioniert. Momentan unterstützt dieses Ubuntu-Derivat den Asus Eee PC 700, 701, 900, 901 und 1000.

Alles ganz easy auf dem Desktop.
Vergrößern Alles ganz easy auf dem Desktop.
© 2014

Pakete des Netbook-Remix
Eine Besonderheit von Easy Peasy ist die Netbook-Remix-Oberfläche von Canonical, die exakt auf die kleinen Bildschirme passt. Netbook Remix stellt spezielle Komponenten für den Gnome-Desktop bereit, versieht diesen mit einem platzsparenden Theme und zusätzlichen Programmen. Die Entwickler von Canonical stellen die Komponenten von Netbook Remix als DEB-Pakete in einem eigenen Repository bereit, so dass sich auch die Oberfläche eines bereits installierten Ubuntu-Systems mit wenigen Paketen verwandeln lässt.
Easy Peasy hat die Komponenten bereits an Bord und bietet ein platzsparendes GTK-Theme mit reduzierten Schriftgrößen. An die Stelle des Desktop-Hintergrunds rückt der Ubuntu Netbook Remix Launcher, ein bildschirmfüllendes, dreispaltiges Menü für häufig benötigte Anwendungen und Orte zur schnellen Navigation. Der Launcher nutzt die C-Bibliothek Clutter, die die grafische Darstellung über Open GL erledigt, um dezente grafische Effekte über 3D-fähige Grafik-Chips auszugeben, ohne die CPU zu belasten. Das macht den Launcher allerdings inkompatibel mit den 3D-Effekten von Compiz, was sich auf Netbooks mangels potenter GPU aber verschmerzen lässt.
Der Desktop-Daemon Maximus sorgt dafür, dass Anwendungen nach dem Start stets maximiert dargestellt werden. Statt der klassischen zwei Panels bietet Gnome im Netbook Remix nur ein oberes Panel, wo das Window-Picker-Applet alle geöffneten Fenster platzsparend in der Taskleiste darstellt und die jeweiligen Titelleisten mit den Schaltflächen verschmilzt. Das Go-Home-Applet ersetzt das übliche Anwendungsmenü und gibt bei einem Klick stattdessen den bildschirmfüllenden Launcher frei. Programmverknüpfungen, die Sie auf dieses Applet ziehen, landen automatisch in der Favoriten-Liste des Launchers. Der mitgelieferte Kernel 2.6.27 ist die speziell angepasste Eee-Version von Array und hat wichtige Treiber an Bord.

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