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Windows mit der PC-WELT-Notfall-DVD retten

07.10.2014 | 13:01 Uhr |

Wenn ein System nicht mehr startet, sind Reparaturen nur noch von außen möglich. Das PC-WELT-Notfallsystem ist vor allem auf die Windows-Rettung spezialisiert.

Bei nicht mehr startendem Windows ist das Windows PE auf der Installations-DVD oft die erste Wahl: Dieses Windows-eigene Notsystem bietet nämlich den Zugriff auf ältere Wiederherstellungspunkte, auf Windows-Sicherungen und auf maßgeschneiderte Reparatur-Tools für die Bootumgebung. Dann ist aber schnell Schluss: Auf versehentlich gelöschte Dateien, Virenbefall oder vergessene Kennwörter hat Windows PE keine Antwort. Hier hilft ein System auf Linux-Basis. Das PC-WELT-Notfallsystem 4.0 steht über das Internet sofort zur Verfügung.

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 5/2014

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1. Einsatzgebiete für das PC-WELT-System

Die Eigenentwicklung der PC-WELT liegt inzwischen bereits als Version 4.0 vor und bietet einen jüngeren Firefox sowie einen Updater für den Avira-Viren-Scanner . Hauptaufgaben sind die Virensuche, die Datenrettung durch Kopieren sowie durch Wiederherstellung gelöschter Dateien und das Zurücksetzen des Windows-Passworts. Werkzeuge zum Klonen kompletter Festplatten oder Partitionen sind ebenso an Bord wie der Partitionierer Gparted oder das Netzanalyse mit Wireshark.

Wenn Sie eine handlichere Kopie des Notfallsystems auf USB-Stick benötigen, verwenden Sie die ISO-Datei „pcwRescue4.iso“ aus dem Verzeichnis „Image-Dateien“. Unter Windows ist in diesem Fall nicht Unetbootin, sondern der Win32 Disk Imager das geeignete Werkzeug; unter Linux nutzen Sie das Tool dd:

sudo dd if=pcwResue4.iso of=/dev/sdf bs=512

Kontrollieren Sie die Gerätebezeichnung, hier im Beispiel „/dev/sdf“, genau, denn der Befehl überschreibt den Datenträger komplett.

Der Platzbedarf ist etwa ein GB. Noch bequemer ist es, das Notfallsystem zu starten und dort den Menüpunkt „Zubehör ➞ Installation auf USB-Laufwerk“ zu verwenden. Wenn Sie zum ersten Mal vom USB-Stick booten, legt das System die nötigen Partitionen an. Dieser Vorgang dauert relativ lange, muss aber nur einmal erfolgen. Im nicht benötigten Bereich wird dabei eine FAT32-Partition eingerichtet, die Sie für den Datenaustausch zwischen Notfallsystem und Windows verwenden können.

„Sicherer Start“: Bei Startproblemen mit dem Standardmodus bietet das System eine Reihe von Troubleshooting-Optionen insbesondere für die Grafikdarstellung.
Vergrößern „Sicherer Start“: Bei Startproblemen mit dem Standardmodus bietet das System eine Reihe von Troubleshooting-Optionen insbesondere für die Grafikdarstellung.

2. Desktop und Bedienung

Das PC-WELT-Notfallsystem verwendet als Desktop den klassischen und relativ anspruchslosen XFCE . Hier geht es um pure Funktionalität: Die Programme und Tools finden sich in der Leiste am oberen Rand – sämtliche im „Menü“, einige besonders wichtige als Starter mit eigenem Symbol. Bei Startproblemen des Notfallsystems hilft das systemeigene Bootmenü „Sicherer Start“ mit allen einschlägigen Troubleshooting-Optionen.

PC-WELT Multi-PE: Eigenes Rettungssystem erstellen

3. Praxis: Daten retten und vieles mehr

Bei Windows-Problemen kopieren Sie wichtige Dateien beispielsweise auf ein USB-Laufwerk. Verbinden Sie das USB-Gerät mit dem PC, und binden Sie die Windows-Partitionen ein. Dazu klicken Sie in der Symbolleiste auf das Icon „Festplatten einbinden“. Sie sehen eine Liste mit den gefundenen Partitionen, in der Sie beispielsweise auf „Partition 2 (sda2, ntfs) einbinden“ klicken. Die zweite Partition ist in der Regel die Windows-Systempartition, die erste die Bootpartition. Verfahren Sie mit dem USB-Laufwerk entsprechend. Beim Einbinden öffnet sich jeweils automatisch der Dateimanager.

Virensuche: Bei Windows-Problemen sollten Sie zuerst die Festplatte auf Schädlingsbefall prüfen. Das Notfallsystem enthält die beiden Viren-Scanner Avira Antivir Personal und Clam AV.
Vergrößern Virensuche: Bei Windows-Problemen sollten Sie zuerst die Festplatte auf Schädlingsbefall prüfen. Das Notfallsystem enthält die beiden Viren-Scanner Avira Antivir Personal und Clam AV.

Virensuche: Das System bietet unter „Rettungswerkzeuge“ die Viren-Scanner Avira Antivir Personal und Clam AV. Bevor Sie den Avira-Scanner verwenden, doppelklicken Sie auf das Desktop-Icon „Avira-Update“. Darüber laden Sie die aktuellen Virensignaturen und den Lizenzschlüssel herunter. Hinter „Zu scannendes Verzeichnis“ ist der Pfad „/media“ eingestellt. Hier müssen die Partitionen eingehängt sein, die Sie prüfen möchten. Mit „Durchsuchen starten“ lösen Sie den Scan aus. Wenn der Viren-Scanner viele infizierte Dateien meldet, ist es ratsam, das betroffene Windows neu zu installieren.

Beide Viren-Scanner sind so eingestellt, dass sie Infektionen nur anzeigen, aber keine Dateien verändern. Wenn Sie das ändern wollen, lösen Sie im Fenster „Laufwerke“ die Einbindung der Partition, setzen ein Häkchen vor „schreibbar?“ und binden die Partition erneut ein. Beachten Sie dabei die Hinweise im Kasten „Notfallsysteme und Windows 8“. Wenn das Einbinden klappt, gehen Sie auf die Registerkarte „Expertenmodus“ und setzen ein Häkchen vor „Infizierte Dateien löschen“ (Clam AV) oder aktivieren die Option „löschen“ oder „desinfizieren/umbenennen“ (Avira).

Windows-Kennwörter: Binden Sie die Windows-Partition ohne Schreibschutz ein, und erstellen Sie eine Sicherungskopie der Registry-Dateien, die Sie unter „/Windows/System32/config“ finden. Klicken Sie dann auf auf „Rettungswerkzeuge fi Kennwort neu“. Nach „Vor“ und „Jetzt suchen“ bietet Ihnen das Programm wahrscheinlich mehrere Dateien an. Wählen Sie „/media/[Partition]/Windows/System32/Config/SAM“, wobei „Partition“ für die Bezeichnung der Windows-Partition steht. Klicken Sie auf „Vor“ und dann auf „Konten einlesen“. Wählen Sie den Benutzernamen, dessen Passwort Sie zurücksetzen wollen, und klicken Sie auf „Vor“. Setzen Sie ein Häkchen vor „Haftungsausschluss“ und klicken Sie auf „Anwenden“. Beim späteren Start von Windows werden Sie darüber informiert, dass das Passwort abgelaufen sei und Sie es ändern müssen. Nun können Sie sich mit einem neuen Passwort anmelden.

Notfallsysteme und Windows 8

Windows 8 fährt schnell herunter und startet schnell. Das System speichert nämlich ein Abbild des aktuellen Zustands in der Datei „Hiberfil.sys“. Dadurch kann sich allerdings das Dateisystem in einem undefinierten Zustand befinden, weil zwischengespeicherte Daten noch nicht auf der Festplatte gelandet sind. Wenn Sie jetzt mit einem Notfallsystem auf die Festplatte schreiben, können Daten zerstört werden.

Das PC-WELT Notfallsystem verwendet den aktuellsten NTFS-Treiber, der das Verhalten von Windows berücksichtigt. Wenn dieser die Datei „Hiberfil.sys“ auf einer Partition findet, hängt er diese nur schreibgeschützt ein. Da zwischen Windows 7 und 8 nicht unterschieden werden kann, gilt diese Einschränkung für beide Systeme. Wenn Sie die Partition mit Schreibzugriff einhängen wollen, müssen Sie Windows 8 erst mit „Neu starten“ statt mit „Herunterfahren“ beenden. Windows-7-Nutzer verwenden den Befehl powercfg -h off in einer Eingabeaufforderung mit Administratorrechten.

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