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Der letzte Feinschliff für Ubuntu 14.04 LTS

08.10.2014 | 12:05 Uhr |

Auch LTS-Versionen von Ubuntu sind nicht frei von kleineren Nervereien und auch größeren Versäumnissen der Entwickler. Die folgende Auflistung zeigt Probleme und deren Lösungen in Ubuntu 14.04 LTS und seinen Varianten.

Die Entwicklung von Ubuntu und die einzelnen Software-Pakete sind mit eng mit Debian GNU/Linux verbunden. Denn dies stellt die Basis für Ubuntu dar, und auch im Entwickler-Team gibt es einige personelle Überschneidungen. In Ubuntu fließen neben Eigenentwicklungen auch aktuellere Software-Versionen ein. Für Anwender bedeutet dies, dass es neuere Programme als bei Debian gibt, aber bisweilen auch Ärger bei Installation, Einrichtung und Anwendung, da die Pakete nicht so ausgiebig getestet werden. Ubuntu 14.04 LTS ist eine Ausgabe mit Langzeit-Support, und diese Versionen sollen stabiler und fehlerfreier sein. Diesem Anspruch wird die Distribution nicht immer gerecht. Denn Bugs und Ungereimtheiten, die nicht zu den Kernthemen der Entwickler zählen, erhalten spät oder auch gar keine Aufmerksamkeit. Dieser Beitrag greift einige besonders lästige und teils anspruchsvolle Hürden bei Installation und Konfiguration von Ubuntu 14.04 heraus.

Wie ging das nochmal? Diese Übersicht der Tastenkürzel zeigt ein längerer Druck auf die Super-(Windows-)Taste an. Sie wird im Live-System nur einmal eingeblendet.
Vergrößern Wie ging das nochmal? Diese Übersicht der Tastenkürzel zeigt ein längerer Druck auf die Super-(Windows-)Taste an. Sie wird im Live-System nur einmal eingeblendet.

Unity: Info-Bildschirm mit Tastaturkürzeln

Ubuntu 14.04 zeigt im Live-System gleich nach dem Start eine Übersicht der verfügbaren und teilweise sehr nützlichen Tastenkürzel an, später im installierten System aber nicht mehr. Dies führt zu einem Dilemma: Wer das Fenster gleich geschlossen hat, ohne die Infos zumindest schnell zu überfliegen, bekommt die Übersicht nicht mehr angezeigt, da sie über ein Tastenkürzel gestartet wird. Die Lösung: Halten Sie die Super-Taste gedrückt (entspricht auf den meisten Tastaturen der Windows-Taste), um die Übersicht zu den Kürzeln in Unity jederzeit wieder anzuzeigen.

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 5/2014

Zehn Top-Systeme für den USB-Stick - der Linux-Multiboot-Stick für jeden Einsatzzweck, die besten Power-Tricks für Mint 17 - das und mehr finden Sie in der neuen LinuxWelt 5/2014 .

Unity: Herkömmliche Menüs in Programmfenstern

In Ubuntu 14.04 LTS bringen Programmfenster in Unity auf Wunsch eine Menüleiste zurück – allerdings platzsparend in der Titelleiste. Zudem zeigen sich die Menüs erst nach Darüberfahren mit dem Mauszeiger. Die Einstellung dazu findet sich über die Dash-Übersichtsseite mit „Systemeinstellungen ➞ Darstellung ➞ Verhalten ➞ Zeige die Menüs für ein Fenster“. Eine Option, diese speziell angepassten Menüleisten ganz abzuschalten und herkömmliche Menüs zu verwenden, fehlt jedoch weiterhin. Über die Deinstallation dreier Pakete geht es aber trotzdem. Mit

sudo apt-get remove indicator-
appmenu unity-gtk2-module
unity-gtk3-module

in einem Terminal entfernen Sie gezielt jene Komponenten, die für das App-Menü in der oberen Zeile und für das neue Menü in der Titelleiste sorgen. Stattdessen zeigt sich dann nach einer erneuten Anmeldung am System wieder die ganz normale Menüleiste in Programmen. Der Standard-Dateimanager Nautilus liegt in Unity in einer gepatchten Version ohne eigenes Menü vor. Verwenden Sie stattdessen die Abspaltung „Nemo“ dieses Dateimanagers, die Sie mit

sudo apt-get install nemo

installieren können.

So klappen die ersten Schritte mit Ubuntu

Während der Größenänderung von Fenstern zeigt Ubuntu 14.04 LTS den Inhalt mit an. Eine Konfigurationsänderung bringt die alten Rahmen zurück.
Vergrößern Während der Größenänderung von Fenstern zeigt Ubuntu 14.04 LTS den Inhalt mit an. Eine Konfigurationsänderung bringt die alten Rahmen zurück.

Unity: Fenstergröße ohne Inhalt ändern

Eine neue Eigenschaft von Unity ist die Darstellung des Fensterinhalts während einer Größenänderung des Fensters. Wenn der Rechner über keinen leistungsfähigen Grafikchip von Nvidia oder ATI/AMD mit den entsprechenden proprietären Treibern verfügt, dann ist das Resultat wenig ansprechend. Denn die Größenänderung erfolgt ruckelnd und verzögert. Um wieder das Verhalten von Ubuntu 13.10 herzustellen, das lediglich einen Fensterrahmen bei Größenänderungen anzeigt, ist nur die Eingabe des Befehls

dconf write /org/compiz/profiles/unity/plugins/resize/mode 2

in einem Terminal-Fenster nötig.

Ubuntu Software Center: Paketlisten reparieren

Das Ubuntu Software Center ist als grafischer Paketmanager im Stil eines App-Stores konzipiert. Im Hintergrund nutzt es aber weiterhin APT, den üblichen Paketmanager von Debian. Falls das Ubuntu Software Center und der Aktualisierungsmanager nicht mehr starten, so liegt dies meist an einem Problem mit APT. Zur Fehlersuche starten Sie ein Terminal und geben

sudo apt-get update

ein, um dann eine detaillierte Fehlermeldung zu bekommen. Ein Fehler, der häufiger auftritt, sind ungültige Paketlisten nach einem Update, was sich im Terminal nach diesem Befehl mit der Meldung „Die Paketliste oder die Statusdatei konnte nicht eingelesen oder geöffnet werden“ äußert. Löschen Sie in diesem Fall die bisherigen Paketlisten komplett mit diesem Kommando:

sudo rm -rf /var/lib/apt/lists/*

Bauen Sie die Listen dann mit den Befehlen

sudo apt-get clean all
sudo apt-get update

neu auf. Ab jetzt sollten sowohl apt-get als auch das Ubuntu Software Center und der Aktualisierungsmanager wieder laufen.

Steam installieren: Die Spieleplattform von Valve sollten Sie unter Ubuntu lieber nicht über das Software Center installieren, da dieser Weg zu umständlich gelöst ist. Einfacher geht es mit apt-get.
Vergrößern Steam installieren: Die Spieleplattform von Valve sollten Sie unter Ubuntu lieber nicht über das Software Center installieren, da dieser Weg zu umständlich gelöst ist. Einfacher geht es mit apt-get.

Steam: Alternative und einfache Installation

Ubuntu 14.04 LTS hätte zu einer Vorzeige-Distribution der Spieleplattform „Steam“ von Valve werden können. Leider ist dessen Installation über das Ubuntu Software Center aber grandios umständlich: Anstatt die Einrichtung geradlinig wie bei anderen Programmen zu halten, ist Steam unter dem Namen „steam-launcher“ als Kauf-Software markiert, obwohl sie nichts kostet. Bei einem Klick auf „Kaufen“ erscheint dann die Meldung, Ubuntu One sei eingestellt, nur um dann eine Anmeldung für den weiterhin angebotenen Ubuntu One Single-Sign-on-Dienst zu zeigen. Zu kompliziert, zu irritierend – besser ist, den Steam-Client per Kommandozeile mit

sudo apt-get install steam

zu installieren.

Danach starten Sie das Programm mit dem Befehl steam über die Dash-Übersichtsseite oder im Terminal, was erst mal ein Update der Software auf die neuste Version ausführt. Nachdem das Update abgeschlossen ist, schließen Sie Steam wieder und installieren die proprietären Treiber der verwendeten Grafikkarte über die Treiberverwaltung in den Systemeinstellungen mit „Software & Aktualisierungen ➞ Zusätzliche Treiber“. Danach starten Sie wieder Steam und fahren mit der Anmeldung fort.

DVDs abspielen: Ein DVD-Codec ist in Ubuntu nicht enthalten, kann aber kostenlos über den VLC-Player nachinstalliert werden.
Vergrößern DVDs abspielen: Ein DVD-Codec ist in Ubuntu nicht enthalten, kann aber kostenlos über den VLC-Player nachinstalliert werden.

DVDs abspielen: Codec nachrüsten

Ein Codec zum Abspielen von DVDs ist in Ubuntu 14.04 wie schon im Vorgänger aus patentrechtlichen Gründen nicht mehr enthalten. Das Ubuntu Software Center bietet dafür den Fluendo DVD Player für 24,95 US-Dollar an. Eine andere, kostenlose Möglichkeit ist die Installation der fehlenden Codecs über die Paketquellen des Players VLC. Installieren Sie dazu in einem Terminal mit

sudo apt-get install libdvdread4

ein Script, das den eigentlichen DVD-Codec dann mit dem Kommando

sudo /usr/share/doc/libdvdread4/install-css.sh

von der Projektseite des Video LAN Client bezieht und einrichtet.

Dualboot von Windows und Ubuntu - so geht's

Network-Manager in Lubuntu und Xubuntu: In diesen Ubuntu-Versionen ist es nötig, die Autostart-Datei für das Applet des Network-Managers anzupassen, um das Applet nach dem Systemstart anzuzeigen.
Vergrößern Network-Manager in Lubuntu und Xubuntu: In diesen Ubuntu-Versionen ist es nötig, die Autostart-Datei für das Applet des Network-Managers anzupassen, um das Applet nach dem Systemstart anzuzeigen.

Lubuntu/Xubuntu: Unsichtbarer Network-Manager

In der Standardkonfiguration kümmert sich der Network-Manager um Ethernet- und WLAN-Verbindungen und zeigt dazu ein Symbol mit Kontextmenü im Panel der verwendeten Desktop-Umgebung an. In Lubuntu und Xubuntu ist den Entwicklern ein Fehler unterlaufen, der den Start des Programms nm-applet verhindert. Diese Ubuntu-Varianten haben die Autostart-Datei von Unity übernommen, die jedoch in XFCE und LXDE nicht immer funktioniert, daher fehlt das Symbol für den Network-Manager im Panel. Die Lösung dieses Problems besteht aus zwei Schritten:

1. Die Autostart-Datei „/etc/xdg/autostart/nm-applet.desktop“ benötigt eine Anpassung, um das nm-applet über den Systemdienst Dbus aufzurufen. Diese Änderung erledigt der folgende Terminal-Befehl:

sudo sed -i "s/Exec=.*/Exec=dbus-launch nm-applet/g" /etc/xdg/
autostart/nm-applet.desktop

2. In Lubuntu reicht diese Anpassung nicht aus. Bei dieser Ubuntu-Variante gehen Sie danach noch im Anwendungsmenü auf „Einstellungen ➞ Default applications for LXSession“ und dort auf „Autostart“. In der Liste der Autostart-Programme entfernen Sie den Haken vor dem Eintrag „Netzwerk“ und fügen ihn sofort wieder hinzu. Dies erzeugt eine Kopie der Autostart-Datei im Unterordner „~/.config/autostart“ im Home-Verzeichnis. Auch diese Datei benötigt wieder eine Modifikation, um in der Zeile „NotShowIn“ die Angabe „LXDE“ zu entfernen. Das geht am schnellsten mit diesem Befehl

sed -i "s/NotShowIn=.*/NotShowIn=KDE;/g" ~/.config/
autostart/nm-applet.desktop

Natürlich können Sie diese Änderung auch manuell mit einem Texteditor durchführen, damit in der Zeile nur mehr „NotShowIn=KDE;“ steht. Nach einem Neustart des Systems sollte sich jetzt der Network-Manager mit seinem Applet korrekt im Panel zeigen.

WLAN: Wicd statt Network-Manager

In allen Ubuntu-Varianten kümmert sich der Network-Manager um die Verbindung zu Ethernet und Drahtlosnetzwerken. Zwar ist dieses Tool aus dem Gnome-Umfeld inzwischen für die üblichen Aufgaben ausgereift. In Ubuntu ist ein störungsfreier Betrieb mit USB-WLAN-Sticks aber nicht möglich, da es die angeschlossenen Geräte nicht findet. Wer WLAN-Adapter über USB anschließt, sollte einen Blick auf das alternative Tool Wicd zur Verbindungsverwaltung werfen, das den Network-Manager ersetzt.

Ideal für WLAN-Adapter an USB-Ports: Wicd erlaubt eine genauere Kontrolle über Netzwerk-Hardware und deren Einstellungen als der standardmäßige Network-Manager. Wicd unter Unity erfordert aber noch einen Patch.
Vergrößern Ideal für WLAN-Adapter an USB-Ports: Wicd erlaubt eine genauere Kontrolle über Netzwerk-Hardware und deren Einstellungen als der standardmäßige Network-Manager. Wicd unter Unity erfordert aber noch einen Patch.

Wicd ist in den Standard-Paketquellen enthalten, und die Installation erfolgt mit diesem Befehl:

sudo apt-get install wicd

Dabei werden Sie im Terminal per Menü aufgefordert, alle Benutzer zur Gruppe „netdev“ hinzuzufügen, die das Netzwerk kontrollieren dürfen. Melden Sie sich danach vom System ab und wieder an, damit die neue Gruppenzugehörigkeit aktiv ist. Deinstallieren Sie den Network-Manager jetzt noch nicht, sondern halten Sie ihn stattdessen mit

sudo service network-manager stop
sudo service wicd start

an, und starten Sie den Wicd-Dienst. In Unity müssen Sie das Konfigurationswerkzeug mit wicd-client manuell aufrufen, in anderen Desktop-Umgebungen wie XFCE und LXDE gibt es dafür ein Symbol im Panel. In Wicd müssen Sie angeben – und dies ist der große Vorteil gegenüber Network-Manager –, welche Netzwerkschnittstelle kontrolliert werden soll. Dies erfolgt unter „Einstellungen ➞ Allgemeine Einstellungen ➞ Netzwerkgerät“. Um die Kennung des USB-WLAN-Adapters zu erfahren, rufen Sie in einem Terminal das Kommando

ip addr list

auf. Das WLAN-Gerät ist meistens das letzte in der Liste. Eine Liste verfügbarer Drahtlosnetzwerke erhalten Sie dann in Wicd mit einem Klick auf „Aktualisieren“.

Für das gewünschte WLAN müssen Sie die Verbindungsinformationen wie Verschlüsselung und Passwort vor der Verbindung unter „Eigenschaften“ eintragen. Beachten Sie, dass Sie für ein WPA-1/2-Passwort hier die Option „Verschlüsselung verwenden“ aktivieren und darunter „WPA 1/2 Passphrase“ auswählen. Das Passwort geben Sie dann im Feld „Vorinstallierter Schlüssel“ ein. Erst wenn die Verbindungsaufnahme funktioniert, können Sie den bisher verwendeten Network-Manager mit dem Befehl

sudo apt-get remove --purge net
work-manager network-manager-gnome

entfernen. Für den Betrieb von Wicd in Unity ist noch ein manueller Patch nötig, damit sich das Applet im oberen Panel zeigt. Installieren Sie mit

sudo apt-get install python-appin
dicator

ein dazu benötigtes Paket, und laden Sie mit

wget https://bugs.launchpad.net/wicd/+bug/761326/+attachment/3767555/+files/wicd-client-appindica
tor.patch

den Patch herunter. Anschließend wenden Sie den Patch mit

sudo patch /usr/share/wicd/gtk/wicd-client.py < wicd-client-ap
pindicator.patch

auf Wicd an, das sich ab dem nächsten Start mit wicd-client wieder im Panel zeigt.

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