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Linux als Server oder NAS einsetzen

17.11.2013 | 07:23 Uhr |

Sie wollen alle Ihre Dateien zentral im Netzwerk zur Verfügung stellen, damit andere Desktop-Computer, Tablets oder Spielekonsolen darauf zugreifen können? Dann setzen Sie ein spezialisiertes Linux als NAS oder Datei-Server ein!

Um einen zentralen Datenspeicher im Netz aufzusetzen, bieten sich mehrere Strategien an. Geht es in erster Linie um Medieninhalte, ist das Medien-Center XBMC eine gute Wahl. Geht es hingegen um den Datenaustausch von Office-Dokumenten und eine Backup-Lösung für Daten aller Art, eignen sich insbesondere NAS-Systeme (Network Attached Storage) oder Datei-Server. Lesen Sie hier, was spezialisierte Server- und NAS-Distributionen leisten.

Linux-basierte NAS- und Server-Lösungen
Wer sich auf die Suche nach einer Server-Lösung macht, die nicht auf Windows basiert, stößt unweigerlich auf Free NAS . Es bietet die zentrale Speicherung von Dateien aller Art an, stellt viele Protokolle zur Verfügung, um den Austausch der Daten mit Windows und Mac zu erleichtern und enthält einige Komfortfunktionen wie Streaming-Optionen. NAS4free ist Free NAS in vielerlei Hinsicht ähnlich. Beide Projekte basieren auf der gleichen Codebasis, haben aber in der Entwicklung eigene Richtungen eingeschlagen: Free NAS hat mit hohen Hardware-Ansprüchen insbesondere beim Arbeitsspeicher seine Nische in der Profi-Ecke, während sich das weitaus bescheidenere NAS4free auch als Recycling für Alt-Geräte eignet. Open Media Vault basiert auch auf Linux und wird nach Erweiterung mit zahllosen Plug-ins zu einem zentralen Baustein im eigenen Netzwerk. Vom einfachen Datenspeicher über die Medienverwaltung bis hin zum Webserver kann das System angepasst werden. Allerdings ist das Projekt nicht gut dokumentiert, so dass es sich nur für fortgeschrittene Nutzer eignet.

Empfehlenswerte Linux-Distributionen für Desktops

Auf der Amahi-Webseite müssen Sie sich registrieren. Hier definieren Sie schon die IP Ihres Servers und besorgen sich den „Install Code“, den Sie später beim Set-up benötigen.
Vergrößern Auf der Amahi-Webseite müssen Sie sich registrieren. Hier definieren Sie schon die IP Ihres Servers und besorgen sich den „Install Code“, den Sie später beim Set-up benötigen.

Amahi-Server
Der Amahi-Server ist eine gute Alternative, die wir den genannten Lösungen vorziehen und nachfolgend näher beschreiben: Installation und Bedienung sind einfach und die Konfiguration ist gut dokumentiert. Die in der Basisversion kostenlose Software setzt auf Ubuntu oder Fedora auf, und die Installation kann direkt aus einem bestehenden System heraus erfolgen. Im Gegensatz zu den anderen Server-Lösungen bleibt das System hier mit einem Desktop administrierbar und weiter auch für andere Arbeiten benutzbar. Die einfache Installation hat indes auch einen Nachteil: Wenn Sie Amahi wieder loswerden möchten, ist eine saubere Deinstallation der Amahi-Komponenten nicht vorgesehen. Die Amahi-Webseite sagt schlicht: „Amahi cannot be uninstalled“ und empfiehlt grundsätzlich ein separates Ubuntu oder Fedora als Basis.

Das leistet der Amahi-Server
Amahi bietet einen vollwertigen Server sowie zahlreiche Apps, die die Funktionalität der Installation noch erweitern. Neben der Netzwerkfreigabe von Ordnern, der Erreichbarkeit über das Internet (dynamischer DNS inklusive) gehören unter anderem ein Terminkalender und ein Portal für alle Familienmitglieder zum Teilen von Adressen oder Fotos zur Ausstattung. Amahi kann außerdem als zentraler Server in Ihrem Heimnetzwerk agieren und sich um die Verwaltung der angemeldeten Geräte und deren IP-Adresse kümmern. Um diese Aufgaben erfüllen zu können, sind einige tiefgreifende Änderungen des Linux-Systems notwendig, das als Unterbau dient. Daher eignen sich auch nicht alle Distributionen.

Amahi auf Ubuntu 12.04 LTS
LTS-Versionen („Long Term Support“) verzichten bei der Auslieferung auf experimentelle Programme und werden deutlich länger als die einfachen Varianten mit Updates versorgt. Der Amahi Home Server basiert auf Fedora 14 oder auf Ubuntu 12.04 LTS, das Sie nach wie vor über die Download-Seiten des Ubuntu-Projekts erreichen. Installieren Sie Ubuntu 12.04 LTS am besten vollständig und frisch, aber ohne jede zusätzliche Software. Die Installation des Amahi-Servers verläuft dann etwas anders als gewohnt. Sie benötigen dazu ein Installations-Script und eine funktionierende Internetverbindung.

Wichtige Linux-Dateisysteme im Überblick

Das Setup erfolgt auf der Konsole: Sie laden sich die Datei „install-amahi“ herunter und rufen diese auf. Dann ist die Eingabe des „install code“ fällig.
Vergrößern Das Setup erfolgt auf der Konsole: Sie laden sich die Datei „install-amahi“ herunter und rufen diese auf. Dann ist die Eingabe des „install code“ fällig.

In einem Terminal rufen Sie sich zunächst das Skript mit
wget http://u12.amahi.org/install-amahi
ab. Ist die Übertragung abgeschlossen, starten Sie das Shell-Script:
sh install-amahi
Das Terminal sollte wenige Augenblicke später nach dem Systemkennwort und nach einem „Install Code“ fragen – dies ist der Standard. Erhalten Sie diese Frage nicht, ist Ihr Router offensichtlich so konfiguriert, dass Anfragen außerhalb Ihres eigenen Netzwerks geblockt werden oder auf dem Rechner, auf dem Sie Amahi installieren wollen, gar nicht eingehen. Sehen Sie im Handbuch Ihres Routers nach, wie Sie den Port 80 freischalten und an den Rechner weiterleiten. Der Installationscode übermittelt an das Setup-Programm alle relevanten Informationen. Um ihn zu erhalten, brauchen Sie ein Benutzerkonto bei Amahi.

Das Konto können Sie direkt im laufenden System oder mit einem Browser auf einem anderen Gerät anlegen: Hinterlegen Sie einen Benutzernamen, ein Passwort und eine gültige Mailadresse. Sie erhalten dann eine Bestätigungsmail mit dem notwendigen Code. Diesen geben Sie nach sh install-amahi im Terminal an. Damit startet die Einrichtung des Servers. Ist sie abgeschlossen, starten Sie den PC einmal neu. Danach sollte sich auf dem Desktop ein neuer Link zur Admin-Oberfläche befinden, die Sie aber auch im Browser mit aufrufen können. Kontrollieren Sie im „ Control Pane l“ die IP-Adressen. Hat Ihr Router nicht die angenommene IP 192.168.1.1, können Sie dies später mit
sudo hda-change-gw 192.168.0.1
korrigieren (Beispiel-IP).

Beim ersten Aufruf der Amahi-Oberfläche richten Sie das Administratorkonto ein.
Vergrößern Beim ersten Aufruf der Amahi-Oberfläche richten Sie das Administratorkonto ein.

Die erste Anmeldung
Sie werden beim Anmelden an den HDA-Server (Home Digital Assistant) nach Benutzernamen und Passwort gefragt. Hier sind nicht die Zugangsdaten gemeint, die Sie auf der Website von Amahi hinterlegt haben, sondern Ihr Linux-Benutzername und das Systemkennwort. Anschließend leitet Sie das System unmittelbar zur Einrichtung des ersten Benutzerkontos am Server um, das dann auch die Rechte zur Administration erhält. Danach befinden Sie sich in der Administrationsoberfläche. Wechseln Sie am besten zunächst in den Abschnitt „Settings“ und stellen Sie unter „Global Settings“ die Sprache auf „Deutsch“ um.

Linux für Kids - Spielend den PC kennenlernen

Die Administrationsoberfläche ist jetzt auch bereits von anderen PCs im Netzwerk erreichbar. Hier sollte ebenfalls die Eingabe des Namens „hda“ genügen. Falls nicht, erreichen Sie den Server in jedem Fall über die Eingabe seiner IP-Adresse. Das ist allerdings ein Zeichen dafür, dass die Konfiguration des Netzwerks noch nicht optimal funktioniert. Der Supportbereich enthält unter anderem eine Schritt-für-Schritt-Fehlersuche.

Freigaben einrichten
Nach der Installation ist zunächst nur ein Benutzer eingerichtet. Damit weitere Personen auf die Freigaben zugreifen können, richten Sie im nächsten Schritt über „Benutzer ➞ Neuer Benutzer“ Konten ein. Nach der Vergabe des Passworts und einem erneuten Klick auf „Neuer Benutzer“ wird er unmittelbar in die Liste aufgenommen. In den „Details“ eines Kontos kann dieses jederzeit auch zu einem Admin umgewandelt werden.

Im Bereich „Freigaben“ hat das System bereits einige typische Verzeichnisse angelegt. Die vorhandenen Freigaben sind alle so eingerichtet, dass diese im Netzwerk sichtbar sind und von allen Benutzern genutzt werden können. Mit einem Klick auf einen Eintrag bearbeiten Sie dessen Eigenschaften. Sobald Sie unter „Berechtigungen“ die Option „Alle Benutzer“ deaktivieren, wird die Liste der eingestellten Nutzer sichtbar. Aus ihr stellen Sie dann die berechtigen Personen zusammen. Wenn alle Netzwerkrechner korrekt auf den Amahi-Server zugreifen können, ist es möglich, DHCP im Router abzuschalten und sich ausschließlich auf Amahi zu verlassen.

Amahi kann funktional durch viele Apps erweitert werden. Diese installieren Sie in einer übersichtlichen Oberfläche.
Vergrößern Amahi kann funktional durch viele Apps erweitert werden. Diese installieren Sie in einer übersichtlichen Oberfläche.

Amahi-Server sinnvoll ergänzen
Ihr neuer Home-Server enthält alle grundlegenden Funktionen, um mit mehreren Clients und Personen auf einen gemeinsamen Datenbestand zuzugreifen. Funktional kann die Installation mit Apps erweitert werden. Diese werden sowohl kostenlos als auch gegen eine geringe Lizenzgebühr angeboten (1 bis 5 US-Dollar). Die Software-Pakete stehen in einem eigenen kleinen Shop auf der Webseite bereit. Dazu gehören etwa ein iTunes-Server oder die Option, Amahi-Shares als Ziel für das Apple-Backup Time Machine nutzen zu können. Der geringe Preis solcher Komponenten lohnt sich insofern, als Sie die Erweiterung nur noch installieren müssen, um danach sofort mit dem Fein-Tuning beginnen zu können. Dies verläuft bei kostenfreien Server-Lösungen nicht immer so einfach.

Mit Linux inkognito surfen

Um eine Erweiterung zu installieren, loggen Sie sich als Administrator in das Dashboard der Installation ein. Dort finden Sie Ergänzungen wie etwa „Gallery“ oder auch „TheAdressBook“, um den Austausch von Fotos und Kontaktinformationen zwischen den Nutzern zu erleichtern. Mit einem Klick auf den Eintrag rufen Sie die Details auf. Hier finden Sie auch den Schalter für die eigentliche Installation. Die Programmdaten stammen aus dem eigenen Repository, das von Amahi während der ursprünglichen Einrichtung angelegt wird. Mit einem Klick auf das Symbol „Get apps“ werden Sie zum App-Store des Systems umgeleitet. Eingekaufte Add-ons landen anschließend in der Auswahlliste Ihres Systems und werden genau wie die kostenlosen installiert.

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