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Die Neuheiten von KDE 4.12 und 4.13

24.07.2014 | 10:22 Uhr |

Die heute populärste Desktop-Umgebung unter Linux ist KDE, das sich mit Version 4 erfolgreich neu erfand. Einsteiger finden gewohnte Elemente, Fortgeschrittene umfangreiche Anpassungsmöglichkeiten.

1996 waren grafische Oberflächen unter Linux Mangelware. Damals kündigte der 24-jährige Student Matthias Ettrich an, er wolle eine attraktive Desktop-Umgebung für Linux und BSD entwickeln. Heraus kam das „Kool Desktop Environment“, das sich am damals unter Unix verbreiteten und heute vergessenen CDE orientierte, aber bereits seinen eigenen Window-Manager „Kwin“ nutzte. In der Linux-Szene hagelte es Kritik, da KDE auf dem proprietären Toolkit „Qt“ der norwegischen Firma Trolltech aufsetzte. Deren kommerzielle Lizenz sahen viele Enthusiasten mit Linux unvereinbar und mieden KDE. Die Streitigkeiten wurden 1999 beigelegt, als Qt in einer freien Version unter der GPL 2 erschien.

Der Durchbruch gelang KDE mit dem Browser Konqueror, der den instabilen Netscape Navigator ersetzte. Anfang 2007 erschien KDE 4 mit neuer Optik, neuen Funktionen und neuen Programmen. Die liefen im Alltag zunächst nicht alle rund, doch mittlerweile ist KDE 4 gereift. KDE hat bewiesen, dass sich eine beliebte Arbeitsumgebung neu erfinden kann, ohne langjährige Fans zu vergraulen. Hinter KDE steht der gemeinnützige Verein KDE e.V. aus Berlin mit mehr als 160 Entwicklern aus aller Welt.

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 4/2014

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1. Konzept und Funktionsumfang

KDE besteht aus mehreren Komponenten und Programmen, und die gesamte Arbeitsumgebung erscheint stets als KDE Software Compilation (KDE SC). Der Plasma-Desktop stellt die Arbeitsoberfläche mit Miniprogrammen (Plasma-Widgets) und dem Window-Manager Kwin, der für Fenster, Programmdarstellung und Effekte sorgt. Daneben enthält KDE SC herausragende Anwendungen wie den Dateimanager Dolphin, den Bildbetrachter Gwenview, die Bildverwaltung Digikam und den Player Amarok.

Standardmäßig befinden sich die KDE-Bedienelemente am unteren Bildschirmrand. Ganz links gibt es in der Standardkonfiguration mit dem K-Menü einen Programmstarter mit Kategorien wie „Favoriten“, „Anwendungen“ und „Verlauf“. Außerdem gibt es eine Suchfunktion, der Programme anhand von Name und Beschreibung ausfindig macht. Neben dem K-Menü liegen die Taskleiste und daneben die Kontroll-Leiste mit diversen als Symbole dargestellten Miniprogrammen, die beispielsweise Lautstärkeregler, Network-Manager und Zwischenablage anbieten.

Effekte mit und ohne leistungsfähige Grafikkarte: Wenn KDE keine Open-GL-fähige Hardware findet, dann schaltet die Oberfläche automatisch einen Gang herunter und präsentiert sich weniger effektreich.
Vergrößern Effekte mit und ohne leistungsfähige Grafikkarte: Wenn KDE keine Open-GL-fähige Hardware findet, dann schaltet die Oberfläche automatisch einen Gang herunter und präsentiert sich weniger effektreich.

2. Hardware-Ansprüche und Speicherbedarf

KDE 4 war lange als Ressourcen-Fresser verrufen. Der Vorwurf trifft mittlerweile nicht mehr zu, nachdem die Entwickler mehrere Jahre an einer effizienteren Nutzung von CPU und Speicher gearbeitet haben. Ein Sorgenkind bleibt das Framework „Nepomuk“ und der Indexer „Strigi“, der Metadaten aus KDE-Anwendungen in einer lokalen Datenbank sammelt, um einen semantischen Desktop zur Verfügung zu stellen. Wer diese Dienste nicht benötigt, kann den Indexer abschalten. KDE allein verlangt ohne laufende Anwendungen rund 230 MB (32 Bit) beziehungsweise 360 MB (64 Bit). Die optionalen Effekte von Kwin laufen über Open GL und verlangen einen 3D-fähigen Grafikchip für ansprechende Leistung. Zur Not läuft ein reduziertes Effekt-Repertoire auch über Xrender und damit über die CPU. Diese Einstellung trifft KDE automatisch, wenn kein Open-GL-fähiger Grafikchip gefunden wird. Eine Dual-Core-CPU ist von Vorteil.

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KDE konfigurieren: Die Systemeinstellungen zeigen ein gut sortiertes Menü mit nützlicher Suchfunktion, um Einstellungen anhand von Namen und Beschreibung zu finden.
Vergrößern KDE konfigurieren: Die Systemeinstellungen zeigen ein gut sortiertes Menü mit nützlicher Suchfunktion, um Einstellungen anhand von Namen und Beschreibung zu finden.

3. Konfiguration und Anpassung

Mit KDE kommen Umsteiger aus der Windows-Welt sofort zurecht. Erfahrene Anwender schätzen den Funktionsumfang und die Anpassungsfähigkeit von KDE. Diese Eigenschaften stehen bei KDE im Vordergrund und nicht immer Übersicht und schlichte Eleganz. Wer unprätentiöse Desktops wie XFCE und LXDE bevorzugt, wird sich an der Opulenz von KDE stören. Die Einstellungsmöglichkeiten sind kleinteilig und nicht immer intuitiv. So ist es zur Änderung der Leiste nötig, zuerst ganz rechts auf das Nuss-Symbol zu klicken. Plasma-Widgets auf dem Desktop lassen sich per Rechtsklick hinzufügen und über deren Werkzeugleiste verschieben und entfernen. Zudem gibt es auch noch rechts oben eine Cashew-Nuss für die Arbeitsfläche, über die sich weitere Leisten hinzufügen lassen. Die dort untergebrachten „Aktivitäten“ sind eine wenig beachtete, aber nützliche Funktion, hinter der sich frei definierbare KDE-Sitzungen mit eigener Optik, Plasma-Widgets, Leisten und Themes verbergen. Bei Bedarf kann man den Desktop so über das Desktop-Menü oben rechts zu einem zuvor festgelegten Schema umschalten.

Wer sich mit den Widgets nicht anfreunden will, kann über den Kontextmenüpunkt „Einstellungen für Standard-Arbeitsfläche“ hinter „Layout“ die „Ordner-Ansicht“ wählen. Danach zeigt der gesamte Desktop den Inhalt des Ordners „Arbeitsfläche“ beziehungsweise „Desktop“ und zeigt dort angelegte Ordner, Dokumente und Programmstarter. Eine aufgeräumte Übersicht aller Optionen bieten die „Systemeinstellungen“ im KDE-Menü. Hier ist in Untermenüs die gesamte Konfiguration von KDE untergebracht, vom Erscheinungsbild von Anwendungen und der Arbeitsfläche über Energieoptionen bis zu Eingabehilfen. Eine Brücke zur Systemverwaltung schlagen hier die Menüs zur Hardware und zur Benutzerverwaltung.

4. Installation in populären Distributionen

Es gibt heute kaum eine Distribution, die KDE nicht bietet. Open Suse und Kubuntu sind Vorzeigesysteme für KDE. Debian 7 bietet ein installierbares Live-System mit einem älteren KDE 4.8.4. Sogar das Gnome-affine Fedora hat eine eigene Live-DVD mit einem sorgfältig eingerichteten KDE im Angebot.

In Ubuntu 14.04 steht KDE über ein Metapaket zur einfachen Installation bereit (KDE-Version 4.13):

sudo apt-get install kubuntu-desktop kde-l10n-de

In Fedora verwenden Sie diesen Befehl (KDE-Version 4.12.4):

sudo yum install @kde-desktop

Die Installation der Desktop-Umgebung verlangt rund 400 MB Speicherplatz auf der Festplatte.

Webseite: http://kde.org Aktuelle Version: KDE SC 4.13 (vom 16. April 2014)
Zielgruppe: fortgeschrittene Nutzer und Einsteiger
Ressourcenbedarf: moderat bis hoch, die optionalen Effekte benötigen einen Open-GL-fähigen Grafikchip
Anpassungsfähigkeit: sehr hoch
Repräsentative Distributionen: Kubuntu , Open Suse , Fedora

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