2002871

Dateimanager von Ubuntu und Linux Mint optimieren

11.11.2014 | 12:41 Uhr |

Was der Browser fürs Web, ist der Dateimanager für lokale Daten. Das fundamentale Navigationswerkzeug verdient immer etwas Feinschliff, was sich im Alltag durch schnellere Ergebnisse rasch bezahlt macht.

Der folgende Artikel bringt praxisnahe Beispiele, wie Sie die Kontextmenüs des Dateimanagers erweitern und optimieren. Das Kontextmenü, das ist jenes Funktionsangebot, das der Dateimanager nach Rechtsklick auf Ordner oder Dateien aufklappt. Im Fokus stehen hier die Dateimanager der Distributionen Ubuntu und Linux Mint – also Nautilus und Nemo.

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 5/2014

Zehn Top-Systeme für den USB-Stick - der Linux-Multiboot-Stick für jeden Einsatzzweck, die besten Power-Tricks für Mint 17 - das und mehr finden Sie in der neuen LinuxWelt 5/2014 .

Nemo unter Linux Mint: Saubere Konfiguration

Nemo fordert für die Menü-Anpassung manuelles Editieren von speziellen Konfigurationsdateien. Die sind aber relativ einfach aufgebaut und knapp, aber zuverlässig dokumentiert. Die Dateien müssen die Endung „. nemo_action “ besitzen und im Pfad „ /usr/share/nemo/actions/ “ liegen. Alternativ ist auch der Pfad „ ~/.local/share/nemo/actions/ “ möglich, der dann zwar nur für das eigene Benutzerkonto gilt, dafür aber das Hantieren ohne Admin-Rechte erlaubt. Orientieren Sie sich zunächst am globalen Ort „ /usr/share/nemo/actions/ “, denn hier liegen einige vordefinierte Dateien wie „ mintstick.nemo_action “, die Sie als Vorlage für eigene Aktionen verwenden können. Außerdem bietet die „ sample.nemo_action “ eine Kurzdokumentation.

Entscheidend ist immer die Anweisung „ exec=… “ mit dem Programmaufruf. „ selection= “ bestimmt darüber, ob die Aktion bei einem Rechtsklick auf allen Dateiobjekten („any“), einem einzelnen („s“ für single) oder mehreren („m“ für multiple“) aktiv wird. Weitere Möglichkeiten wie etwa den Rechtsklick im Ordnerhintergrund nennt die erwähnte „ sample.nemo_action “. Wenn die Aktion auf einen bestimmten Dateityp spezialisiert sein soll, verwenden Sie „ extensions=… “. Um nun für alle Dateien, aber nicht für Ordner, den Editor gedit anzubieten, verwenden Sie folgende Einträge:

Exec=/usr/bin/gedit "%F" Selection=S Extensions=nodirs;

Header-Zeile, Icon, Name, Kommentar können Sie aus den vordefinierten Aktionsdateien ersehen und entsprechend anpassen. Außer dem Header „ [Nemo Action] “, der am Beginn stehen muss, ist die Reihenfolge egal. Als etwas komplexeres Beispiel bauen wir eine „ Terminal hier… “-Aktion, die darauf Rücksicht nimmt, ob ein Verzeichnis oder eine Datei Ausgangspunkt der Aktion ist: Dazu brauchen Sie neben einer Datei „ terminal.nemo-action “ noch ein kleines Shell-Script, etwa „ terminal.sh “. Das Script ermittelt, ob ein Ordner oder eine Datei vorliegt, und startet dann das Gnome-Terminal im Ordner oder im Parent-Ordner der geklickten Datei. Die Abbildung zeigt die Dateien und die Zusammenhänge.

Alternative Dateimanager für Linux

Ubuntus Nautilus: Etwas konfus

Nautilus erlaubt den Menüausbau an verschiedenen Stellen. Ein sauber organisiertes „Weniger“ wäre unterm Strich mehr. Insbesondere die Übergabe von Dateiobjekten an das gewünschte Programm bereitet mitunter Kopfzerbrechen.

Einfache Nautilus-Erweiterung: Um sich viel Navigation mit cd zu ersparen, wenn ein Ordner bereits im Dateimanager geöffnet ist, hilft die Erweiterung „nautilus-open-terminal“. Die ist mit

sudo apt-get install nautilus-open-terminal

schnell installiert und ist nach einer Neuanmeldung aktiv. Sie steht dann (nur) im Kontextmenü von Ordnern als Eintrag „In Terminal öffnen“ zur Verfügung. Eine intelligentere Variante erreichen Sie mit den Nautilus-Actions, wie unten beschrieben.

Nautilus-„Scripte“: Die Scripts werden im Kontext angezeigt, sobald im speziellen Script-Ordner mindestens ein Exemplar vorliegt.
Vergrößern Nautilus-„Scripte“: Die Scripts werden im Kontext angezeigt, sobald im speziellen Script-Ordner mindestens ein Exemplar vorliegt.

Allgemeine Scripts: Nautilus stellt unter „ ~/.local/share/nautilus/scripts “ eine spezielles Verzeichnis bereit: Dessen Scripts erscheinen im Kontextmenü, sofern mindestens ein Script an dieser Stelle vorliegt. Dann erhält das Nautilus-Menü den zusätzlichen Eintrag „Skripte“. Darunter zeigen sich die versammelten Scripts mit ihren Dateinamen. Ein Eintrag „ Hidrive laden “ startet demnach das gleichnamige Script unter „ ~/.local/share/nautilus/scripts “. Der Mechanismus übergibt aber recht unflexibel immer nur das aktuelle Verzeichnis, aus dem der Aufruf geschieht, an das Script. Er eignet sich daher für ordnerbezogene Aktionen oder für solche, die unabhängig vom geklickten Dateiobjekt allgemeine Aufgaben erledigen. Im einfachsten Fall enthält ein solches Script lediglich einen Programmaufruf:

/usr/bin/chromium-browser http://mysite/Downloads

Mehr auf den Dateimanager und das Dateisystem bezogen sind Scripts, die Sie immer wieder benötigen, etwa das Einbinden einer Daten-Cloud oder eines FTP-Ordners, der dann gleich in Nautilus dargestellt werden soll:

#!/bin/bash echo meinpasswort | sshfs -o pass  word_stdinmustermann@sftp.hidrive.strato.com:/users/mustermann~/HiDrive nautilus ~/HiDrive
Zusatz-Tool Nautilus-Actions: Das Werkzeug ist für Bastler brauchbar, aber zu stumm. Bis ein Kontext-Kommando fehlerfrei arbeitet, stochern Sie ohne Debug-Unterstützung im Nebel.
Vergrößern Zusatz-Tool Nautilus-Actions: Das Werkzeug ist für Bastler brauchbar, aber zu stumm. Bis ein Kontext-Kommando fehlerfrei arbeitet, stochern Sie ohne Debug-Unterstützung im Nebel.

Nautilus-Actions: Dieses Tool hat sich viel vorgenommen, die Aufgabe der Optimierung des Kontextmenü möglich komfortabel zu gestalten. Mit

sudo apt-get install nautilus-actions

ist es schnell installiert und mit

nautilus-actions-config-tool

gestartet. Es ist aber nicht ganz trivial, den Dateimanager damit erfolgreich zu erweitern. Verwenden Sie zunächst nur die Registerkarten „Aktion“ und „Befehl“: Unter „Aktion“ muss „Eintrag im Auswahl-Kontextmenü anzeigen“ aktiviert und ferner ein Name („Kontextbezeichner“) definiert sein. Unter „Befehl“ geben Sie den Programmnamen oder den kompletten Pfad zum gewünschten Programm ein, „Parameter“ sind je nach Programm sinnvoll bis notwendig. Die Schaltfläche „Legende“ zeigt, welche Variablen das Tool weitergeben kann: Am wichtigsten sind „ %d “ für einen rechtsgeklickten Ordner, „ %f “ für eine Datei. Um etwa ein Terminal nach Rechtsklick am Dateiobjekt zu öffnen, genügt als Befehl „gnome-terminal“ und als Parameter „ --working-directory=%d “. Dies ist flexibler als die Erweiterung nautilus-open-terminal, weil es auch bei Dateien funktioniert und hier das Terminal einfach im übergeordneten Verzeichnis öffnet.

Tipps für den Ubuntu-Dateimanager

Die Abbildung unten zeigt die Aktion „Kopiere zum Desktop“, die Dateien wie Ordner zur Arbeitsfläche befördert. Beachten Sie, dass das Tool die Abkürzung „~“ für das Home-Verzeichnis nicht versteht. Daher muss der absolute Pfad angegeben werden. Im Feld „Arbeitsordner“ sollte die Variable „ %d “ nie fehlen, da viele Programme die Arbeit sonst einfach kommentarlos verweigern. Unter „Basisnamen“, „MIME-Typen“, „Ordner“ lassen sich die Kontextmenüs gezielt filtern: Wird für ein Menü etwa als Basisname „*.zip“ eingestellt, so erscheint die Menüoption nur bei ZIP-Dateien. Eine globale Option finden Sie unter „Bearbeiten ➞ Einstellungen“: Dort lässt sich ein „ Basismenü “ für die selbst erstellten Optionen anlegen oder eben nicht. Das Basismenü fasst alle selbst erstellen Menüs unter „ Nautilus-Actions “ zusammen, andernfalls landen die zusätzlichen Optionen einzeln im Kontextmenü.

0 Kommentare zu diesem Artikel
2002871