2004956

Mediencenter XBMC 13: Alle Neuerungen im Überblick

15.10.2014 | 13:03 Uhr |

Nach langer Entwicklungszeit geht XBMC (Kodi) in die 13. Runde („Gotham“). Wer kein Mediencenter von der Stange kaufen möchte, kommt an dieser Software kaum vorbei. Zumal der flexible Alleskönner mit der neuen Version noch besser wird.

Die im Fachhandel erhältlichen Streaming-Boxen und Netzwerkfestplatten können zentral gespeicherte Audio- und Videodateien wiedergeben. Letztlich sind die Geräte aber stets Kompromisse: Ist die Videowiedergabe top, gibt es Beschränkungen beim Darstellen von Fotos. Und wenn beides funktioniert, können keine Videos aus dem Internet abgespielt werden. XBMC hat für alles eine Lösung. Es ist modular aufgebaut und greift auf eine umfangreiche Bibliothek an Plug-ins für alle erdenklichen Einsatzgebiete zurück. Die Software kann als Unterbau für einen Wohnzimmer-PC dienen, macht aber auch auf einem zentralen Rechner im Heimnetz eine gute Figur. Und wenn der Rechner über eine eingebaute TV-Karte verfügt, verwandelt er sich in einen Smart-TV.

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 5/2014

Zehn Top-Systeme für den USB-Stick - der Linux-Multiboot-Stick für jeden Einsatzzweck, die besten Power-Tricks für Mint 17 - das und mehr finden Sie in der neuen LinuxWelt 5/2014 .

XBMC als Software oder als Komplettsystem

XBMC kann als Programm installiert oder sogar als eigenständiges Ubuntu-basiertes System genutzt werden. Diese Spezial-Distribution Xbmcbuntu 13.0 finden Sie bootfähig im Netz. Selbst wenn Sie nicht vorhaben, einen Rechner mit Xbmcbuntu ausschließlich als Medienzentrale abzustellen, ist das Live-System eine ideale Spielwiese, um XBMC auszuprobieren. In den Paketquellen der meisten Distributionen ist das neue XBMC 13.x noch nicht verfügbar. Fügen Sie daher die externen Paketquellen direkt hinzu. Unter Ubuntu gehen Sie dazu so vor:

sudo apt-get install python-software-properties pkg-config sudo apt-get install software-properties-common sudo add-apt-repository ppa:team-xbmc/ppa sudo apt-get update sudo apt-get install xbmc

Mit diesen Befehlen installieren Sie zunächst zwei allgemeine Pakete zur Verwaltung von Paketquellen und fügen anschließend das offizielle PPA als Paketquelle hinzu. Der letzte Befehl installiert XBMC. Das Mediencenter starten Sie dann entweder über die Seitenleiste von Ubuntu, oder aber Sie melden sich neu an, wobei Sie sich bei den angebotenen Sitzungen für „xbmc“ entscheiden. XBMC 13 „Gotham“ wurde weiter optimiert für den Einsatz auf eher leistungsschwacher Hardware wie dem Raspberry Pi. Dazu gehört auch, Hardware-Decoding auf mobilen Systemen zu integrieren, die mit Android laufen. Deshalb werden gleich zwei Android-Versionen des XBMC für die Hardware-Architekturen ARM und x86 angeboten.

Auch die Installation auf Geräten mit iOS ist möglich, allerdings erst nach vorherigem Jailbreak. Bei der Installation des XBMC auf einem Raspberry Pi ersparen Sie sich viel Aufwand, wenn Sie zu einer vorgefertigten Paketsammlung greifen. Auf der zentralen Download-Seite des Projekts sind auch Anleitungen vorhanden.

Praktische Neuerung bei der Wiedergabe von Videos: Sie können eigene visuelle Lesezeichen setzen, um Lieblingsszenen später schnell wiederzufinden.
Vergrößern Praktische Neuerung bei der Wiedergabe von Videos: Sie können eigene visuelle Lesezeichen setzen, um Lieblingsszenen später schnell wiederzufinden.

Überarbeitungen bei derVideowiedergabe

Gerade bei der Wiedergabe von Videos haben die Entwickler eine Menge verändert. Eine angenehme Kleinigkeit fällt beim Abspielen eines Filmes zunächst nicht sofort auf: In der Symbolleiste während der Wiedergabe finden Sie am unteren Rand ein neues Icon. Wählen Sie dieses Dokumentsymbol, öffnen Sie damit das Anlegen von Lesezeichen. Das ist praktisch für alle Filme und Medien, die ohne solche Navigationshilfe ausgeliefert oder aufgenommen worden sind. Wann immer Sie ein Lesezeichen setzen wollen, klicken Sie auf das Icon, danach auf „Lesezeichen ➞ erstellen“, um ein visuelles Lesezeichen mitsamt der Laufzeitkennung zu setzen. Zu den größeren Neuerungen gehört die Unterstützung für 3D-Filme, sofern diese in den Formaten SBS und TAB vorliegen. Allerdings stellt dieser Modus einige Anforderungen an die Rechenleistung des Systems. Hier muss es dann schon ein schneller Prozessor sein. Die Unterstützung von dreidimensionalen Bildern umfasst derzeit aber noch nicht die Wiedergabe von DVD-Filmen.

So richten Sie XBMC auf dem Raspberry Pi ein

Weitere wichtige Neuerungen

XBMC ist extrem flexibel – das gilt sowohl für die Funktionalität wie für das Erscheinungsbild. Alle Optionen sind zentral unter den „Einstellungen“ zusammengefasst. Doch längst nicht alle davon werden täglich benötigt, und unbeabsichtigte Änderungen an einigen Schaltern führen schlimmstenfalls dazu, dass Teilbereiche des Programms nicht mehr wie gewohnt funktionieren. Daher haben die Entwickler die Optionen jetzt thematisch organisiert. Am unteren Rand der Dialoge wählen Sie nun zwischen den verschiedenen Ebenen („Einfach“, „Standard“, „Fortgeschritten“ und „Experte“). Das erleichtert Einsteigern die Arbeit mit dem System. Dazu tragen auch kurze Erläuterungen bei, die jetzt nach der Auswahl einer Option sichtbar werden.

Gotham im Netz: Stark verbessert wurde auch die Nutzung des Systems im internen Netz. In den Optionen können Sie unter „Dienste“ jetzt auch direkt die Instanz als Ziel für Apples Airplay einrichten. So ist dann etwa das Streaming vom iPad auf das System mit XBMC ohne weitere Probleme möglich. Auch die Kommunikation über das UPnP-Protokoll ist überarbeitet: Alle Instanzen von XBMC in einem Netz (zum Beispiel auf dem Wohnzimmer-PC und einem Notebook) können untereinander kommunizieren. Als zentraler Datenspeicher für andere UPnP-fähige Geräte konnte der Server schon immer dienen. Um etwa ein Video von der Installation aus wiederzugeben, starten Sie zum Beispiel den VLC-Player auf einem anderen Rechner. Unter „lokales Netzwerk“ suchen Sie dann unter der Rubrik „Universal Plug n Play“ nach dem XBMC und navigieren in den vorhandenen Sammlungen.

Genauso unkompliziert wird es, wenn Sie vom Datenbestand eines XBMC-Servers auf den eines anderen zugreifen wollen. Dazu gehen Sie in der ersten Installation auf „Einstellungen ➞ Dienste“. Unter „UPnP“ aktivieren Sie den Server und setzen Haken auch bei den weiteren Optionsboxen. Um jetzt von einem anderen XBMC auf die Filme dieser ersten Instanz zuzugreifen, klicken Sie in der Hauptansicht auf „Videos“ und auf der nächsten Bildschirmseite auf „Dateien“. Wählen Sie „Videos hinzufügen“ aus. Danach nutzen Sie den Befehl „Durchsuchen“ und suchen in der Liste nach „UPnP-Devices“. Damit beginnt die Software das Netzwerk nach solchen Freigaben zu durchsuchen. Wählen Sie dann den Namen der ersten XBMC-Instanz aus und entscheiden Sie sich für die Medien, die Sie nutzen wollen.

Verbessertes Sound-System: Das in der Vorgängerversion entwickelte neue Sound-System wurde weiter überarbeitet. Die noch gelegentlich aufgetretenen Tonprobleme oder Hänger der „Frodo“-Version gehören damit der Vergangenheit an.

XBMC Remote Control: Die Fernbedienungs-App für iPad und iPhone beherrscht jetzt auch Wischgesten.
Vergrößern XBMC Remote Control: Die Fernbedienungs-App für iPad und iPhone beherrscht jetzt auch Wischgesten.

Fernbedienung: Sie möchten das System von der Couch fernsteuern, der Rechner besitzt aber keinen Anschluss für eine Fernbedienung? In den Stores für iOS und Android gibt es seit einiger Zeit Apps für die Fernbedienung. Die Versionen für iPad und iPhone („Official XBMC Remote Control“) beherrschen ab sofort auch Gesten für die Wiedergabe und die Navigation innerhalb der Sammlungen.

0 Kommentare zu diesem Artikel
2004956