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Darktable - Professionelle Fotobearbeitung unter Linux

06.04.2015 | 16:34 Uhr |

Wer digitale Aufnahmen professionell bearbeiten will, benötigt einen leistungsstarken Begleiter. Eine gleich unter mehreren Gesichtspunkten interessante Alternative unter Linux zu bekannteren Programmen ist Darktable.

Profis und solche, die es werden wollen, nutzen nicht die aus der Digitalkamera exportierten und komprimierten Dateien im JPG-Format. Sie greifen auf die Rohdaten (RAW) zurück, die während der Aufnahme entstehen. Erst nach der Bearbeitung der Rohdaten werden die Fotos exportiert. Die Originale bleiben wie im vordigitalen Zeitalter des Films unangetastet. Darktable eignet sich für die Verwaltung und Bearbeitung umfangreicher Sammlungen solcher RAW-Dateien.

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 5/2014

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Darktable installieren

Das Programm ist unter Ubuntu im Software-Center zu finden oder im Terminal mit

sudo apt-get install darktable

schnell installiert. Wenn Ihnen die Arbeit mit dem Programm zusagt, sollten Sie alternativ überlegen, ob Sie das Persönliche Programm Archiv (PPA) des Entwicklers als Paketquelle aufnehmen. Das bringt den Vorteil einer stets aktuellen Version des Programms. Sie finden das Archiv und ferner eine kurze Anleitung zum Hinzufügen der Paketquelle unter launchpad.net/~pmjdebruijn/+archive/darktable-release . Ist die Installation abgeschlossen, starten Sie das Programm über das Terminal oder die Starterleiste von Ubuntu.

Bilder importieren

Bevor Sie Ihre Bilder organisieren und bearbeiten können, müssen diese erst einmal an das Programm übergeben werden. Auf der linken Seite des Programmfensters finden Sie den Bereich „Importieren“. Mit einem Klick darauf haben Sie die Wahl, ein Bild oder ein Verzeichnis zu importieren – oder auch den Speicher Ihrer Kamera auszulesen. Dazu schließen Sie die Kamera an den Rechner an und wählen „Nach Geräten suchen“. Wird Ubuntu fündig, erscheint das Gerät in der linken Leiste.

Import der Bilddateien: Aus lokalen Verzeichnissen oder auch von Ihrer Kamera müssen Sie zunächst das Bildmaterial importieren. Optional filtert Darktable auch JPG-Dateien.
Vergrößern Import der Bilddateien: Aus lokalen Verzeichnissen oder auch von Ihrer Kamera müssen Sie zunächst das Bildmaterial importieren. Optional filtert Darktable auch JPG-Dateien.

In der Mitte des Bildschirms werden die auf dem Speicher der Kamera gefundenen Bilddateien sichtbar. Wechseln Sie in das Register „Einstellungen“. Dort können Sie die Option „JPEG-Dateien ignorieren“ auswählen, wenn Sie nur mit RAW-Dateien arbeiten wollen. Auf der Seite mit der Dateiübersicht tragen Sie einen „Job Kode“ ein. Er wird (den Einstellungen gemäß) beim Einlesen der Bilder mit in die Verzeichnisstruktur aufgenommen. Markieren Sie die Bilder, die Sie übernehmen wollen, und klicken Sie auf den Schalter „Importieren“. Jetzt werden die Dateien auf das lokale System übertragen. Ist der Vorgang abgeschlossen, verlassen Sie den Import-Dialog.

Leuchttisch und Dunkelkammer

Darktable kennt zwei grundlegende Arbeitsmodi – Leuchttisch und Dunkelkammer. Mit dem Leuchttisch sichten und organisieren Sie Ihre Aufnahmen. Die Arbeitsbereiche am rechten und linken Rand des Programmfensters blenden Sie jederzeit mit einem Klick auf den Pfeil am jeweiligen Rand ein und wieder aus. Wenn Sie sich lediglich ein paar Details eines Fotos anschauen wollen, nutzen Sie am besten das Listenfeld am unteren Rand des Programmfensters. Hier können Sie zwischen „Dateiverwaltung“ und „zoombaren Leuchttisch“ umschalten. Um etwa die Copyright- oder Tagging-Infos zu bearbeiten, sind Sie auf dem Leuchttisch an der richtigen Stelle. Markieren Sie die gewünschten Aufnahmen manuell, oder entscheiden Sie sich für eine der Optionen, die Sie unter „Auswahl“ auf der rechten Seite finden. Dort ist auch ein „Metadaten-Editor“ vorhanden.

Die eigentliche Fotobearbeitung aber erfolgt in der Dunkelkammer. Die verschiedenen Werkzeuge und Filter sind als Module in das Programm integriert. Zur besseren Übersicht sind die Module in Form von Gruppen organisiert. Zwischen den Gruppen schalten Sie mit den kleinen Icons unter dem Diagramm um. Mit dem Kommando „Weitere Module“ wählen Sie genau die Funktionen aus, die Sie zur Bearbeitung der Fotos aktuell benötigen. Zu den klassischen Modifikationen zählt die Anpassung von Kontrast oder Helligkeit. Die Werte passen Sie mittels Schiebereglern an. Sobald Sie einen Wert in den Eigenschaften eines Werkzeugs verändern, wird dieser Bearbeitungsschritt in Echtzeit auf das Foto übertragen. Die meisten Filter und Werkzeuge sind nahezu selbsterklärend, andere erfordern etwas Einarbeitung.

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Ein gutes Beispiel für die professionelle Arbeitsweise des Programms ist die (auf den ersten Blick unscheinbare) Funktion für Wasserzeichen. Damit schützen Sie Ihre Fotos, Grafiken und Screenshots im Web vor Motivklau. Die mitgelieferten Wasserzeichen sehen allerdings nicht sonderlich beeindruckend aus, und es scheint auf den ersten Blick, als könne man hier nicht einmal den Text ändern. Die Vorlagen liegen im Ordner „/usr/share/darktable/watermarks“. Es handelt sich um SVG-Dateien, die Sie (etwa mit Inkscape) bearbeiten können.

Eigene Vorlagen legen Sie aber besser in Ihrem Benutzerverzeichnis an. Lassen Sie sich im Dateimanager die versteckten Ordner in Ihrem Home-Verzeichnis anzeigen, und erstellten Sie unter .“config/darktable“ das neue Verzeichnis „watermarks“. Mit Ihrem Grafikprogramm gestalten Sie nun eine Datei mit Ihrem Logo oder einem anderen Motiv. Die Besonderheit: Direkt in der Zeichnung dürfen Sie auch mit Platzhaltern arbeiten. Nutzen Sie das Textwerkzeug des Programms, und tragen Sie an der gewünschten Position etwa   $(EXIF.DATE)  ein. Damit wird an dieser Stelle das Aufnahmedatum aus dem Foto ausgelesen und im Wasserzeichen verwendet. Eine Liste aller erlaubten Platzhalter finden Sie online unter darktable.org/redmine/projects/user/wiki/WatermarkPlugIn .

Export von Änderungen: Erst wenn Sie ein Bild exportieren, wird der aktuelle Bearbeitungsstatus in eine Bilddatei geschrieben. Sie erstellen damit also „Abzüge“ der digitalen Aufnahmen.
Vergrößern Export von Änderungen: Erst wenn Sie ein Bild exportieren, wird der aktuelle Bearbeitungsstatus in eine Bilddatei geschrieben. Sie erstellen damit also „Abzüge“ der digitalen Aufnahmen.

Arbeitsergebnisse exportieren

Die Bearbeitungsschritte, die Sie an Ihren Aufnahmen mit Darktable vornehmen, speichert die Software in einer internen Datenbank. Ihre Originaldateien werden nicht verändert. Um die Veränderungen auch in Dateiform zu besitzen, müssen Sie von Ihren Aufnahmen „Abzüge“ herstellen. Sie exportieren damit also den aktuellen Bearbeitungsstand eines Fotos in eine neue Datei. Diese Arbeit nehmen Sie wieder auf dem Leuchttisch vor: Markieren Sie die Aufnahmen, und blättern Sie auf der rechten Seite bis zum Abschnitt „Ausgewählte exportieren“. Über das Listenfeld wählen Sie zwischen den angebotenen Zielen. Zusätzlich zum Export in ein Verzeichnis auf dem Rechner stehen auch einige Online-Dienste zur Auswahl. Wenn Sie den Mauszeiger über dem Feld mit dem Dateinamen bewegen und dort einen Moment belassen, blendet Ihnen Darktable die Liste der möglichen Platzhalter ein. Mit Hilfe dieser Variablen setzen Sie den Dateinamen ganz nach Wunsch zusammen.

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